Ab und an muss eigentlich jeder einmal die Bohrmaschine in die Hand nehmen, schließlich will man nicht für jede Kleinigkeit den Handwerker rufen. Damit das mit dem Bohren richtig klappt, müssen Sie einige Dinge beachten. Dabei hilft diese Bohrerkunde für Anfänger.

Akku-Schlagbohrer

Gewusst wie: Mit einem Akku-Schlagbohrer saubere Löcher bohren (Foto: Bosch)

Drei Bohrtechniken

Grundsätzlich stehen Ihnen beim Bohren drei Bohrtechniken zur Verfügung:

  • Drehbohren
  • Schlagbohren
  • Hammerbohren

Beim Drehbohren entsteht das Loch allein durch das Drehen des Bohrers. Bei Baustoffen aus Gips muss der Bohrer zusätzlich schneidend sein.

Beim Schlagbohren bekommt der Bohrer Unterstützung durch leichte Schläge der Maschine. Sie sorgen dafür, dass es vorwärtsgeht.

Beim Hammerbohren unterstützen starke Schläge den Bohrer. Eine Schlagbohrmaschine kann das nicht, Sie benötigen dafür einen speziellen Bohrhammer. Diese können meist alle drei Bohrtechniken.

Drehbohren Drehbohren
Schlagbohren eventuell möglich
Schlagbohren Hammerbohren Drehbohren (schneidender Bohrer)
Leichte Hochlochziegel, Hohlblocksteine aus Leichtbeton, Vollsteine aus Leicht- oder Porenbeton Hochlochziegel, Kalksandlochstein, Kalksandhohlblock, Hohlblockstein aus Beton Vollziegel, Klinker, Kalksandvollstein Normalbeton, Leichtbeton Gipsdielen, Gipskarton, Gipsfaser

Wer nicht im Baustoffhandel tätig ist, kennt sicher nicht den Unterschied zwischen einem Leichthochlochziegel und einem Hochlochziegel. Er kann allenfalls noch den Bohrstaub einem bestimmten Material zuordnen:

  • Eine Ziegelwand hat roten Bohrstaub
  • Eine Kalksteinwand besitzt weißen Bohrstaub
  • Bei Beton ist der Bohrstaub grau

Um Anhand des Bohrstaubs zu analysieren, um welches Mauerwerk es sich handelt, ist meist erst einmal eine Bohrung notwendig. Viele werden nicht wissen, was sich hinter den Fliesen oder der Tapete befindet. Es ist allenfalls durch Klopfen festzustellen, ob es sich um eine Massiv- oder Leichtbauwand handelt. Im zweiten Fall klingt es hohl.

Ob Vollstein oder Lochstein – also ob Drehbohren oder Schlagbohren, müssen Sie jeweils ausprobieren. Bei Betonuntergrund ist die Sache klar – hier kommen Sie nur mit einem Bohrhammer weiter.


Falls Sie nicht wissen, welcher Untergrund vorliegt, lassen Sie die Bohrmaschine ruhig erst einmal mit Drehgang laufen. Das Schlagwerk können Sie immer noch einschalten, wenn Sie merken, dass nichts mehr vorwärtsgeht. Wenn Sie sofort mit dem Schlagbohrer rangehen, besteht außerdem die Gefahr, dass das Bohrloch ausfranst.

Der richtige Bohrer

Ist der Untergrund bekannt, dann müssen Sie den dazu passenden Bohrer in die Bohrmaschine einsetzen. Nur dann erzielen Sie ein perfektes Bohrergebnis und halten den Materialverschleiß gering.

Zum Bohren in Naturstein und Mauerwerk benötigen Sie auf jeden Fall einen mit Hartmetall bestückten Steinbohrer. Wollen Sie ein Loch in Beton bohren, geht das nur mit einem speziellen Betonbohrer. Diese haben an den Spitzen einen 130-Grad-Winkel, bei normalen Steinbohrern ist der Winkel 120 Grad.

Bohrhammer Bosch

Fürs Bohren in Beton braucht es einen kraftvollen Bohrhammer (Foto: Bosch)

Tipps beim Bohren in Beton

Wie bereits geschrieben, lassen sich nur mit einem Bohrhammer vernünftige Löcher in Beton bohren. Mit dem Schlagbohrer ist es – wenn Sie überhaupt vorwärtskommen – äußerst mühsam und materialintensiv.

Ein weiteres Problem: Wenn Sie die Bohrmaschine ansetzen, tanzt der Bohrer gerne einmal auf der Oberfläche. Dem können Sie entgegenwirken, indem Sie die Bohrstelle ankörnen. Das bedeutet, mit dem Hammer und einem spitzen Gegenstand erst einmal eine kleine Vertiefung reinschlagen.

Dafür gibt es spezielle Werkzeuge, ein alter Bohrer oder eine große Schraube funktionieren ebenfalls. Sie werden merken: Danach lässt sich Beton viel einfacher bohren. Der Bohrer rutscht nicht mehr so leicht weg.

Tipps beim Bohren in Fliesen

Fliesen haben ein ähnliches Problem wie Beton – sie sind sehr hart, so dass der Bohrer keinen Halt darauf findet. Ein noch schlimmeres Problem: Fliesen können reißen, wenn Sie mit dem falschen Bohrer und/oder der falschen Bohrtechnik rangehen.

Generell sollten Sie daher stets versuchen, in den Fugen zu bohren. Dort können Sie den Bohrer besser ansetzen und die Gefahr, dass die Fliesen kaputt gehen ist nicht ganz so hoch. Aber passieren kann es dennoch, und dann sind eventuell gleich mehrere Fliesen beschädigt.

Manchmal lässt es sich allerdings nicht vermeiden, mitten in den Fliesen zu bohren. Hier sollten Sie folgendermaßen vorgehen:


  • Verwenden Sie einen Steinbohrer, Glasbohrer oder speziellen Fliesenbohrer. Mit einem Glasbohrer geht es erfahrungsgemäß am einfachsten, da er besonders spitz und hart ist.
  • Markieren Sie die Stelle, an der gebohrt werden soll und körnen Sie sie mit vorsichtigen Hammerschlägen an.
  • Kleben Sie Kreppband oder durchsichtiges Klebeband über die angekörnte Stelle. Es verhindert, dass der Bohrer wegrutscht und der Rand des Bohrlochs nicht abplatzt.
  • Bohren Sie ganz vorsichtig in langsamer Drehzahl und mit abgeschalteter Schlagfunktion. Sollte der Bohrer heiß werden, kühlen Sie ihn zwischendurch mit kaltem Wasser.
  • Ist die Glasur der Fliese durchbrochen, können Sie die Schlagfunktion wieder zuschalten. Allerdings besteht immer noch die Gefahr, die Fliese zu beschädigen, wenn Sie die Maschine verdrehen.
Bohren von Fliesen

Beim Bohren in Fliesen kann das Fingerspitzengefühl einer Frau nicht schaden (Foto: Bosch)

Tipps beim Bohren von Holz

Wollen Sie in Holz bohren, kommen Sie mit normalen Stein- oder Betonbohrern nicht weit. Damit brennen Sie eher ein Loch ins Material, als dass Sie es bohren. Holzbohrer – das heißt Spiralbohrer – sind hier die richtige Wahl.

Je Lochgröße sollten Sie die Drehzahl ihrer Bohrmaschine anpassen. Bei kleinen Durchmessern sollte die Drehzahl bei etwa 800 U/min liegen, bei größeren Durchmessern können Sie diese auf bis zu 2000 U/min steigern.

Die Schlagfunktion benötigen Sie bei Holz nicht. Wenn Sie ein Holzstück komplett durchbohren möchten, empfiehlt es sich, auf der anderen Seite ein Abfallstück unterzulegen, um Ausrisse zu vermeiden.

Tipps beim Bohren von Metall

Für das Bohren von Metall benötigen sie spezielle Metallbohrer. Universell lassen sich Spiralbohrer mit einer Hartmetallschneide (HSS) verwenden. Diese besitzen allerdings keine Zentrierspitze wie Holzbohrer.

Wie Fliesen oder Beton empfiehlt es sich, Metallteile anzukörnen, um eine bessere Führung zu haben. Während des Bohrens sollten Sie den Bohrer regelmäßig mit Wasser oder Öl kühlen.

Wählen Sie die Drehzahl bei harten Metallen oder großen Durchmessern langsamer als bei weichen Metallen und kleineren Durchmessern.

Ortungsgeräte elektrische Leitungen

Mit einem Ortungsgerät finden Sie elektrische Leitungen (Foto: Bosch)

Vor dem Bohren in Wand, Boden oder Decke

Wenn Sie in Wände, aber auch in Boden und Decke bohren, besteht immer die Gefahr, dass sie eine Strom- oder Wasserleitung anbohren. Das sollten Sie unbedingt vermeiden, denn eine Reparatur ist stets mit jede Menge Ärger und Aufwand verbunden. Elektrische Leitungen zu durchbohren kann außerdem lebensgefährlich sein.

Wenn Sie sich nicht zu 100 Prozent sicher sind, sollten Sie vor dem Bohren überprüfen, wo Stromleitungen oder Wasserrohre liegen. Hierfür gibt es spezielle Messgeräte, die gar nicht einmal so teuer sind. Auf jeden Fall jedoch günstiger als danach eine aufwendige Reparatur.


Prinzipiell sollten Stromleitungen immer senkrecht oder waagerecht in der Wand verlaufen. Schalter, Steckdosen und Verteilerdosen sind sichtbar, so wissen Sie sofort, wo Sie auf keinen Fall bohren sollten. Aber wer weiß, wie schlampig die Elektriker bei Ihnen zuhause gearbeitet haben? Also testen Sie besser, ob nicht doch Leitungen schräg verlegt wurden.

Das passende Bohrloch für den Dübel

Wer Gegenstände in Wand oder Decke mit einer Schraube befestigen möchte, kommt in der Regel nicht ohne Dübel aus. Es gibt Dübel für die verschiedensten Untergründe – für Leichtbauwände, für Hohlkammersteine, für was auch immer. So passen Dübel und Untergrund zusammen:

  • Für Gipsplatten eignen sich Gipskartondübel oder Federklappdübel
  • Für Lochsteine eignen sich Porenbetondübel
  • Für Vollsteine und Beton eignen sich Spreizdübel
  • Für die übrigen Materialien eignen sich Allzweckdübel

Liegt der richtige Dübel bereit, geht es im nächsten Schritt darum, den dazu passenden Bohrer zu wählen. Das Bohrloch muss erstens tief genug sein, darf aber zweitens weder zu klein noch zu groß sein. Im ersten Fall geht der Dübel nicht ins Bohrloch, im zweiten Fall findet er keinen Halt und ist unwirksam.

Das Bohrloch sollte etwa einen Zentimeter tiefer sein als der Dübel lang ist. Die ausgemessene Länge können Sie mit einem Tiefenbegrenzer einstellen. Alternativ funktioniert es mit einem Klebeband, das Sie um den Bohrer wickeln.

Frickeliger ist es, den passenden Durchmesser des Bohrers zu wählen. Weniger dramatisch ist es, wenn Sie erst einen zu kleinen Bohrer wählen. Ist er knapp zu klein, können Sie das Bohrloch einfach mit dem gleichen Bohrer etwas ausweiten. Funktioniert das nicht, nehmen Sie einfach den nächstgrößeren Bohraufsatz.

Haben Sie einen zu großen Bohrer gewählt, haben Sie prinzipiell zwei Möglichkeiten, das Missgeschick zu beheben:

  1. Füllen Sie das Bohrloch mit Spachtelmasse, drücken den Dübel hinein und warten bis die Masse trocken ist.
  2. Legen Sie kleine Drahtstifte oder Zahnstocher mit ins Bohrloch, um dem Dübel Halt zu geben. Das hilft auch bei bröckeligen Wänden.

Optimal ist der Durchmesser des Bohrlochs, wenn sich der Dübel nicht komplett mit der Hand reindrücken lässt. Der letzte Zentimeter sollte nur mit dem Hammer gehen.

Saubere Löcher bohren

Nicht nur der richtige Bohrer und die passende Bohrtechnik helfen dabei, saubere Löcher zu bohren. Mindestens ebenso wichtig ist der Mensch, der die Bohrmaschine hält. Dieser sollte diese Ratschläge beherzigen, damit das mit dem Bohren klappt:

  • Setzen Sie den Bohrer unbedingt waagerecht an der Wand an. Schiefe Bohrlöcher und ausgefranste Ränder sind sonst die Folge.
  • Körnen Sie harte Oberflächen wie Fliesen oder Beton an, damit der Bohrer nicht abrutscht.
  • Kleben Sie empfindliche Oberflächen wie Fliesen ab und arbeiten Sie ohne Schlag.
  • Kühlen Sie den Bohrer mit Wasser, wenn dieser hart arbeiten muss
  • Üben Sie erst Druck auf die Bohrmaschine aus, wenn sich der Bohrer sicher in der Wand befindet.
  • Bohren Sie mit einem gleichmäßigen, nicht zu starken Druck
  • Fangen Sie besser erst mit Drehbohren an, bevor Sie das Schlagwerk anschalten.
  • Achten Sie darauf, dass Sie das Bohrloch nicht zu tief machen.
  • Verwenden Sie für Beton einen Bohrhammer
  • Lassen Sie die Maschine weiterlaufen, wenn Sie den Bohrer aus der Wand ziehen. Das Bohrmehl wird mit nach draußen transportiert und der Bohrer verklemmt sich nicht.
  • Saugen Sie den Bohrstaub bereits beim Bohren ab. Das kann eine zweite Person mit dem Staubsauger machen.
  • Wählen Sie eine stabile Stehhaltung und tragen Sie eine Schutzbrille.
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