Wasser läuft an der Fassade herunter, unter der Dachrinne bilden sich Tropfen oder an einer Verbindung wird es bei jedem Regenschauer nass. Dann scheint die Sache klar: Die Dachrinne ist undicht. Doch das muss nicht stimmen. Manchmal läuft das Wasser lediglich über, weil Laub den Ablauf blockiert. Auch ein durchhängender Rinnenabschnitt oder eine schlecht sitzende Verbindung kann die Ursache sein.
Deshalb gilt: Nicht sofort zur Kartusche mit Dichtmasse greifen. Finden Sie zuerst heraus, woher das Wasser kommt. Kleine Löcher und einzelne undichte Stellen lassen sich häufig reparieren. Bei stark gealterten, verformten oder an mehreren Stellen beschädigten Rinnen ist ein Austausch meist die bessere Lösung.

Das Wichtigste in Kürze
- Prüfen Sie zuerst, ob die Dachrinne wirklich undicht ist oder lediglich überläuft.
- Kleine Löcher und begrenzte Schäden lassen sich häufig mit einem geeigneten Reparatursystem abdichten.
- Bei Kunststoffrinnen hängt die Reparatur vom System ab: Manche werden gesteckt, andere geklebt.
- Für Metallrinnen kommen je nach Werkstoff unter anderem Kleben, Abdichten oder Löten infrage.
- Verwenden Sie keinen beliebigen Dichtstoff. Er muss für das jeweilige Rinnenmaterial und den Einsatz im Außenbereich geeignet sein.
- Ist die Rinne an mehreren Stellen korrodiert, spröde oder stark verformt, lohnt sich meist der Austausch.
Warum tropft Wasser aus der Dachrinne?
Bevor Sie eine undichte Stelle reparieren, sollten Sie die Ursache kennen. Wasser an oder unter einer Dachrinne kann verschiedene Gründe haben.
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Was zu tun ist |
| Wasser läuft über die Vorderkante | Rinne oder Fallrohr verstopft | reinigen und Ablauf prüfen |
| Wasser tropft an einer Verbindung | Verbindung oder Dichtung undicht | Verbindung kontrollieren |
| Wasser tritt mitten aus der Rinne aus | Loch, Riss oder Korrosionsstelle | lokal reparieren |
| Wasser steht in der Rinne | Gefälle fehlt oder Rinne hängt durch | Halterung und Verlauf prüfen |
| Kunststoffrinne tropft am Verbinder | Dichtung verschoben, verschmutzt oder beschädigt | Verbindung demontieren und prüfen |
| Mehrere Stellen sind undicht | Material stark gealtert oder korrodiert | Austausch prüfen |
Gerade nach längerem trockenem Wetter sammeln sich Blätter, Moos und Schlamm in der Rinne. Bei starkem Regen reicht der freie Querschnitt dann nicht mehr aus. Das Wasser läuft über den Rand, obwohl die Rinne selbst völlig intakt ist.
Wie Sie Rinne und Fallrohr kontrollieren und reinigen, lesen Sie in unserem Ratgeber Dachrinne reinigen: So entfernen Sie Laub, Schlamm und Verstopfungen richtig.

Undichte Stelle in der Dachrinne finden
Nicht immer liegt das Loch dort, wo das Wasser heruntertropft. Regenwasser kann ein Stück an der Unterseite der Rinne entlanglaufen und erst einige Zentimeter oder sogar weiter entfernt abtropfen.
Gehen Sie deshalb systematisch vor:
- Entfernen Sie zunächst Laub, Schlamm und andere Ablagerungen.
- Kontrollieren Sie die trockene Rinne auf Risse, Löcher, Korrosion und beschädigte Verbindungen.
- Prüfen Sie besonders Rinnenstöße, Endstücke und den Bereich um den Ablauf.
- Lassen Sie anschließend abschnittsweise etwas Wasser durch die Rinne laufen.
- Beobachten Sie von unten, an welcher Stelle das Wasser tatsächlich austritt.
Bei Kunststoffrinnen lohnt sich ein genauer Blick auf die Verbindungsschalen und Dichtungen. Verschmutzungen oder eine verrutschte Verbindung können bereits ausreichen, damit Wasser austritt.

Vor dem Abdichten: Untergrund vorbereiten
Eine Reparatur hält nur so gut wie der Untergrund, auf dem sie sitzt. Kleber oder Dichtmasse auf Schmutz, lose Beschichtungen oder eine stark korrodierte Fläche aufzutragen, bringt wenig.
Je nach Werkstoff und Reparaturprodukt müssen Sie deshalb:
- Schmutz und Ablagerungen entfernen,
- lose Bestandteile beseitigen,
- die Fläche reinigen und gegebenenfalls entfetten,
- Korrosionsprodukte vorsichtig entfernen,
- den Untergrund gegebenenfalls anschleifen,
- die Verarbeitungshinweise des Herstellers beachten.
Ob die Fläche trocken sein muss und ob ein Reiniger oder Primer erforderlich ist, hängt vom verwendeten Produkt ab. Verlassen Sie sich hier nicht auf allgemeine Aussagen wie „haftet auch auf feuchtem Untergrund“. Maßgeblich sind die Angaben des Herstellers.

Kleine Löcher in der Dachrinne abdichten
Ein kleines Loch bedeutet nicht automatisch, dass die komplette Dachrinne erneuert werden muss. Ist das umliegende Material noch fest und unbeschädigt, kann eine lokale Reparatur sinnvoll sein.
Dafür gibt es beispielsweise:
- Dachrinnen-Reparaturbänder,
- geeignete Dicht- und Reparaturmassen,
- materialabhängige Klebesysteme,
- Reparaturbleche oder professionelle Lötverbindungen.
Welche Methode passt, hängt vor allem vom Material und vom Zustand der Rinne ab.
Ein Reparaturband kann bei einem kleinen, klar begrenzten Schaden eine einfache Lösung sein. Es muss jedoch für den Untergrund und den dauerhaften Außeneinsatz geeignet sein. Vor dem Aufkleben wird die Reparaturstelle nach Herstellervorgabe gereinigt und vorbereitet.
Bei einer großflächig korrodierten Metallrinne ist ein aufgeklebtes Band dagegen eher Kosmetik. Wenn das Material neben der sichtbaren Schadstelle bereits stark angegriffen ist, kann kurze Zeit später das nächste Loch entstehen.
Dachrinne mit Dichtmasse reparieren
Auch Dichtmassen können kleine Löcher oder undichte Anschlüsse schließen. Dabei sollten Sie jedoch nicht einfach irgendeine Silikonkartusche aus dem Werkzeugschrank verwenden.
Sanitärsilikon ist beispielsweise für einen völlig anderen Einsatzzweck entwickelt worden. Für eine Dachrinne muss der verwendete Dichtstoff unter anderem zum Untergrund passen und für die Witterungsbeanspruchung im Außenbereich vorgesehen sein.
Achten Sie deshalb auf die Herstellerangaben zu:
- geeignetem Rinnenmaterial,
- Untergrundvorbereitung,
- Verarbeitungstemperatur,
- UV- und Witterungsbeständigkeit,
- notwendiger Schichtdicke,
- Aushärtezeit.
Besonders bei Rinnenverbindungen sollte die verwendete Dicht- oder Klebetechnik zum vorhandenen System passen.
Undichte Dachrinnenverbindung reparieren
Viele Leckagen entstehen nicht mitten im Rinnenstück, sondern dort, wo zwei Teile aufeinandertreffen.
Bei einer Metallrinne kann eine Verbindung beispielsweise geklebt, genietet, abgedichtet oder gelötet sein. Bei Kunststoffrinnen gibt es ebenfalls unterschiedliche Konstruktionen.
Deshalb sollten Sie eine undichte Verbindung nicht einfach von außen mit einer dicken Schicht Dichtstoff überziehen.
Prüfen Sie zunächst:
- Sitzen beide Rinnenstücke noch richtig?
- Hat sich eine Steckverbindung verschoben?
- Ist eine Dichtung verschmutzt, verrutscht oder beschädigt?
- Hat sich eine geklebte Verbindung gelöst?
- Sind Risse oder Verformungen sichtbar?
Bei manchen gesteckten Kunststoffsystemen genügt es, die Verbindung zu lösen, zu reinigen und anschließend wieder korrekt zusammenzusetzen.

Kunststoff-Dachrinne reparieren: Erst das System bestimmen
Bei Kunststoffrinnen gibt es keine Reparaturmethode, die für alle Systeme funktioniert.
Ein gutes Beispiel sind Dachrinnen von Marley. Dort werden bestimmte halbrunde Rinnen lediglich zusammengesteckt. Die Verbindung ermöglicht es den Rinnenteilen, sich bei Temperaturschwankungen auszudehnen. Diese Systeme dürfen laut Hersteller nicht einfach verklebt werden.
Andere Kunststoffrinnen desselben Herstellers, etwa bestimmte Kasten- und Duplexrinnen, werden dagegen gezielt mit einem Spezialkleber verbunden.
Das zeigt, warum pauschale Anleitungen problematisch sind.
Bevor Sie eine Kunststoffrinne reparieren, klären Sie daher:
- Welcher Hersteller und welches System ist verbaut?
- Handelt es sich um eine Steck- oder Klebeverbindung?
- Gibt es eine Dichtung in der Verbindung?
- Welches Reparaturverfahren gibt der Hersteller vor?
Ist der Kunststoff bereits spröde, mehrfach gerissen oder stark verzogen, hilft eine punktuelle Reparatur meist nicht mehr lange. Dann ist es sinnvoller, das betroffene Rinnenstück auszutauschen.
Titanzink-Dachrinne reparieren
Bei Dachrinnen aus Titanzink sind Löt- und Klebeverbindungen übliche Verfahren. Kleine Schäden lassen sich je nach Zustand ebenfalls fachgerecht reparieren.
Das Löten ist allerdings kein typischer Anfängerjob. Eine dauerhaft dichte Lötnaht setzt einen sauberen Untergrund, geeignete Werkzeuge, das passende Lot und Flussmittel sowie Erfahrung mit dem Werkstoff voraus.
Hinzu kommt die Arbeit in unmittelbarer Nähe von Dachkonstruktion und Fassade. Wer mit heißem Lötkolben oder offener Flamme arbeitet, muss auch den Brandschutz im Blick behalten.
Bei Unsicherheit sollte eine solche Reparatur ein Dachdecker- oder Klempnerbetrieb übernehmen.
Kupfer-, Aluminium- und Stahlrinnen nicht gleich behandeln
Auch bei anderen Metallrinnen hängt die passende Reparatur vom Material ab.
Kupferrinnen können fachgerecht gelötet werden. Dabei sind Materialkenntnis und die richtige Löttechnik erforderlich.
Aluminiumrinnen werden je nach System beispielsweise geklebt, genietet und abgedichtet. Klassisches Weichlöten wie bei Titanzink oder Kupfer ist hier nicht die übliche Heimwerkerlösung.
Beschichtete Stahlrinnen sollten besonders an beschädigten Stellen auf Korrosion geprüft werden. Ist nur eine kleine Stelle betroffen, kann eine systemgerechte Reparatur möglich sein. Hat sich Rost bereits großflächig ausgebreitet, ist der Austausch des Rinnenabschnitts meist sinnvoller.
Bei älteren Dachrinnen ist außerdem nicht immer auf den ersten Blick klar, aus welchem Werkstoff sie bestehen. Wenn Sie das Material nicht sicher bestimmen können, sollten Sie nicht auf Verdacht schleifen, löten oder chemische Reiniger einsetzen.
Was tun, wenn Wasser in der Dachrinne stehen bleibt?
Stehendes Wasser bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Dachrinne undicht ist. Häufig stimmt das Gefälle nicht mehr oder ein Rinnenhalter hat sich abgesenkt.
Hersteller arbeiten bei außenliegenden Dachrinnen häufig mit einem leichten Gefälle in Richtung Ablauf. Je nach System liegen typische Herstellerangaben beispielsweise im Bereich von wenigen Millimetern pro Meter.
Bevor Sie an den Haltern etwas verändern, sollten Sie allerdings prüfen, wie das vorhandene System ursprünglich montiert wurde. Nicht jede Dachrinne muss zwingend mit demselben Gefälle ausgeführt sein.
Ist ein Halter verbogen oder hat sich die Unterkonstruktion verändert, kann sich Wasser lokal sammeln. Dann behebt eine neue Dichtmasse nicht die Ursache.
Reparieren oder Dachrinne austauschen?
Eine Reparatur lohnt sich vor allem dann, wenn der Schaden klein und klar begrenzt ist.
Eine Reparatur kommt infrage bei:
- einem einzelnen kleinen Loch,
- einer begrenzten undichten Verbindung,
- einem lokal beschädigten Endstück,
- einem einzelnen Riss in ansonsten intaktem Material.
Ein Austausch ist meist sinnvoller bei:
- mehreren Löchern oder Korrosionsstellen,
- großflächigem Materialabbau,
- sprödem Kunststoff,
- mehreren Rissen,
- stark verformten Rinnenstücken,
- immer wieder undichten Verbindungen,
- beschädigten oder lockeren Rinnenhaltern.
Ein Reparaturband auf einer fast durchgerosteten Rinne verschiebt den Austausch lediglich.
Auch die Ableitung des Regenwassers prüfen
Wenn Sie ohnehin an der Dachrinne arbeiten, lohnt sich ein Blick auf den gesamten Wasserweg. Das Wasser muss von der Rinne über den Ablauf und das Fallrohr zuverlässig weitergeleitet werden.
Wo es anschließend bleiben darf, hängt von den örtlichen Voraussetzungen ab. Regenwasser einfach neben das Haus oder auf das Nachbargrundstück laufen zu lassen, ist keine gute Lösung.
Welche Möglichkeiten es für Rückhaltung und Versickerung gibt und worauf Grundstückseigentümer achten müssen, erklären wir im Beitrag Regenwasser versickern auf dem Grundstück.
Vorsicht bei Arbeiten auf der Leiter
Die schwierigste Aufgabe bei einer Dachrinnenreparatur ist häufig nicht das Abdichten, sondern der sichere Zugang.
Stellen Sie eine Leiter nur auf einen tragfähigen und ebenen Untergrund. Lehnen Sie sich nicht weit seitlich hinaus, um noch den nächsten Meter Rinne zu erreichen. Versetzen Sie die Leiter stattdessen.
Besonders problematisch wird es, wenn Sie mit beiden Händen arbeiten, schwere Werkzeuge benötigen oder die Schadstelle nur schwer erreichen können. In solchen Fällen ist eine geeignete Arbeitsplattform oder ein Fachbetrieb die bessere Wahl.
Steigen Sie für eine kleine Dachrinnenreparatur nicht ungesichert auf das Dach.
Häufige Fragen zur Reparatur einer Dachrinne
Kann man eine Dachrinne mit Silikon abdichten?
Nicht mit beliebigem Silikon. Es gibt spezielle Dichtstoffe, die für bestimmte Dachrinnen und Werkstoffe vorgesehen sind. Ob ein Produkt geeignet ist, hängt von Material, System und Herstellerfreigabe ab. Sanitärsilikon ist keine universelle Dachrinnenreparatur.
Kann ich ein Loch in der Dachrinne einfach zukleben?
Ein kleines, lokal begrenztes Loch lässt sich je nach Material mit einem geeigneten Reparaturband, einer Reparaturmasse oder einem anderen vorgesehenen System schließen. Ist das umliegende Material bereits stark korrodiert oder spröde, sollte das beschädigte Rinnenstück ersetzt werden.
Warum tropft meine Dachrinne an der Verbindung?
Mögliche Ursachen sind eine verschobene Verbindung, Schmutz, eine beschädigte Dichtung, eine gelöste Klebestelle oder eine schadhafte Lötnaht. Bei Stecksystemen sollte die Verbindung zunächst kontrolliert und gereinigt werden.
Kann ich eine Kunststoff-Dachrinne kleben?
Das hängt vom System ab. Manche Kunststoffrinnen werden ausdrücklich geklebt, andere sind als bewegliche Stecksysteme konstruiert und dürfen nicht verklebt werden. Prüfen Sie deshalb immer die Herstellerangaben.
Kann man eine Zink-Dachrinne löten?
Titanzink-Dachrinnen können fachgerecht weichgelötet werden. Für eine dauerhaft dichte Verbindung sind jedoch die richtige Vorbereitung, geeignetes Lot und Flussmittel sowie Erfahrung erforderlich.
Wann sollte eine Dachrinne komplett erneuert werden?
Wenn mehrere Stellen undicht sind, das Material großflächig korrodiert ist oder eine Kunststoffrinne spröde und mehrfach gerissen ist, lohnt sich eine punktuelle Reparatur meist nicht mehr. Häufig genügt es jedoch, nur den beschädigten Abschnitt auszutauschen.
RHEINZINK: Verbindungstechniken für die Dachentwässerung – Weichlöten und Kleben
PREFA: Verarbeitung und Verbindung von Hängerinnen
Marley: FAQ zu Kunststoff-Dachrinnensystemen und Verbindungen
Marley: Montage von Kasten-, Duplex- und halbrunden Dachrinnen
DGUV Information 208-016: Die Verwendung von Leitern und Tritten




