20.000 € für ein neues Dach oder doch 80.000 €? Beides kann richtig sein. Entscheidend ist weniger die Größe des Hauses als die Frage, was bei der Dachsanierung tatsächlich gemacht wird.
Bleibt der Dachstuhl intakt und werden im Wesentlichen Deckung, Unterdeckung und Lattung erneuert, sieht die Rechnung völlig anders aus als bei einer energetischen Sanierung mit neuer Dämmung. Müssen zusätzlich Sparren repariert, Dachfenster getauscht oder die Entwässerung erneuert werden, kann ein 150-m²-Dach schnell mehr als 50.000 € kosten.
Deshalb rechnen wir im Folgenden nicht einfach einen pauschalen Quadratmeterpreis hoch. Wir zeigen anhand aktueller Baukostendaten, welche Größenordnungen bei 100, 150 und 200 m² Dachfläche entstehen – und welche Arbeiten dabei jeweils enthalten sind.

Das Wichtigste in Kürze
- Abbruch Dachbelag mit Unterbau: ca. 60 €/m²
- Dachlattung und Konterlattung: ca. 17 €/m²
- Dampfbremse bzw. Unterspannbahn: ca. 13 €/m²
- Falzziegeldeckung: ca. 54 €/m²
- Dachbelag mit Aufdachdämmung: ca. 240 €/m²
- Grundlage sind aktuelle BKI-Daten, Stand 4. Quartal 2025.
- Die Werte sind statistische Brutto-Mittelwerte aus ausgeschriebenen und abgerechneten Projekten.
- Je nach Region, Saison, Dachform und konkreter Baustelle können die tatsächlichen Kosten deutlich abweichen.
Daraus ergeben sich für drei typische Sanierungsstufen folgende Größenordnungen:
| Sanierungsumfang | 100 m² | 150 m² | 200 m² |
| Neueindeckung, modellhafte BKI-Flächenpositionen* | ca. 14.400 € | ca. 21.600 € | ca. 28.800 € |
| Sanierung mit Aufdachdämmung, modellhaft** | ca. 30.000 € | ca. 45.000 € | ca. 60.000 € |
| umfangreiche Komplettsanierung | ca. 40.000–60.000 € | ca. 60.000–90.000 € | ca. 80.000–120.000 € |
* Beispiel aus Abbruch Dachbelag mit Unterbau, Unterspannbahn, Lattung und Falzziegeldeckung.
** Beispiel aus Abbruch des vorhandenen Dachbelags mit Unterbau plus Dachbelag mit Aufdachdämmung.
Wichtig: Gerüst, aufwendige Anschlüsse, Dachfenster, Entwässerung, Reparaturen am Dachstuhl und weitere Nebenarbeiten können bei den beiden ersten Modellrechnungen zusätzlich hinzukommen. Die Tabelle ersetzt deshalb kein Angebot.
Wer vor allem wissen möchte, wie stark sich Tonziegel, Betondachsteine, Schiefer, Metall oder Reet beim Preis unterscheiden, findet dazu einen eigenen Vergleich: Dach neu eindecken: Was Ziegel, Schiefer, Metall und Reet 2026 wirklich kosten.

Was zählt überhaupt als Dachsanierung?
Der Begriff ist erstaunlich ungenau. Ein Anbieter spricht bereits von einer Dachsanierung, wenn die alte Deckung entfernt und ersetzt wird. Bei einem anderen Angebot werden gleichzeitig Dämmung, Unterdeckung, Dachfenster, Dachrinnen und Teile des Dachstuhls erneuert.
Für die Kostenplanung sollte man deshalb drei Fälle auseinanderhalten.
Neueindeckung
Die vorhandene Deckung wird entfernt. Je nach Zustand werden Unterdeckung, Konterlattung und Traglattung erneuert und anschließend neue Dachziegel, Dachsteine oder ein anderes Deckmaterial verlegt.
Der Dachstuhl bleibt im Wesentlichen erhalten. Eine neue Wärmedämmung ist nicht Bestandteil der Maßnahme.
Energetische Dachsanierung
Zusätzlich zur Dachhaut wird der Wärmeschutz verbessert. Wird das Dach ohnehin geöffnet, kommt insbesondere eine Dämmung oberhalb oder zwischen den Sparren infrage.
Welche Lösung technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt stark vom vorhandenen Aufbau ab. Unser Beitrag Dach von innen oder außen dämmen? zeigt die Unterschiede zwischen Zwischen-, Unter- und Aufsparrendämmung.
Umfangreiche Komplettsanierung
Hier geht es nicht mehr nur um die Dachhaut. Zusätzlich können beschädigte Sparren oder Pfetten, Dachflächenfenster, Dachentwässerung, Schornsteinanschlüsse oder größere Teile des Innenausbaus erneuert werden.
Schwäbisch Hall nennt auf Grundlage der aktuellen BKI-Werte für eine solche umfangreiche Dachsanierung einen Rahmen von etwa 400 bis 600 €/m² Dachfläche.
Damit wird klar, warum pauschale Aussagen wie „ein neues Dach kostet 150 €/m²“ wenig helfen, solange nicht feststeht, welche Arbeiten darin enthalten sind.

100 m² Dach: Was kostet eine einfache Neueindeckung?
Beginnen wir mit einem vergleichsweise günstigen Fall.
Das Haus besitzt ein einfaches Satteldach. Der Dachstuhl ist intakt, größere Holzreparaturen sind nicht erforderlich und eine neue Dämmung ist nicht Bestandteil der Arbeiten.
Für eine modellhafte Rechnung lassen sich folgende BKI-Mittelwerte ansetzen:
| Arbeit | BKI-Mittelwert | bei 100 m² |
| Dachbelag mit Unterbau abbrechen | ca. 60 €/m² | 6.000 € |
| Unterspannbahn | ca. 13 €/m² | 1.300 € |
| Dach-/Konterlattung | ca. 17 €/m² | 1.700 € |
| Falzziegeldeckung | ca. 54 €/m² | 5.400 € |
| Summe der Flächenpositionen | ca. 144 €/m² | 14.400 € |
Damit ist das Dach allerdings noch nicht zwangsläufig komplett abgerechnet.
Je nach Gebäude können zusätzlich Gerüst, Dachrinnen, Blecharbeiten an Kamin und Traufe, Schneefang, Dachausstieg oder andere Anschlüsse hinzukommen. Schwäbisch Hall weist ausdrücklich darauf hin, dass solche Positionen zusätzlich zu den reinen Sanierungsarbeiten anfallen können.
Für ein 100-m²-Dach zeigt das Beispiel vor allem eines: Selbst eine relativ einfache Neueindeckung landet schnell im mittleren fünfstelligen Bereich.
150 m² Dach: Mit Dämmung werden aus 20.000 schnell 50.000 €
Bei 150 m² wird der Unterschied zwischen einer Neueindeckung und einer energetischen Dachsanierung besonders deutlich.
Überträgt man die Flächenpositionen aus dem ersten Beispiel auf 150 m², ergeben sich zunächst:
- Abbruch: rund 9.000 €
- Unterspannbahn: rund 1.950 €
- Lattung und Konterlattung: rund 2.550 €
- Falzziegeldeckung: rund 8.100 €
Insgesamt sind das rund 21.600 € – wiederum ohne Gerüst und verschiedene Nebenarbeiten.
Wird gleichzeitig eine Dämmung oberhalb der Sparren ausgeführt, sieht die Rechnung anders aus.
Das BKI nennt für einen Dachbelag mit Aufdachdämmung einen statistischen Mittelwert von rund 240 €/m². Hinzu kommen bei einer Sanierung zunächst die Abbrucharbeiten am alten Dach.
Für 150 m² ergibt das modellhaft:
| Arbeit | Kosten |
| vorhandenen Dachbelag mit Unterbau abbrechen | ca. 9.000 € |
| Dachbelag mit Aufdachdämmung | ca. 36.000 € |
| Zwischensumme | ca. 45.000 € |
Noch fehlen beispielsweise Gerüst und gegebenenfalls Dachfenster oder Arbeiten an der Entwässerung.
Zwei neue Dachflächenfenster können den Unterschied bereits deutlich vergrößern: Das BKI nennt für den Austausch eines Dachflächenfensters im Mittel rund 2.620 € pro Stück. Zwei Fenster würden in diesem Rechenbeispiel also weitere rund 5.240 € ausmachen.
Damit liegt ein 150-m²-Dach mit Dämmung und zwei neuen Dachfenstern bereits bei gut 50.000 €, bevor sämtliche Nebenarbeiten berücksichtigt sind.
Genau deshalb ist ein Angebot über 50.000 € nicht automatisch teuer – genauso wenig ist ein Angebot über 30.000 € automatisch günstig. Entscheidend ist der Leistungsumfang.

200 m² Dach: Wann 80.000 bis 120.000 € realistisch werden
Bei 200 m² Dachfläche werden kleine Unterschiede im Quadratmeterpreis schnell teuer.
Eine modellhafte Neueindeckung nach den oben verwendeten BKI-Flächenpositionen kommt bereits auf rund 28.800 €, bevor Gerüst und Nebenarbeiten berücksichtigt werden.
Eine Sanierung mit Abbruch und Aufdachdämmung liegt rechnerisch bei etwa:
- 12.000 € für den Abbruch
- 48.000 € für Dachbelag mit Aufdachdämmung
also bereits bei rund 60.000 €.
Muss zusätzlich der Dachstuhl umfangreich instand gesetzt werden, kommen mehrere Dachflächenfenster hinzu oder werden Entwässerung und Innenausbau erneuert, ist diese Rechnung nicht mehr ausreichend.
Für umfangreiche Komplettsanierungen nennt Schwäbisch Hall etwa 400 bis 600 €/m². Bei 200 m² entspricht das:
80.000 bis 120.000 €.
Das ist kein typischer Preis für jedes große Dach. Es ist eine Größenordnung für Fälle, in denen tatsächlich weit mehr erneuert wird als nur die sichtbare Eindeckung.
Warum 150 m² Wohnfläche nicht 150 m² Dach bedeuten
Für die Kostenschätzung braucht man die Dachfläche, nicht die Wohnfläche.
Bei einem geneigten Dach ist die tatsächliche Fläche größer als die Grundfläche, die das Dach überdeckt.
Ein vereinfachtes Beispiel: Ein rechteckiges Gebäude hat eine überdeckte Grundfläche von 100 m². Bei einem symmetrischen Satteldach mit 35° Dachneigung ergibt sich ohne Berücksichtigung der Dachüberstände bereits eine Dachfläche von rund 122 m².
Dachüberstände erhöhen sie weiter.
Wer Bauzeichnungen besitzt, sollte deshalb die tatsächliche Dachfläche verwenden. Bei einer konkreten Sanierung ermittelt sie ohnehin der Dachdecker.
Der größte Kostenfaktor ist nicht unbedingt der Dachziegel
Der Preis der sichtbaren Eindeckung wird häufig überschätzt.
Die BKI-Mittelwerte zeigen das recht deutlich: Eine Falzziegeldeckung wird mit etwa 54 €/m² angegeben. Der Abbruch des vorhandenen Dachbelags mit Unterbau liegt dagegen bereits bei etwa 60 €/m². Lattung, Unterspannbahn, Dämmung, Anschlüsse und Gerüst kommen noch hinzu.
Bei hochwertigen Materialien kann die Deckung dennoch einen erheblichen Unterschied machen. Schiefer liegt in den BKI-Daten beispielsweise bei rund 140 €/m². Für die Entscheidung zwischen unterschiedlichen Materialien lohnt deshalb der Blick in unseren Kostenvergleich für Dacheindeckungen.
Dachform: 150 m² sind nicht gleich 150 m²
Ein rechteckiges Satteldach lässt sich relativ rationell bearbeiten.
Ganz anders sieht es bei einem Dach mit mehreren Gauben, Kehlen, Graten, Schornsteinen und Dachfenstern aus. Dort entstehen zusätzliche Zuschnitte, Anschlüsse und Abdichtungsdetails.
Den Preis treiben vor allem:
- Gauben
- Kehlen und Grate
- Dachflächenfenster
- Schornsteine
- komplizierte Ortgänge
- große Dachüberstände
- aufwendige Blecharbeiten
- steile Dachneigungen
- schlechte Zugänglichkeit
Eine reine Rechnung nach Quadratmetern kann diese Unterschiede nicht erfassen.
Schäden am Dachstuhl können die Kalkulation sprengen
Bei älteren Gebäuden liegt ein Teil des Kostenrisikos unter den Dachziegeln.
Mögliche Schäden sind zum Beispiel:
- faulende Sparrenköpfe
- Feuchteschäden
- Schädlingsbefall
- beschädigte Pfetten
- verformte Sparren
- nachträglich geschwächte Holzquerschnitte
Nicht alles lässt sich vor dem Öffnen des Dachs erkennen.
Bei einem älteren Dach sollten deshalb nicht sämtliche finanziellen Reserven bereits durch das ursprüngliche Angebot aufgebraucht sein. Sinnvoll ist außerdem, im Angebot festzulegen, wie zusätzliche Holzarbeiten abgerechnet werden.
Einheitspreise beispielsweise für den Austausch oder die Verstärkung bestimmter Bauteile machen Nachträge zumindest nachvollziehbarer.
Asbest kann aus einer normalen Dachsanierung ein Spezialprojekt machen
Bei älteren Dachdeckungen kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu.
Asbestzement wurde jahrzehntelang für Dach- und Fassadenplatten eingesetzt. Wird ein solches Dach entfernt, gelten besondere Anforderungen an Ausbau, Schutzmaßnahmen, Verpackung und Entsorgung.
Auch ein Dach, das äußerlich noch ordentlich aussieht, kann dadurch deutlich teurer zu sanieren sein.
Was Eigentümer vor Arbeiten an älteren Gebäuden wissen sollten, erklären wir ausführlich im Beitrag Asbest entsorgen 2026: Neue Regeln, versteckte Fundstellen und Kosten.
Muss ein Dach bei der Neueindeckung 2026 gedämmt werden?
Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Es ist aus dem früheren Gebäudeenergiegesetz hervorgegangen und hat dieses auch namentlich ersetzt.
Für Arbeiten an bestehenden Außenbauteilen ist § 36 GModG wichtig. Werden Außenbauteile beheizter oder gekühlter Räume erneuert oder ersetzt, müssen die betroffenen Flächen grundsätzlich die Höchstwerte aus Anlage 7 einhalten. Ausgenommen sind Änderungen, die höchstens 10 % der gesamten Fläche der jeweiligen Bauteilgruppe betreffen.
Bei einem geneigten Dach nennt Anlage 7 grundsätzlich einen maximalen U-Wert von:
0,24 W/(m²K).
Für Dachflächen mit Abdichtung beträgt der Wert 0,20 W/(m²K). Erfasst wird bei geneigten Dächern unter anderem der Ersatz oder Neuaufbau einer Dachdeckung einschließlich der darunterliegenden Lattungen und Verschalungen.
Ein paar beschädigte Dachziegel auszutauschen, bedeutet deshalb nicht automatisch, das gesamte Dach dämmen zu müssen. Bei einer vollständigen Neueindeckung sieht das anders aus.
Was passiert, wenn im Altbau nicht genug Platz für die Dämmung ist?
Gerade alte Sparren sind häufig nicht hoch genug, um ohne weitere Maßnahmen die rechnerisch notwendige Dämmstoffdicke aufzunehmen.
Das GModG berücksichtigt solche Fälle.
Ist die Dämmdicke technisch begrenzt, kann es ausreichen, die nach den anerkannten Regeln der Technik größtmögliche Dämmdicke einzubauen. Anlage 7 nennt dafür grundsätzlich einen Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,035 W/(mK). Für eingeblasene Dämmstoffe und Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen gilt in der entsprechenden Sonderregel λ = 0,045 W/(mK). Die Regelung gilt ausdrücklich auch für bestimmte Zwischensparrendämmungen, wenn beispielsweise die Sparrenhöhe oder eine innere Bekleidung die mögliche Dämmstärke begrenzt.
Wie viel Dämmung tatsächlich erforderlich ist, lässt sich deshalb nicht allein aus einer Zentimeterzahl ableiten. Unser Beitrag Zwischensparrendämmung: Wie dick muss sie wirklich sein? geht darauf ausführlicher ein.
Auch die Wärmeleitfähigkeit des verwendeten Dämmstoffs spielt eine wichtige Rolle. Wie stark sich PIR, Mineralwolle, Holzfaser, EPS und andere Materialien unterscheiden, zeigt unser Vergleich der Wärmeleitfähigkeit von Baustoffen und Dämmstoffen.
Eine wichtige Ausnahme für bereits sanierte Dächer
Nicht jedes Dach, das neu eingedeckt wird, fällt automatisch unter den genannten U-Wert von 0,24 W/(m²K).
Anlage 7 enthält für bestimmte Sanierungsmaßnahmen eine Bestandsausnahme: Wurde die betreffende Bauteilfläche nach dem 31. Dezember 1983 bereits unter Einhaltung der damals geltenden energiesparrechtlichen Vorschriften errichtet oder erneuert, müssen die Anforderungen bei den dort genannten Maßnahmen nicht erneut eingehalten werden.
Gerade bei Häusern, deren Dach bereits in den 1980er-, 1990er- oder 2000er-Jahren energetisch erneuert wurde, kann das relevant sein.
Im Zweifel sollte vor der Planung geklärt werden, wann und nach welchem energetischen Standard das vorhandene Dach aufgebaut wurde.
Unbeheizter Dachboden: Muss überhaupt die Dachfläche gedämmt werden?
Nicht immer.
Bleibt der Dachboden dauerhaft unbeheizt und wird nicht als Wohnraum genutzt, kann die oberste Geschossdecke die thermische Grenze des Gebäudes bilden.
Dann ist es häufig wirtschaftlicher, diese kleinere und meist leichter zugängliche Fläche zu dämmen, statt sämtliche Dachschrägen energetisch aufzurüsten.
Gerade bei einem Dach, dessen Eindeckung noch gut ist, sollte diese Variante mitgeprüft werden. Auch unser Vergleich Dach von innen oder außen dämmen? behandelt diesen Fall.

Förderung 2026: 15 % Zuschuss für die Gebäudehülle
Für energetische Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle können private Eigentümer weiterhin die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM) nutzen.
Die Grundförderung beträgt 15 %.
Für die erste Wohneinheit werden ohne individuellen Sanierungsfahrplan grundsätzlich bis zu 30.000 € förderfähige Ausgaben berücksichtigt. Mit einem förderfähigen individuellen Sanierungsfahrplan kann die Grenze auf 60.000 € steigen.
Seit dem 21. Juli 2026 funktioniert der zusätzliche iSFP-Bonus allerdings anders als früher.
Die zusätzlichen 5 % werden beim Einfamilienhaus erst bei Investitionen oberhalb von 30.000 € wirksam – und nur auf den Teil der förderfähigen Kosten oberhalb dieser Schwelle.
Beispiel: 60.000 € förderfähige Kosten
- 15 % Grundförderung auf 60.000 € = 9.000 €
- 5 % iSFP-Bonus auf 30.000 € = 1.500 €
- Gesamtzuschuss: 10.500 €
Das entspricht effektiv 17,5 % der 60.000 €.
Die Bundesregierung verwendet für diesen Fall selbst dieselbe Beispielrechnung.
Für die Förderung gelten strengere Dämmwerte
Gesetzlicher Mindeststandard und Förderstandard sind nicht dasselbe.
Für die Förderung einer energetischen Sanierung von Schrägdächern über die BEG EM gilt grundsätzlich ein maximaler U-Wert von 0,14 W/(m²K). Der Förderstandard liegt damit deutlich über der gesetzlichen Anforderung von 0,24 W/(m²K).
Wer Förderung nutzen möchte, sollte die Konstruktion deshalb von Anfang an entsprechend planen.
Ohne Energieeffizienz-Experten gibt es bei der Gebäudehülle keine BEG-Förderung
Für eine geförderte Dach- oder Fassadendämmung muss ein Energieeffizienz-Experte (EEE) eingebunden werden.
Er erstellt vor der Antragstellung die technische Projektbeschreibung und die dafür benötigte TPB-ID. Bei Maßnahmen an der Gebäudehülle ist seine Einbindung verpflichtend.
Auch der Zeitpunkt der Beauftragung ist wichtig.
Seit 2024 muss für BEG-Einzelmaßnahmen vor der Antragstellung bereits ein Lieferungs- oder Leistungsvertrag abgeschlossen sein. Dieser Vertrag muss die Förderzusage als aufschiebende oder auflösende Bedingung enthalten. Die Bedingung nachträglich in einen bereits bestehenden Vertrag einzufügen, ist förderschädlich.
Die Reihenfolge sollte deshalb vor Auftragserteilung geklärt werden.
Komplettsanierung zum Effizienzhaus: Dann kommt die KfW ins Spiel
Die BAFA-Einzelmaßnahme ist nicht die einzige Fördermöglichkeit.
Wer nicht nur das Dach, sondern das gesamte Gebäude energetisch saniert und damit einen Effizienzhausstandard erreicht, kann die KfW-Förderung über das Programm Wohngebäude – Kredit 261 prüfen.
Seit 21. Juli 2026 gelten dort geänderte Förderbedingungen. Für die Sanierung von Wohngebäuden zum Effizienzhaus sind Förderkredite von bis zu 150.000 € pro Wohneinheit möglich.
Für eine reine Dachsanierung ist dagegen normalerweise die BEG-Einzelmaßnahme der naheliegendere Weg.
Steuerbonus als Alternative
Wer keine BEG-Förderung nutzt, kann unter bestimmten Voraussetzungen die Steuerermäßigung nach § 35c Einkommensteuergesetz prüfen.
Bei selbst genutzten Gebäuden, die bei Durchführung der energetischen Maßnahme älter als zehn Jahre sind, können über drei Jahre insgesamt 20 % der begünstigten Kosten von der Einkommensteuer abgezogen werden:
- 7 % im Jahr des Abschlusses
- 7 % im folgenden Jahr
- 6 % im dritten Jahr
Der Höchstbetrag beträgt insgesamt 40.000 € je begünstigtem Objekt.
Der Steuerbonus ist damit eine echte Alternative zur direkten Förderung, aber nicht automatisch die bessere Wahl. Welche Variante günstiger ist, hängt von Investitionshöhe, Förderfähigkeit und persönlicher Steuersituation ab.
Dachsanierung und Photovoltaik zusammen planen
Wird das Dach ohnehin geöffnet und eingerüstet, sollte auch eine spätere oder unmittelbar geplante Photovoltaikanlage berücksichtigt werden.
Wichtig sind insbesondere:
- Tragfähigkeit des Dachstuhls
- Lage von Dachfenstern und Gauben
- Leitungswege
- Befestigung der PV-Unterkonstruktion
- verbleibende Lebensdauer der Dacheindeckung
- mögliche Solarpflichten des jeweiligen Bundeslandes
Vor allem die Reihenfolge ist relevant. Eine alte Dacheindeckung mit kurzer Restlebensdauer erst mit PV zu belegen und wenige Jahre später für die Dachsanierung wieder abzuräumen, verursacht unnötige Kosten.
Woran erkennt man ein brauchbares Dachdeckerangebot?
Für einen Preisvergleich reicht die Gesamtsumme nicht.
Im Angebot sollte möglichst klar stehen:
- Gerüst enthalten?
- Abbruch der alten Deckung enthalten?
- Entsorgung enthalten?
- Unterdeckung enthalten?
- Dachschalung notwendig?
- Konter- und Traglattung enthalten?
- Dämmstoff genau bezeichnet?
- Dämmstärke angegeben?
- Luftdichtheitsschicht enthalten?
- Dampfbremse beziehungsweise deren Funktion geklärt?
- Dacheindeckung einschließlich Hersteller und Produkt angegeben?
- First und Ortgänge enthalten?
- Schornsteinanschlüsse enthalten?
- Dachrinnen und Fallrohre enthalten?
- Dachfenster enthalten?
- Schneefang und Laufroste enthalten?
- Kran oder Materialaufzug enthalten?
- eventuelle Holzreparaturen mit Einheitspreisen versehen?
Gerade bei Bestandsdächern lassen sich Schäden am Holz vor dem Öffnen des Daches nicht immer vollständig erfassen. Für solche Fälle sind nachvollziehbare Einheitspreise wesentlich besser als ein später frei kalkulierter Nachtrag.
Was kosten 100, 150 und 200 m² Dach nun wirklich?
Eine einzige Zahl gibt es nicht. Die aktuellen Baukostendaten zeigen aber, wo die Größenordnungen liegen.
Bei einem 100-m²-Dach ergeben die modellhaft zusammengestellten BKI-Flächenpositionen für Abbruch, Unterspannbahn, Lattung und neue Falzziegeldeckung rund 14.400 €. Gerüst und Nebenarbeiten kommen hinzu.
Bei einer energetischen Sanierung von 150 m² mit Aufdachdämmung ergeben Abbruch und der BKI-Ansatz für Dachbelag mit Aufdachdämmung bereits rund 45.000 €. Zwei neue Dachfenster treiben das Modell auf mehr als 50.000 €, noch bevor sämtliche Nebenarbeiten eingerechnet sind.
Bei einem 200-m²-Dach kann eine umfangreiche Komplettsanierung nach dem aktuell genannten Rahmen von 400 bis 600 €/m² etwa 80.000 bis 120.000 € kosten.
Die Dachfläche allein beantwortet die Kostenfrage deshalb nur zur Hälfte. Entscheidend ist, wie tief in den vorhandenen Aufbau eingegriffen wird. Wer Angebote vergleicht, sollte weniger auf den Quadratmeterpreis schauen als auf die Frage:
Was bekomme ich für diesen Preis tatsächlich neu?
Quellen
- Bausparkasse Schwäbisch Hall: Kosten einer Dachsanierung auf Basis von BKI-Daten, Stand 4. Quartal 2025
- Gesetze im Internet: § 36 Gebäudemodernisierungsgesetz – Anforderungen bei Änderungen im Bestand
- Gesetze im Internet: Anlage 7 GModG – U-Werte und Sonderregelungen für Dachflächen
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: BEG-Einzelmaßnahmen für private Haushalte
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: iSFP-Bonus seit 21. Juli 2026
- KfW: Wohngebäude – Kredit 261 für die Effizienzhaus-Sanierung
- Bundesfinanzministerium: § 35c EStG – steuerliche Förderung energetischer Sanierungen




