Bauanleitung: Schuhregal aus Multiplex selbst bauen

Von Dominik Hochwarth

Das folgende Modell ist bewusst einfach konstruiert. Es besteht aus zwei Seitenteilen, drei Ablageböden und einer schmalen Rückwandstrebe. Zuschnittservice, Akkuschrauber und Schleifgerät reichen aus. Dübel-, Lamello- oder Fräsverbindungen sind nicht erforderlich.

Multiplex besteht aus mehreren kreuzweise verleimten Furnierlagen. Platten ab mehr als 12 mm Dicke und mindestens fünf Lagen werden üblicherweise als Multiplex bezeichnet. Der Schichtaufbau sorgt für hohe Formstabilität und macht die sichtbaren Kanten gestalterisch interessant.

Schuhregal aus Birken-Multiplex
Das selbst gebaute Schuhregal aus Birken-Multiplex bietet auf drei Ablageebenen Platz für mehrere Paar Schuhe und passt mit seiner schlichten Optik gut in moderne Eingangsbereiche.

Inhaltsverzeichnis

Das fertige Schuhregal

MerkmalMaß
Breite900 mm
Höhe600 mm
Tiefe320 mm
Plattenstärke18 mm
Anzahl Ablageebenen3
nutzbare Fachhöhejeweils etwa 250 mm
Kapazitätetwa 6 bis 9 Paar Schuhe

Das Regal ist für normale Schuhe, Sneaker und Halbschuhe gedacht. Hohe Stiefel passen nur auf die obere Ablage.

Wichtig: Die Konstruktion ist kein Sitzmöbel. Wer das Regal zugleich als Bank nutzen möchte, benötigt eine zusätzliche Mittelwand und eine entsprechend ausgelegte Verbindung.

Explosionszeichnung Schuhregal

Konstruktionsprinzip

Die beiden Seitenteile tragen drei waagerechte Böden:

  • Unterboden
  • Mittelboden
  • Oberboden

Die Böden liegen zwischen den Seitenwänden. Sie werden von außen verschraubt. Eine rückseitige Multiplexstrebe verhindert, dass sich das Regal seitlich verschiebt.

Die offene Konstruktion lässt Luft an feuchte Schuhe. Eine geschlossene Rückwand ist nicht notwendig.

Zuschnittliste

Verwendet wird 18 mm starkes Birken-Multiplex.

BauteilAnzahlLängeBreite
Seitenteile2600 mm320 mm
Ablageböden3864 mm300 mm
Rückwandstrebe1864 mm100 mm

Die Ablageböden sind 20 mm weniger tief als die Seitenteile. Dadurch springen sie vorne und hinten jeweils etwa 10 mm zurück. Kleine Ungenauigkeiten beim Zuschnitt fallen so weniger auf.

Die Gesamtbreite ergibt sich aus:

  • 864 mm Bodenlänge
  • plus zweimal 18 mm Seitenstärke
  • ergibt 900 mm
Zuschnitt Schuhregal

Material

  • etwa 1,5 m² Birken-Multiplex, 18 mm stark
  • 18 Senkkopfschrauben, etwa 4 × 50 mm
  • 4 bis 6 Schrauben, etwa 4 × 35 mm, für die Rückwandstrebe
  • Holzleim für Innenräume, optional
  • Hartwachsöl, Möbelöl oder wasserbasierter Klarlack
  • Schleifpapier mit Körnung 120, 180 und 240
  • vier Filzgleiter oder Möbelgleiter

Multiplex eignet sich neben Leimholz und verschiedenen Massivhölzern grundsätzlich gut für selbst gebaute Schuhregale. Auch BAUHAUS nennt Multiplex als geeignetes Plattenmaterial für solche Möbel.

Werkzeug

  • Maßband oder Zollstock
  • Bleistift und Anschlagwinkel
  • Akkuschrauber
  • Holzbohrer mit 3 mm Durchmesser
  • Senker
  • Exzenterschleifer oder Schleifklotz
  • Schraubzwingen
  • Wasserwaage
  • optional Handkreissäge mit Führungsschiene

Wer keine Führungsschiene besitzt, sollte die Teile im Holzfachhandel oder Baumarkt zuschneiden lassen. Entscheidend ist, dass die drei Ablageböden exakt gleich lang sind.

Aufteilung der Ablageböden

Die Oberkanten der Böden liegen in diesem Beispiel auf folgenden Höhen:

BodenOberkante über Fußboden
Unterboden70 mm
Mittelboden335 mm
Oberboden600 mm

Der Oberboden schließt damit bündig mit den Seitenteilen ab.

Zwischen Unter- und Mittelboden bleiben rund 247 mm lichte Höhe. Zwischen Mittel- und Oberboden sind es ebenfalls rund 247 mm.

Schritt 1: Platten kontrollieren

Legen Sie alle zugeschnittenen Teile auf eine ebene Fläche. Prüfen Sie:

  • Sind beide Seitenteile gleich groß?
  • Sind alle drei Ablageböden gleich lang?
  • Sind die Schnittkanten rechtwinklig?
  • Gibt es ausgerissene Furnierstellen?
  • Welche Flächen sollen später außen sichtbar sein?

Multiplexplatten besitzen häufig eine optisch bessere und eine weniger gleichmäßige Seite. Richten Sie die besseren Flächen nach außen beziehungsweise nach oben.

Schritt 2: Schnittkanten schleifen

Schleifen Sie zunächst die Flächen und danach die Kanten.

Empfohlene Reihenfolge:

  1. Körnung 120 zum Entfernen grober Bearbeitungsspuren
  2. Körnung 180 für die Zwischenglättung
  3. Körnung 240 vor der Oberflächenbehandlung

Brechen Sie die scharfen Kanten nur leicht. Ein bis zwei Schleifzüge reichen meist aus. Stark verrundete Kanten verändern die klare Multiplexoptik.

Die Furnierlagen dürfen nicht aggressiv geschliffen werden. Besonders an den Flächen ist die Decklage relativ dünn.

Schritt 3: Bodenpositionen anzeichnen

Legen Sie beide Seitenteile deckungsgleich übereinander und fixieren Sie sie mit Schraubzwingen. Markieren Sie auf den Innenflächen die Oberkanten der drei Böden:

  • 70 mm
  • 335 mm
  • 600 mm

Zeichnen Sie anschließend jeweils eine zweite Linie 18 mm darunter. Zwischen diesen beiden Linien sitzt später der jeweilige Ablageboden.

Übertragen Sie die Linien mit einem Anschlagwinkel exakt über die gesamte Breite. Nur wenn beide Seitenteile identisch markiert sind, stehen die Böden später waagerecht.

Schritt 4: Schraublöcher bohren

Pro Verbindung werden drei Schrauben verwendet. Damit erhält jeder Boden auf jeder Seite drei Befestigungspunkte.

Positionieren Sie die Bohrungen ungefähr:

  • 45 mm von der Vorderkante
  • mittig bei 160 mm
  • 45 mm von der Hinterkante

Die Bohrungen verlaufen mittig durch die angezeichnete 18-mm-Zone.

Bohren Sie mit einem 3-mm-Holzbohrer durch die Seitenteile. Senken Sie die Außenseiten anschließend so weit an, dass die Schraubenköpfe später bündig sitzen.

Ohne Vorbohren können die Furnierlagen aufplatzen oder Schrauben aus der vorgesehenen Linie laufen.

Schuhregal verschrauben

Schritt 5: Ersten Boden montieren

Stellen Sie ein Seitenteil auf die Werkbank. Positionieren Sie den Unterboden zwischen den Markierungslinien und fixieren Sie ihn mit Schraubzwingen.

Prüfen Sie:

  • Die Vorderkante springt etwa 10 mm zurück.
  • Die Hinterkante springt ebenfalls etwa 10 mm zurück.
  • Der Boden liegt exakt zwischen den Markierungslinien.
  • Die Bauteile stehen rechtwinklig zueinander.

Bohren Sie durch die vorhandenen Löcher etwa 35 bis 40 mm tief in die Stirnkante des Bodens vor. Schrauben Sie den Boden anschließend fest.

Optional kann eine dünne Leimraupe auf die Stirnkante gegeben werden. Leim erhöht die Steifigkeit, erschwert aber eine spätere Demontage.

Schritt 6: Weitere Böden befestigen

Montieren Sie Mittel- und Oberboden nach demselben Prinzip. Kontrollieren Sie nach jedem Boden mit dem Winkel, ob die Bauteile rechtwinklig stehen.

Danach wird das zweite Seitenteil aufgelegt und verschraubt. Am einfachsten gelingt das, wenn das Regal auf der bereits montierten Seitenwand liegt.

Ziehen Sie die Schrauben nicht mit maximalem Drehmoment an. Zu tief eingezogene Schraubenköpfe beschädigen die Deckfurniere.

Schritt 7: Regal rechtwinklig ausrichten

Stellen Sie das Regal auf eine ebene Fläche. Messen Sie die beiden Diagonalen zwischen den gegenüberliegenden Ecken.

Sind beide Diagonalen gleich lang, steht der Korpus rechtwinklig. Weichen die Werte voneinander ab, wird das Regal vorsichtig in die richtige Richtung gedrückt.

Ohne Rückwand oder Strebe kann sich ein offener Korpus seitlich verschieben. Deshalb folgt nun die rückseitige Aussteifung.

Schuhregal rechtwinklig ausrichten

Schritt 8: Rückwandstrebe montieren

Setzen Sie die 100 mm hohe Multiplexstrebe an der Rückseite unterhalb des Oberbodens ein. Die Strebe liegt zwischen den Seitenteilen und kann zusätzlich mit dem Oberboden verbunden werden.

Befestigen Sie sie:

  • mit zwei Schrauben je Seitenteil,
  • optional zusätzlich mit drei Schrauben von oben durch den Oberboden.

Bohren und senken Sie auch diese Verbindungen vor.

Die Strebe übernimmt zwei Aufgaben:

  • Sie stabilisiert den Korpus gegen seitliches Verschieben.
  • Sie hält Schuhe davon ab, nach hinten gegen die Wand zu rutschen.

Schritt 9: Oberfläche behandeln

Für einen Flur kommen vor allem Öl, Hartwachsöl und Klarlack infrage.

OberflächeVorteilNachteil
Möbelölnatürliche Optik, einfach auszubessernbegrenzter Schutz gegen nasse Schuhe
Hartwachsölnatürliche Haptik, widerstandsfähiger als reines Ölmuss sorgfältig und dünn verarbeitet werden
Klarlackgut abwischbar, hoher FeuchteschutzSchäden sind aufwendiger auszubessern
unbehandeltkein zusätzlicher Aufwandnimmt Schmutz und Feuchtigkeit schneller auf

Für ein Schuhregal ist ein wasserbasierter Klarlack oder Hartwachsöl meist praxisgerecht. Besonders die Ablageflächen und Vorderkanten sollten geschützt werden.

Tragen Sie zwei dünne Schichten nach Herstellerangabe auf. Schleifen Sie die aufgerichteten Holzfasern zwischen den Aufträgen leicht mit Körnung 240 an.

Ölige Lappen können sich durch Oxidationswärme selbst entzünden. Breiten Sie gebrauchte Tücher nach der Verarbeitung einzeln zum Trocknen aus oder bewahren Sie sie entsprechend den Herstellerhinweisen in einem geeigneten geschlossenen Metallbehälter auf.

Schritt 10: Möbelgleiter anbringen

Kleben oder schrauben Sie unter jedes Seitenteil zwei Möbelgleiter. Sie schützen:

  • den Fußboden,
  • die unteren Multiplexkanten,
  • das Regal vor kleinen Mengen Wischwasser.

Bei weichen oder unebenen Böden sind höhenverstellbare Möbelgleiter sinnvoll.

Sicherheit: Regal an der Wand befestigen

Das Regal ist mit 600 mm vergleichsweise niedrig. Trotzdem kann es kippen, wenn Kinder daran hochklettern oder schwere Gegenstände ungünstig auf dem Oberboden stehen.

Eine kleine Kippsicherung zwischen Oberboden und Wand erhöht die Sicherheit. Dübel und Schrauben müssen zur Wandkonstruktion passen.

Typische Fehler

  • Zu wenig vorgebohrt: Schrauben in der Stirnkante von Multiplex können vom gewünschten Verlauf abweichen oder Furnierlagen aufspreizen. Bohren Sie alle Verbindungen sauber vor.
  • Schrauben zu dicht an den Plattenkanten: Zu geringe Randabstände erhöhen das Risiko von Ausbrüchen. Die Schrauben sollten nicht direkt an Vorder- oder Hinterkante sitzen.
  • Uneinheitliche Zuschnitte: Schon 2 mm Unterschied zwischen den Ablageböden können den Korpus verspannen. Lassen Sie alle gleichartigen Teile möglichst in einem Arbeitsgang zuschneiden.
  • Fehlende Aussteifung: Zwei Seitenteile und mehrere Böden ergeben noch keinen dauerhaft verwindungssteifen Korpus. Die Rückwandstrebe ist daher konstruktiv wichtig.
  • Unbehandelte Ablageflächen: Nasse und verschmutzte Schuhe hinterlassen auf rohem Birken-Multiplex schnell Flecken. Mindestens die Böden sollten oberflächenbehandelt werden.
  • Regal als Sitzbank verwenden: Der breite Oberboden wird nur an den Seiten getragen. Für eine Schuhbank ist eine Mittelwand oder eine andere tragende Unterkonstruktion erforderlich.

Kosten

Die Materialkosten hängen stark von Plattenqualität, Zuschnitt und Oberflächenmittel ab.

PositionGrobe Größenordnung
18-mm-Birken-Multiplex90 bis 160 €
Schrauben und Möbelgleiter10 bis 20 €
Öl oder Lack15 bis 30 €
optional Kippsicherung5 bis 10 €
Gesamt120 bis 220 €

Das selbst gebaute Regal ist damit nicht zwingend billiger als ein einfaches Serienmöbel. Es bietet aber exakte Wunschmaße, reparierbare Bauteile und eine deutlich hochwertigere Materialanmutung.

Varianten

Schmales Schuhregal

Für kleine Flure:

  • Breite: 600 mm
  • Böden: 564 × 300 mm
  • übrige Maße unverändert

Breites Regal

Ab etwa 1.000 mm Gesamtbreite sollte eine senkrechte Mittelwand eingeplant werden. Sie reduziert die freie Spannweite der Böden und stabilisiert die Konstruktion.

Schuhbank

Zusätzlich erforderlich:

  • Mittelwand bis unter den Oberboden
  • belastbare Verbindungen
  • ausreichend dimensionierter Oberboden
  • Kippsicherung
  • gegebenenfalls statische Verstärkung

Eine bloße Verlängerung der Schrauben macht das Grundmodell nicht automatisch zur sicheren Sitzbank.

Technische Bewertung der Konstruktion

Die Konstruktion ist für Einsteiger geeignet, weil sie:

  • nur rechtwinklige Zuschnitte benötigt,
  • keine verdeckten Möbelverbinder verlangt,
  • Maßabweichungen durch zurückspringende Böden optisch kaschiert,
  • durch die Rückwandstrebe ausreichend ausgesteift wird,
  • später demontiert und repariert werden kann.

Der kritische Punkt ist nicht das Verschrauben, sondern die Genauigkeit der Markierungen. Sind die Bodenpositionen auf beiden Seitenteilen nicht identisch, wird der Korpus schief oder verspannt.

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