Badewanne ja oder nein? Wann sie sich lohnt und wann nicht

Von Dominik Hochwarth

Wer ein Badezimmer neu baut oder saniert, steht früher oder später vor einer Grundsatzentscheidung: Badewanne – ja oder nein? In einem großen Bad stellt sich die Frage vielleicht gar nicht. Dort ist häufig Platz für Dusche und Wanne. Schwieriger wird es, wenn jeder Quadratmeter zählt.

Dann sollten Sie sich nicht von der Vorstellung leiten lassen, was ein „richtiges Badezimmer“ angeblich braucht. Wichtiger ist, wie Sie Ihr Bad tatsächlich nutzen. Wer nur zweimal im Jahr badet, braucht wahrscheinlich keine Wanne. Für Familien mit kleinen Kindern oder begeisterte Badewannenfans sieht das ganz anders aus.

Modernes Badezimmer mit freistehender weißer Badewanne, Wandnische und WC.
Freistehende Badewanne in einem modern gestalteten Badezimmer. Ob sich eine Wanne lohnt, hängt vor allem von Platz, Nutzung und den persönlichen Anforderungen ab.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Badewanne lohnt sich vor allem, wenn Sie tatsächlich regelmäßig baden.
  • Für Familien mit kleinen Kindern ist eine Wanne praktisch, aber kein Muss.
  • In kleinen Bädern schafft der Verzicht auf die Wanne häufig Platz für eine großzügigere Dusche.
  • Eine bodengleiche Dusche lässt sich im Alter meist leichter nutzen als eine klassische Badewanne.
  • Ein Vollbad verbraucht in der Regel mehr Warmwasser als eine kurze Dusche. Wer lange duscht, kann diesen Vorteil jedoch wieder verspielen.
  • Wenn genügend Platz vorhanden ist, müssen Sie sich nicht zwingend entscheiden: Dusche und Badewanne können nebeneinander sinnvoll sein.
  • Auch eine Badewanne mit Duschzone kann ein Kompromiss sein.

1. Wie oft würden Sie die Badewanne wirklich nutzen?

Das ist die wichtigste Frage – und vermutlich die ehrlichste Entscheidungshilfe.

Wenn Sie bereits heute gerne und regelmäßig baden, werden Sie die Wanne wahrscheinlich auch nach einer Sanierung nutzen. Haben Sie dagegen seit Jahren keine vermisst, wird sich das durch ein neues Badezimmer kaum ändern.

Überlegen Sie deshalb nicht nur, was theoretisch möglich wäre. Schauen Sie auf Ihren Alltag:

  • Baden Sie mindestens mehrmals im Monat?
  • Freuen Sie sich auf ein warmes Bad nach einem kalten oder anstrengenden Tag?
  • Leben kleine Kinder im Haushalt?
  • Nutzen mehrere Personen das Badezimmer mit unterschiedlichen Vorlieben?
  • Oder dient die Wanne hauptsächlich als große Ablagefläche?

Wer nur ein- oder zweimal im Jahr badet, sollte sich gut überlegen, ob die Wanne den Platz über Jahrzehnte blockieren soll.

Entscheidungsbaum zur Frage Badewanne oder Dusche mit Kriterien wie Nutzung, Platz, Kinder und Barrierefreiheit.
Badewanne oder Dusche? Der Entscheidungsbaum zeigt, welche Lösung je nach Nutzung, Platz, Kindern und Barrierefreiheit besser passt.

2. Wie viel Platz braucht eine Badewanne?

Eine klassische Rechteckwanne ist häufig etwa 170 cm lang und 75 cm breit. Kleinere Modelle gibt es beispielsweise mit 150 oder 160 cm Länge. Mit der reinen Stellfläche ist es allerdings nicht getan: Vor der Wanne benötigen Sie zusätzlich Bewegungsfläche.

Gerade in kleinen Badezimmern ist dieser Platz kostbar. Verzichten Sie auf die Wanne, lässt sich dort häufig eine größere Dusche verwirklichen oder der Grundriss insgesamt großzügiger gestalten.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine Badewanne in kleinen Räumen unmöglich ist. Raumsparwannen, asymmetrische Modelle und eine geschickte Anordnung der Sanitärobjekte können viel bewirken.

Welche Möglichkeiten Sie bei wenig Fläche haben, erfahren Sie ausführlicher in unserem Ratgeber Minibad einrichten: Kleine Bäder mit Dusche oder Badewanne.

Steht dagegen schon fest, dass eine Wanne ins neue Bad kommt, geht es im nächsten Schritt um Größe, Einbauart und Material. Dabei hilft unser Beitrag Welche Badewanne ist die richtige für mich?.

Vergleich des Platzbedarfs von Badewanne, kompakter Dusche und großzügiger Dusche mit typischen Abmessungen.
Typische Maße im Vergleich: Eine Standardwanne benötigt etwa 170 × 75 cm, Duschen werden häufig ab 90 × 90 cm geplant.

3. Badewanne oder Dusche im kleinen Bad?

Wenn nur Platz für eines von beiden vorhanden ist, würde ich die Entscheidung nicht allein an der Raumgröße festmachen. Wichtiger ist die Nutzung.

Duschen Sie täglich und baden nur selten, bietet eine komfortable Dusche meist mehr Lebensqualität. Statt einer engen Duschkabine neben einer Wanne, die kaum genutzt wird, können Sie beispielsweise eine großzügige Dusche planen.

Die Verbraucherzentrale nennt für einen komfortablen Duschbereich 120 × 120 cm als wünschenswerte Größe, noch besser sind 150 × 150 cm. Gerade bei einer späteren Nutzung mit Gehhilfe oder Rollstuhl wird ausreichend Bewegungsfläche wichtig.

Eine große Dusche kann deshalb im kleinen Bad sinnvoller sein als der Versuch, unbedingt Dusche und Badewanne unterzubringen.

Wie Sie eine Dusche sinnvoll dimensionieren und planen, lesen Sie in unserem Beitrag Neue Dusche planen – Tipps und Tricks.

4. Brauchen Familien mit Kindern eine Badewanne?

Mit kleinen Kindern ist eine Badewanne praktisch. Kinder können darin sitzen und spielen, Eltern müssen nicht versuchen, ein Kleinkind unter einer großen Kopfbrause zu duschen.

Ein Muss ist die Wanne trotzdem nicht.

Babys lassen sich zunächst in einer Babywanne baden. Später funktioniert bei vielen Familien auch eine Dusche problemlos. Eine Badewanne erhöht allerdings den Komfort und wird von Kindern häufig gerne genutzt.

Planen Sie ein Familienbad und haben ausreichend Platz, spricht deshalb einiges für die Wanne. Müssen Sie dafür jedoch eine sehr kleine Dusche in Kauf nehmen, lohnt sich genaueres Abwägen.

Berücksichtigen Sie außerdem die Sicherheit. Nasse Oberflächen, hohe Einstiegskanten und heißes Wasser können insbesondere für Kinder und ältere Menschen zum Risiko werden. Welche Punkte Sie bereits bei der Planung berücksichtigen können, zeigt unser Ratgeber Sicheres Badezimmer: 9 Gefahren, die Sie bei der Planung vermeiden sollten.

Infografik vergleicht Badewanne und Dusche bei Platzbedarf, Nutzung, Kindern, Barrierefreiheit, Verbrauch und Kosten.
Badewanne und Dusche unterscheiden sich bei Platzbedarf, Alltagstauglichkeit, Wasserverbrauch und Barrierefreiheit deutlich.

5. Ist eine Badewanne im Alter noch sinnvoll?

Ein Badezimmer wird häufig für viele Jahre geplant. Deshalb lohnt sich der Blick nach vorne.

Bei einer klassischen Badewanne muss der Wannenrand überstiegen werden. Was mit 40 problemlos funktioniert, kann mit eingeschränkter Beweglichkeit deutlich schwieriger werden. Eine bodengleiche oder zumindest schwellenarme Dusche ist in dieser Hinsicht im Vorteil.

Das bedeutet nicht, dass Sie vorsorglich auf jede Badewanne verzichten müssen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

  • Haltegriffe erleichtern das Ein- und Aussteigen.
  • Eine Badewanne mit Tür reduziert die Einstiegshöhe.
  • Ein Wannenlift kann später nachgerüstet werden.
  • Bei ausreichend Platz können Dusche und Wanne nebeneinander vorgesehen werden.

Wer sein Badezimmer möglichst lange selbstständig nutzen möchte, sollte vor allem genügend Bewegungsflächen und einen leicht zugänglichen Duschbereich einplanen. Auch die Verbraucherzentrale empfiehlt, bei einer Modernisierung mögliche spätere Einschränkungen von Anfang an mitzudenken.

Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag Altersgerechtes Badezimmer für Senioren: Darauf kommt es beim Planen und Einrichten an.

6. Verbraucht eine Badewanne wirklich mehr Wasser als eine Dusche?

In der Regel ja – aber nicht automatisch.

Ein Vollbad benötigt eine größere Menge warmes Wasser auf einmal. Eine kurze Dusche ist deshalb normalerweise sparsamer. Das Umweltbundesamt weist allerdings darauf hin, dass der Verbrauch stark vom eigenen Verhalten abhängt. Bei einer Dusche mit 15 Litern Durchfluss pro Minute kann eine Duschdauer von mehr als zehn Minuten bereits mehr Wasser benötigen als ein Bad.

Die einfache Regel „Duschen spart immer Wasser“ stimmt daher nicht.

Entscheidend sind:

  • Duschdauer
  • Durchflussmenge der Brause
  • Füllhöhe der Badewanne
  • Größe der Badewanne
  • Temperatur des Wassers

Wer fünf Minuten mit einer sparsamen Brause duscht, benötigt normalerweise deutlich weniger Warmwasser als für ein Vollbad. Wer dagegen sehr lange unter einer großen Regendusche steht, kann den Verbrauch einer Badewanne erreichen oder überschreiten.

Neben dem Wasserverbrauch steigt mit der benötigten Warmwassermenge auch der Energiebedarf.

Infografik zum Wasserverbrauch: kurze Dusche mit 40 bis 60 Litern, längere Dusche und Vollbad mit deutlich höherem Verbrauch.
Eine kurze Dusche verbraucht meist weniger Wasser als ein Vollbad. Bei langen Duschzeiten kann sich das Verhältnis jedoch umkehren.

7. Was spricht gesundheitlich für ein warmes Bad?

Ein warmes Bad wird häufig mit Entspannung verbunden – und das ist zunächst einmal ein völlig legitimer Grund für eine Badewanne.

Wärme kann außerdem bei verspannter Muskulatur angenehm sein. Die AOK weist darauf hin, dass Wärme bei muskulär bedingten Rückenschmerzen helfen kann, Verspannungen zu lösen. Bei entzündlichen Ursachen kann Wärme dagegen ungeeignet sein.

Auch ein Erkältungsbad kann bei ersten Anzeichen einer Erkältung als angenehm empfunden werden. Wer bereits Fieber oder ausgeprägte Beschwerden hat, sollte auf ein heißes Bad jedoch verzichten.

Eine Badewanne sollte deshalb nicht mit medizinischen Wirkungen begründet werden. Ihr eigentlicher Vorteil ist viel einfacher: Viele Menschen empfinden warmes Baden als angenehm und entspannend.

Wenn Sie dazugehören und regelmäßig baden, ist das ein starkes Argument für eine Wanne.

8. Was ist mit dem Wiederverkaufswert?

Gelegentlich ist zu lesen, ein Haus oder eine Wohnung lasse sich mit Badewanne grundsätzlich besser verkaufen. So pauschal lässt sich das nicht sagen.

Für eine Familie mit kleinen Kindern kann eine Badewanne attraktiv sein. Bei einer altersgerecht geplanten Wohnung kann dagegen eine großzügige, bodengleiche Dusche wichtiger sein.

Auch die Zahl der Badezimmer spielt eine Rolle. In einem Einfamilienhaus mit zwei Bädern kann beispielsweise eines mit Dusche und das andere mit Badewanne ausgestattet werden.

Den möglichen Wiederverkaufswert würde ich deshalb nicht zum Hauptkriterium machen. Planen Sie das Bad in erster Linie für die Menschen, die es tatsächlich nutzen.

9. Dusche und Badewanne kombinieren – geht das?

Natürlich.

Ist das Badezimmer groß genug, ist eine getrennte Dusche plus Badewanne die komfortabelste Lösung. Niemand muss dann einen Kompromiss eingehen.

Fehlt dafür die Fläche, können Sie auch in der Badewanne duschen. Dafür eignen sich je nach Planung:

  • klassische Badewannen mit Duschabtrennung,
  • Badewannen mit breiter Duschzone,
  • Duschbadewannen mit niedrigerem Einstieg,
  • Badewannen mit Tür.

Nicht jede Variante ist gleich komfortabel. Vor allem der hohe Einstieg einer normalen Badewanne bleibt beim täglichen Duschen ein Nachteil.

Welche Lösungen funktionieren, zeigen wir ausführlich im Beitrag Duschen in der Badewanne – Tipps und Tricks.

Badewanne oder Dusche: Vor- und Nachteile im Vergleich

KriteriumBadewanneDusche
Platzbedarfeher hochgering bis hoch, je nach Größe
tägliche Körperpflegemöglich, aber weniger bequemsehr praktisch
Entspannunggroßer Vorteileingeschränkt
kleine Kindersehr praktischmöglich
Barrierearme Nutzungklassische Wanne eher ungünstigbodengleich sehr gut möglich
Wasserverbrauchbeim Vollbad meist höherbei kurzer Dusche meist niedriger
Energieverbrauchbeim Vollbad meist höherabhängig von Duschdauer und Durchfluss
Duschen möglichmit geeigneter Abtrennungja
Baden möglichjanein
Infografik mit Empfehlungen für Single oder Paar, Familie mit Kindern, kleines Bad und altersgerechtes Badezimmer.
Ob Wanne oder Dusche besser passt, hängt stark von der Lebenssituation ab: Familien haben andere Anforderungen als Singles oder ältere Menschen.

Wann spricht viel für eine Badewanne?

Eine Wanne passt wahrscheinlich gut zu Ihnen, wenn mehrere dieser Punkte zutreffen:

  • Sie baden regelmäßig und gerne.
  • Kleine Kinder leben im Haushalt oder sind geplant.
  • Das Badezimmer bietet genügend Fläche.
  • Neben der Wanne bleibt Platz für eine komfortable Dusche.
  • Sie möchten bewusst einen Ort zum Entspannen haben.
  • Der höhere Warmwasserbedarf stört Sie nicht.

Wann ist die Dusche wahrscheinlich die bessere Wahl?

Der Verzicht auf die Wanne ist besonders naheliegend, wenn:

  • Sie fast nie baden.
  • das Badezimmer klein ist.
  • Sie stattdessen eine größere Dusche bekommen können.
  • Ihnen ein möglichst schwellenarmer Zugang wichtig ist.
  • Wasser- und Energieverbrauch niedrig bleiben sollen.
  • Sie Ihr Bad möglichst lange ohne größere Umbauten nutzen möchten.

Fazit: Badewanne ja oder nein?

Ob Sie eine Badewanne brauchen, lässt sich nicht anhand einer allgemeinen Regel beantworten. Der wichtigste Maßstab ist Ihr Alltag.

Wer regelmäßig badet, kleine Kinder hat oder genügend Platz für Dusche und Wanne besitzt, wird den Komfort einer Badewanne vermutlich schätzen.

Wenn die Wanne dagegen nur für den theoretischen Fall eingeplant wird, dass irgendwann jemand darin baden möchte, würde ich den Platz anders nutzen. Eine großzügige, gut zugängliche Dusche bringt Ihnen dann wahrscheinlich jeden Tag mehr.

Und falls Sie weiterhin schwanken, hilft eine einfache Frage: Wann haben Sie zuletzt freiwillig ein Vollbad genommen?

Liegt die Antwort mehrere Jahre zurück, ist die Entscheidung vermutlich bereits gefallen.

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