Schwerlastregale richtig planen: Traglast, Sicherheit und Prüfung

Von Dominik Hochwarth

Schwere Maschinenteile, Paletten mit Baustoffen oder Werkzeuge lassen sich nicht beliebig in irgendein Regal stellen. Je höher die Lasten werden, desto wichtiger ist es, Regalsystem, Hallenboden und Nutzung gemeinsam zu betrachten. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie viele Kilogramm ein Regal trägt. Auch die Verankerung, Verkehrswege, mögliche Staplerkollisionen und regelmäßige Prüfungen spielen eine Rolle.

Wer ein Lager neu plant oder bestehende Regale erweitert, sollte deshalb zuerst klären, was gelagert wird und wie die Ware bewegt werden soll. Erst danach lässt sich das passende Regalsystem auswählen.

Industriehalle mit hohen Schwerlastregalen, gestapelten Paletten, Gabelstapler und mehreren Hubwagen.
Schwerlastregale ermöglichen eine hohe Lagerdichte und nutzen die Hallenhöhe effizient aus. Bei der Planung müssen Traglast, Boden, Verkehrswege und der Einsatz von Flurförderzeugen zusammenpassen.

Welches Schwerlastregal eignet sich für welche Ware?

„Schwerlastregal“ ist ein Sammelbegriff. Dahinter können sehr unterschiedliche Konstruktionen stecken. Nicht jedes Regal eignet sich deshalb für jede Art von Lagergut.

Typische Systeme sind:

  • Palettenregale: für Waren auf Paletten, die häufig mit Staplern ein- und ausgelagert werden
  • Fachboden- und Weitspannregale: für Kartons, Behälter oder schwere Einzelteile, die häufig von Hand entnommen werden
  • Kragarmregale: für lange Güter wie Rohre, Profile, Balken oder Platten
  • Durchlaufregale: für Waren, die nach dem First-in-first-out-Prinzip bewegt werden sollen
Infografik mit Palettenregal, Fachboden- und Weitspannregal, Kragarmregal und Durchlaufregal sowie typischen Lagergütern.
Je nach Lagergut kommen unterschiedliche Regalsysteme infrage – vom Paletten- und Weitspannregal bis zum Kragarm- und Durchlaufregal.

Vor dem Kauf sollte daher nicht einfach nach dem Regal mit der höchsten Kilogrammangabe gesucht werden. Entscheidend ist, wie groß und schwer das Lagergut ist, wie es in das Regal gelangt und wie häufig darauf zugegriffen wird.

Für schwere Einzelteile und andere entsprechend hohe Lasten kommt beispielsweise ein Schwerlastregal Industrie infrage. Ob ein bestimmtes Modell tatsächlich geeignet ist, ergibt sich aber erst aus den Lastangaben und den Vorgaben des Herstellers.

Fachlast und Feldlast nicht verwechseln

Bei größeren Regalanlagen tauchen häufig zwei Angaben auf: Fachlast und Feldlast. Sie klingen ähnlich, bedeuten aber etwas anderes.

  • Die Fachlast gibt an, wie viel eine einzelne Lagerebene tragen darf.
  • Die Feldlast bezeichnet dagegen die zulässige Gesamtbelastung eines Regalfeldes. Das ist normalerweise der Bereich zwischen zwei Regalständern.
Infografik mit Schwerlastregal zur Erklärung von Fachlast und Feldlast mit Beispielwerten von 1.000 und 3.500 Kilogramm.
Fachlast und Feldlast sind nicht dasselbe: Die Fachlast gilt für eine einzelne Lagerebene, die Feldlast für das gesamte Regalfeld.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Ein Regal besitzt vier Ebenen, die jeweils für 1.000 Kilogramm ausgelegt sind. Daraus folgt nicht automatisch, dass das gesamte Feld mit 4.000 Kilogramm belastet werden darf. Ist die zulässige Feldlast niedriger, muss diese Grenze eingehalten werden.

Deshalb gehören die zulässigen Belastungen gut sichtbar an die Regalanlage. Besonders bei Umbauten ist Vorsicht nötig. Werden Traversen versetzt, Ebenen ergänzt oder die Lagergüter verändert, können sich die Voraussetzungen ändern.

Auch der Hallenboden muss die Last tragen

Ein Schwerlastregal kann nur so sicher stehen wie der Untergrund, auf dem es montiert wird.

Bei hohen Regalen konzentrieren sich große Lasten auf vergleichsweise kleine Flächen unter den Regalstützen. Für die Planung reicht es daher nicht aus, nur die Gesamtmasse der eingelagerten Ware zu kennen. Es muss geklärt werden, welche Lasten tatsächlich in die Bodenplatte eingeleitet werden.

Infografik zeigt den Lastabtrag eines Schwerlastregals über Regalstützen, Fußplatten und Bodenanker in die Bodenplatte.
Die Lasten eines Schwerlastregals werden über die Regalstützen und Fußplatten punktuell in die Bodenplatte eingeleitet.

Besonders bei bestehenden Gewerbehallen sollte geprüft werden:

  • Wie ist die Bodenplatte aufgebaut?
  • Welche Lasten kann sie aufnehmen?
  • Wo liegen Bewehrung oder Leitungen?
  • Welche Befestigungen schreibt der Regalhersteller vor?
  • Ist der Boden ausreichend eben?
  • Sind bereits Schäden oder Risse vorhanden?

Bei hohen Lasten oder unklarer Konstruktion sollte die Tragfähigkeit der Bodenplatte fachlich beurteilt werden. Einen grundsätzlichen Überblick über Aufbau und Funktion einer Bodenplatte gibt unser Beitrag Bodenplatte fürs Haus selber machen: Anleitung & Tipps. Bei industriell genutzten Hallen sind die Lastfälle allerdings erheblich spezieller und müssen entsprechend geplant werden.

Wie werden Schwerlastregale am Boden befestigt?

Ortsfeste Regale werden je nach Konstruktion und Herstellervorgabe gegen Verschieben gesichert, beispielsweise mit geeigneten Bodenankern.

Welche Befestigung erforderlich ist, lässt sich nicht allein anhand des Regalgewichts bestimmen. Untergrund, Ankerart, Randabstände, Verankerungstiefe und auftretende Kräfte müssen zusammenpassen.

Ein Dübel oder Anker trägt außerdem nicht unabhängig vom Untergrund immer dieselbe Last. Beton verhält sich anders als Mauerwerk, und selbst bei Beton spielen Betongüte, Randabstände und die konkrete Zulassung des Befestigungssystems eine Rolle.

Wie solche Befestigungen grundsätzlich funktionieren und warum sich Schwerlastanker nicht nur nach einer Kilogrammangabe auswählen lassen, erklären wir ausführlich im Ratgeber Schwere Lasten befestigen: Welcher Dübel hält in Beton und Mauerwerk?.

Bei einer Regalanlage sollten allerdings immer die Montage- und Befestigungsvorgaben des Herstellers maßgeblich sein.

Wann braucht ein Regal einen Anfahrschutz?

Wo Gabelstapler oder andere Flurförderzeuge fahren, können bereits vergleichsweise kleine Kollisionen eine Regalstütze beschädigen. Eine verbogene Stütze ist nicht nur ein optischer Mangel. Sie kann die Tragfähigkeit der Konstruktion beeinträchtigen.

Für ortsfeste Regale, die mit nicht leitliniengeführten Fördermitteln be- oder entladen werden, ist deshalb an gefährdeten Eckbereichen und Durchfahrten ein Anfahrschutz vorgesehen. Nach den Vorgaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung soll dieser am Boden verankert und nicht direkt mit der Regalstütze verbunden sein.

Infografik mit Gabelstapler, Schwerlastregal und gelb-schwarzem Anfahrschutz vor einer gefährdeten Eckstütze.
An gefährdeten Eckbereichen schützt ein separat im Boden verankerter Anfahrschutz die Regalstützen vor Kollisionen mit Flurförderzeugen.

Davon zu unterscheiden sind zusätzliche Stützenschutzeinrichtungen innerhalb der Regalgasse. Ob solche Schutzmaßnahmen sinnvoll oder erforderlich sind, hängt von der konkreten Nutzung und Gefährdungsbeurteilung ab.

Eine einfache Regel für die Praxis lautet: Je häufiger Stapler dicht an Regalstützen vorbeifahren, desto wichtiger wird der Schutz vor Anfahrschäden.

Schwerlastregale müssen regelmäßig kontrolliert werden

Regale in einem gewerblichen Lager sind Arbeitsmittel. Werden sie Einflüssen ausgesetzt, die zu gefährlichen Beschädigungen führen können, schreibt die Betriebssicherheitsverordnung wiederkehrende Prüfungen durch eine zur Prüfung befähigte Person vor.

Das betrifft insbesondere Regale, die mit Gabelstaplern oder anderen Flurförderzeugen be- und entladen werden.

Die DIN EN 15635 unterscheidet dabei zwischen zwei Ebenen der Kontrolle:

  • einer Experteninspektion mindestens alle zwölf Monate,
  • zusätzlichen Sichtkontrollen in kürzeren Abständen.

Für die Sichtkontrollen wird häufig ein wöchentlicher Rhythmus zugrunde gelegt. Die tatsächlichen Abstände können jedoch anhand einer Risikoanalyse festgelegt werden.

Geprüft werden unter anderem:

  • Schäden und Verformungen an Stützen und Trägern,
  • Spuren von Kollisionen,
  • Zustand der Bodenverankerungen,
  • vorhandene Aushebesicherungen,
  • Anfahrschutz,
  • Zustand des Hallenbodens,
  • erkennbare Überlastungen,
  • Belastungs- und Informationshinweise,
  • korrekte Position der eingelagerten Ware.

Das Ergebnis vorgeschriebener Prüfungen muss dokumentiert werden.

Was tun, wenn eine Regalstütze verbogen ist?

Ein häufiger Fehler besteht darin, Schäden nach einer Staplerkollision lediglich optisch zu beurteilen. Eine Regalstütze, die nur leicht verformt aussieht, sollte nicht automatisch weiter genutzt werden.

Die DIN EN 15635 sieht für Schäden ein Bewertungssystem vor. Abhängig vom Ausmaß der Verformung können unterschiedliche Maßnahmen erforderlich werden. Kritische Schäden müssen unverzüglich behandelt werden.

Eigenmächtiges Richten, Schweißen oder Verstärken beschädigter Regalbauteile ist keine gute Lösung. Dadurch lässt sich nicht ohne Weiteres wieder der ursprüngliche statische Zustand herstellen.

Im Zweifel sollte der beschädigte Bereich entlastet und durch eine fachkundige Person beurteilt werden.

Umbauten am Regal nicht einfach improvisieren

Modulare Regale haben einen großen Vorteil: Traversen und Ebenen lassen sich häufig versetzen oder ergänzen. Genau daraus kann aber ein Problem entstehen.

Eine andere Anordnung verändert unter Umständen die Beanspruchung der Stützen. Wer zusätzliche Ebenen einbaut oder Abstände zwischen den Traversen verändert, sollte deshalb prüfen, ob die vom Hersteller angegebene Feldlast weiterhin gilt.

Das Gleiche gilt beim Gebrauchtkauf. Fehlen Angaben zu Hersteller, Baujahr sowie zulässiger Fach- und Feldlast, lässt sich die Tragfähigkeit nicht zuverlässig aus Profilabmessungen oder dem äußeren Zustand ableiten.

Nach Angaben der DGUV muss bei fehlenden Herstellerinformationen gegebenenfalls ein statischer Nachweis erbracht werden.

Checkliste: Das sollten Sie vor dem Kauf eines Schwerlastregals klären

Bevor Sie ein Regalsystem auswählen, beantworten Sie diese Fragen:

  1. Was soll gelagert werden?
    Paletten, Behälter, lange Profile oder einzelne schwere Bauteile stellen unterschiedliche Anforderungen.
  2. Wie schwer ist das Lagergut?
    Benötigt werden Angaben zu den einzelnen Ladeeinheiten und zur Gesamtbelastung.
  3. Welche Fach- und Feldlast ist erforderlich?
    Beide Werte müssen zur geplanten Nutzung passen.
  4. Wie wird das Regal bedient?
    Von Hand, mit Hubwagen oder mit Gabelstapler?
  5. Kann der Hallenboden die Lasten aufnehmen?
    Dabei zählen insbesondere die Lasten an den Regalstützen.
  6. Wie wird das Regal befestigt?
    Montage und Verankerung müssen nach den Vorgaben des Herstellers erfolgen.
  7. Besteht Anfahrgefahr?
    Staplerverkehr kann zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich machen.
  8. Sind Verkehrs- und Fluchtwege berücksichtigt?
    Maximale Lagerdichte ist nicht automatisch die beste Lagerplanung.
  9. Wie werden Kontrollen organisiert?
    Zuständigkeiten und Prüffristen sollten bereits vor der Inbetriebnahme feststehen.

Fazit: Nicht nur auf die Traglast schauen

Bei einem Schwerlastregal ist die höchste Kilogrammzahl im Datenblatt nur ein Teil der Planung. Ebenso wichtig sind Fach- und Feldlast, Untergrund, Verankerung, Schutz vor Beschädigungen und regelmäßige Kontrollen.

Wer ein Lager neu einrichtet, sollte deshalb nicht beim Regal beginnen, sondern beim Lagergut und den betrieblichen Abläufen. Daraus ergeben sich die Anforderungen an Regalsystem, Hallenboden und Befestigung.

Gerade bei gewerblich genutzten Regalanlagen lohnt es sich, diese Punkte vor der Montage zu klären. Nachträglich festzustellen, dass der Boden ungeeignet ist, die Verkehrswege zu eng sind oder wichtige Belastungsangaben fehlen, wird meist deutlich aufwendiger.

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