Sichtschutz für den Garten – Ideen, Regeln und Kosten im Überblick

Von Dominik Hochwarth

Neulich hat unser Nachbar seine Hecke komplett runtergeschnitten. Seitdem wirkt unser Garten wie ein Schaufenster. Autos rauschen vorbei, Spaziergänger schauen neugierig rein. Privatsphäre? Fehlanzeige. Also musste eine Lösung her: ein Sichtschutz.

Wer im Baumarkt oder online nach Sichtschutz sucht, merkt schnell: Die Auswahl ist riesig. Von Bambusmatten über WPC-Elemente bis hin zu massiven Mauern ist alles dabei. Manche Lösungen sind richtig kreativ, andere einfach nur billig. Aber welche Variante passt zu Ihnen? Und was ist überhaupt erlaubt?

Sichtschutzzaun Garten
Hier wurde zwei Sichtschutzarten miteinander kombiniert

Das erwartet Sie in diesem Beitrag

Was darf ich als Sichtschutz anbringen?

Grundsätzlich haben Sie viele Freiheiten, Ihren Garten oder Ihre Terrasse vor Blicken zu schützen. Erlaubt sind Zäune, Hecken, Mauern oder mobile Elemente wie Markisen. Entscheidend sind aber zwei Punkte: die Höhe und die Grenzbebauung. Denn hier spielt das Nachbarschaftsrecht eine große Rolle.

Ein Beispiel: In vielen Bundesländern dürfen Sie ohne Genehmigung einen Sichtschutzzaun von bis zu 1,80 m aufstellen. Manche Gemeinden erlauben nur 1,20 m. Alles darüber hinaus braucht eine Baugenehmigung oder zumindest die Zustimmung des Nachbarn.

Es lohnt sich also, vorab ins örtliche Bauamt oder in die Nachbarschaftssatzung zu schauen. Auch der Blick ins Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) hilft. Dort ist geregelt, dass ein Zaun „ortsüblich“ sein muss. Mit anderen Worten: Er sollte zum Gesamtbild der Umgebung passen.

Wie hoch darf ein Sichtschutz sein?

  • Ohne Genehmigung: meist zwischen 1,20 m und 1,80 m, je nach Bundesland.
  • Auf der Terrasse: Hier gilt die gleiche Grenze wie am Gartenzaun. Alles über 1,80 m ist in der Regel genehmigungspflichtig.
  • Mitten im Garten: Wenn der Sichtschutz nicht direkt an der Grundstücksgrenze steht, sondern innerhalb des Gartens, sind Sie flexibler. Dennoch kann das Bauamt eine Obergrenze festlegen, wenn der Sichtschutz zu wuchtig wirkt.

Tipp: Sprechen Sie vorab mit den Nachbarn. Oft lässt sich ein Konflikt vermeiden, wenn beide Seiten ihre Wünsche äußern.

Kann der Nachbar einen Sichtschutz verbieten?

Direkt verbieten kann er das nicht. Aber: Wenn der Sichtschutz zu hoch ist oder nicht den örtlichen Vorgaben entspricht, kann er beim Bauamt Einspruch einlegen. Besonders kritisch wird es, wenn Sie den Sichtschutz direkt an die Grundstücksgrenze setzen. Dann gilt das Nachbarschaftsrecht.

Ein gängiger Kompromiss: Sie und Ihre Nachbarn teilen sich die Kosten und stellen gemeinsam einen Zaun oder eine Hecke auf. Das spart Geld und Nerven.

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Holz ist ein klassisches Material für den Sichtschutz

Sichtschutz aus Holz: Klassiker mit Charme

Holz ist nach wie vor das beliebteste Material. Kein Wunder, es wirkt natürlich und passt in fast jeden Garten.

Welches Holz eignet sich am besten?

Für Zäune und Sichtschutzelemente sind besonders geeignet:

  • Lärche: widerstandsfähig und wetterfest.
  • Douglasie: robust, mit rötlicher Färbung.
  • Kiefer und Fichte: günstiger, aber weniger langlebig.

„Es stellt sich mir die Frage, ob solch ein Holzelement für 30 Euro wirklich etwas taugt. Ich werde es nicht testen.“

Ein Holzschutzanstrich alle paar Jahre verlängert die Lebensdauer deutlich.

WPC und BPC: Pflegeleicht und modern

WPC steht für Wood-Polymer-Composite, ein Verbund aus Holzfasern und Kunststoff. BPC nutzt statt Holz Bambusfasern. Beide Materialien sind nahezu wartungsfrei. Streichen, Ölen oder Nachbehandeln ist nicht nötig.

Wie lange hält ein WPC-Sichtschutzzaun?

Rund 20–30 Jahre. Das ist deutlich länger als bei Holz.

Optik

Die Maserung wirkt nicht so natürlich wie bei echtem Holz. Dafür gibt es eine große Auswahl an Farben und Strukturen.

Bambus: Schnell, günstig und fernöstlich

Bambus gibt es als Matte, Stange oder sogar lebendige Pflanze.

Bambusmatten

Günstig, schnell montiert, aber wenig haltbar. Nach 2–3 Jahren ist meist Schluss.

Bambusstangen

Deutlich stabiler und langlebiger, bis zu 15 Jahre. Sie verleihen dem Garten ein exotisches Flair.

Nachteile von Bambus

  • Kurze Haltbarkeit bei Matten
  • Empfindlich gegen Feuchtigkeit
  • Aufwändige Befestigung bei Stangen

Welcher Bambus eignet sich als Pflanze?

  • Fargesia: horstbildend, wuchert nicht, winterhart.
  • Phyllostachys: wächst sehr hoch, braucht aber eine Rhizomsperre, sonst breitet er sich unkontrolliert aus.
Thuja
Thuja bieten einen günstigen, immergrünen Sichtschutz

Pflanzen als grüner Sichtschutz

Viele Menschen setzen auf Hecken oder Sträucher. Sie sind günstiger als Mauern und wirken lebendig.

Geeignete Pflanzen

  • Kirschlorbeer: immergrün, schnittverträglich.
  • Thuja: dichter Wuchs, allerdings etwas eintönig.
  • Eibe: edel, langlebig, aber giftig.
  • Bambus: schnelles Wachstum.
  • Chinaschilf: dekorativ, aber nicht immer winterfest.

Welche Pflanzen wachsen schnell?

Kirschlorbeer, Liguster, Feldahorn oder Hainbuche legen pro Jahr bis zu 40–60 cm zu.

Ganzjähriger Sichtschutz

Immergrüne Pflanzen wie Thuja oder Kirschlorbeer sind ideal, wenn Sie auch im Winter geschützt sein wollen.

Gabionen als Sichtschutz
Gabionen als Sichtschutz sind äußerst wuchtig und massiv

Stein, Beton und Gabionen: Für die Ewigkeit

Betonelemente: Sehr langlebig, aber schwer zu verbauen. Benötigen ein stabiles Fundament. Kostenintensiv, aber nahezu wartungsfrei.

Mauern: Aus Ziegeln, Naturstein oder Betonsteinen. Sie bieten maximalen Schutz, wirken aber schnell wuchtig.

Gabionen: Drahtkörbe, die mit Steinen gefüllt werden. Preislich günstiger als Mauern, optisch abwechslungsreich und langlebig.

Metallzäune: Stabil und flexibel

Metallzäune sind ein echter Dauerbrenner. Besonders Doppelstabmattenzäune haben sich etabliert. Sie sind stabil, schlicht und halten fast ein Leben lang.

Haltbarkeit

Ein verzinkter Zaun hält 25–40 Jahre. Mit Pulverbeschichtung sogar noch länger. Pflegeaufwand? Nahezu null.

Sichtschutz nachrüsten

Von Haus aus nicht blickdicht. Abhilfe schaffen Sichtschutzstreifen aus Kunststoff oder Kletterpflanzen wie Efeu.

Vorteile

  • sehr lange Haltbarkeit
  • kaum Pflege nötig
  • flexibel mit Sichtschutzstreifen oder Pflanzen

Nachteile

  • ohne Ergänzung durchsichtig
  • wirkt kühl
  • Montage erfordert etwas Geschick
Metallzaun
Metallzäune sind von Haus aus nicht blickdicht, lassen sich jedoch relativ günstig nachrüsten

Alternative Lösungen: Kreativ und individuell

  • Seitenmarkisen: ideal für Terrasse oder Balkon. Schnell ein- und ausziehbar.
  • Palisaden: aus Holz, Beton oder Metall. Dekorativ, aber aufwändig in der Montage.
  • Bretterzäune: DIY-Lösung, flexibel in Höhe und Breite.
  • Brennholzstapel: dekorativ, aber nur für kleinere Bereiche geeignet.
  • Doppelstabmatten mit Sichtschutzstreifen: günstig und schnell umzusetzen.

Kosten: Was kostet ein Sichtschutzzaun?

Die Preisspanne ist groß. Entscheidend sind Material, Höhe und Länge. Ein Überblick:

  • Pro Meter Holzsichtschutz: ab 30 bis 100 €
  • 10 m Holzzaun: ab 300 bis 1.000 €
  • 20 m Holzzaun: ab 600 bis 2.000 €
  • WPC- oder BPC-Zaun: ab 70 bis 150 € pro Meter
  • Bambusmatte: ab 10 bis 25 € pro Meter
  • Betonfertigelemente: ab 150 bis 300 € pro Meter
  • Maschendraht: ab 10–15 € pro Meter
  • Doppelstabmatten: 30–60 € pro Meter
  • Schmiedeeisen: ab 100 € pro Meter

Welcher Sichtschutz hält am längsten?

Die Lebensdauer hängt stark vom Material ab.

  • Holz: 10–15 Jahre, wenn es regelmäßig gestrichen wird. Lärche und Douglasie halten länger als Fichte.
  • WPC: 20–30 Jahre, ohne großen Pflegeaufwand.
  • Bambusmatten: 2–3 Jahre, dann müssen sie ersetzt werden.
  • Bambusstangen: deutlich länger, bis zu 15 Jahre.
  • Beton oder Naturstein: praktisch unbegrenzt.
  • Metallzäune mit Sichtschutzstreifen: je nach Qualität 15–25 Jahre.

Damit ist klar: Wer dauerhaft Ruhe haben will, muss tiefer in die Tasche greifen.

Was ist die günstigste Alternative?

Wenn Sie sparen wollen, greifen Sie zu:

  • Bambusmatten
  • Kunststoff-Sichtschutzstreifen für Doppelstabmatten
  • Einfachen Holzbrettern

Diese Lösungen kosten oft nur 10–20 € pro Meter.

Fazit: Die Qual der Wahl

Ob Holz, WPC, Metall, Pflanzen oder Beton – es gibt unzählige Wege, sich im Garten vor neugierigen Blicken zu schützen.

  • Schnell und günstig: Bambusmatten oder Sichtschutzstreifen.
  • Dauerhaft und pflegeleicht: WPC oder Metall.
  • Natürlich: Hecken oder Sträucher.
  • Für die Ewigkeit: Mauern oder Gabionen.

Am Ende zählt, was zu Ihrem Garten, Ihrem Geldbeutel und Ihrem Geschmack passt.

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