Wer auf der Suche nach einem elastischen Bodenbelag ist und PVC nicht über den Weg traut, dem bietet sich Linoleum als Alternative an. Dieses wird zum größten Teil aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und steht daher in hohem Maße für Nachhaltigkeit. Linoleumboden steht daher nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für die Zukunft, schließlich wird immer mehr darauf geachtet, was so alles an Baustoffen in den eigenen vier Wänden verbaut wird. Nicht nur die Ökonomie, sondern auch die Ökologie steht wieder mehr im Mittelpunkt.

Linoleum als Bodenbelag

Die älteren unter den Lesern werden sicher noch den Geruch von Bohnerwachs in der Nase haben, der einem in der Schule um die Nase wehte. Ich denke dabei meist an meine Bundeswehrzeit, als ich zusammen mit meinem Kameraden regelmäßig den Linoleumboden pflegen musste. Erst musste das flüssige Wachs aufgetragen und dann mit Sägespänen die Reste wieder runtergekehrt werden. Bohnermaschinen gab es beim Bund natürlich nicht – nur die lebendigen. Heute werden Linoleumböden meist nicht mehr gebohnert, weil sie eine Oberflächenvergütung aus PUR oder LPX besitzen. Ein kleiner Wermutstropfen hinsichtlich der Ökobilanz.

Leinöl, Kalkstein, Harze, Kork und Holz fügen sich mit Jute zu Linoleum

Linoleum im WohnbereichWenden wir uns jedoch zunächst den natürlichen Inhaltsstoffen von Linoleum zu. Der elastische Bodenbelag besteht zum größten Teil aus Leinöl, Kalksteinmehl, Harzen, Kork- und Holzmehl sowie natürlichen Pigmenten, also Zutaten, die problemlos kompostierbar sind. Das gilt auch für das Trägermaterial Jute, auf die werden die zusammengemischten Zutaten nämlich mit Hilfe von Hitze und Druck aufgewalzt. Am Ende steht ein robuster Bodenbelag, der zudem beständig gegen Fette, Öle und sogar Zigarettenglut ist. Zudem wirkt Linoleum antistatisch und ist äußerst hygienisch, da antibakteriell. Seit etwa 1860 wird er in Deutschland hergestellt, muss ich aber mittlerweile der Konkurrenz der Kunststoff-Beläge erwehren.

Immerhin ist die Trendwende eingeleitet. Nachdem Linoleum zwischenzeitlich fast komplett von der Bildfläche verschwunden war, findet er heute wieder mehr Anhänger. Das liegt sicher auch an den zahlreichen neuen Designs und Farben, die sich die Hersteller haben einfallen lassen. Hauptgrund wird aber sein, dass die Böden heutzutage wesentlich pflegeleichter sind. Dank der zusätzlich aufgetragenen Schutzschicht bleibt einem das regelmäßige Wachsen erspart. Trotzdem verliert Linoleumboden nicht das angenehm weiche Trittgefühl, früher konnte der Boden schon einmal hart und spröde werden. Zuhause fühlt sich Linoleum im Übrigen auf Industrieböden und im heimischen Schlafzimmer gleichermaßen.

Rolle oder Platte: Linoleum wird fest verklebt oder schwimmend verlegt

Angeboten wird Linoleum entweder als Rollen- oder Plattenware. Das Verlegen der Rollenware sollte unbedingt einem Fachmann überlassen werden, da der Boden vollflächig verklebt wird und der Boden entsprechend vorbereitet werden muss. Zudem werden die einzelnen Bahnen miteinander verschweißt, was recht kniffelig ist. Die Verlegung sollte am besten mit Naturharz- oder Kasein-Universalkleber erfolgen, die weitestgehend frei von gesundheitsbedenklichen Stoffen sind. Diese Klebstoffe sind bereits seit Jahrzehnten im Einsatz und damit eine bewährte Alternative zu den lösemittelhaltigen Klebern.

Linoleum im Kinderzimmer

Eine Alternative zu den vollflächig verklebten Linoleum-Rollen ist Linoleum-Fertigparkett, das mit Nut und Feder versehen ist und schwimmend verlegt werden kann. Das darf dann auch der Heimwerker ran, denn es funktioniert nicht viel anders wie das Verlegen von Laminat oder Fertigparkett. Es gibt solches Fertig-Linoleum auch mit einer aufkaschierten Korkschicht und damit mit einer natürlichen Trittschalldämmung. Die anderen Hausbewohner werden es Ihnen danken. Die Linoleum-Platten oder –Dielen können zudem vollflächig verklebt werden, das wird aber dann gleich wieder aufwendiger und schwieriger.

Nachhaltigkeit ist nur ein Vorteil des natürlichen Bodenbelags

Noch ein Wort zur Nachhaltigkeit von Linoleumboden, die durch die Verwendung von Polyurethan (PUR) oder LPX zur Oberflächenvergütung etwas getrübt wird. Allerdings zählen zu einem nachhaltigen Produkt nicht nur die ökologischen und umweltverträglichen Aspekte, sondern auch so Dinge wie die Nutzungsdauer und die Unterhaltskosten. Für die Pflege von oberflächenvergüteten Linoleum sind zum Beispiel wesentlich weniger Reinigungsmittel notwendig. Auch Strom und Wasser müssen weniger verwendet werden. Insgesamt wird die Nachhaltigkeit durch den Einsatz von PUR daher eher verbessert, wie in einer Ökostudie der TU Darmstadt herausgefunden wurde.

Linoleum auf einen Blick:

  • In vielen Farben erhältlich
  • Für Wohnräume und Industriegebäude gleichermaßen geeignet
  • Der einzige elastische Bodenbelag mit natürlichen Inhaltsstoffen
  • Lange Lebensdauer von 40 Jahren und mehr
  • Verlegung auf einer Fußbodenheizung ist möglich
  • Hygienischer Bodenbelag, der antibakteriell wirkt
  • Weiches Trittgefühl dank elastischer Oberfläche
  • Sofern oberflächenvergütet: einfach Pflege
  • Strapazierfähiger Bodenbelag, der gut repariert werden kann

Alles ganz einfach: Reinigung und Reparatur von Linoleumböden

Besitzt Linoleum eine Oberflächenvergütung, ist die Reinigung recht einfach, muss doch bei normaler Verschmutzung lediglich feucht durchgewischt werden. Liegt nur loser Staub oder Schmutz auf dem Boden, reicht durchfegen oder durchsaugen aus. Hat sich hartnäckiger Schmutz auf dem Linoleum breitgemacht, wird dieser mit einem wasserverdünnten Reiniger erst eingeweicht und nach zehn Minuten mechanisch abgelöst. Danach muss die Oberfläche nur noch mit klarem Wasser nachgespült werden. Bei lose verlegtem Klick-Linoleum darf der Wassereinsatz nicht zu stark sein, da die Kanten irreparabel aufquellen können. Besitzt das Linoleum keine Oberflächenvergütung, müssen abschließend noch spezielle Pflegemittel aufgetragen werden.

Linoleum in der Schule

Ein Linoleumboden kann ein stolzes Alter erreichen, das von der Art der Nutzung und der Dicke des Belags abhängig ist. Dickere Beläge (bis 4 mm) werden im Schnitt 25 bis 40 Jahre alt, dünnere (bis 2,5 mm) erreichen immerhin noch ein mittleres Lebensalter von 15 bis 30 Jahre. In dieser Zeit gelangt sicher die eine oder andere Macke in den Boden. Das ist in der Regel jedoch kein Problem, kann sie doch recht einfach beseitigt werden. Ist der das Linoleum zum Beispiel mit LPX vergütet, lassen sich kleine Löcher und Kratzer zum Beispiel mit einer Mischung aus Sekundenkleber und Linoleummehl reparieren. Und für Linoleum mit PUR gibt es spezielle Reparatur-Sets im Handel zu kaufen.

Alle Fotos: Armstrong