Sie wollen Fliesen oder Natursteinplatten verlegen, wissen aber nicht, welchen Fliesenkleber Sie verwenden sollen? Kein Problem. In diesem Beitrag stellen wir Ihnen die verschiedenen Arten von Kleber vor und verraten Ihnen, für welche Bereiche sie sich am besten eignen.

Fliesenkleber

Mit der Zahnkelle aufgetragener Fliesenkleber (Foto: jacqueline macou auf Pixabay)

Die verschiedenen Fliesenkleberarten

Früher wurden Fliesen meist im Dickbettverfahren verlegt – das heißt mit einem dicken Batzen Mörtel. Dickbettmörtel gibt es immer noch, doch meist erfolgt das Verlegen der Fliesen im Dünnbettverfahren oder Mittelbettverfahren. Auf diese Varianten möchten wir uns in diesem Beitrag hauptsächlich beschränken.

Beim Dünnbettverfahren oder auch Mittelbettverfahren werden die Fliesen mit einem Fliesenkleber verlegt. Dabei handelt es sich zwar häufig immer noch um Mörtel, er wird dennoch als Kleber bezeichnet. Grob lassen sich zwei Arten von Fliesenkleber unterscheiden:

  • Zementgebundene Kleber
  • Nicht zementgebundene Kleber

Bei beiden Varianten sind dann nochmals in verschiedene Untervarianten unterteilt. Je nach Zusammensetzung lassen sie sich für unterschiedliche Zwecke drinnen und draußen verwenden. Im Außenbereich sind ganz andere Klebereigenschaften als im Innenbereich gefragt.

Zu den zementgebundenen Fliesenklebern zählen zum Beispiel:

  • Zementkleber
  • Flexkleber
  • Fließbettkleber
  • Fliesenkleber für Natursteine

Nicht zementgebunden sind zum Beispiel folgende Fliesenkleber:

  • Dispersionskleber
  • Reaktionsharzkleber

1. Zementgebundene Kleber

Wenn man rein die Zusammensetzung betrachtet, sind zementgebundene Kleber nichts Anderes als spezielle Mörtel. Doch Vorsicht: Holen Sie jetzt nicht die Reste des Mauermörtels aus dem Keller, die vom Hausbau noch übrig sind. Damit können Sie keine Fliesen verlegen.

Zementkleber

Am häufigsten kommen auf der Baustelle Zementkleber. In der Regel handelt es sich dabei um Trockenmörtelgemische, die Sie auf der Baustelle mit Wasser anrühren müssen. Wie immer, wenn Zement im Einsatz ist, erfolgt die Aushärtung hydraulisch. Das heißt, das Wasser reagiert mit dem Zement und lässt den Kleber fest werden.

Das geschieht meist recht schnell, Sie müssen daher schauen, dass Sie ihn möglichst rasch verarbeiten. Mischen Sie auch keine zu großen Mengen an, sondern nur so viel, wie Sie in absehbarer Zeit verbrauchen können. Komplett ausgehärtet ist Zementkleber nach etwa 24 Stunden, es gibt aber auch welche, die schneller hart werden.

Wofür eignet er sich?

Zementkleber hat vielfältige Einsatzgebiete – er eignet sich zum Beispiel für starre, saugfähige Untergründe wie Putz, Estrich oder Beton.

Er lässt sich sowohl im Dünnbett- wie auch im Mittelbettverfahren verarbeiten. Beim Dünnbettverfahren ist die Kleberschicht 1-4 mm, beim Mittelbettverfahren 5-15 mm dick. Die Aushärtung des Klebers dauert dann entsprechend länger.

Das Verlegen im Mittelbettverfahren eignet sich insbesondere bei großformatigen Fliesen. Bei einer größeren Kleberdicke lassen sich die Fliesen noch besser korrigieren, so dass sie später alle exakt in der Waage liegen.

Flexkleber

Flexkleber ist so etwas wie die Allzweckwaffe unter den Fliesenklebern. Im Prinzip handelt es sich dabei um einen Zementkleber, der mit Kunststoffzusätzen veredelt wird. Wie der Name bereits verrät, ist der Fliesenkleber flexibler als reiner Zementkleber.

Der flexible Fliesenkleber ist teurer als herkömmlicher Zementkleber, dafür kann er Schwingungen, Spannungen und Bewegungen im Untergrund besser aufnehmen. Mit Flexkleber sind Sie daher auf der sicheren Seite, wenn Sie spätere Fliesenschäden befürchten.

Wofür eignet er sich?

Flexkleber kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn Bewegungen des Untergrunds zu erwarten sind. Das ist zum Beispiel bei Gipskartonplatten oder Trockenestrichelementen der Fall. Auch wenn Sie Fliesen auf Holzdielen oder Spanplatten verlegen wollen, sind Sie mit dem flexiblen Fliesenkleber auf der sicheren Seite.

Durch die Kunststoffzusätze steigt die Klebekraft des Klebers. Er kann daher auch für glatte Untergründe oder alte Keramikbeläge verwendet werden. Auch für Fliesen mit glasartiger Rückseite oder mit niedriger Wasseraufnahme eignet sich Flexkleber.

Die Verwendung im Außenbereich ist bei einem Flexkleber ebenfalls kein Problem, da er wasserabweisend und ausreichend temperaturbeständig ist. Wobei beim Fliesen im Außenbereich noch andere Dinge beachtet werden müssen. Die Verwendung von Flexkleber alleine reicht nicht aus.

Fließbettkleber

Fließbettkleber sind keine spezielle Kleberart, sondern besonders flüssige Zementkleber. Je nachdem, wie viel Wasser man dazugibt, sind sie mal mehr und mal weniger flüssig. Aber immer so, dass sie sich auf einer größeren Bodenfläche verteilen lassen.

Das unterscheidet sie nämlich hauptsächlich zu anderen Zementklebern. Bei denen müssen Sie den Kleber auf jede einzelne Fliese auftragen, bevor sie diese verlegen. Mit Fließbettkleber wird hingegen ein Kleberbett auf dem Boden aufgebracht und die Fliesen dann dort hineingelegt.

Wofür eignet er sich?

Fließbettkleber kann vor allem dort seine Vorzüge ausspielen, wo Fliesen hohlraumfrei verlegt werden müssen. Das ist zwar generell überall der Fall, aber besonders im Außenbereich führen Hohlräume über kurz oder lang zu Frostschäden.

Da eine vollflächige Benetzung der Platten garantiert ist, eignet sich Fließbettkleber auch perfekt für großformatiger Fliesen. Hier ist dann eine ausreichende Haftung sichergestellt.

Fliesenkleber für Natursteine

Natursteine sind eigentlich ein Kapitel für sich. Es gibt so viele unterschiedliche Natursteinarten, die alle anders auf das Zusammentreffen mit Fliesenkleber reagieren. Es braucht daher je nach Gesteinsart einen anderen Kleber. Achten Sie beim Kauf immer darauf, dass er für Natursteine geeignet ist.

Hier ein kurzer Überblick über die Kleberarten und Klebeverfahren:

Dünnbettverfahren (Kleberdicke 3-5 mm)

Mit normalem Zementkleber lassen sich nur die wenigsten Natursteinarten verlegen – allenfalls maßhaltige Travertinfliesen. Wer bereits etwas Erfahrung im Fliesenlegen hat, kann auch einen schnell erhärteten Zementkleber verwenden – einen sogenannten Schnellkleber.

a) Flexkleber

Mit Flexkleber lassen sich zum Beispiel Hartgesteine und einige Granite gut verlegen. Neigen die Steine zur Wasseraufnahme wie beispielsweise Schiefer, sollten Sie besser Schnellkleber verwenden.

b) Schnellkleber

Wie bereits erwähnt, lassen sich Schieferfliesen sehr gut mit Schnellkleber verlegen. Der Kleber härtet schneller aus, wodurch die Gesteine weniger Wasser aufsaugen. Schüsselungen werden so vermieden.

Neben Schiefer können Sie mit Schnellkleber noch Quarzit- und Granitfliesen mit geringen Toleranzen verlegen. Haben die Natursteine größere Toleranzen, eignet sich das Mittelbettverfahren besser.

c) Weißer Flexmörtel

Bei hellen Marmorfliesen müssen Sie einen farblich passenden Kleber verwenden – den weißen Flexmörtel. Ansonsten kann die Farbe des Fliesenklebers durchschimmern, was der Optik nicht gerade zuträglich ist.

Mittelbettverfahren (Kleberdicke 5-20 mm)

Für das Mittelbettverfahren kommen im Prinzip die gleichen Kleberarten wie für das Dünnschichtverfahren zum Einsatz. Der Unterschied liegt alleine in der Kleberdicke.

Eine dickere Kleberschicht hat zwei Vorteile:

  • Unebenheiten im Untergrund lassen sich ausgleichen
  • Sie ermöglicht das Verlegen von Fliesen mit größeren Toleranzen

Dickbettverfahren (Kleberdicke ab 21 mm)

Früher war es Standard Fliesen und Naturstein in ein Dickbett zu legen. Mit ihm lassen sich auch größere Unebenheiten ausgleichen. Im Innenbereich kommt das Dickbettverfahren daher praktisch gar nicht mehr zum Einsatz, da die Fliesen in der Regel auf Estrich verlegt werden.

Neben dem größeren Materialbedarf hat das Dickschichtverfahren weitere Nachteile. Durch den hohen Wassergehalt nach dem Verlegen kann es zu Verfärbungen und Ausblühungen kommen. Der Grund: Mineralien und andere Substanzen im Naturstein können sich lösen

Natursteinkleber für den Außenbereich

Prinzipiell ist es im Außenbereich zu empfehlen, Natursteinplatten ohne Kleber zu verlegen. Sie also lose zu verlegen. Das spart Zeit, Geld und ist auch für ungeübtere Heimwerker leichter zu bewerkstelligen.

Wollen Sie die Natursteinplatten dennoch in Kleber verlegen, gibt es einige Dinge zu beachten: Achten Sie unbedingt auf die Wasserableitung, sonst drohen Frostschäden. Ein Drainagemörtel ist hier die richtige Wahl, denn er ist wasserdurchlässig.

2. Nicht zementgebundene Kleber

Als normaler Heimwerker werden sie in der Regel kaum mit nicht zementgebundenen Fliesenklebern in Kontakt kommen. Selbst erfahrene Fliesenleger nutzen sie kaum. Der Vollständigkeit halber sollen sie hier trotzdem kurz erwähnt werden.

Dispersionskleber

Bei einem Dispersionskleber handelt es sich um ein fertig gemischtes Produkt, das in Eimern auf die Baustelle kommt. Er besteht aus fein im Wasser verteilten Kunststoffteilchen. Im erhärteten Zustand ist ein Dispersionskleber flexibler als Zementmörtel und er klebt auch stärker.

Allerdings braucht er auch wesentlich länger, bis er trocken ist. Außerdem ist ein Dispersionskleber nicht für den Außenbereich geeignet. Bei glatten Wänden aus Gipskarton- oder Hartschaumplatten kann er jedoch verwendet werden. Allerdings greifen deutsche Fliesenleger auch hier lieber zu Flexklebern auf Zementbasis.

Reaktionsharzkleber

Reaktionsharzkleber sind ausgesprochene Spezialprodukte.  Es gibt sie auf Basis von Epoxid- oder Polyurethanharz und sie bestehen aus zwei Komponenten – dem Kunstharz und einem Härter. Beim Mischen auf der Baustelle wird eine chemische Reaktion ausgelöst, die das Gemisch hart werden lässt.

Reaktionsharzkleber kommen zum Fliesenlegen hauptsächlich im gewerblichen Bereich zum Einsatz. Sie verrichten bei schwierigen Fliesenuntergründen hervorragende Arbeit, sind sehr flexibel und chemikalienbeständig. Das sie außerdem ausgezeichnet kleben, eignen sie sich für Untergründe aus Kunststoff, Glas, Metall oder auch Holz und Holzwerkstoffe.

 

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