In den 50er Jahren halfen die ersten Gastarbeiter beim Wirtschaftswunder und die Fußballer schafften das Wunder von Bern. Schriftsteller wie Max Frisch, Berthold Brecht oder Günter Grass hatten literarische Welterfolge und die Frauen tanzten Hula Hoop im Petticoat. In Architektur und Design machten Egon Eiermann und Charles Eames von sich reden, heutige Klassiker wie Nierentische, Cocktailsessel oder Tütenlampen zogen in unsere Wohnungen ein. Einige meiner Lieblings-Klassiker aus den 50er Jahren möchte ich hier vorstellen.

Grossman Desk

Nostalgischer Schreibtisch von Greta M. Grossman aus dem Jahr 1952. Foto: Gubi

Pedrera Couchtisch

Der Couchtisch Pedrera ist ein echter Hingucker und besitzt genau die nierenförmige Form, die in den 50er Jahren so beliebt war – und des heute noch ist. Der Tisch fühlt sich mit seinem zeitlosen Charme sowohl in zeitgenössischer als auch in moderner Umgebung pudelwohl. Er wurde Mitte der Fünfziger vom Spanier Barba Corsini entworfen – und zwar im Auftrag der Gesellschaft, die Antonio Gaudis berühmtes Gebäude „La Pedrera“ in Barcelona verwaltete. Wer sich nicht das Original leisten kann: Hergestellt wird der Glastisch heute vom dänischen Hersteller Gubi und er kostet etwas über 700 Euro.

Nierentisch in Bestform: Predrera Couchtisch. Foto: Gubi

Nierentisch in Bestform: Predrera Couchtisch. Foto: Gubi

Adnet Circulaire Spiegel

Er ist rund, er ist außergewöhnlich, er ist echt Retro – die Rede ist vom Adnet Circulaire Wandspiegel. Das Besondere an ihm – er ist nicht mit Holz oder Metall eingefasst wie andere Spiegel, sondern mit Leder. Das Lederband besitzt zwei Schließen, mit denen sich der Wandspiegel in der Höhe verstellen lässt – ähnlich wie bei einem Kameraband. Ursprünglich war der von Jaque Adnet entworfene Spiegel Teil einer Möbelkollektion von Hermès. Die Kollektion gibt es nicht mehr, der Spiegel hat überlebt. Und zwar als originalgetreuer Nachbau der Firma Gubi. Er ist in verschiedenen Größen erhältlich und kostet ab etwa 650 Euro.

Adnet Circulaire Gubi

Nostalgie pur – der Circulaire Wandspiegel. Foto: Gubi

Mezzadro Hocker

Der Mezzadro Hocker ist sicherlich einer der bekanntesten italienischen Designklassiker. Ich habe ihn in die 50er Jahre gepackt, obwohl er erst in den 70ern von Zanotta erstmals serienmäßig produziert wurde. Entworfen wurde der einem Traktorsitz nachempfundene Hocker jedoch bereits 1954 – und zwar von den Brüdern Achille und Pier Giacomo Castiglioni. Doch was heißt hier nachempfunden – im Original wurde ein echter Traktorsitz genommen und an einen Bogen mit Bandstahl geschraubt. Design kann manchmal wirklich einfach sein. Und erfolgreich, das muss man beim Mezzadro einfach festhalten. Der Preis für den Hocker liegt bei etwa 550 Euro.

Zanotta Mazzadra

Der Traktorsitz Mazzadra ist ein echter Klassiker. Foto: Zanotta

Projecteur Leuchten

Ich muss beruflich häufig über Lampen schreiben. Es gibt schöne und es gibt weniger schöne Leuchten. Die Projecteur gehört zu meinen absoluten Favoriten. Sie wurde von keinem geringerem als Le Corbusier im Jahr 1954 entworfen. Mit ihren Flügelmuttern und dem gewölbten Diffusorglas versprüht sie einen industriellen Charme, der seinesgleichen sucht. Die Lampe ist in verschiedenen Größen und Varianten erhältlich – von der Hängeleuchte bis zur Tischleuchte. Der Preis für die sehenswerten Leuchten liegt zwischen 150 Euro und 850 Euro. Gefertigt und vertrieben wird sie vom italienischen Hersteller Nemo.

Projecteur 365

Mit diesen Leuchten ist Le Corbusier etwas Großes gelungen. Foto: Nemo

Lampe de Marseille Wandleuchte

Mit der Lampe de Marseille hat Le Corbusier ein weiteres Mal mein Herz erobert. Der Stardesigner und Stararchitekt hat diese meisterhafte Leuchte 1954 ursprünglich für die l’Unité d’Habitation in Marseille entwickelt. Die l’Unité d’Habitation ist ein Wohnhaustyp nach einer Idee von Le Corbusier. Es handelt sich dabei um riesige Wohnblöcke, die sich überall auf der Welt reproduzieren lassen. Nicht unbedingt mein Ding, aber wenn ich solch eine schicke Wandleuchte bekommen hätte, wäre ich auch dort eingezogen. Nachbauten sind heute von Nemo erhältlich, für einen Preis von rund 650 Euro geht die Lampe de Marseille über den Ladentisch.

Lampe de Marseille

Lampe de Marseille – ein Klassiker für die Wand. Foto: Nemo

PH 5 Pendelleuchten

PH – das ist die Kurzform für Poul Henningsen, einem der Urväter des berühmten skandinavischen Designs. Sehenswert sind die Leuchten mit ihren mehrteiligen Schirmen und ihrem geradlinigen und schwerelosen Design. Ich mag das und viele andere auch, schließlich wird man nicht umsonst zum Klassiker. Die PH 5 Leuchten wurden 1958 in Kopenhagen vorgestellt, damals konnte keiner ahnen, welch ein Klassiker aus ihnen wird. Obwohl klassisch angehaucht, ist die Pendelleuchte dennoch ungemein trendy. Sie ist in mehreren Farben erhältlich und kommt, wie auf dem Foto zu sehen, gerne im Rudel daher. Bei einem Preis von über 600 Euro kann das jedoch schnell zu einem teuren Vergnügen werden.

Louis Poulsen PH 5

Vier Klassiker in einer Reihe – die PH 5. Foto: Louis Poulsen

Matégot Garderobe

Minimalistisch, stabil und technisch präzise verarbeitet – sie Zutaten, aus dem Designklassiker wie die Matégot Garderobe bestehen. Sie wurde vom ungarisch-französischen Designer Mathieu Matégot 1954 entworfen – also echt Retro, aber immer noch modern. Zeitlos eben. Die dreiarmige Wandgarderobe ist entweder in klassischem Schwarz oder mehrfarbig erhältlich. Jedem so, wie er es im Flur oder in der Diele am liebsten hat. Die Neuauflage dieses 50er Jahre Klassiker ist von Gubi erhältlich und kostet rund 150 Euro.

Mategot Garderobe

Elegante Mid-Century-Design für den Eingangsbereich. Foto: Gubi