Fliesen gehören nach wie vor zu den beliebtesten Bodenbelägen in Wohnräumen. Besonders im Zusammenspiel mit Fußbodenheizungen können sie ihre Vorteile ausspielen. Zudem gibt es Fliesen in allen erdenklichen Farben und Dekoren. Da Fliesen verlegen aber nicht so einfach ist wie zum Beispiel das Verlegen Klicklaminat oder Klickparkett, scheut der Laie jedoch meist davor zurück. Die vorliegende Anleitung zum Fliesenlegen gilt nur für den Innenbereich. Sollen Fliesen im Außenbereich verlegt werden, müssen weitere Maßnahmen zur Vermeidung von Rissen, Ausblühungen und Feuchteschäden ergriffen werden.

Fliesen legen

Fliesen legen

Das ist vor der Fliesenverlegung zu beachten

Vor dem Verfliesen muss zunächst einmal der Untergrund vorbereitet werden. Ein ebener, fester, trockener und tragfähiger Untergrund wird vorausgesetzt. Ist er zudem frei von Rissen und haftungsmindernden Stoffen, ist er ideal für die Fliesenverlegung. Ist er es nicht, müssen die Mängel zunächst beseitigt werden. Dies gilt auch für hohlliegende Putz- oder Spachtelschichten oder absandende Untergründe. Diese werden von Experten zum Beispiel durch die Handwischprobe beurteilt.

Festigkeit überprüfen

Um die Festigkeit von Putzen oder Estrichen zu überprüfen, kommt die Gitterritzprüfung zum Einsatz. Bei dieser dürfen die Ritzflanken nicht ausbrechen (insbesondere an den Kreuzungsstellen). Ob der Untergrund eben ist, lässt sich am besten mit der Wasserwaage oder einer Richtlatte feststellen. Alles, was nicht mehr fest haftet, muss entfernt werden. Dies gilt zum Beispiel für Tapeten, alte Anstriche, Dekorstoffe und andere Wand- und Bodenbeläge. Zwar können alte Fliesen überfliest werden, doch wenn sie lose sind, müssen sie ebenfalls abgeschlagen werden.

Risse verschließen

Mit einem Rissharz können Risse in Wand und Boden kraftschlüssig verschlossen werden. Wie bereits gesagt, müssen unebene Untergründe ausgeglichen werden. Dies gelingt mit einer Spachtelmasse (z.B. Fließspachtel, Reparaturmörtel usw.), die jedoch nicht auf jedem Untergrund haftet, so dass eine Vorbehandlung mit einer Grundierung oder Haftbrücke notwendig ist. Auf Fliesen, Holzuntergründen oder festen Klebstoffresten hilft eine Haftbrücke, den Verbund zu verbessern. Auf saugenden und absandenden Untergründen ist hingegen eine Grundierung die bessere Wahl. Solche Untergründe findet man bei Gipskarton- bzw. Gipsfaserplatten sowie bei Zementestrichen und Zementputzen.

Boden ausgleichen

Unebene Untergründe müssen vor dem Fliesen ausgeglichen werden

Entkopplung des Fliesenbelags

Bei manchen Untergründen kommt man aber weder mit einer Grundierung noch einer Haftbrücke, sondern nur noch mit einer Entkopplung weiter. Solch kritischen Untergründe sind beispielsweise junge Betonflächen, die schwindungsgefährdet sind. Auch bei rissgefährdeten Estrichen sowie bei Misch- und Holzuntergründen ist der Einbau einer Entkopplung notwendig. Durch die Entkopplung werden Spannungen aus dem Untergrund nicht auf den Fliesenbelag übertragen, so dass die Gefahr von Rissbildung minimiert wird. Angenehmer Nebeneffekt solcher Entkopplungsplatten ist es zudem, dass sie eine trittschall- und wärmedämmende Wirkung besitzen.

Im Badezimmer oder der Küche ist vor dem Verfliesen eine Abdichtung notwendig

Damit durch die Fliesenfugen im Badezimmer oder der Küche keine Feuchtigkeit eindringen und Schäden hervorrufen kann, ist hier eine Abdichtungsschicht unter den Fliesen notwendig. Für Selbermacher hat sich insbesondere eine Flüssigabdichtung (z.B. von Racofix®) bewährt, da sie bereits gebrauchsfertig ist und einfach nur noch aufgespachtelt, aufgerollt oder aufgestrichen werden muss. Mit ihr können Bäder, Duschen, Sanitäranlagen oder Wohnräume abgedichtet werden. Auf die Abdichtungsschicht werden danach die Fliesen mit einem flexiblen Fliesenkleber verlegt.

Die Abdichtungsschicht besteht jedoch nicht nur aus der Flüssigabdichtung, sondern auch aus vorgeformten Dichtecken, Eckfugen, Boden- bzw. Wandanschlussfugen, Dichtmannschetten und Dichtband. Mit ihnen lassen sich Ecken, Rohrdurchführungen oder Bodenabläufe fachgerecht abdichten. Bei den übrigen Flächen wird die Flüssigabdichtung mit einer Lammfellrolle oder einer Glättkelle aufgetragen. Der Auftrag erfolgt in zwei Schichten, ehe nach der Trockenzeit dann mit dem Verfliesen begonnen werden kann,

So erhält man beim Verfliesen ein harmonisches Gesamtbild

Damit die Fliesenflächen ein harmonisches Gesamtbild vermitteln, müssen die Fliesenflächen optisch wirkungsvoll eingeteilt werden. Symmetrie ist hier oberstes Gebot, weshalb zunächst in der Wandmitte ein Senklot angeschlagen wird. Von hier beginnt das Verfliesen – und zwar entweder mit einer Fuge oder der Fliesenmitte. Es ist dabei darauf zu achten, dass eine Randfliese größer als eine halbe Fliesenbreite ist.

An Außenecken anfangen

Gibt es im Raum Außenecken (z.B. an Pfeilern oder Mauervorsprüngen), ist dort mit einer ganzen Fliese anzufangen. Schnittstücke werden an der Innenseite verlegt. Gehen die Fliesen durch mehrere Räume, werden Schnittstücke oder Dehnungsfugen unter das Türblatt gelegt. Zudem wird der Fugenverlauf übernommen.

Oben an der Wand anfangen

Beim Verfliesen der Wand wird oben mit einer ganzen Fliese begonnen, Schnittstücke sind unten anzubringen. Wird nicht die komplette Wand mit Fliesen versehen, fängt man unten mit einer ganzen Fliese an und hört oben auch mit einer ganzen Fliese auf.

Am Boden in der Mitte beginnen

Das Verfliesen des Bodens beginnt man von der Mitte des Raumes aus. Das gelingt am besten, wenn man parallel zu den Längswänden eine Richtschnur spannt und die Fliesen an der Schnur ausrichtet. Es ist wieder darauf zu achten, dass Fliesenschnitte mindestens die halbe Fliesengröße besitzen. Bei Heizkörpernischen kommt die angeschnittene Fliese entweder in die Mitte, oder es werden zwei gleich große Fliesenschnitte an den Seiten angeordnet.

Fliesen schneiden

Zum Schneiden der Fliesen gibt es im Übrigen verschiedene Werkzeuge. Mit dem Fliesenschneidegerät lassen sich zum Beispiel problemlos gerade Schnitte durchführen. Dabei werden die Fliesen zunächst angeritzt und anschließend mit der Brechvorrichtung getrennt. Seitliche Aussparungen gelingen mit der sogenannten Papageienzange. Mit ihr lassen sich zum Beispiel Aussparungen für Wasseranschlüsse von der Glasurseite herausbrechen. Sind Löcher in der Fliese notwendig, werden zunächst kleine Löcher mit einem Steinbohrer gebohrt und dann das große Loch mit der Papageienzange hergestellt. Es gibt aber auch spezielle Fliesenlochgeräte.

Fliesenverlegen auf Wänden – so wird das gemacht

Wie man die Fliesenfläche an Wänden wirkungsvoll einteilt, wurde im Kapitel davor behandelt. Hier wird erklärt, wie die Fliesen an die Wand kommen. Zunächst muss der Mörtel nach Herstellervorgaben angerührt werden. In der Regel wird das Trockenpulver in die abgemessene Menge Wasser (es muss sauber sein!) gegeben und der Mörtel mit einem Rührquirl so angerührt, dass eine sämige und knollenfreie Masse entsteht.

Fliesenkleber auftragen

Fliesenkleber auftragen, bevor die ersten Wandfliesen verlegt werden

Fliesenkleber mit Zahnkelle auftragen

Hat der Mörtel die gewünschte Konsistenz, wird zunächst mit der Glättkelle eine dünne Kontaktschicht auf den Untergrund aufgezogen. Jetzt kann der Fliesenkleber aufgespachtelt werden. Mit der Zahnkelle wird der Kleber durchkämmt, so dass eine wellige Oberfläche entsteht. Die Zahnung der Kelle hängt von der Kantenlänge der Fliese ab. Je größer die Fliesen, desto größer muss auch die Zahnung gewählt werden. Da die Masse schnell austrocknet, sollte nicht mehr als 1 ½ Quadratmeter vorbereitet werden.

Fliesen ins Kleberbett setzen

Jetzt werden die Fliesen ins vorbereitete Kleberbett gesetzt. Um ein Hochquellen des Klebers in den Fugen zu vermeiden, wird die Fliese an der benachbarten Fliese angelegt und dann von dieser unter Druck weggeschoben. Damit die Fugen gleichmäßig werden, empfiehlt sich der Einsatz von Fugenkreuzen oder von Fliesenlegerecken mit Gummischnur. Wichtig ist, dass die Fugen ausgekratzt werden, bevor der Fliesenkleber vollständig erhärtet ist. Nur so gelingt das spätere Verfugen einwandfrei.

Bei Bodenfliesen ist eine hohlraumfreie Verlegung erforderlich

Bodenfliesen werden Tag für Tag mit Füßen getreten und sind daher einer hohen mechanischen Belastung ausgesetzt. Im Außenbereich kommen wechselnde Temperaturen und damit noch zusätzliche Belastungen auf die Fliesen zu. Es ist daher besonders wichtig, dass die Fliesen hohlraumfrei verlegt werden. Hohlräume stellen eine große Schwachstelle dar, die dazu führen, dass sich die Fliesen ablösen oder brechen. Auch kann sich in ihnen Wasser ansammeln, das dann im Winter gefriert.

Kleberbett Bodenfliesen

Das Kleberbett muss vor dem Verlegen der Bodenfliesen sorgfältig vorbereitet werden

Spezieller Fliesenkleber notwendig

Für Bodenfliesen kommen daher spezielle Bodenkleber und Fließbettmörtel zum Einsatz, die eine nahezu hohlraumfreie Verlegung ermöglichen. Da die Kleber recht fließfähig sind, können sie mühelos verarbeitet werden. Der Fließbettmörtel wird nach Herstellerangaben angerührt und dann auf den Boden gegossen. Auch hier darf nur soviel Fläche vorbereitet werden, wie in der offenen Zeit (das ist die Zeit, innerhalb der die Masse funktionsfähig bleibt) verarbeitet werden kann. Profis können demzufolge größere Flächen vorbereiten, während Laien klein anfangen sollten.

Dünne Kleberschicht auftragen

Wie bei der Wand wird zunächst mit der Kelle eine dünne Kontaktschicht aufgetragen. Nun wird der Klebemörtel auf dem vorbereiteten Fußboden verteilt. Die Dicke der Mörtelschicht richtet sich dabei nach den Vorgaben des Klebstoffherstellers. Damit die gesamte Fliese gleichmäßig mit Kleber benetzt wird, erfolgt die Verteilung des Mörtels mit einem Kammbrett. Kammbretter gibt es in verschiedenen Größen. Ist die Mörtelschicht zum Beispiel maximal fünf Millimeter dick, ist ein Kammbrett von 10 bzw. 12 mm zu verwenden.

Bodenfliese ansetzen

Die Bodenfliese wird direkt an eine benachbarte Platte angesetzt und ins Mörtelbett gelegt. Wie auch bei den Wandfliesen wird durch eine schiebende Bewegung von der benachbarten Platte weg das Herausquellen des Fliesenklebers aus den Fugen vermieden. Alles in allem ist die Verlegung von Bodenfliesen mit Fließbettmörteln recht einfach, so dass sie sich für alle Bodenflächen drinnen und draußen empfehlen.

Videoanleitung Fliesen legen

Wand- und Bodenfliesen richtig verfugen

Sind die Fliesen verlegt, müssen sie abschließend noch verfugt werden. Der Fliesenkleber muss dafür ausgetrocknet sein, zudem müssen die Fugen gleichmäßig tief und frei von Kleberresten sein. Je nach verwendeten Fliesen, bietet der Handel verschiedene Fugenmörtel für drinnen und draußen an. Die Fugenmasse gibt es zudem in unterschiedlichen Farben, so dass der individuellen Gestaltung nichts im Wege steht.

Fliesen verfugen

Fugenmasse anrühren und dann über den Fliesen verteilen

Fugenmasse anrühren

Zunächst muss die Fugenmasse mit Wasser angerührt werden, anschließend wird die Masse mit einem Gummiwischer oder einer Fugscheibe diagonal zum Fugenverlauf eingeschlämmt. Übergänge zwischen Wand und Boden, zu Boden- und Wandanschlüssen und zu Sanitärteilen werden nicht ausgefugt. Sie werden später mit einer elastischen Silikonmasse geschlossen. Zurück zum Verfugen: Auch hier gilt wieder, dass keine zu großen Flächen auf einmal bearbeitet werden sollten, da das Abwaschen des Fugenmörtels ebenfalls seine Zeit benötigt und dies geschehen muss, ehe der Mörtel komplett getrocknet ist.

Fugenmasse vorwaschen

Leicht angetrocknet muss der Fugenmörtel allerdings sein, wenn er der Fliesenbelag mit einem Schwammbrett oder einem Handschwamm vorgewaschen wird. Nach dem Vorwaschen wird die Fläche mit dem gesäuberten Schwammbrett diagonal sauber gewaschen. Es ist darauf zu achten, dass die Fugen dabei nicht ausgewaschen werden. Wer möchte, kann die Oberfläche der Fugen danach noch einmal durch leichtes Wischen nachglätten. Die letzten Schlieren lassen sich mit einem weichen, trockenen Tuch entfernen.

Anschlussfugen mit Silikon abdichten

Zu guter Letzt werden noch die Fliesen-Anschlussfugen elastisch abgedichtet. Solche Fugen müssen sein, da sich die unterschiedlichen Materialien unterschiedlich ausdehnen. Ohne elastische Fugen würde es schnell zu Rissen und andere Schäden kommen. Im Sanitärbereich eignet sich ein Fugen-Silicon, den es in den gängigen Sanitärfarben gibt und der pilzhemmend ist. Für Natursteinbeläge gibt es spezielle Siliconmassen.

Anschlüsse verfugen

Anschlüsse mit einer Silikonfuge elastisch abdichten

So funktioniert das richtig

Das Silicon wird mit einer Handpistole in die Fugen gespritzt. Das geschieht mit leichtem Druck und unter Verhinderung von Blasenbildung. Bevor sich eine Haut bildet, wird die Fuge mit spülmittelversetztem Wasser eingestrichen und mit einem speziellen Siliconglätter abgezogen. Die Fuge kann auch mit dem Finger nachgeglättet werden. Dieser sollte zuvor in Spülmittel getaucht werden.

Alle Fotos: Henkel Ceresit