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Steigende Preise für Baustoffe: Droht trotzdem Deflation?

Nach wie vor treiben vor allem die steigenden Preise für Baustoffe und Energie die Inflationsrate auf 2,3 Prozent im Juni 2021, während die Verbraucherpreise für Lebensmittel nur um 1,2 Prozent zulegten. Von den Euro-Währungshütern werden knapp unter 2,0 Prozent Teuerung angestrebt, um die enormen Geldumlaufmengen und Schuldenlasten nachhaltig einzufangen.

Bislang geht das Rezept auf, denn auch die deutsche Bauwirtschaft konnte bislang der Corona-Pandemie trotzen. Und doch ist es wichtig, genauer hinzuschauen und die Gründe für die nachfragegetriebenen Baupreise auszuleuchten. Die Deflation ist noch nicht vom Tisch – und die Folgen wären verheerend.

Bewehrungsmatten

Ausgelastete Bauwirtschaft und Preise für Baustoffe – fatale Kombination

Ein Blick auf die langjährige Preisentwicklung in der Bauwirtschaft zeigt klar auf, dass die Baupreise der gesamtwirtschaftlichen Inflation immer um einiges voraus waren. Einerseits muss nach wie vor konstatiert werden, dass die Produktivität bei Bauleistungen noch immer zu wünschen übriglässt.

Es liegt auf der Hand, dass sich die Digitalisierungsmaßnahmen, die Anlass zu Hoffnung geben, auch in der Baubranche erst auf lange Sicht Effekte bringen werden. Andererseits spielt hier der seit Jahren anhaltende Bauboom eine Rolle, der diesem Wirtschaftssegment eine hohe Nachfrage beschert. Die ohnehin anziehenden Preise für Baustoffe erhielte im Zuge der Corona-Krise durch einbrechende Lieferketten einen zusätzlichen Auftrieb – und zwar in einem dramatischen Ausmaß:

So verteuerte sich zum Beispiel Konstruktionsvollholz im Mai 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83,3%, Betonstahl um 44,3% und Betonstahlmatten um immerhin 30,4%. Zur Einordnung: Für gewerbliche Produkte veränderte sich der Erzeugerpreisindex im relevanten Zeitraum nur um +7,2%:

Preisindizes
Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/07/PD21_N044_61.html

Ursachen und Aussichten: Wie entwickeln sich die Preise für Baustoffe weiter?

Nicht nur für die Bauwirtschaft und potenzielle Bauherren ist es also interessant, sich mit den Gründen für derartige Preisexplosionen näher zu beschäftigen und einen Blick in die Zukunft zu werfen:

Holz

Vor allem Holz und Holzprodukte sind aktuell schwierig zu beziehen, zumal seit mehr als 12 Monaten enorme Mengen Schnittholz in die USA geliefert werden. Der Grund: Dort sind wegen der Corona-Pandemie nicht nur Sägewerke außer Betrieb, sondern auch Waldbrände beeinträchtigen die Holzindustrie. Andererseits sind Lieferverpflichtungen, die langfristig vereinbarten wurden, einzuhalten: Deutschland erhöhte den Schnittholz-Export von 7 Millionen m³ auf rund 9,6 Millionen m³ (2020), davon entfallen allein circa 2 Millionen m³ auf die USA. Gleichzeitig ging der Holzeinschlag zurück – schließlich werden weiter steigende Preise erwartet.

Stahl

Die im Zuge der Corona-Pandemie zurückgefahrene Stahlproduktion sah sich im dritten Quartal 2020 mit einer anziehenden chinesischen Nachfrage konfrontiert: China avancierte zum Stahlimporteur und wird auch keinen Stahlschrott mehr exportieren. Die Stahlproduktion konnte weltweit zwar im vierten Quartal 2020 den Ausstoß um 10% steigern, unter dem Strich wurde für das Jahr jedoch ein Rückgang verzeichnet. Und hier könnte sich im Laufe des Jahres eine Trendumkehr ergeben: Nach wie vor existiert de facto eine weltweite Überkapazität in der Stahlproduktion, die Preise dürften also über kurz oder lang wieder sinken.

Erdöl

Der global steigende Bedarf an Rohöl lässt einerseits die Preise für das schwarze Gold steigen, andererseits werden einige wichtige Baustoffe wie Dämmstoffe oder Bitumen aus Öl hergestellt – und ebenfalls stark nachgefragt. Die US-Produktionsanlagen waren im Zuge eines Wintereinbruchs ausgefallen, was die Versorgungslage von Styrol-Produkten deutlich verschärfte. Auch hier sollte sich im Laufe der nächsten Jahre eine Normalisierung einstellen, die sich beruhigend auf die Preise für diese Baustoffe auswirkt.

Unterschiedliche Tendenzen: rechtzeitig geeignete Maßnahmen ergreifen

Unter dem Strich lässt sich also festhalten: Während Holz auch in den nächsten Monaten knapp und damit teurer werden wird, könnte sich die Situation in Bezug auf andere Rohstoffe jedoch entspannen. Damit gerät die Inflationsrate insgesamt unter Druck und das Risiko einer Deflation nimmt wieder zu. Für Verantwortliche im Bausektor leiten sich daraus wichtige Empfehlungen ab:

Vereinbaren Sie wegen der unsicheren Preisentwicklung nur befristete Angebote – schließlich handhabt es der Großhandel ebenso mit Ihnen.

Befassen Sie sich mit dem Thema Deflation, um die potenziellen Auswirkungen einschätzen und geeigneten Maßnahmen ergreifen zu können.

Behalten Sie die Preisentwicklung im Blick – sowohl für Baustoffe als auch für alle anderen Wirtschafts- und Lebensbereiche.

 

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