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Radon – die Gefahr für die Lunge in der Raumluft

Dass Rauchen Lungenkrebs hervorrufen kann, ist schon seit langem bekannt und wird auch entsprechend in der Öffentlichkeit propagiert. Dass aber Radon, nach dem Rauchen, als die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs gilt, ist weniger bekannt. Und die Gefahr lauert ganz besonders im Boden und kann sich von dort in unseren Häusern und Wohnungen ausbreiten. Wie das funktioniert und wie Sie sich davor schützen, erfahren Sie hier bei bauredakteur.de.

Radon Lungenkrebs

Was ist Radon und wie wirkt es?

Radon ist ein natürlich vorkommendes, radioaktives Edelgas, das seit jeher in allen Böden und Gesteinen, in Wässern und in der Luft vorhanden ist. Obwohl es als chemisches Element erst seit der Entdeckung von Marie Curie 1899 bekannt ist, wurden die gesundheitsschädigenden Auswirkungen von Radon schon sehr viel länger festgestellt.

Bereits im 16. Jahrhundert beobachtete Georg Agricola eine ungewöhnlich hohe Anzahl schwerer, meist tödlich verlaufender Lungenerkrankungen unter Bergarbeitern in Schneeberg im Erzgebirge. Gleiches wurde im frühen 17. Jahrhundert bei Minenarbeitern in Joachimsthal in Böhmen festgestellt. Als Lungenkrebs erkannt wurden die Erkrankungen erst Ende des 19. Jahrhunderts und Radon als Ursache wurde erst in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ausgemacht.

Dabei ist nicht das Radon selbst die größte Gefahr für die Lunge, sondern seine Zerfallsprodukte. Radon wird wieder ausgeatmet, doch die Zerfallsprodukte bleiben am Lungen- und Bronchialgewebe haften und führen dort zu einer intensiven Strahlenbelastung.

Ab einer Raumluftbelastung von 150 Becquerel pro Kubikmeter ist eine nachweisbare Erhöhung der Lungenkrebsrate durch Radon zu beobachten. Dabei bedingt eine Zunahme um 100 Bq/m³ im Gebäude eine Zunahme des Lungenkrebsrisikos um 10 %. Dies zeigte die Auswertung zweier epidemiologischer Studien aus Deutschland durch das GSF-Forschungszentrum.

Wie gelangt Radon ins Haus?

 Wie bereits erläutert, kommt Radon in Gesteinen, Böden, Wässern und der Luft vor. Es kann daher auch auf unterschiedlichen Wegen ins Gebäude gelangen. Dabei wird der Eintritt des Radons in das Gebäude durch verschiedene Faktoren begünstigt.

Hier sind beispielsweise die Konstruktionsmerkmale des Hauses, der Zustand der Bausubstanz, die Art und Dichtigkeit des Fundamentes sowie Druck- bzw. Temperaturdifferenzen zwischen Boden- und Innenluft zu nennen.

In erster Linie gelangt radonhaltige Bodenluft durch Spalten und Risse im Fundament und Mauerwerk sowie undichte Leitungszu- und abführungen in den Kellerbereich eines Hauses.

So gelangt Radon ins Haus

Der sogenannte Kamineffekt erleichtert dem Radon zusätzlich den Eintritt. Warme Luft steigt nach oben und erzeugt im Keller einen kaum spürbaren Unterdruck. Dadurch wird kalte, radonhaltige Luft aus dem Untergrund angesaugt, wobei diese Sogwirkung durch einen Ventilator noch verstärkt werden kann.

Verstärkt wird dieser Kamineffekt in der kalten Jahreszeit, wenn die Temperaturdifferenz zwischen Innen und Außen größer wird. So kann vermehrt Radon ins Gebäude gelangen. Gleiches gilt auch bei starken Regenfällen, wenn der gesättigte Boden den Austritt des Radons in die Atmosphäre behindert.

Radon gelangt aber nicht nur durch Ritzen ins Gebäude, sondern es kann auch durch die Gebäudehülle diffundieren. Dahingegen spielt die Radonfreisetzung aus Baumaterialien sowie aus Brauch- und Trinkwasser nur eine untergeordnete Rolle.

Wo besteht die größte Radon-Gefahr?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das norddeutsche Flachland mit Ausnahmen des östlichen Schleswig-Holsteins und des nördlichen Mecklenburg-Vorpommerns generell niedrig belastet ist. Niedrige bis mittlere Belastungen finden sich im Bereich der deutschen Mittelgebirge, wobei vereinzelt auch höhere Radonbelastungen auftreten.

Radon im Boden in Deutschland
Radonkonzentration im Boden (Grafik: Bundesamt für Strahlenschutz)

Gebiete mit mittlerer bis sehr hohe Belastung findet man in Sachsen (z.B. Erzgebirge), Thüringen (z.B. Thüringer Wald) und Bayern (z.B. Fichtelgebirge, Oberpfalz). Daneben finden sich erhöhte Radonkonzentrationen in der Bodenluft aber auch im Schwarzwald, Sauerland, Odenwald oder Harz.

Leben Sie in einem Gebiet mit erhöhtem Radonaufkommen, müssen Sie jedoch nicht gleich die Panik bekommen. Es ist nicht zwangsläufig gesagt, dass in Ihrem Haus eine erhöhte Radonbelastung zu verzeichnen ist. Messungen (Kosten pro Messung ca. 30 – 50 Euro) können darüber Aufschluss geben. Ist die Radonbelastung zu hoch, sollten eventuell Maßnahmen zur Sanierung eingeleitet werden.

Radon in der Atmosphäre (Grafik: Bundesamt für Strahlenschutz)

Wann ist mein Haus besonders gefährdet?

Sie wollen jetzt sicher wissen, wann Ihr Haus oder Ihre Wohnung besonders gefährdet ist. Das ergibt sich eigentlich aus dem, was bisher geschrieben wurde. Hier noch einmal in Kurzfassung:

  • Eine besondere Gefährdung von mit Radon belasteten Innenräumen besteht, wenn das Gebäude in einem Gebiet liegt, in dem die Konzentration des Gases besonders hoch ist.
  • Wenn die Bodenplatte nicht durchgehend aus Beton ist, kann das Radon recht ungehindert in die Innenräume gelangen.
  • Ältere Gebäude, die vor 1990 errichtet wurden und keine besondere Isolation gegen Feuchteeintrag haben, sind ebenfalls gefährdet.
  • Bei nicht unterkellerten Gebäuden und wenn sich im Keller Aufenthaltsräume befinden, sollten Sie genauer hinschauen.
  • Sind offensichtliche Eintrittswege von Bodenluft sichtbar, besteht erhöhte Radongefahr: Spalten, Risse, Natursteingewölbe, offene Kellerböden, nicht abgedichtete Leitungsdurchführungen.
Radonkonzentration in Wohnung
Radonkonzentration in Wohnung (Grafik: Bundesamt für Strahlenschutz)

Wie kann ich Radon messen (lassen)?

 Die Radonkonzentration in Gebäuden hängt von vielen Faktoren wie zum Beispiel vom Lüftungsverhalten der Bewohner ab. Auch die Witterungsverhältnisse spielen eine Rolle. Genaue Daten lassen sich daher nur mit einer Messung erheben. Diese ist recht unkompliziert und auch recht preiswert.

Wichtig ist, dass nicht nur einmalig, sondern über einen gewissen Zeitraum gemessen wird. Die Messgeräte lassen sich in Aufenthaltsräumen problemlos einsetzen und stören auch nicht. Wichtig ist allerdings, dass die Bewohner ihre üblichen Gewohnheiten beibehalten. Wer bislang wenig lüftet, sollte daher auch weiterhin wenig lüften.

Wie funktionieren die Geräte?

Am einfachsten lässt sich die Radon-Konzentration mit sogenannten passiven Detektoren messen. Der Fachmann bezeichnet diese als Kernspurdosimeter. Das sind kleine Plastikbehälter, die keinen Strom benötigen. Sie werden lediglich ausgelegt und senden weder Licht noch Geräusche aus.

Die Radonstrahlen aus der Luft dringen in die Behälter ein und zerfallen dort. Dabei hinterlassen die dabei entstehenden Alphateilchen winzige Spuren auf einer Detektorfolie. Im Messlabor kann mit Hilfe der Spuren dann die Radonkonzentration im Raum bestimmt werden.

Wie viele Geräte sind notwendig?

Kommt ganz darauf an. Konkret: Im Keller sollte auf jeden Fall ein Behälter aufgestellt werden. Am besten dort, wo Leitungen und Rohre von draußen eingeführt werden. Dort sind die höchsten Wert zu erwarten.

Weiterhin sollten Sie noch Geräte in den Aufenthaltsräumen aufstellen – also in den Schlafzimmern, Kinderzimmern und im Wohnzimmer. Das sollte eigentlich reichen. Halten Sie sich üblicherweise länger im Bad oder Küche auf, dann stellen Sie auch dort etwas auf.

Sie fragen sich jetzt sicherlich, wo Sie solche Geräte herbekommen. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat eine Liste mit anerkannten Laboren und Prüfinstituten veröffentlich, diese verschicken die Geräte und werten sie danach aus. Hier geht es zur Liste.

 Welche Möglichkeiten einer Sanierung gibt es?

Wie bereits erläutert, dringt Radon auf unterschiedlichen Wegen ins Gebäude ein. Ziel einer Radonsanierung ist es, die Konzentration von Radon in der Raumluft dauerhaft zu senken. Dabei helfen mitunter schon ganz einfache Maßnahmen, die Radonkonzentration bzw. ihre Auswirkungen zu verringern.

Das können Sie selbst tun

  • Nutzen Sie Räume, in denen eine besonders hohe Konzentration festgestellt wurde zum Beispiel anders, etwa nicht mehr als Wohnraum, sondern nur noch als Abstellfläche.
  • Auch die Aufenthaltszeit in einem radonbelasteten Zimmer sollte reduziert werden. Durch eine regelmäßige Stoßlüftung kann die Radonkonzentration verringert werden.
  • Abdichtung von Radoneintritts- und ausbreitungspfaden mit radondichten Folien oder Dichtstoffen (z.B. Risse in Kellerwänden und –böden, Leitungs- und Installationsdurchführungen ins und im Haus).

Dafür braucht es eine Fachfirma

  • Großflächige Abdichtung von Böden und Wänden mit radondichten Materialien.
  • Änderung der Luftdruckverhältnisse (z.B. durch Über-/ Unterdruckhaltung, Drainage, Radonbrunnen) zwischen Raum- und Bodenluft.
  • Gegebenenfalls müssen Kombinationen verschiedener Maßnahmen vorgenommen werden.

Die Kosten für die Sanierung radonbelasteter Häuser hängen vom speziellen Bauzustand des Hauses und von den Eigenschaften des Baugrundstückes ab. Mit etwa 3.000 Euro pro Haus lassen sich in den meisten Fällen gute Ergebnisse erzielen. Oft reichen auch schon geringere finanzielle Aufwendungen. 

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