Nach mir die Sintflut – nach diesem Motto wurde jahrelang auch beim Hausbau verfahren. Und noch heute tun sich viele schwer, nicht das augenblicklich Beste und Günstigste zu kaufen, sondern schon heute an die Zukunft zu denken. Nachhaltiges Bauen ist nur schwer in die Köpfe der Bauherren und Bauplaner zu bekommen, dabei ist es durchaus sinnvoll, den kompletten Lebenszyklus des Hauses von der Planung bis zum Abriss zu betrachten.

Holzhaus Nachhaltigkeit

Beim nachhaltigen Bauen müssen drei Faktoren in Einklang gebracht werden – Ökonomie, Ökologie und soziokulturelle Faktoren. Nur wenn von der Rohstoffgewinnung bis zum Rückbau schonend mit den Ressourcen umgegangen und die Umwelt so wenig wie möglich belastet wird, haben die nachfolgenden Generationen noch Freude an unserem Planeten. Dabei müssen persönliche Dinge wie Behaglichkeit und der Gesundheitsaspekt nicht außen vor bleiben. Sie gehören vielmehr zum Nachhaltigen Bauen unbedingt mit dazu. Wenn dann die Baukosten nicht aus dem Ruder laufen, ist alles perfekt.

Nachhaltigkeit ist ein Begriff aus der Forstwirtschaft

Nachhaltigkeit ist keine moderne Erfindung, sie findet bereits seit einigen Jahrhunderten in der Forstwirtschaft Anwendung. Hier geht es vereinfacht darum, dass nur so viel Holzmasse geerntet werden darf, wie nachwächst. So wird sichergestellt, dass die Wälder nicht irgendwann komplett abgeholzt sind. Die alten Wikinger hatten es nicht so mit der Nachhaltigkeit und vernichteten ganze Wälder Skandinaviens für den Haus- und Schiffsbau.

Ökologisch wertvoll - viel Holz in Innenräumen

Ökologisch wertvoll – viel Holz in Innenräumen

Nur langsam erholt sich die Landschaft vom einstigen Kahlschlag. Lässt sich in der Forstwirtschaft die Nachhaltigkeit recht einfach überprüfen, ist dies beim Hausbau um einiges schwieriger, weil hier verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Neben den messbaren Faktoren wie Energieverbrauch gibt es hier noch die nicht messbaren Faktoren wie Behaglichkeit. Auch gibt es keine Liste, nach der man das perfekt nachhaltige Haus bauen kann.

Passivhausfenster als Beispiel für Nachhaltigkeit

Ganz anschaulich lässt sich die Komplexität der Nachhaltigkeit bei Passivhausfenstern erklären. Auf den ersten Blick sind sie perfekt, lassen sie doch nur wenig Wärme nach draußen, so dass der Energiebedarf sinkt. Damit die Fenster jedoch so perfekt dämmen, muss bei ihrer Herstellung wesentlich mehr Energie aufgebracht werden als bei der Herstellung herkömmlicher Fenster.

Zudem sind die Anschaffungs- und Rückbaukosten bei Passivhausfenstern wesentlich höher. Alles in allem sind Passivhausfenster dennoch ein nachhaltiges Produkt, da die Vorteile die Nachteile mehr als wettmachen. Dies lässt sich ohne Zweifel sagen, wenn man die Fenster nach den oben bereits genannten ökonomischen, ökologischen und soziokulturellen Kriterien beurteilt.

Die ökonomische Dimension der Nachhaltigkeit

Zu den ökonomischen Kriterien des nachhaltigen Bauens gehören die Kosten für die Planung, Anschaffung und Errichtung des Hauses. Sie werden auch als die Baukosten bezeichnet. Zu den Baukosten kommen aber in der Regel noch weitere Kosten für den Betrieb, die Instandhaltung oder den Rückbau hinzu. Alleine die Rückbaukosten können immens werden – zusammen mit den Betriebskosten und Instandhaltungskosten braucht man sich nicht wundern, wenn die Anschaffungskosten übertroffen werden. Zumal noch die Kosten für Abwasser, Wasser, Strom oder Heizung dazukommen.

Ressourcen schonen, Energieverbrauch senken

Durch geeignete Maßnahmen kann der Verbrauch dieser Ressourcen häufig stark gesenkt werden. Mit sinkendem Energieverbrauch wird zudem auch noch die Umwelt entlastet, es gelangen zum Beispiel weniger umweltschädliche Treibhausgase in die Atmosphäre. Die Senkung des Energieverbrauchs wirkt sich dadurch nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch aus.

Sanierungs- und Modernisierungsaufwand möglichst gering halten

Betrachtet man die Nachhaltigkeit aus ökonomischer Sicht, muss bei der Hausplanung auch der zukünftige Modernisierungs- und Sanierungsaufwand mit berücksichtigt werden. Je weniger saniert und modernisiert werden muss, desto besser ist dies natürlich für die Nachhaltigkeit.

Die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit

Ein Haus im Einklang mit der Natur

Ein Haus im Einklang mit der Natur

Der ökologische Aspekt der Nachhaltigkeit ist eben bereits kurz angeklungen. Hier geht es vor allem um Ressourcenschonung und Optimierung des Baumaterialieneinsatzes. Zudem sollte so wenig Wasser und Energie wie möglich verbraucht werden. Bei der Verwendung der Baumaterialien macht es zum Beispiel in Bayern wenig Sinn, sein Dach mit Schiefer zu decken, da hierfür der Naturstein durch halb Deutschland kutschiert werden muss. Anders sieht es in Gegenden aus, wo der Schiefer abgebaut wird – wie zum Beispiel in der Eifel. Dort ist ein Schieferdach nachhaltig.

Flächenschonend bauen

Aus ökologischer Sicht bedeutet jeder Hausbau ein Eingriff in die Natur. Um Nachhaltigkeit zu gewährleisten, sollte dieser Eingriff so gering wie möglich ausfallen. Wer für sich alleine eine Riesenvilla mit 300 Quadratmetern Grundfläche hinstellt, wird dies sicher genießen. Mit Nachhaltigkeit hat dies aber wenig zu tun. Bei einer Großfamilie wäre solch ein Flächenverbrauch eher zu akzeptieren.

Eher nach oben als in die Breite bauen

Generell gilt aus Sicht der Nachhaltigkeit, dass eher nach oben als in die Breite gebaut werden sollte. Eine Dachaufstockung ist also besser als ein Anbau. Auch sollten beim Hausbau möglichst Materialien zum Einsatz kommen, die irgendwann am Ende des Lebenszyklus recycelt und wiedeverwendet werden können. Nachhaltig ist es auch, wenn die Klospülung mit Regenwasser und nicht nicht mit Trinkwasser erfolgt.

Die soziokulturelle Dimension der Nachhaltigkeit

Am schwierigsten greifbar ist die soziokulturelle Dimension der Nachhaltigkeit. Neben der menschlichen Gesundheit spielen hier auch soziale und kulturelle Werte mit hinein. So nützt zum Beispiel das beste Ökohaus nichts, wenn dort keiner einziehen möchte, weil es abgrundtief hässlich ist. Hier kommen dann die Designer und Architekten ins Spiel, die dem Haus neben einer Funktion auch eine ansprechende Optik geben müssen.

Im Einklang mit der Natur

Doch allzu sehr sollten sie ihrer Kreativität auch nicht freien Lauf lassen, denn das Haus sollte sich schon harmonisch in die Landschaft und die umgebene Bebauung einpassen. Dies wird aus städtebaulicher Sicht in der Regel sowieso gefordert. So müssen die Dachgiebel zum Beispiel häufig in eine Richtung schauen oder die Farbe der Dachziegel wird vorgeschrieben. Oft dürfen die Häuser eines Baugebiets auch eine bestimmte Höhe nicht überschreiten.

Barrierefreiheit und das nachhaltige Bauen

Wird das Haus barrierefrei geplant, kann ebenfalls von Nachhaltigkeit gesprochen werden. Das liegt vor allem daran, dass bei zunehmendem Alter und Gebrechlichkeit keine aufwändigen und kostspieligen Umbaumaßnahmen mehr vorgenommen werden müssen. Zudem steigert das die Behaglichkeit, wenn Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte problemlos alle Räume des Hauses nutzen können.

Behaglichkeit als Faktor

Behaglichkeit ist insgesamt ein großes Thema beim nachhaltigen Bauen. So sollen die Räume stets angenehm temperiert und die Raumluft nicht zu feucht und nicht zu trocken sein. Zum persönlichen Wohlbefinden tragen zudem die Raumluftqualität und die Luftbewegung bei. Da falsches Licht und Lärm häufig die Ursache einer Erkrankung sind, muss beim nachhaltigen Bauen auch die Schalldämmung und Beleuchtung berücksichtigt werden. Dann ist es zum persönlichen Traumhaus nicht mehr weit.

Fotos: epr/Baufritz