Unser Nachbar hat gerade einen Kahlschlag in Sachen Hecke hingelegt. Jetzt haben wir das Gefühl, dass die Autos direkt durch unseren Garten fahren. Wir brauchen einen Sichtschutz. Und zwar schnell. Ich habe mich umgeschaut, was in den Baumärkten oder im Onlinehandel angeboten wird, um Garten, Balkon oder Terrasse vor neugierigen Blicken zu schützen. Die Auswahl ist riesig – mancher Sichtschutz ist sehr kreativ, ein anderer einfach nur billig. Es ist nicht gerade leicht, den richtigen zu finden. Doch schauen Sie selbst:

fehlender Sichtschutz

Nach dem Kahlschlag des Nachbarn fahren die Autos durch den Garten

1. Bambusmatten

Wer es möglichst günstig und einfach mag, greift zu Bambusmatten. Die sind in unterschiedlicher Breite und Materialstärke erhältlich. Da wir zur Miete wohnen, haben wir bereits an verschiedenen Stellen mit Bambusmatten als Sichtschutz gearbeitet.

Besonders langlebig sind die Matten allerdings nicht, sie müssen alle zwei bis drei Jahre ausgetauscht werden. Sie lassen sich zum Beispiel an Holzpfosten tackern, an einem Maschendrahtzaun oder der Balkonbrüstung befestigen. Bei der Befestigung an Pfosten sollten Sie den Pfostenabstand nicht zu groß wählen. Das mögen die Matten nicht, da sie mit der Zeit ausbeulen.

2. Bambusstangen

Sind Bambusmatten die Billigheimer unter den Sichtschutzen, sieht es bei Bambusstangen ganz anders aus. Die mehr oder weniger dicken Rohre sehen richtig edel aus und sind außerdem äußerst langlebig. Mit ihnen holen Sie fernöstliches Flair in Ihren Garten. Es gibt sie in verschiedenen Längen, Farben und Durchmessern.

Bambusstangen sind eher was für Individualisten, denn keine Stange gleicht der anderen. Die Befestigung im Boden ist etwas frickelig. Einzelne Rohre lassen sich eventuell mit Pfostenankern setzen, eine ganze Sichtschutzwand jedoch nicht. Hier empfiehlt sich ein Betonfundament, die Bambusrohre werden in den noch feuchten Beton gesteckt und ausgerichtet.

Sichtschutz aus Kunststoff

Sieht aus wie Holz, ist aber hochwertiger und pflegleichter Kunststoff. (Foto: epr/profil dekor)

3. Flechtzaun aus Weide oder Haselnuss

Recht günstig sind Flechtzäune aus Weide oder Haselnuss. Mir persönlich gefallen Sie recht gut und es kann gut sein, dass ich mir welche zulege. Es gibt sie bereits fertig geflochten in verschiedenen Breiten und Höhen zu kaufen. Manche sind komplett in einem Holzrahmen eingefasst, andere sind nach oben hin offen.

Ich habe bei meiner Recherche sogar welche in Form eines Tannenbaums gesehen. Das stelle ich mir ganz nett vor, wenn geflochtene Tannenbäume in verschiedenen Größen als Sichtschutz fungieren.

Wer handwerklich geschickt ist, kann sich solch einen Flechtzaun aus Weiden- oder Haselnusszweigen auch selbst herstellen. Die Weidenruten werden hierbei um Rundpfähle geflochten, die zuvor ins Erdreich geschlagen worden sind. Bei festen Böden leistet ein Erdbohrer wertvolle Vorarbeit.

4. Holzelemente

Holzelemente laufen einem im Baumarkt in unzähligen Varianten über den Weg. Sie haben klangvolle Namen wie Ancona, Ben oder Haiti, unter denen man sich jedoch so rein gar nichts vorstellen kann. Preislich liegt dieser Sichtschutz im mittleren Bereich, wobei es durchaus Ausreißer nach oben und unten gibt. Es stellt sich mir die Frage, ob solch ein Holzelement für 30 Euro wirklich etwas taugt. Ich werde es nicht testen. Die meisten der Holzelemente gefallen mir sowieso nicht besonders. Mir sind sie zu bieder und  zu wenig modern. Die Elemente werden an Holzpfosten befestigt.

Wichtig ist, die Pfosten sicher im Boden zu verankern, denn bei Sturm müssen sie starke Kräfte aufnehmen. Am besten eignet sich hierfür ein Betonfundament. Sie können aber natürlich auch Eindrehanker verwenden. Hier ist es allerdings recht schwierig, sie gerade auszurichten. Das funktioniert bei den einbetonierten Ankern einfacher.

Sichtblenden aus Bamboo-Polymere-Composite (BPC)

Sichtblenden aus Bamboo-Polymere-Composite (BPC). (Foto: Osmo)

5. WPC-Elemente

Optisch unterscheiden sich Sichtschutzzäune aus WPC nur unwesentlich von denen aus Holzelementen. WPC ist die Abkürzung für Wood-Polymer-Composite. Es handelt sich dabei um einen Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff. Der Vorteil: Der Sichtschutz muss nie mehr gestrichen werden. Anders als ein Holzzaun.

Auf eine natürliche Optik muss dabei nicht verzichtet werden. Eine Holzmaserung suchen Sie allerdings vergeblich. Die Befestigung der WPC-Elemente funktioniert so ähnlich wie bei den Holzelementen. Sie werden an die Pfosten geschraubt oder mit Hilfe spezieller U-Profile zwischen zwei Pfosten geklemmt. Als Alternative zu WPC gibt es mittlerweile auch BPC. Hier werden zur Herstellern Bambus- statt Holzfasern verwendet.

6. Betonelemente

Betonelemente sind die Schwergewichte unter den Sichtschutzwänden. Dafür sind sie für die Ewigkeit gemacht. Es gibt sie in Holz- oder Steinoptik sowie in verschiedenen Stilrichtungen. Wer einen langlebigen und pflegeleichten Sichtschutz sucht, liegt hier nicht verkehrt.

Besonders selbermacherfreundlich sind die Betonelemente allerdings nicht. Und das liegt nicht nur daran, dass sie ordentlich Gewicht auf die Waage bringen. Es braucht zusätzlich ein tragfähiges Fundament, das auf die vor Ort bestehenden Bodenverhältnisse abgestimmt sein muss.

Ein Sichtschutz aus Beton ist demnach ein größeres Projekt, das nicht mal so an einem Nachmittag von jemandem alleine gestemmt werden kann. Der Preis hierfür ist entsprechend hoch – wenngleich danach erst einmal die nächsten 20 bis 30 Jahre Ruhe ist. Sichtschutzmäßig betrachtet natürlich. Den Lärm der Nachbarskinder hören Sie weiterhin.

Sichtschutz Hecke

So sah der Garten aus, bevor der Nachbar die Hecke entfernte

7. Pflanzen

Pflanzen sind wahrscheinlich der beliebteste Sichtschutz überhaupt. Sie sind langlebig und vergleichsweise günstig in der Anschaffung. Das Problem: In der Regel dauert es seine Zeit, bis die Anpflanzungen dicht genug sind, dass niemand mehr durchgucken kann. Außerdem müssen sie regelmäßig in Form geschnitten werden. Der Arbeitsaufwand ist entsprechend hoch.

Beachten Sie: Nicht jeder Strauch ist so blickdicht, wie Sie es sich vielleicht wünschen. Zumal, wenn er im Winter seine Blätter verliert. Es werden also immergrüne Pflanzen mit üppiger Blätterbracht benötigt.

Fernöstliches Flair bringen Chinaschilf oder Gartenbambus mit. Ebenfalls gerne als Sichtschutz genommen: Kirschlorbeer oder Feuerdorn. Efeu bietet ebenfalls einen guten Blickschutz. Es braucht jedoch ein Rankgitter oder einen Maschendrahtzaun, an dem es sich entlanghangeln kann.

Auf Balkon oder Terrasse werden gerne Kübelpflanzen als Sichtschutz genommen. Die Pflanzen sollten winterhart sein, damit das Spiel nicht in jedem Frühjahr von vorne anfängt. Bewährt haben sich Rhododendren oder Kirschlorbeer. Auch Bambus lässt sich in Kübeln halten. Rankgewächse sind ebenfalls möglich. Im Handel sind verschiedene Kübel erhältlich, bei denen das Rankgitter bereits mit dabei ist.

8. Mauern

Mauern sind der ultimative Sichtschutz. Stehen sie erst einmal, lassen sie sich nicht mehr so schnell entfernen. Mir wäre das zu wuchtig, doch jeder wie er mag. Wenn es eine Mauer sein soll, braucht es zunächst einmal ein tragfähiges Fundament. Auf die werden dann die Steine gesetzt. Das können Ziegelsteine, aber Porenbeton- oder KS-Steine sein. Oben braucht es dann noch eine Abdeckung. Sie können die Sichtschutzmauer verputzen oder verklinkern.

Als Alternative bieten sich Mauern aus Naturstein an. Ich habe an anderer Stelle bereits ausführlich darüber geschrieben. Die Natursteinmauer kann auch als Trockenmauer ausgeführt werden, dann braucht es keinen Mörtel. Die Steine werden einfach lose übereinander gesetzt.

So oder so sind Mauern ein langlebiger, aber auch teurer Sichtschutz. Als Mieter sollten Sie auf keinen Fall eine Mauer hochziehen, ohne davor den Vermieter zu fragen. Aber auch als Hausbesitzer dürfen Sie nicht alles, insbesondere was die Höhe und der Nähe zum Nachbarn angeht. Dazu am Ende mehr.

Sichtschutz Terrasse mit Seitenmarkise

Wenn Terrasse an Terrasse grenzt, sorgt eine Seitenmarkise für kostbare Privatsphäre. (Foto: epr/markilux)

9. Seitenmarkisen

Seitenmarkisen sind die ideale Lösung für alle, die nur einen zeitweiligen Sichtschutz benötigen. Auf der Terrasse oder dem Balkon beispielsweise. Solch eine Markise wird auf der einen Seite an der Wand befestigt und lässt sich bei Bedarf ausrollen. Auf der anderen Seite wird sie in einen Haltepfosten oder Wandhalter eingehängt.

Dank der Seitenmarkise sind Sie beim Abendessen vor neugierigen Blicken des Nachbars, Wind und der tiefstehenden Sonne geschützt. Blitzschnell lässt Sie sich aber auch wieder beiseiteschieben, wenn Sie mit den Nachbarn tratschen wollen. Die Markisen sind in unterschiedlichen Höhen und noch mehr Farben erhältlich. Die Auszugslänge ist in der Regel variabel – je nachdem wie breit der Sichtschutz sein muss.

10. Palisaden

Palisaden sind senkrechte Pfosten oder Stelen, die nebeneinander gesetzt zu einem Sichtschutz werden. Das kann ganz nett aussehen, insbesondere wenn man mit verschiedenen Höhen arbeitet. In der einfachsten und günstigsten Variante handelt es sich um angespitzte Holzpfähle, die mit einem Vorschlaghammer ins Erdreich getrieben werden. Doch Vorsicht: Splittergefahr.

Palisaden gibt es außerdem aus Beton oder Naturstein. Die sind jedoch um einiges teurer und lassen sich zudem nicht mehr so leicht verarbeiten. Das liegt zum einen am Gewicht, aber auch daran, dass sie ein vernünftiges Fundament benötigen. Sie müssen ausreichend tief im Boden verankert werden, damit sie bei Sturm nicht umkippen. Wer es modern mag, für den gibt es Palisaden aus Aluminium. Das sieht wirklich edel aus, hat allerdings auch seinen Preis.

Holzzaun als Sichtschutz

Ein schöner, pflegeleichter Holzzaun bietet einen perfekten Abschluss zum Nachbarn. (Foto: epr/Delta Gartenholz)

11. Bretter

Wer selbst Hand anlegen will, kann aus Brettern recht einfach einen Sichtschutz anfertigen. Der Vorteil: Er wird genauso hoch und lang, wie Sie es haben wollen. Und er ist um einiges günstiger als eine Sichtschutzwand aus fertigen Holzelementen.

Sie können die Bretter senkrecht oder waagerecht montieren. Wenn Sie das Holz nicht selbst zusägen möchten, können Sie bereits fertige Zaunbretter aus dem Baumarkt oder Holzhandel verwenden. Die gibt es zum Beispiel mit abgerundeter Oberseite.

Wenn Sie einen Bretterzaun aus senkrechten Brettern erstellen, benötigen Sie neben fest verankerten Pfosten noch Querträger, an die die Bretter genagelt werden. Bei niedrigen Sichtschutzzäunen reichen zwei Querbretter oben und unten aus. Soll der Zaun höher werden, ist ein drittes Querbrett in der Mitte ratsam.

12. Brennholzstapel

Ganz gleich, ob Sie einen Holzofen besitzen oder nicht – ein Brennholzstapel ist stets ein besonders dekorativer Sichtschutz. Beim Stapeln des Brennholzes gibt es jedoch einiges zu beachten:

Soll das Holz zum Heizen genutzt werden, darf es keine Feuchtigkeit ziehen. Legen Sie die erste Reihe daher nicht direkt auf den naturbelassenen Boden. Als Unterlage können Sie Querholzlatten, längere Brennholzstangen oder Metallrohre verwenden.

Zu lang darf ein Sichtschutz aus Brennholz nicht werden, um die Stabilität des Aufbaus nicht zu gefährden. Mit sogenannten Seitenhaltern können Sie den Stapel stabilisieren, mehr als 4 Meter sollte die Spannweite nicht betragen.

Damit das Holz auch von oben trocken bleibt, sollten Sie es abdecken. Zum Beispiel mit Wellblech oder rissfesten Folien, die mit Steinen beschwert werden. Sie können sich aber auch einen Unterstand bauen.

Gabionen als Sichtschutz

Blickdichter Blickfang: Gabionen sorgen dafür, dass der Nachbar nicht einfach in den Garten schauen kann. (Foto: epr/Gabionen Kaiser)

13. Gabionen

Früher kannte man Gabionen nur aus dem Gebirge, heute begegnen sie einem überall. Eine Gabione ist ein mit Steinen gefüllter Drahtkorb. Sie diente ursprünglich dafür, die Hänge in den Alpen oder anderswo zu stützen. Die Steinkörbe eignen sich jedoch auch perfekt als Sichtschutz.

Preislich betrachtet sind Gabionen die günstigere Alternative zu Fertigteilen oder Mauern aus Beton. Sie wirken außerdem durch die lockere Verteilung der Steine außerdem nicht so erdrückend wie eine gemauerte Wand. Außerdem regulieren sie die Entwässerung von selbst.

Auch wenn die Gabionen nicht so wuchtig wie bei einer Hangbefestigung daherkommen, ist dennoch eine ausreichend tiefe Gründung notwendig. Sie sind nach wie vor keine Leichtgewichte. Für die Befüllung der Drahtkörbe eignen sich Basalt, Granit oder Kalksandstein. Die Steine sollten etwa das eineinhalb- bis zweifache der Maschengröße der Gabione besitzen.

14. Sichtschutz bei einem Drahtzaun

Doppelstabzäune werden immer häufiger zur Grundstücksbegrenzung verwendet. Diese besitzen von Haus aus keinen Sichtschutz. Dieser lässt sich jedoch problemlos nachrüsten.

Das geschieht häufig mit Sichtschutzstreifen aus PVC, die in verschiedenen Farben erhältlich sind. Sie werden im Zickzack in die Maschen des Zaunes einflechten.

Wem das zu viel Fummelarbeit ist, kann sich mit breiteren Sichtschutzmatten aus Kunststoff behelfen. Mit ihnen lassen sich auch Balkonbrüstungen oder Maschendrahtzäune blickdicht verkleiden. Es gibt aber auch spezielle Sichtschutzbänder für den Maschendrahtzaun.

Welcher Sichtschutz soll es sein?

Ich habe Ihnen eine breite Palette an Möglichkeiten aufgezeigt. Jetzt liegt es an Ihnen, sich für ein Material bzw. eine Variante zu entscheiden. Holz, Kunststoff oder Naturstein – was darf es für Sie sein? Alle Varianten haben Ihre Vor- und Nachteile.