Natursteine im Bauwesen – welche gibt es? Wofür werden sie verwendet?

Von Dominik Hochwarth

In allen Bereichen des Bauwesens findet man Natursteine: Im Haus (z.B. Bad, Bodenbelag, Treppe), am Haus (z.B. Dach, Fassade) und ums Haus herum (z.B. Garten, Terrasse, Pflaster). Selbst über den Tod hinaus begleiten uns Natursteine als Grabstein oder Grabumrandung. Einigen wenigen ist es zudem vergönnt, ihr Abbild in einem Denkmal verewigt zu sehen. Doch was ist eigentlich Naturstein und wofür kann welcher Naturstein verwendet werden? Mit diesen Fragen haben wir uns beschäftigt und möchten Sie nun an diesem Wissen teilhaben lassen.

Marmorbad
Marmor in einem modernen Badezimmer

Das erwartet Sie in diesem Beitrag

Naturstein – was ist das?

Natursteine sind Gesteinsarten, die in der Natur vorkommen. Nach dem Abbauen werden sie weder aufgearbeitet noch gebrannt. Durch Polieren und Schleifen können Natursteine allerdings ein „Facelifting“ verpasst bekommen. Oft bleiben die Steine jedoch einfach nur naturbelassen. Das charakteristische an Naturstein ist die ungleichmäßige Farbgebung und Maserung. Unterschieden werden Natursteine nach Art der Entstehung.

1. Erstarrungsgesteine

Sie sind durch das Erstarren von flüssiger Magma entstanden. Der Erstarrungsvorgang fand entweder rasch an der Erdoberfläche (Ergussgesteine = Vulkanite) oder langsam im Erdinneren (Tiefengesteine = Plutonite) statt. Vertreter von Erstarrungsgesteinen sind Granit, Syenit, Porphyr und Basalt.

Granit

Granit ist wohl das bekannteste und wichtigste Tiefengestein. Es besteht aus Feldspat, Quarz und Glimmer in unterschiedlichen Mengenanteilen. Das Gestein ist hart, recht verwitterungsbeständig und daher auch sehr beanspruchbar.

Granitplatten
Granitplatten werden zugesägt

Zu bearbeiten ist es schwer, doch polieren lässt es sich gut. Von fast weiß über hellgrau bis dunkelgrau reicht die Farbpalette, die durch zahlreiche Rot-, Gelb- und Blautöne ergänzt wird.

Granit ist das wichtigste Material für Pflastersteine. Aber auch Treppenstufen, Platten in allen Größen oder Mauersteine machen ein gutes Bild. Weniger geeignet ist Granit für die Bildhauerei, da sich keine differenzierte Formen herstellen lassen.

Syenit

Syenit kann man als quarzarmen beziehungsweise quarzfreien Granit bezeichnen. Da diese weißen bis milchig-grauen Mineralbestandteile in den anderen Granit-Gesteinsgruppen fast immer vorkommen, sind sie von diesen leichter zu unterscheiden.

Auffällig sind die schillernden Feldspate bei den Labradoriten. Von den Eigenschaften und der Verwendung ähnelt Syenit dem Granit. Es ist hart, verwitterungsbeständig und beanspruchbar und kann daher sehr gut im Außenbereich verwendet werden.

In stark frequentierten Bereichen kann es jedoch zu einem schnelleren Oberflächenverschleiß kommen.

Diorit

Diorit hat eine Gefügestruktur, die der von Granit sehr ähnlich ist, sie ist jedoch meist feinkörniger. Das Gestein besteht zu 65-90% aus Quarz und nur zu 10-20% aus Plagioklas, Alkalifeldspäten und Foiden. Die Farbe ist meist dunkelgrau bis dunkelgrün.

Auch Diorit findet, mit leichten Einschränkungen, die gleiche Verwendung wie Granit. Angeboten wird das Gestein beispielsweise in Form von Fensterbänken, Fliesen, Bodenplatten und Treppen.

Basalt

Basalt ist ein vulkanisches Ergussgestein. Die Farbpalette reicht von fast schwarz bis hin zu einem bläulichen oder violetten Einschlag. Das Gestein ist kompakt, dicht, homogen, sehr feinkörnig und schwer zu bearbeiten.

Basaltpflaster
Basaltpflaster im Regen

Häufige Verwendung für Basalt im Baubereich ist der Einsatz als Schotter und als Zuschlagsstoff bei der Betonherstellung. In basaltreichen Gegenden wird es heute wieder verstärkt als Straßenpflaster verwendet.

Auch für Treppen im Innenbereich, Platten, Verkleidungen oder Grabsteine eignet sich Basalt. Im Garten- und Landschaftsbau ist er zudem Zierstein für die Gestaltung mit Stelen oder wird verwendet als schwarzes Kontrastpflaster.

Porphyr (Rhyolit)

Auch Porphyr gehört zu den Ergussgesteinen. Es ist ein dauerhaftes, zähes Gestein, bei dem nicht alle Sorten gute Frosthärte aufweisen, Porphyr aus tiefen Lagen ist meist frosthart.

Die Farbe ist bräunlich bis rostrot sowie rosa bis dunkelviolett. Aus Porphyr werden Pflaster, Platten, Stufen, Mauern, Verkleidungen, aber auch Denkmäler und Skulpturen gefertigt.

2. Ablagerungs- oder Sedimentgesteine

Bei Sedimentgesteinen handelt es sich um Gesteine, die nach „Verwitterung“ und „Transport“ abgelagert wurden und anschließend durch den Druck überlagernder Massen verfestigt sind. Dabei entstehen je nach Menge der Ablagerungen unterschiedlich dicke Schichtungen. V

ertreter von Ablagerungsgesteinen sind Sandgesteine, Schiefer, Kalkgesteine und Dolomitkalk. Sedimentgesteine bedecken zu ¾ die Kontinente, machen aber nur 1/10 der gesamten Erdkruste aus.

Sandstein

Relativ weitverbreitet ist der Sandstein, wobei als Sandsteine nur diejenigen Gesteine bezeichnet werden, die fast ausschließlich aus Quarz bestehen. Die Härte der Sandsteine nimmt mit dem Grad der Verfestigung zu. Es gibt daher einige, wie beispielsweise Quarzite oder Paragneise, die sehr hart und beständig sind. Die meisten Sandsteine sind jedoch eher leicht zu bearbeiten und weniger beständig.

Sandsteinmauer
Trockenmauer aus Sandstein

Das Farbspektrum reicht von weiß, grau und beige bis hin zu rot oder grün. Das Gestein ist vielseitig verwendbar. Es ist ein wichtiges Gestein für den Garten- und Landschaftsbau, für Pflaster, Einfassungen, Platten, Mauersteine oder Figuren.

Pflasterbeläge aus Sandstein werden jedoch häufig wegen der geringeren Belastbarkeit gegen Granit ausgetauscht. Sandsteinbeläge sind zudem wenig tausalzbeständig und werden glitschig.

Dass Sandstein sehr anfällig gegen Umwelteinflüsse ist, sieht man gerade auch an vielen Kirchen. Wer einmal den Kölner Dom besichtigt hat, der weiß, dass dort immer irgendwo ein Gerüst steht oder hängt, wo gerade herumgebastelt wird.

Kalksandstein

Kalksandstein (der Naturstein wohlgemerkt, nicht der künstlich hergestellte) läßt sich vom Sandstein einerseits und vom Kalkstein andererseits nur schwer abgrenzen, die Übergänge sind fließend.

Das überwiegend helle oder weiße Gestein (eventuell mit organischen Einschlüssen) ist wenig widerstandsfähig, für Bildhauer jedoch einfach zu bearbeiten. Die Verwendung ist ähnlich derer von Sandstein.

Kalkstein

Kalkstein kann in nahezu allen geologischen Formationen vorkommen. Da ist es kein Wunder, dass es auch in fast jedem Land Kalksteinvorkommen gibt. Häufig wird Kalkstein als Marmor bezeichnet, was jedoch falsch ist, da Marmor umgewandelter (kristalliner) Kalkstein ist.

Das Gestein ist überwiegend wenig beständig, jedoch gut polierbar und leicht zu bearbeiten. Das Farbspektrum ist sehr umfangreich: es reicht von schwarz über rot bis braun und gelb. Auch mehrfarbiger Kalkstein ist möglich.

Blöcke aus Tuffstein
Blöcke aus Tuffstein

Trotz geringer Beständigkeit, wird er im Innen- und Außenbereich sehr gerne verwendet. Kalkstein kommt unter anderem für Mauern, Trockenmauern, Bodenplatten oder Steingärten zum Einsatz. Früher wurde das Gestein auch für Pflastersteine und Einfassungen verwendet.

Kalktuff oder Tuffstein ist eine Art von Kalkgestein. Im ausgehärtetem Zustand wurde das Material seit Jahrhundert und bis ins 20. Jahrhundert hinein als hochwertiges Baumaterial genutzt.

3. Umwandlungsgesteine oder Metamorphite

Wie der Name schon sagt, sind Umwandlungsgesteine aus einem anderen Gestein entstanden. Bei der Metamorphose wirken vielfältige Kräfte auf das abgesunkene Gestein ein. Dabei ändert sich die Grobstruktur durch Walzung, Pressung, Schieferung, Fältelung und ungleichmäßig wirkende Drücke.

Je nach Ausgangsmaterial und Tiefenzone der Metamorphose entstanden Umwandlungsgesteine mit unterschiedlichen Eigenschaften. Aus Kalkstein entstand beispielsweise Marmor, aus Granit Gneis oder aus Tonstein Tonschiefer.

Marmor

Ein seit Jahrtausenden eingesetzter und beliebter Baustein ist Marmor. Die alten Griechen und Römer bauten Tempel aus Marmor oder fertigten Skulpturen. Heutzutage findet man Marmor beispielsweise als Bodenbelag in Hotelhallen oder Wohnräumen, wo er für Fußbodenheizungen ein geradezu ideales Speichermedium bildet.

Marmor im Badezimmer
Marmor im Badezimmer

Marmorbäder gelten als Inbegriff des Luxus. Marmor gibt es, wie auch den Kalkstein, aus dem sich der Marmor durch Umwandlung entwickelt hat, in den verschiedensten Farbtönen. Das Farbspektrum umfaßt von schneeweiß bis fast schwarz alle möglichen Farbtöne.

Marmor ist leicht zu bearbeiten und zu polieren, weil er als umkristallisierter Kalkstein nicht besonders hart ist. Eingeschlossene Tonanteile bilden oft beliebte Schattierungen im Marmor, die vor allem nach der Politur zutage treten. Im Unterschied zu normalem Kalkstein ist der Marmor an grösseren Calcitkristallen zu erkennen, die dem ganzen Gestein ein „zuckriges“ Aussehen verleihen.

Gneis

Aus Granit oder anderen Tiefengesteinen ist durch Umwandlung der Orthogneis entstanden.
Sie ähneln dem Granit jedoch sehr und häufig ist der Übergang von Granit zu Orthogneis auch fließend, was sich auch am Aussehen des Gesteins feststellen lässt.

Je nach Ausgangsgestein ist geht das Farbspektrum von grau, grün-grau, rötlich bis hin zu gelb-grau und gelblich. Die Verwendungsweise von Orthogneis ist ähnlich wie derer von Granit und den anderen Tiefengesteinen. Es wird verwendet für Pflastersteine, Treppenstufen, Platten in allen Größen oder Mauersteine.

Aus ehemaligen Ton- und Sandgesteinen, bei denen sich infolge stärkerer Metarmophose Feldspäte, Glimmer und Quarz bildeten, entstand der Paragneis. In Härte und Beständigkeit sind Paragneise zwar durchaus mit Granit vergleichbar, doch die Schieferstruktur (durch den Glimmeranteil) ist meist deutlich zu erkennen.

Das Gestein gibt es in allen Grauschattierungen, vom dunkeln Anthrazit bis zu einer Schwarz-Weiß-Grafik. Verwendet wird Paragneis beispielsweise für Bodenplatten, Mauersteine, Trockenmauern, Treppen oder Bänke.

Schiefer

Aus Tongesteinen, die besonders viele Glimmerminerale bilden konnten, hat sich der Schiefer gebildet. Die Glimmerminerale begünstigen die typische Schieferung und den fast immer silbrigen Glanz.

Schieferdach
Dach aus Schiefer

Das Farbspektrum reicht von anthrazit- bis grausilbrig, teilweise mit grünlichen, bläulichen oder sogar rötlichen Farbnuancen. Als Material zur Dacheindeckung oder Fassadenbekleidung kennt Schiefer wohl jeder.

Aber auch Terrassenplatten oder Treppenstufen können aus dem sehr wetterbeständigen Gestein bestehen. Die älteren unter Ihnen sind vielleicht noch mit einer Schiefertafel in die Schule gegangen und haben so das Einmaleins oder das ABC gelernt.

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