Der Rohfußboden ist in der Regel viel zu wellig, als dass darauf der Bodenbelag verlegt werden kann. Es braucht daher einen Estrich, um den Fußboden einzuebnen und ihn belegereif zu machen. Belegereif bedeutet, dass dann Parkett, Laminat, Teppichboden oder Fliesen ohne Probleme verlegt werden können. Man unterscheidet verschiedene Estricharten wie zum Beispiel Calciumsulfatestrich, Gussasphaltestrich, Magnesiaestrich oder Zementestrich, die jeweils ihre Vor- und Nachteile besitzen.

Estrich verteilen

Estriche werden jedoch nicht nur bezüglich ihrer Inhaltsstoffe unterschieden, sondern zudem bezüglich ihrer Verarbeitungsweise. So gibt es zum Beispiel Fließestriche und Trockenestriche. Letztere sollen an dieser Stelle nicht behandelt werden, denn sie stellen einen Sonderfall dar und werden vor allem in der Altbausanierung verwendet. Wer mehr über diese Estrichart erfahren möchte, kann sich jedoch an dieser Stelle informieren.

Grundsätzliches zum Thema Estrich und seine unterschiedlichen Arten

Fließestrich ausbringenFließestrich bedeutet, dass dem Estrich ein Fließmittel zugegeben wird, das ihn sehr weich und selbstnivellierend macht. Das ist äußerst praktisch, denn dann wird er von ganz alleine vollkommen eben. Nach dem Einbringen dauert es – je nach verwendeter Estrichart – einige Tage bis Wochen, bis der Bodenbelag verlegt werden darf. Wenn in den Estrich eine Fußbodenheizung integriert ist, nennt sich das Heizestrich. Der wird meist auf einer Dämmlage ausgebracht, der Fachmann spricht von schwimmendem Estrich.

DIN 18560 kennt neben den Estrichen und Heizestrichen auf Dämmschicht zudem noch welche auf Trennschicht sowie hochbeanspruchte Estriche, sogenannte Industrieestriche. Bevor die verschiedenen Estricharten vorgestellt werden, noch kurz die Definition von Estrich nach DIN 18560-1: „Estrich ist ein auf einem tragenden Untergrund oder auf einer zwischenliegenden Trenn- und Dämmschicht hergestelltes Bauteil, das unmittelbar als Boden nutzungsfähig ist oder mit einem Belag versehen werden kann.

Zementestrich – der König unter den Estrichen

Die am häufigsten verwendete Estrichart ist der Zementestrich, der nach DIN EN 13813 mit „CT“ abgekürzt wird. Das CT steht für cementitous screed und sie löste die deutsche Abkürzung „ZE“ ab. Wie es der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich bei Zementestrich grundsätzlich um einen Beton, der entsprechend verfeinert wurde. Grober Kies kommt zum Beispiel keiner zum Einsatz, sondern nur Sand bis zu einer Körnung von acht Millimetern. Er ist in verschiedenen Festigkeitsklassen erhältlich und kann sowohl im Außenbereich als auch drinnen verwendet werden.

Feuchtigkeit kann dieser Estrichart nichts anhaben, Kälte beim Einbau hingegen schon. Die Temperatur muss beim Einbringen mindestens fünf Grad Celsius betragen und darf in den drei Folgetagen zudem nicht unterschritten werden. Schlagregen, Zugluft und extreme Wärme bekommen dem Zementestrich ebenfalls nicht. Er darf frühestens nach drei Tagen erstmals betreten werden, um keine bleibenden Spuren zu hinterlassen. Voll belastbar ist er nach sieben Tagen, belegereif allerdings erst nach zwanzig bis dreißig Tagen.

Schnellestrich verlegen – so geht das

Praktisch sind Schnellestriche, sie eignen zur schnellen Ausbesserung, Sanierung und Renovierung von zementgebundenen Untergründen. Wie die Verarbeitung funktioniert, zeigt dieses Video von Quick Mix:

Calciumsulfat- bzw. Anhydritestrich: wenn es schneller gehen muss

Wer nicht wie beim Zementestrich dreißig Tage warten möchte, ehe es weitergeht, dem bietet sich Calciumsulfat- bzw. Anhydritestrich an. Diese Estrichart wird nach DIN EN 13813 mit „CA“ abgekürzt, wobei es sich dabei um nichts anderes als Gips handelt, denn Anhydrit ist eine Vorstufe davon. Neben dem Anhydrit-Binder besteht dieser Estrich noch aus Wasser und Sand mit einer Körnung von 0-8 mm. Die Bauzeit des biologisch und ökologisch unbedenklichen Anhydritestrichs beträgt sieben bis zehn Tage, danach kann bereits mit der Aufheizung begonnen werden.

Gips ist für die Verwendung im Außenbereich nicht geeignet, da er Wasser anzieht und bei Berührung mit ihm aufquillt. Das darf bei einem Estrich natürlich nicht passieren. Da er sich zudem bei zu hoher Feuchtigkeit verfärbt und zu Verpilzung neigt, ist eine Verwendung dieser Estrichart im Badezimmer oder im Keller nur bedingt möglich. Optimal ist eine Verwendung zusammen mit einer Fußbodenheizung, da Gips eine sehr gute Wärmespeicher- und Wärmeleitfähigkeit besitzt. Zudem ist Anhydritestrich äußerst raumstabil und neigt nicht zum Schüsseln wie Zementestrich.

Schneller Estrich: Gussasphaltestrich kommt ganz ohne Wasser aus

Eine interessante Estrichart ist der Gussasphaltestrich, der komplett ohne Wasser auskommt. Nach DIN EN 13813 wird er mit „AS“ abgekürzt und besteht aus einem Gemisch von Bitumen, Sand, Splitt und Steinmehl. Da Bitumen erst unter Wärmeeinwirkung flüssig wird, muss dieser Estrich bei rund 250 Grad Celsius eingebracht werden. Das geschieht mit speziellen Eimern aus Eichenholz, denn Pumpen ist bei dieser Hitze nicht mehr möglich. Die hat aber auch ein Gutes, dann das Wetter spielt beim Verlegen nur eine untergeordnete Rolle.

War Anhydritestrich bereits schnell belegreif, so schaltet Gussasphaltestrich noch einmal einen Gang hoch, denn bereits nach einem Tag kann der Bodenbelag verlegt werden. Er ist wasser- und dampfdicht, weitere Abdichtungsmaßnahmen und Dampfsperren sind daher keine notwendig. Probleme kann es geben, wenn auf dieser Estrichart Natursteine verlegt werden sollen. Das funktioniert nur mit Hilfe von Fließspachtel, Voranstrich oder Entkopplungsmatte und einem speziellen Mörtel.

In vielen Altbauten zu finden: der Magnesiaestrich

Da er noch in vielen Altbauten vorhanden ist, soll der Vollständigkeit halber noch kurz der Magnesiaestrich erwähnt werden. Er wird nach DIN EN 13813 mit „MA“ abgekürzt und stammt aus einer Zeit, in der Zement rationiert war, Magnesit jedoch nicht. Nun ist der Zweite Weltkrieg lange vorbei und so wird diese Estrichart nur noch bei speziellen Anforderungen an den Boden eingebaut. Magnesiaestrich ist nahezu staubfrei und elektrisch leitfähig, er eignet sich daher bestens für die Herstellung von Antistatikböden.

Problematisch ist bei dieser Estrichart jedoch, dass sie sehr feuchteempfindlich ist und mit der Zeit Korrodiert. Kommt Magnesiaestrich mit wässrigem Mörtel in Kontakt, quillt er auf wie ein Hefeteig und wird völlig unbrauchbar. Er wird aus Magnesiumchlorid in wässriger Lösung sowie einem Zuschlagstoff hergestellt. Das können Weichholzspäne, Textilfaser, Quarzsand oder künstliche Hartstoffe sein. Die Vorzüge des Estrichs liegen in seiner Leichtigkeit und Beständigkeit gegen Lösemittel, Mineralöle oder Treibstoffen.

Hart im Nehmen: Industrieestrich

In der Industrie werden an Estriche besondere Anforderungen gestellt. Sie müssen zum Beispiel Gabelstapler aushalten, beständig gegen Chemikalien oder in manchen Bereichen zudem rutschsicher sein. Industrieestriche sind daher besonders stand- und verschleißfest oder weisen eine hohe Abriebfestigkeit auf. Sie werden daher auch als Nutzestriche bezeichnet.

Ein Industrieestrich kann aus Zement, Gussasphalt oder synthetischen Reaktionsharzen hergestellt werden. Bei den zementgebundenen Nutzestrichen ist darauf zu achten, dass sie eine Festigkeitsklasse von mindestens CT 40 besitzen. In privaten Bereich sind Festigkeitsklassen von CT 12 oder CT 20 üblich, sie sind für eine Nutzung in der Industrie nicht geeignet.

Muss der Industrieestrich rutschhemmend sein, sollte er der Bewertungsgruppe R  13 entsprechen. Er muss in diesem Bereich also den höchsten Ansprüchen gerecht werden. Er ist zum Beispiel notwendig, wenn in dem Betrieb Margerine, Öl oder Fett hergestellt. Auch bei der Feinkostherstellung sind solche Estriche zu finden.

Wenn es schnell gehen muss – Trockenestrich

Trockenestrich ist ein Estrich, der bereits fix und fertig auf dem Rohfußboden verlegt wird. Der Vorteil: Es muss nix trocknen, der endgültigige Bodenbelag kann sofort verlegt werden. Hier habe ich ausführlicher über Trockenestriche geschrieben.

Fotos: Knauf