Weil das Alter keine großen Sprünge mehr zulässt oder weil man durch einen Unfall oder eine Krankheit an einen Rollstuhl gefesselt ist – es gibt viele Gründe, warum man sich mit dem barrierefreien Bauen und Wohnen beschäftigen muss. Oft kommt es plötzlich, doch älter werden wir alle. Auch wer sich heute noch fit und beweglich fühlt, sollte daran denken, dass sich das irgendwann ändert.

barrierefrei wohnen

Warum barrierefrei bauen?

Die steigende Bedeutung des barrierefreien Bauens lässt sich auch durch die Bevölkerungsentwicklung dokumentieren. Erstens werden die Menschen immer älter und zweitens gibt es immer weniger Nachwuchs. Und die Prognosen für die Zukunft lassen keine Besserung erahnen. Bei der Planung eines Hauses sollte daher unbedingt das Wohnen im Alter berücksichtigt werden.

Das heißt nicht, dass ein dreißigjähriges Ehepaar bereits ein barrierefreies Badezimmer benötigt, aber das Badezimmer sollte zumindest schon mal so geplant werden, dass es ohne großen Aufwand barrierefrei umgerüstet werden kann. Gleiches gilt natürlich auch für die übrigen Räume des Hauses.

Genügend Freiflächen einplanen

In einem barrierefreien Haus können alte Menschen bzw. Rollstuhlfahrer ohne größere Hilfe alleine Wohnen. Kochen, schlafen oder baden ist alles möglich, ohne dass ihnen dabei jemand zu Hand gehen muss. Wichtig ist beim barrierefreien Bauen vor allem, für genügend Bewegungsraum zu sorgen. Ein Fußgänger vermag es sich nur schwer vorzustellen, wie viel Platz ein Rollstuhl benötigt, damit er ohne Störungen rangieren kann.

Eingangsbereich einer barrierefreien Wohnung

Eingangsbereich einer barrierefreien Wohnung

Alte oder behinderte Menschen sind auch kaum in der Lage, die Hindernisse zu beseitigen – sofern sie sich überhaupt beseitigen lassen. Wie viel Raum einem Rollstuhl freigehalten werden muss, ist in der DIN 18025 geregelt. So ist in jedem Raum zum Beispiel eine Wendemöglichkeit vorzusehen. Diese muss mindestens 150 x 150 cm groß sein. Hier dürfen dann auch keine Möbel aufgestellt werden.

Rangierflächen in Bad, Wohnung oder Küche

Mit dem Treppenlift Barrieren überwinden

Mit dem Treppenlift Barrieren überwinden

Ausreichend Rangierflächen sind für den Duschplatz, vor dem Klosettbecken oder dem Waschtisch notwendig. In der Küche muss die Wendemöglichkeit vor dem Müllsammelbehälter ebenfalls eingeplant werden. Sind die Räume zu schmal, sind auch Ausnahmen möglich. Hier können Rollstühle dann aber nicht wenden, sondern nur vorwärts und rückwärts fahren.

Damit die Rollis durch die Tür passen, muss diese mindestens 90 cm breit sein. Damit der Rollstuhlfahrer auch an den Kleider- oder Küchenschrank kommt, muss die Bewegungsfläche davor ebenfalls mindestens 150 cm tief sein. Klar ist natürlich auch, dass die Schränke nicht zu hoch gehängt werden dürfen, damit man problemlos an alles ran kommt. Beim Betteinstieg oder zwischen Wänden innerhalb der Wohnung ist eine Bewegungsfläche von mindestens 120 cm Breite notwendig.

Stolperkanten vermeiden

Ebenerdiger Zugang zur Terrasse

Ebenerdiger Zugang zur Terrasse

Die schönsten Bewegungsflächen nützen allerdings nichts, wenn Stolperkanten oder andere Hindernisse den Rollstuhlfahrer auf seinem Weg durch die Wohnung stoppen. Was von einem Fußgänger kaum störend wahrgenommen wird, kann für einen Rollstuhlfahrer bereits ein unüberwindbares Hindernis darstellen. Besonders problematisch ist häufig der Übergang von der Wohnung auf die Terrasse. Hier bieten verschiedene Hersteller ebenerdige Schwellenlösungen an, die auch bei starkem Regen nicht für Ärger sorgen.

Im Idealfall besteht eine ebenerdige Wohnung aus einer Etage. Bei Wohnungen mit mehreren Stockwerken kann ein Treppenlift für die nötige Bewegungsfreiheit sorgen. Kleinere Übergänge können mit einer Rampe überwunden werden. Auch der Zugang zur Wohnung muss sichergestellt sein. Gegebenenfalls müssen Rampen gebaut oder ein Aufzug nachgerüstet werden.

Muss sein: Ein barrierefreies Badezimmer

Besonders lange eigenständig möchten behinderte oder alte Menschen natürlich im Badezimmer sein. Das Bad ist daher meist der erste Raum, der barrierefrei umgerüstet wird. Handelt es sich um einen großen Raum, sollte sowohl Wanne als auch Dusche vorgesehen werden.

Ein unterfahrbahrer Waschtisch für Rollstuhlfahrer

Ein unterfahrbahrer Waschtisch für Rollstuhlfahrer

In der Wanne findet nicht nur der behinderte Mensch Entspannung, sie kann zudem für therapeutische Zwecke verwendet werden. Mit einem Wannenlift kann die Badewanne weitestgehend selbständig genutzt werden.

Die barrierefreie Dusche

Eine ebenerdige Dusche ist unbedingt notwendig

Eine ebenerdige Dusche ist unbedingt notwendig

Für die schnelle Körperwäsche eignet sich vor allem die Dusche. Eine ebenerdige Dusche gewährleistet das Befahren mit dem Rollstuhl. Für Rollstuhlfahrer ist wieder eine Bewegungsfläche von 150 x 150 cm vorzusehen, ansonsten reichen 120 x 120 cm aus. Denn auch wer bereits etwas wackelig auf den Beinen unterwegs ist, freut sich, wenn er nicht in eine Duschwanne steigen muss.

Ein Duschsitz darf auf keinen Fall in einer barrierefreien Dusche fehlen. Wichtig ist hierbei, dass der Duschsitz fest montiert und auf die Körpermaße seines Benutzers abgestimmt ist. Zusätzliche Sicherheit bei Hinsetzen und Aufstehen geben Griffe und Haltevorrichtungen.

Das Waschbecken im barrierefreien Bad

Damit das Badezimmer eigenständig genutzt werden kann, müssen natürlich auch Waschbecken, Toilettenschüsseln und Spiegel richtig angebracht werden. So waschen sich Rollstuhlfahrer zum Beispiel im Sitzen. Das funktioniert aber nur, wenn das Waschbecken in der richtigen Höhe montiert wird und genügend Bewegungsfreiraum für Oberschenkel und Knie vorhanden ist.

Zwischen 65 und 70 cm hoch sollte das Waschbecken für eine sitzende Benutzung hoch sein. Normal sind Waschbecken in einer Höhe von 80 bis 85 cm montiert. Benutzen sowohl Fußgänger als auch Rollstuhlfahrer das Bad, sind keine verschiedenen Waschbecken notwendig. Es gibt auch welche, die sich in der Höhe einstellen lassen.

Spiegel und WC im behindertengerechten Badezimmer

Spiegel dürfen natürlich auch nicht in unerreichbarer Höhe angebracht werden. Sie fangen am besten gleich oberhalb des Waschbeckens an. Als Vorteilhaft haben sich sogenannte Kippspiegel erwiesen, die zum Rollstuhl hin geklappt werden können.

Nach DIN sollte ein Toilettenbecken einschließlich Sitz 48 cm hoch montiert werden. Bei besonders großen oder kleinen Menschen kann die Höhe natürlich auch individuell angepasst werden. Tief sollte die Toilette auf jeden Fall 70 cm sein. Wie beim Duschsitz helfen auch bei der Toilette Haltegriff beim Hinsetzen und Aufstehen. Hilfreich ist auch, wenn die Klospülung nicht wie üblich hinten, sondern seitlich oder gar im Haltegriff untergebracht ist.

In folgendem Beitrag befasse ich mich ausführlicher mit dem Thema „barrierefreies Badezimmer“.

Selbst ist der Koch in einer barrierefreien Küche

Ob im Rollstuhl sitzend oder von Alterszipperlein geplagt – auf das eigenständige Kochen möchten viele Menschen nicht verzichten. Damit das problemlos möglich ist, gibt es bei einer barrierefreien Küche einiges zu beachten. Herd, Arbeitsplatte oder Spüle müssen zum Beispiel mit dem Rollstuhl unterfahrbar sein. Auch müssen diese Dinge auch die richtige Arbeitshöhe besitzen. Die optimale Höhe hängt vor allem von der Größe des Rollstuhlfahrers in seinem genormten Gefährt ab. Die barrierefreie Küche muss also ganz individuell auf ihren Benutzer zugeschnitten werden.

Freier Zugang zum Kühlschrank in der behindertengerechten Küche

Freier Zugang zum Kühlschrank in der behindertengerechten Küche

Auch die Schrankinhalte müssen ohne größere Verrenkungen erreichbar sein. Ein herkömmlicher Backofen mit nach unten aufklappbarer Tür ist für einen Rollstuhlfahrer denkbar ungünstig. Besser ist ein Ofen mit komplett umschwenkbarer Drehtür. Schuppladen sollten einen Leichtlauf-Vollauszug besitzen und die Oberschränke müssen tiefer angebracht werden – oder ein Liftsystem besitzen.

Küchenarmaturen und technische Geräte

Esstisch Rollstuhl

Der Rollstuhl muss bequem unter den Esstisch passen

Eine herkömmliche Küchenarmatur ist für den Rollstuhlfahrer nur schwer zu bedienen, hier sind Einhebelmischer mit Verlängerungshebel und ausziehbarer Handbrause vorzuziehen. Dies lassen sich mit einer Hand bedienen. Schön ist es auch, wenn die Armaturen ein Thermostat besitzen, so dass die Temperatur voreingestellt werden kann. So werden Verbrühungen vermieden.

Schalt- und Bedienelemente sind so anzubringen, dass sie nicht von den Armlehnen des Rollstuhls angestoßen werden. Trotzdem müssen sie bequem im Sitzen erreichbar sein. Gleiches gilt natürlich auch für Kühlschrank, Geschirrspülmaschine oder der bereits erwähnte Backofen. Für die diversen Küchenmaschinen werden Steckdosen benötigt, die ebenfalls sitzend erreicht werden müssen. Zum Werkeln in der Küche braucht es natürlich auch genügend Bewegungsflächen. Sind die gegeben, steht einem Vier-Gänge-Menü nichts mehr im Wege.

Förderung von altersgerechten Umbaumaßnahmen

Die KfW-Bank fördert zahlreiche barrierefreie Modernisierungsmaßnahmen im und rund um das Haus. Das fängt bei Wegen zu Gebäuden oder altersgerechten Kfz-Stellplätzen an und hört beim Treppenlift und der Schaffung von bodengleichen Duschplätzen noch lange nicht auf. Gefördert werden zum Beispiel auch die Schaffung von Terrassen, die Verbreiterung von Türdurchgängen oder die Veränderung des Raumzuschnitts. Wer in einem Mehrgenerationenhaushalt lebt, kann sich zum Beispiel die Umgestaltung bestehender Flächen in einen Gemeinschaftsraum von der KfW-Bank bezuschussen lassen.

Die verschiedenen Fördermaßnahmen der KfW

Die verschiedenen Fördermaßnahmen der KfW

Das ist beim Antrag zu beachten

Wichtig ist stets, dass die Förderung vor den Umbaumaßnahmen beantragt wird. Wer während oder nach dem barrierefreien Umbau noch Geld will, schaut in der Regel in die Röhre. Und wer sein Ferienhäuschen in der Eifel umbauen will, muss das ohne fremde Geldmittel bewerkstelligen. Die KfW-Bank fördert jedenfalls keine Ferienhäuser und Ferienwohnungen. Mehr zu diesem Thema: Die detaillierten Förderungsmaßnahmen der KfW.

Fotos: KfW-Bildarchiv / photothek.net

Zeichnungen: Verband Privater Bauherren

Grafik: KfW