Wer eine Trockenbauwand aufstellen, eine Dachschräge verkleiden oder das Bad renovieren möchte, landet schnell bei der Frage: Fermacell oder Rigips? Die Gipsfaserplatten von Fermacell gelten als besonders robust und belastbar. Dafür können sie erheblich mehr kosten als eine klassische Gipskartonplatte.
Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt ein aktuelles Preisbeispiel: Bei Bauhaus kostet eine 12,5 mm starke Fermacell-Gipsfaserplatte derzeit 9,97 €/m². Eine ebenfalls 12,5 mm starke Rigips-Gipskartonplatte liegt dort bei 4,42 €/m². Für 20 m² Plattenfläche wären das rund 199 € gegenüber 88 € – Verschnitt, Befestigungsmittel und weiteres Zubehör noch nicht eingerechnet. Stand der Preise: 15. August 2026.

Mehr als doppelt so viel für Fermacell: Lohnt sich das?
Nicht automatisch. Bei einer normalen Trennwand oder einer abgehängten Decke kann eine klassische Gipskartonplatte vollkommen ausreichen. Interessanter wird Fermacell dort, wo Oberflächen stärker beansprucht werden, höhere Lasten befestigt werden sollen oder eine robuste Gipsfaserplatte Teil eines entsprechend geplanten Wandaufbaus ist.
Allerdings steckt schon in der Frage „Fermacell oder Rigips?“ ein Problem.

Fermacell und Rigips sind erst einmal nur Markennamen
Fermacell und Rigips sind zunächst Markennamen. Umgangssprachlich wird mit Fermacell meist die bekannte Fermacell-Gipsfaserplatte bezeichnet, während mit Rigips häufig eine klassische kartonummantelte Gipsplatte gemeint ist.
Genau diese beiden Produkte vergleichen wir hier.
Die Fermacell-Gipsfaserplatte besteht nach Herstellerangaben zu 80 % aus Gips und zu 20 % aus Papierfasern aus Altpapier. Beide Bestandteile werden mit Wasser vermischt, ohne weitere Bindemittel unter hohem Druck zu Platten gepresst und anschließend hydrophobiert. Das Ergebnis ist eine homogene Platte, bei der die Papierfasern über den gesamten Querschnitt verteilt sind.
Die Rigips Bauplatte RB 12,5 ist dagegen eine kartonummantelte Gipsplatte nach DIN EN 520, Typ A. Gipskern und Kartonummantelung bilden gemeinsam den Plattenverbund. Sie ist für gewöhnliche Wand- und Deckensysteme vorgesehen.
Ein konkreter Vergleich zeigt die Unterschiede:
| Eigenschaft | Fermacell Gipsfaser 12,5 mm | Rigips Gipskarton 12,5 mm |
| Aufbau | Gips und Papierfasern, homogen | Gipskern mit Kartonummantelung |
| Gewicht im Vergleichsformat | 14,5 kg/m² | ca. 9,3 kg/m²* |
| Oberfläche | hart und mechanisch belastbar | für üblichen Trockenbau |
| Feuchtraum | auch für häusliche Feuchträume vorgesehen | Standard-RB nicht dafür vorgesehen |
| Verarbeitung | dichter und schwerer | leichter |
| Preisbeispiel | 9,97 €/m² | 4,42 €/m² |
* Aus dem angegebenen Gewicht des bei Bauhaus angebotenen Formats 2.000 × 600 × 12,5 mm berechnet.
Der größte Unterschied fällt schon beim Tragen auf
Eine 12,5 mm starke Fermacell-Gipsfaserplatte wiegt nach Herstellerangaben 14,5 kg/m². Eine 1,5 m² große Ein-Mann-Platte bringt damit 21,75 kg auf die Waage. Bauhaus bestätigt dieses Gewicht für das angebotene Format.
Die verglichene Rigipsplatte ist deutlich leichter. Das bei Bauhaus angebotene Format von 2.000 × 600 × 12,5 mm wiegt 11,14 kg. Umgerechnet sind das rund 9,3 kg/m².
Bei einer senkrechten Wand ist dieser Unterschied lästig, aber meist beherrschbar. Bei einer Decke oder Dachschräge sieht das anders aus.
Wer 20 m² beplankt, bewegt bei Fermacell allein auf Grundlage dieser Flächengewichte rund 100 kg mehr Material.
Gerade bei Arbeiten über Kopf ist das ein handfester Vorteil für die leichtere Gipskartonplatte.

Fermacell ist härter – aber brauchen Sie diese Robustheit?
Die hohe Materialdichte ist nicht nur Nachteil. Sie ist einer der Gründe, warum Fermacell mechanisch deutlich belastbarer ist. Der Hersteller nennt für die Gipsfaserplatte eine Rohdichte von 1.150 ± 50 kg/m³ und eine Brinell-Härte von 30 N/mm².
Das kann sich beispielsweise in stark beanspruchten Bereichen auszahlen:
- Flure und Eingangsbereiche,
- Kinderzimmer,
- Werkstätten,
- Hauswirtschaftsräume,
- Wände mit häufig wechselnden Befestigungen,
- Bereiche, in denen Stöße gegen die Oberfläche wahrscheinlicher sind.
Bei einer kaum beanspruchten Schlafzimmerwand bringt diese zusätzliche Härte dagegen wenig. Die Wand wird nicht automatisch besser, nur weil eine robustere und teurere Platte daraufgeschraubt wurde.
Hält Rigips wirklich keine schweren Schränke?
Ein besonders hartnäckiger Irrtum lautet, an einer normalen Rigipswand könne man kaum etwas Schweres befestigen.
So pauschal ist das falsch.
Rigips zeigt selbst ein Berechnungsbeispiel für einen 50 kg schweren Hängeschrank an einer einlagig mit 12,5 mm Rigips RB beplankten Wand. Bei zwei geeigneten Kunststoffhohlraumdübeln ergibt sich laut Hersteller eine zulässige Befestigungslast von insgesamt 60 kg. Dabei gelten unter anderem vorgeschriebene Abstände zwischen den Befestigungspunkten sowie die Angaben des Dübelherstellers.
Fermacell bietet trotzdem größere Reserven. Für eine 12,5-mm-Gipsfaserplatte nennt der Hersteller Konsollasten von bis zu 50 kg je Befestigungspunkt, abhängig vom verwendeten Befestigungsmittel und den vorgegebenen Randbedingungen.
Der entscheidende Unterschied lautet deshalb nicht:
An Fermacell kann man Schränke aufhängen, an Rigips nicht.
Sondern: Fermacell bietet bei Befestigungen direkt in der Platte höhere Reserven und ist bei häufigen oder schwereren Befestigungen weniger empfindlich.
Für außergewöhnlich hohe Lasten muss unabhängig vom Plattenhersteller geprüft werden, was der komplette Wandaufbau zulässt. Falls erforderlich, werden Traversen, Tragständer oder entsprechend ausgelegte Spezialkonstruktionen vorgesehen.
Wann lohnt sich Fermacell hinter Küchenschränken?
Gerade bei Küchen ist Fermacell deshalb interessant, aber keineswegs zwingend.
Steht schon vor dem Bau fest, wo schwere Hängeschränke befestigt werden, lassen sich diese Bereiche bei einer klassischen Trockenbauwand gezielt verstärken. Dann kann eine günstigere Gipskartonbeplankung weiterhin sinnvoll sein.
Anders sieht es aus, wenn später möglichst flexibel gebohrt und befestigt werden soll. Hier spielt eine robuste Gipsfaserplatte ihre Vorteile aus.
Für eine Küche lautet die Entscheidung deshalb eher:
maximale Flexibilität bei späteren Befestigungen → Fermacell interessant
Befestigungspunkte bekannt und konstruktiv vorbereitet → Standard-Gipskarton kann ausreichen
Ist Fermacell schwieriger zu verarbeiten?
Vor allem ist es schwerer.
Fermacell muss keineswegs grundsätzlich mit einer Kreissäge zugeschnitten werden. Gipsfaserplatten können auch angeritzt und anschließend an der Schnittlinie gebrochen werden. Für gerade Zuschnitte funktioniert das ähnlich wie bei einer klassischen Gipsplatte; aufgrund des härteren Materials werden dafür geeignete Werkzeuge eingesetzt.
Der Unterschied macht sich stärker bei Ausschnitten, vielen Detailarbeiten und beim Handling bemerkbar. Fermacell ist dichter, härter und schwerer. Für die Befestigung auf Holz- oder Metallunterkonstruktionen sieht der Hersteller zudem auf das System abgestimmte Schnellbauschrauben beziehungsweise Klammern vor.
Bei einer einzelnen Trennwand ist das überschaubar. Wer dagegen ein komplettes Dachgeschoss allein ausbaut, wird den Gewichtsunterschied schnell bemerken.
Bei Decken spricht viel für Gipskarton
Gerade bei einer abgehängten Decke bringt die zusätzliche Härte einer Gipsfaserplatte häufig wenig Nutzen.
Dafür muss jedes zusätzliche Kilogramm:
- in den Raum gebracht,
- auf Arbeitshöhe gehoben,
- ausgerichtet und
- bis zur Befestigung gehalten werden.
Eine leichtere Gipskartonplatte ist hier deutlich angenehmer zu verarbeiten. Auch Rigips nennt die Bauplatte RB ausdrücklich als Platte für Wand- und Deckensysteme.
Wer allein arbeitet, sollte das Gewicht deshalb mindestens genauso ernst nehmen wie Festigkeitswerte auf dem Datenblatt.
Fermacell im Badezimmer: besser als Rigips?
Auch diese Frage lässt sich nicht mit einem einfachen Ja beantworten.
Fermacell-Gipsfaserplatten werden bereits bei der Herstellung hydrophobiert. Der Hersteller sieht sie auch für häusliche Feuchträume vor. Sie sind deshalb vielseitiger als eine normale Rigips Bauplatte RB.
Das macht Fermacell jedoch nicht wasserdicht.
In Bereichen mit Wassereinwirkung muss weiterhin ein dafür geeigneter und regelgerechter Wandaufbau einschließlich erforderlicher Abdichtung geplant werden. Für stärker beanspruchte Nassbereiche bietet Fermacell mit Powerpanel H₂O zudem eine zementgebundene Platte an.
Und auch Rigips hat passende Lösungen für Badezimmer.
Die grüne Rigips Bauplatte RBI 12,5 ist eine kernimprägnierte Gipsplatte des Typs H2 und ausdrücklich für häusliche Feuchträume wie Badezimmer vorgesehen. Für höhere Feuchtebeanspruchungen gibt es beispielsweise Glasroc X.
Wer ein Badezimmer ausbaut, sollte deshalb nicht einfach zwischen den Markennamen Fermacell und Rigips entscheiden. Entscheidend ist die Feuchtebeanspruchung am jeweiligen Bauteil und der dafür geeignete komplette Aufbau.
Brandschutz: Nicht die einzelne Platte entscheidet
Fermacell-Gipsfaserplatten sind als nicht brennbarer Baustoff A2 eingestuft. Auch klassische Rigipsplatten werden als nicht brennbare Platten angeboten.
Daraus folgt allerdings nicht automatisch, dass eine daraus gebaute Wand einen bestimmten Feuerwiderstand erreicht.
Für Brandschutzanforderungen zählt die komplette geprüfte Konstruktion: Plattenart, Plattendicke, Anzahl der Lagen, Unterkonstruktion, Dämmstoff und Anschlüsse müssen zusammenpassen. Rigips weist bei der normalen Bauplatte RB ausdrücklich darauf hin, dass sie in der Regel für Systeme ohne Brandschutzanforderungen vorgesehen ist.
Wer beispielsweise einen definierten Feuerwiderstand benötigt, sollte daher fertige Systemaufbauten vergleichen und nicht einzelne Platten.
Auch beim Schallschutz zählt die ganze Wand
Ähnliches gilt für den Schallschutz.
Die hohe Masse von Fermacell kann für schallschutztechnisch leistungsfähige Konstruktionen hilfreich sein. Der Hersteller nennt Brand- und Schallschutz ausdrücklich als Einsatzfelder seiner Gipsfaserplatten.
Trotzdem lässt sich aus dem Gewicht einer Platte nicht direkt ableiten, welche Wand besser dämmt. Ständerwerk, Hohlraumdämmung, Zahl und Art der Beplankungslagen sowie die Anschlüsse beeinflussen das Ergebnis erheblich.
Deshalb sollte auch hier der Schalldämmwert des vollständigen Wandaufbaus verglichen werden.
Der eigentliche Fermacell-Gegner heißt Rigidur
Bis hierhin haben wir bewusst das verglichen, was die meisten Heimwerker unter „Fermacell oder Rigips?“ verstehen: Fermacell-Gipsfaser gegen eine einfache Rigips-Gipskartonplatte.
Technisch ist das allerdings kein Vergleich gleicher Plattentypen.
Denn Rigips stellt selbst Gipsfaserplatten her. Das Produkt heißt Rigidur H.
Rigidur H 12,5 ist ebenfalls eine homogene Gipsfaserplatte. Rigips beschreibt sie als hart und robust und sieht sie für Wand- und Deckensysteme mit Brand- und Schallschutzanforderungen sowie für häusliche Feuchträume vor.
Damit liegt Rigidur deutlich näher an Fermacell als eine einfache Rigips Bauplatte RB.
Und hier wird auch der Preisvergleich interessant: Bei Bauhaus kostet die dort angebotene Rigidur-Gipsfaserplatte mit 12,5 mm aktuell ebenfalls 9,97 €/m² – exakt so viel wie die dort verglichene Fermacellplatte.
Das zeigt: Der große Preisunterschied entsteht in diesem Beispiel vor allem zwischen einer massiven Gipsfaserplatte und einer einfachen Gipskartonplatte – nicht zwischen Fermacell und Rigips als Marken.
Wer gezielt eine Gipsfaserplatte sucht, sollte deshalb Fermacell mit Rigidur und gegebenenfalls weiteren vergleichbaren Produkten gegenüberstellen.
Die teurere Platte macht nicht automatisch die teurere Wand
Der Quadratmeterpreis allein kann trotzdem täuschen.
Für die tatsächlichen Kosten einer Trockenbauwand spielen zusätzlich eine Rolle:
- Anzahl der erforderlichen Beplankungslagen,
- Unterkonstruktion,
- Schrauben und Befestigungsmittel,
- Fugenmaterial,
- mögliche Verstärkungen,
- Verschnitt,
- Arbeitsaufwand.
Fermacell verweist beispielsweise darauf, dass bei bestimmten Systemaufbauten eine Lage anstelle von zwei Lagen ausreichen kann. Das gilt nicht pauschal, zeigt aber, warum immer der komplette geplante Aufbau miteinander verglichen werden sollte.
Eine Platte, die doppelt so viel kostet, macht eine fertige Wand daher nicht automatisch doppelt so teuer.
Fermacell oder Rigips: Was eignet sich wofür?
Für viele typische Renovierungsarbeiten lässt sich die Auswahl recht pragmatisch treffen.
- Normale Trennwand im Wohnbereich: Eine klassische Gipskartonplatte reicht häufig aus. Der Mehrpreis von Fermacell bringt dort nicht zwingend einen praktischen Vorteil.
- Abgehängte Decke: Hier spricht das deutlich geringere Gewicht für Gipskarton.
- Dachschrägen: Auch hier ist das Handling einer leichteren Platte ein starkes Argument.
- Küche mit vielen Befestigungen: Fermacell oder eine andere robuste Platte wird interessanter, insbesondere wenn die späteren Befestigungspunkte noch nicht feststehen.
- Werkstatt, Flur oder stark beanspruchter Raum: Die mechanische Robustheit von Gipsfaserplatten kann den Mehrpreis rechtfertigen.
- Badezimmer: Nicht nach Marke entscheiden. Die richtige Platte hängt von der Feuchtebeanspruchung und dem vorgesehenen Abdichtungssystem ab.
- Brand- oder Schallschutz: Keine Einzelplatten vergleichen, sondern geprüfte komplette Konstruktionen.

Wann lohnt sich der höhere Preis von Fermacell?
Fermacell lohnt sich nicht deshalb, weil Gipskarton grundsätzlich schlecht oder instabil wäre. Für Millionen klassische Trockenbauanwendungen reicht eine Standard-Gipsplatte völlig aus.
Der Aufpreis wird interessant, wenn die besonderen Eigenschaften der Gipsfaserplatte tatsächlich genutzt werden: hohe mechanische Belastbarkeit, mehr Reserven bei Befestigungen und ein breiter Einsatzbereich auch in häuslichen Feuchträumen.
Wer dagegen nur eine einfache Trennwand oder Deckenbekleidung benötigt, bezahlt unter Umständen für Eigenschaften, die er nie braucht.
Bei den aktuell verglichenen Baumarktpreisen ist dieser Unterschied erheblich: 9,97 €/m² für Fermacell stehen 4,42 €/m² für die einfache Rigips-Gipskartonplatte gegenüber.
Deshalb ist es selten sinnvoll, ein komplettes Haus pauschal mit dem einen oder anderen Material auszubauen. Die wirtschaftlichere Lösung kann darin bestehen, unterschiedliche Platten dort einzusetzen, wo ihre jeweiligen Vorteile tatsächlich gebraucht werden.
Und wer die Eigenschaften von Fermacell möchte, aber Alternativen sucht, sollte den Blick erweitern. Denn ausgerechnet Rigips bietet mit Rigidur eine Gipsfaserplatte an, die technisch wesentlich näher an Fermacell liegt als die klassische Rigipsplatte.
Quellen
- Fermacell: Gipsfaserplatten – Eigenschaften und technische Daten
- Rigips: Bauplatte RB 12,5
- Rigips: Lastenbefestigung an Wand und Decke
- Rigips: Feuchteschutz und Feuchtraumplatten
- Rigips: Rigidur H 12,5 Gipsfaserplatte
- Bauhaus: Fermacell Gipsfaserplatte 12,5 mm und Rigips Gipskartonplatte 12,5 mm – Preisvergleich, abgerufen am 15.08.2026





