Badkeramik-Marken im Vergleich: Was Duravit, Geberit & Co. wirklich unterscheidet

Von Dominik Hochwarth

Duravit, Geberit, Villeroy & Boch oder doch eine andere Marke? Wer ein neues Waschbecken oder WC sucht, trifft schnell auf eine ganze Reihe bekannter Hersteller. Doch welche Badkeramik-Marke ist wirklich empfehlenswert?

Mit dieser Frage habe ich mich zehn Jahre lang beruflich nahezu täglich beschäftigt. Ich arbeitete für einen der größten deutschen Bad-Onlineshops und hatte dort mit praktisch allen bekannten Herstellern zu tun. Seitdem hat sich allerdings einiges verändert: Marken wurden übernommen, neue Anbieter sind in den Keramikmarkt eingestiegen und auch technisch hat sich bei Waschbecken und WCs einiges getan.

Deshalb finden Sie hier keine Rangliste der vermeintlich „besten“ Hersteller. Dafür unterscheiden sich Produkte, Anforderungen und Budgets zu stark. Stattdessen zeige ich, wofür die einzelnen Marken stehen und worauf Sie beim Kauf tatsächlich achten sollten.

Badkeramik: Waschbecken und WC in einem modernen Bad
Welche Hersteller für Waschbecken und WC sind gut? Wir vergleichen 11 Badkeramik-Marken und zeigen, worauf es beim Kauf wirklich ankommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Markenname allein sagt wenig darüber aus, ob ein konkretes Waschbecken oder WC zu Ihrem Bad passt.
  • Achten Sie auf Maße, Anschlüsse, Ersatzteile, Oberflächen und bei WCs auf die Spültechnik.
  • Für Waschbecken gilt aktuell die DIN EN 14688:2018-12, für WC-Becken und WC-Anlagen die DIN EN 997:2018-12.
  • Geberit ist besonders stark bei WC- und Installationstechnik, Laufen bei filigraner Keramik, TOTO bei WC-Technik.
  • Duravit, Roca, Villeroy & Boch, Ideal Standard und VitrA verfügen über besonders breit aufgestellte Badprogramme.
  • Grohe und hansgrohe bieten inzwischen neben Armaturen ebenfalls eigene Sanitärkeramik an.
  • Ideal Standard gehört seit 2024 zu Villeroy & Boch. Alape gehört seit 2023 zur Roca-Gruppe.

Was gehört eigentlich zur Badkeramik?

Unter Badkeramik versteht man im Alltag vor allem Waschbecken, Waschtische, WCs, Bidets und Urinale. Der Begriff ist allerdings etwas ungenau, denn nicht jedes dieser Produkte besteht tatsächlich aus Keramik.

Gerade bei Waschbecken kommen auch Mineralguss, Mineralwerkstoffe, Stahl-Email, Glas oder Naturstein zum Einsatz. Wer sich bei der Materialwahl noch nicht festgelegt hat, findet hier einen ausführlichen Vergleich zwischen Mineralguss- und Keramik-Waschbecken.

Klassische Sanitärkeramik wird unter anderem aus Ton, Kaolin, Quarz und Feldspat hergestellt. Nach dem Formen wird sie gebrannt und erhält eine glasierte Oberfläche. Sie ist hart, kratzfest und gegenüber vielen im Haushalt üblichen Chemikalien vergleichsweise unempfindlich.

Mittlerweile gibt es zudem weiterentwickelte keramische Werkstoffe. Dazu gehören beispielsweise SaphirKeramik von Laufen, Fineceramic von Roca oder TitanCeram von Villeroy & Boch. Sie ermöglichen insbesondere dünnere Wandungen und präzisere Formen.

11 Badkeramik-Marken im schnellen Vergleich

HerstellerWas die Marke besonders interessant macht
Duravitsehr großes Sortiment und viele Designserien
GeberitKombination aus WC-Keramik, Spül- und Installationstechnik
GroheKeramik passend zu Armaturen und weiteren Badprodukten
hansgroherelativ neues Keramikprogramm für komplette Badkonzepte
Ideal Standardumfangreiches Sortiment für Privatbad und Objektbereich
Laufendünnwandige SaphirKeramik und Designkollektionen
Rocasehr breites Sortiment und eigene Keramikentwicklung
Scarabeodesignorientierte Waschbecken und ungewöhnliche Formen
TOTOSchwerpunkt WC- und Dusch-WC-Technik
Villeroy & Bochgroßes Sortiment und eigene Keramikwerkstoffe
VitrAumfangreiche Auswahl an Waschtischen, WCs und Dusch-WCs

Die Tabelle ist bewusst keine Rangliste. Welche Marke für Sie sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, welches konkrete Produkt Sie suchen.

Kaufkriterien Badkeramik

Woran erkennt man gute Badkeramik?

Ein bekannter Hersteller ist noch keine Garantie dafür, dass jedes Modell automatisch die beste Wahl ist. Interessanter sind die technischen Eigenschaften des konkreten Produkts.

Normen geben einen Mindeststandard vor

Für Waschbecken gilt die DIN EN 14688:2018-12. Sie legt funktionale Anforderungen und Prüfverfahren für Waschbecken im Hausgebrauch fest. Geprüft werden unter anderem statische Belastbarkeit, Ablaufverhalten, Beständigkeit gegen Temperaturwechsel und Chemikalien sowie die Reinigbarkeit.

Für WC-Becken und WC-Anlagen mit angeformtem Geruchverschluss gilt die DIN EN 997:2018-12. Sie behandelt konstruktive und funktionelle Eigenschaften sowie entsprechende Prüfverfahren.

Die Einhaltung einer Norm sagt allerdings nicht, dass ein Produkt automatisch besser ist als ein anderes. Sie definiert zunächst Anforderungen, die erfüllt werden müssen.

Bei einem Austausch müssen die Maße passen

Gerade wenn Sie vorhandene Keramik ersetzen, sollten Sie nicht allein nach Aussehen und Marke kaufen.

Bei einem WC müssen unter anderem Bauart, Abgang, Anschlüsse, Befestigung und vorhandenes Vorwandelement berücksichtigt werden. Ein neues WC kann äußerlich ähnlich aussehen und trotzdem nicht ohne Weiteres an die bestehende Installation passen.

Falls Sie selbst Hand anlegen möchten, finden Sie hier eine ausführliche Anleitung zum Austausch eines WCs.

Bei einem Waschbecken sind Breite, Tiefe, Befestigung, Hahnloch, Überlauf und gegebenenfalls der passende Unterschrank wichtig. Möbelwaschtische sind häufig exakt auf die dazugehörigen Badmöbel abgestimmt.

Auch Waschbecken und Armatur müssen zueinander passen. Entscheidend sind insbesondere Auslaufhöhe und Ausladung. Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag Passt jede Armatur zu jedem Waschbecken?.

Ersatzteile können wichtiger sein als der Kaufpreis

Bei der Keramik selbst gibt es naturgemäß wenig auszutauschen. Anders sieht es bei Zubehör aus.

Relevant sind beispielsweise:

  • WC-Sitze
  • Scharniere
  • Befestigungen
  • Abdeckungen
  • Ablaufventile
  • Montageteile

Besonders bei ungewöhnlich geformten WCs kann ein exakt passender WC-Sitz nach einigen Jahren zum Thema werden. Bei etablierten Serien ist es deshalb ein Vorteil, wenn Zubehör und technische Dokumentation langfristig verfügbar bleiben.

Spülrandlos allein reicht beim WC nicht

Spülrandlose WCs sind bei vielen Marken inzwischen Standard. Entscheidend ist deshalb zunehmend, wie das Wasser innerhalb des Beckens geführt wird.

Hersteller haben dafür unterschiedliche Systeme entwickelt. Geberit nennt seine aktuelle Technik beispielsweise TurboFlush, TOTO verwendet Tornado Flush, Villeroy & Boch unter anderem DirectFlush.

Mehr zu den grundsätzlichen Vor- und Nachteilen erfahren Sie im Beitrag über spülrandlose WCs.

Badkeramik Schwerpunkt der verschiedenen Marken

Duravit: große Auswahl von funktional bis designorientiert

Duravit gehört zu den etablierten deutschen Badherstellern und verfügt über ein entsprechend breites Sortiment. Neben Waschbecken und WCs bietet das Unternehmen unter anderem Badmöbel, Badewannen, Duschwannen, Armaturen und Dusch-WCs an.

Bei der Sanitärkeramik reicht die Auswahl von vergleichsweise geradlinigen Serien wie D-Code oder D-Neo bis zu deutlich designorientierteren Programmen. Weiterhin erhältlich sind beispielsweise ME by Starck, Vero, Vitrium, White Tulip und die Serie 1930.

Die Stärke von Duravit liegt weniger in einer einzelnen technischen Besonderheit als in der großen Auswahl. Wer WC, Waschplatz, Möbel und weitere Badprodukte aufeinander abstimmen möchte, findet viele komplette Serien.

Geberit: besonders interessant rund ums WC

Geberit ist vor allem für Unterputzspülkästen und Vorwandsysteme bekannt. Gleichzeitig verfügt der Schweizer Hersteller über ein umfangreiches Keramikprogramm mit Serien wie iCon, Acanto und Renova.

Das macht Geberit besonders interessant, wenn nicht nur die sichtbare WC-Keramik betrachtet werden soll. Das Unternehmen entwickelt ebenso die dahinterliegende Spül- und Installationstechnik.

2026 erweitert Geberit beispielsweise seine TurboFlush-Spültechnik auf weitere eckige WC-Modelle. Dazu gehören Varianten aus Renova Plan und iCon.

Wer ein neues WC samt Vorwandelement oder Spültechnik plant, findet bei Geberit somit viele Komponenten aus einem System.

Grohe: Keramik passend zu den Armaturen

Grohe dürfte den meisten zunächst als Armaturenhersteller bekannt sein. Sanitärkeramik gehört inzwischen jedoch ebenfalls fest zum Sortiment.

Zu den Keramikprogrammen zählen beispielsweise Euro und Cube. Grohe stimmt die Becken bewusst auf verschiedene eigene Armaturenlinien ab. Bei Euro sind beispielsweise Waschbecken, WCs und Bidets erhältlich.

Das ist vor allem dann praktisch, wenn Sie bei der Planung eines neuen Badezimmers möglichst viele Produkte aus einer gestalterisch abgestimmten Produktwelt auswählen möchten.

Wer sich zunächst über die verschiedenen Armaturenmarken informieren möchte, findet hier meinen Vergleich: Welche Armaturenhersteller taugen wirklich was?.

hansgrohe: seit 2023 auch mit eigener Sanitärkeramik

Bei hansgrohe hat sich seit der ursprünglichen Version dieses Beitrags einiges getan. Noch 2019 hätte ich die Marke nicht in eine Liste relevanter Keramikanbieter aufgenommen.

Das änderte sich 2023. Auf der ISH stellte hansgrohe erstmals ein erweitertes Sortiment mit eigenen Waschtischen, WCs, Möbeln und Spiegeln vor. Zu den damaligen Keramikneuheiten gehörten unter anderem die Waschtischkollektionen Xelu, Xevolos und Xuniva.

Damit verfolgen inzwischen sowohl Grohe als auch hansgrohe einen ähnlichen Ansatz: Statt ausschließlich Armaturen und Duschen anzubieten, können größere Teile des Badezimmers innerhalb einer Marke geplant werden.

Ideal Standard: seit 2024 Teil von Villeroy & Boch

Ideal Standard blickt auf eine lange Geschichte im Sanitärbereich zurück und ist sowohl im privaten Badezimmer als auch im Objektgeschäft vertreten.

Zum Sortiment gehören Waschtische, WCs, Möbel und Armaturen. Auch bekannte Kollektionen wie Connect Air, Strada II, i.life und La Dolce Vita sind weiterhin Bestandteil des Angebots.

Eine wesentliche Änderung gab es 2024: Villeroy & Boch übernahm alle operativen Gesellschaften der Ideal Standard Group. Die Transaktion wurde am 29. Februar 2024 abgeschlossen. Ideal Standard wird weiterhin als eigene Marke geführt.

Damit stehen heute zwei traditionsreiche Anbieter von Badprodukten unter dem Dach derselben Unternehmensgruppe.

Laufen: SaphirKeramik ermöglicht besonders filigrane Formen

Laufen gehört zur Roca-Gruppe, tritt aber weiterhin als eigenständige Schweizer Marke auf. Technisch interessant ist insbesondere die 2013 vorgestellte SaphirKeramik.

Durch den Zusatz von Korund erreicht der keramische Werkstoff eine hohe Festigkeit. Dadurch lassen sich nach Angaben des Herstellers geringere Wandstärken und engere Radien realisieren als mit konventioneller Sanitärkeramik.

Das sieht man vor allem bei dünnwandigen Waschtischen und Aufsatzbecken.

Auch Kartell • LAUFEN, das in der früheren Version dieses Artikels noch als separate Marke auftauchte, gehört hierher. Es handelt sich um eine gemeinsame Kollektion von Kartell und Laufen mit Waschtischen, WCs, Armaturen, Möbeln, Badewannen und Zubehör – nicht um einen eigenständigen Keramikhersteller.

Roca: einer der großen Namen fehlte bislang

Roca fehlte in meiner ursprünglichen Auswahl. Rückblickend war das schwer zu begründen.

Das spanische Unternehmen bietet ein sehr großes Sortiment rund um das Badezimmer an. Dazu gehören Waschbecken, WCs, Bidets, Dusch-WCs, Möbel und Armaturen.

Interessant ist unter anderem der keramische Werkstoff Fineceramic. Nach Herstellerangaben lassen sich damit Waschtische mit 40 % geringerer Materialstärke fertigen, die gleichzeitig 30 % widerstandsfähiger als herkömmliche Keramikprodukte sein sollen. Diese Angaben stammen von Roca selbst und sind daher als Herstellerwerte zu verstehen.

Fineceramic wird beispielsweise bei Waschtischen der Serien Ona und Inspira eingesetzt.

Zur Roca-Gruppe gehören außerdem Laufen und seit Oktober 2023 Alape.

Scarabeo: italienische Keramik abseits des Standards

Scarabeo ist wesentlich kleiner als Geberit, Roca oder Villeroy & Boch. Der italienische Hersteller ist vor allem interessant, wenn der Waschplatz nicht nach Standardprogramm aussehen soll.

Ein Schwerpunkt liegt auf Aufsatz- und Wandwaschbecken. Die Serie Teorema 2.0 umfasst beispielsweise zahlreiche Größen und Varianten, die je nach Modell aufgesetzt oder an der Wand montiert werden können.

Scarabeo ist deshalb vor allem eine Ergänzung zu den großen Vollsortimentern: weniger wegen einer speziellen WC-Technik, sondern wegen der großen Bedeutung von Form, Farbe und Gestaltung bei den Waschbecken.

TOTO: hier steht die WC-Technik im Mittelpunkt

TOTO stammt aus Japan und ist insbesondere für Toiletten und WASHLET-Dusch-WCs bekannt.

Der Hersteller kombiniert bei seinen aktuellen WC-Keramiken mehrere eigene Technologien. Laut TOTO verfügen die WCs über ein randloses Becken, die besonders glatte Cefiontect-Glasur sowie die Tornado-Flush-Spülung.

Das macht TOTO vor allem dann interessant, wenn die Technik rund um Toilette und Dusch-WC bei der Kaufentscheidung eine größere Rolle spielt.

Wer grundsätzlich noch zwischen klassischem WC, Bidet und Dusch-WC schwankt, sollte die Systeme allerdings unabhängig vom Hersteller vergleichen.

Materialien Badkeramik

Villeroy & Boch: viel Erfahrung mit Keramik

Villeroy & Boch und Keramik gehören seit langer Zeit zusammen. Sanitärkeramik produziert das Unternehmen seit dem 19. Jahrhundert. Heute reicht das Badprogramm weit über Waschbecken und WCs hinaus.

Eine eigene Weiterentwicklung ist TitanCeram. Der keramische Werkstoff enthält neben Feldspat, Quarz und Ton auch Titandioxid und ermöglicht laut Hersteller besonders dünne Wandungen und präzise Konturen. Er kommt beispielsweise bei Waschtischen der Serien Collaro und Memento 2.0 zum Einsatz.

Seit 2024 gehört auch Ideal Standard zur Villeroy & Boch Gruppe. Beide Marken bleiben jedoch getrennt am Markt.

VitrA: ungewöhnlich große Auswahl

VitrA bietet ein sehr breit aufgestelltes Sortiment an Sanitärkeramik. Dazu gehören klassische Waschtische, Möbelwaschtische, Aufsatzschalen, Einbau- und Unterbaubecken sowie Wand- und Stand-WCs, Bidets und Dusch-WCs.

Auffällig ist zudem die Auswahl bei Farben und Oberflächen. Neben klassischem Weiß sind bei verschiedenen Serien beispielsweise matte Schwarz-, Grau- und Beigetöne erhältlich.

VitrA beschäftigt sich außerdem intensiv mit Dusch-WCs und WCs mit integrierter Bidetfunktion. Das aktuelle Programm umfasst unter anderem V-Care und AquaCare.

Die Marke ist deshalb interessant, wenn Sie ein breites Sortiment suchen und sich nicht bereits auf einen der klassischen deutschen Hersteller festgelegt haben.

Warum Alape und Antoniolupi nicht mehr in der Liste stehen

In der ursprünglichen Version dieses Artikels gehörten Alape und Antoniolupi zu meinen elf Empfehlungen. Beide Marken sind weiterhin interessant – in einem Vergleich klassischer Badkeramik passen sie allerdings nur eingeschränkt.

Alape ist auf Waschtische und Becken aus emailliertem Stahl spezialisiert. Seit dem 16. Oktober 2023 gehört das Unternehmen zur Roca-Gruppe, wird aber als eigenständige Marke weitergeführt.

Bei Antoniolupi spielen wiederum neben Keramik verschiedene Mineral- und Kunstharzwerkstoffe eine wichtige Rolle.

Wer gezielt nach außergewöhnlichen Waschplätzen sucht, sollte beide Hersteller weiterhin kennen. Für einen Vergleich von Sanitärkeramik sind andere Marken jedoch aussagekräftiger.

Badkeramik Handelsmarke oder Herstellermarke

Was ist mit Eigenmarken und Handelsmarken?

Neben Duravit, Geberit oder Villeroy & Boch begegnen Ihnen im Sanitärhandel zahlreiche Marken, die fast ausschließlich bei einem bestimmten Händler oder einer Handelsgruppe erhältlich sind. Solche Angebote werden je nach Unternehmen als Eigenmarke, Hausmarke, Handelsmarke oder Exklusivmarke bezeichnet.

Das ist im Sanitärbereich keineswegs ungewöhnlich. Große SHK-Handelsgruppen arbeiten seit vielen Jahren mit eigenen Markenprogrammen. Auch einige Onlineshops verfolgen dieses Prinzip. Bernstein bezeichnet sich beispielsweise ausdrücklich als Eigenmarke. Im klassischen SHK-Großhandel gibt es unter anderem Marken wie DIANA, Concept oder Optima.

Spannend ist dabei: Der Name auf dem Waschbecken muss nicht der Name des Unternehmens sein, das die Keramik tatsächlich produziert hat.

Bei Handelsmarken übernimmt der Händler beziehungsweise Markeninhaber häufig Produktkonzeption, Sortiment, Gestaltung und Vertrieb, während die Fertigung bei spezialisierten Produzenten erfolgt. Dahinter können durchaus Unternehmen stehen, die selbst bekannte Sanitärmarken herstellen. Wie solche Modelle funktionieren, zeigt beispielsweise die Hausmarke DIANA: Der Anbieter Frieling erklärt ausdrücklich, dass das Sortiment Produkte namhafter Markenhersteller umfasst.

Für Käufer ist deshalb die Schlussfolgerung „unbekannte Marke gleich minderwertige Ware“ falsch. Umgekehrt garantiert die Produktion durch einen etablierten Hersteller aber auch nicht automatisch, dass das Produkt technisch mit dessen eigener Markenware identisch ist. Material, Glasur, Abmessungen, Ausstattung und Qualitätsvorgaben können speziell für die Handelsmarke festgelegt worden sein.

neoro, rivea und evineo bei Reuter

Ein Beispiel aus dem Onlinehandel liefert Reuter. Dort werden unter anderem neoro, rivea und evineo angeboten. Reuter selbst bezeichnet diese auf seiner Website nicht ausdrücklich als Eigenmarken, sondern führt sie wie andere Anbieter als eigenständige Marken im Sortiment. Einige der entsprechenden Produkte beziehungsweise Markenangebote werden jedoch exklusiv über Reuter vertrieben.

Das Sortiment reicht inzwischen weit über einfache Einstiegsprodukte hinaus. neoro umfasst beispielsweise Badmöbel, Waschtische, Wannen, Duschwannen und Armaturen. rivea bietet ebenfalls nahezu eine komplette Badausstattung einschließlich Keramik und WCs. Unter evineo werden unter anderem Badmöbel, Waschtische, WCs und Dusch-WCs verkauft.

Gerade bei solchen Marken lohnt sich deshalb ein Blick auf das konkrete Produkt statt allein auf den Namen.

Prüfen würde ich dieselben Punkte wie bei den großen Herstellermarken:

  • Entspricht das Waschbecken oder WC den einschlägigen Normen?
  • Gibt es Maßzeichnungen und technische Unterlagen?
  • Wie lange sind WC-Sitze, Scharniere und anderes Zubehör erhältlich?
  • Wer ist bei einer Reklamation Ansprechpartner?
  • Gibt es eine nachvollziehbare Garantie?
  • Passt das Produkt zur vorhandenen Installation?
  • Lassen sich später einzelne Komponenten nachkaufen?

Ein Nachteil von Handelsmarken kann die stärkere Bindung an einen Händler sein. Wird eine Serie eingestellt oder der Anbieter wechselt den Lieferanten, kann die Suche nach exakt passendem Zubehör schwieriger werden. Bei einem einfachen Waschbecken spielt das häufig kaum eine Rolle. Bei einem speziellen WC-Sitz, einem Möbelwaschtisch oder einem Dusch-WC kann es Jahre später dagegen relevant werden.

Deshalb gilt auch hier: Nicht der bekannte oder unbekannte Markenname entscheidet über die Qualität. Entscheidend sind Konstruktion, technische Daten, Dokumentation und die langfristige Verfügbarkeit passender Komponenten.

Welche Badkeramik-Marke ist nun die beste?

Eine seriöse Antwort lautet: Es gibt nicht die eine beste Marke.

Wenn Sie ein komplettes Badezimmer innerhalb einer Produktwelt planen möchten, bieten beispielsweise Duravit, Roca, Villeroy & Boch, Ideal Standard oder VitrA sehr umfangreiche Programme.

Bei einem neuen WC lohnt sich ein genauer Blick auf Geberit und TOTO, weil dort die Spül- beziehungsweise WC-Technik eine besonders große Rolle spielt.

Wenn Ihnen dünnwandige, filigrane Waschbecken wichtig sind, sind Laufen, Roca oder Villeroy & Boch mit ihren weiterentwickelten Keramikwerkstoffen interessant.

Grohe und hansgrohe wiederum bieten sich an, wenn Keramik, Armaturen und weitere Produkte gestalterisch aufeinander abgestimmt werden sollen.

Und wer einen ungewöhnlichen Waschplatz sucht, sollte auch kleinere Anbieter wie Scarabeo anschauen.

Wichtiger als das Logo auf der Keramik ist am Ende deshalb die Frage: Passt das konkrete Modell technisch, funktional und gestalterisch zu Ihrem Badezimmer?

Badkeramik online kaufen oder über den Installateur?

Beides kann sinnvoll sein.

Beim Kauf über einen Sanitärbetrieb erhalten Sie normalerweise nicht nur die Keramik, sondern auch Planung, Lieferung und Montage aus einer Hand. Das ist insbesondere bei kompletten Badsanierungen und komplizierteren Einbausituationen praktisch.

Online lassen sich Preise und Modelle leichter vergleichen. Wenn Sie exakt wissen, welches Waschbecken oder WC Sie benötigen, kann das interessant sein.

Klären Sie jedoch vor der Bestellung, ob Ihr Installateur selbst beschaffte Produkte montiert. Auch die Gewährleistung lässt sich einfacher abwickeln, wenn Lieferung und Montage aus einer Hand kommen.

Beim Kauf eines Waschplatzes lohnt außerdem ein Blick auf die Möbel. Nicht jeder Unterschrank passt zu jedem Waschtisch. Eine Übersicht verschiedener Hersteller finden Sie in meinem Beitrag über Badmöbelhersteller.

Fazit: Erst das Produkt, dann die Marke

Badkeramik von Duravit, Geberit, Grohe, hansgrohe, Ideal Standard, Laufen, Roca, Scarabeo, TOTO, Villeroy & Boch oder VitrA kann eine gute Wahl sein. Entscheidend ist jedoch nicht allein der Hersteller.

Vergleichen Sie das konkrete Modell. Prüfen Sie Maße und Anschlüsse, schauen Sie sich bei WCs die Spültechnik an und überlegen Sie, ob Zubehör und Ersatzteile auch langfristig erhältlich sein dürften.

Bei Waschbecken kommen zusätzlich Material, Form, Möbelkompatibilität und die passende Armatur ins Spiel.

Der Markenname ist deshalb ein guter Ausgangspunkt. Die eigentliche Kaufentscheidung sollte aber immer auf Produktebene fallen.

Über den Autor

4 Kommentare zu „Badkeramik-Marken im Vergleich: Was Duravit, Geberit & Co. wirklich unterscheidet“

    • Ich habe jetzt auf die Schnelle keinen solchen Waschtisch gefunden. In dieser Breite gibt es fast nur Doppelwaschbecken. Aber vielleicht kann jemand anderes helfen.

      Antworten
    • Ich habe 10 Jahre für den Onlineshop gearbeitet, der die Marke vertreibt, dahingehend habe ich etwas Erfahrung damit. Selbst in Gebrauch habe ich sie allerdings nicht. Prinzipiell handelt es sich um sehr schöne und hochwertige Sanitärprodukte, damit machen Sie sicherlich nichts falsch. Die Produkte der Marke werden von namhaften Herstellern gefertigt.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar