Wer es gerne natürlich mag, für den ist Hanf eine gute Alternative. Nicht zum Rauchen, sondern zum Dämmen selbstverständlich. Das ist hier ein Baublog. Ob an Wand, Decke, Fußboden oder Fassade – eine Hanfdämmung ist überall möglich. Und das mit erstaunlich guten Dämmwerten und zu einem vergleichsweise günstigen Preis im Vergleich zu anderen pflanzlichen Dämmstoffen.

Hanfpflanze

Foto: Copyright Naporo

Vielseitig und allseits beliebt

Die Hanfpflanze wird bereits seit Urzeiten verwendet, bereits die Chinesen der Frühzeit, die alten Griechen und Römer sie zu nutzen. Und das sowohl zu medizinischen Zwecken als auch für andere Dinge wie Kleidung. Die Pfeile der Raubritter im Mittelalter flogen dank der robusten Hanffaser besonders weit. Johannes Gutenberg druckte seine berühmte Bibel auf Hanfpapier und die Amerikaner schrieben Ihre Unabhängigkeitserklärung ebenfalls auf Hanf.

Heute ist das Dämmen mit Hanf ein wichtiges Thema, und auch hier macht die vielseitige Pflanze eine gute Figur. Hanf ist äußerst belastbar und bei Nagetieren nicht besonders beliebt. Insofern ist die Überschrift nicht ganz richtig. Doch was dem Nager nicht gefällt, freut uns Menschen. Schließlich sollen sie uns nicht die Dämmung wegfressen.

Nachhaltig und nachwachsend

Hanf ist eine Pflanze, die unheimlich schnell nachwächst und eine gute Ökobilanz aufweisen kann. So speichert die Hanfpflanze mehr Kohlendioxid als für den ganzen Produktionsprozess inklusive Ernte, Verarbeitung und Transport aufgewendet werden muss. Ein Musterbeispiel von Nachhaltigkeit sozusagen.

Die sonstigen Eigenschaften wie Diffusionsoffenheit, verbesserter Schall- und Hitzeschutz und gute Recyclingfähigkeit sorgen dafür, dass dem Dämmstoff Hanf eine große Zukunft vorhergesagt wird. Das lässt sich noch nicht so ganz an den Zahlen ablesen, denn der Anteil der Naturdämmstoffe mit der Holzfaserdämmung an der Spitze liegt insgesamt noch im einstelligen Prozentbereich. Doch es besteht Hoffnung, dass die Häuslebauer allmählich merken, dass irgendein Kunststoff an der Wand oder an der Decke mehr schadet als nutzt. Billig ist nicht alles im Leben.

Dachdämmung mit Hanf

Dachdämmung mit Hanf. Foto: Copyright Thermo Natur

Kälteschutz und Hitzeschutz

Mit einer Hanfdämmung lassen sich U-Werte realisieren, die den aktuellen Vorgaben der Energieeinsparverordnung entsprechen. Hanf leistet im Winter wie im Sommer ganze Arbeit in Sachen Wohlfühlklima. So kann der Dämmstoff zum Beispiel Feuchtigkeit aufnehmen und zwischenspeichern, bis der Raum wieder trockener wird. Und er besitzt eine gute Wärmespeicherfähigkeit, was insbesondere im Sommer wunderbar ist.

Die mittagliche Hitze kommt abgemindert und erst mit Verspätung in der Wohnung an – und zwar nachts, wenn es es draußen wieder kälter ist. Bei eine Dämmstärke von 20 Zentimetern beträgt die Phasenverschiebung rund 9 Stunden. Die Speicherfähigkeit ist übrigens mehr als doppelt so hoch wie bei Mineralwolle, das belegt eine aktuelle Studie des Prüfinstituts MPA Leipzig.

Hanfdämmung in Zahlen:

Rohdichte: 30-42 kg/m³
Wärmeleitfähigkeit: 0,040 W/(m*K)
Spezifische Wärmekapazität: 2300 J/(kg*K)
Baustoffklasse nach DIN 4102-1: B2, normal entflammbar
Baustoffklasse nach DIN EN 13501-1: E, normal entflammbar
Preise: 10-25 Euro/m²

 Verschiedene Einsatzgebiete

Wo immer im und am Haus etwas gedämmt werden muss, mit Hanf funktioniert es. Hanfdämmung ist als Unter-, Auf- und Zwischensparrendämmung geeignet, mit ihr lässt sich die oberste Geschossdecke ebenso dämmen wie die Fassade. Eine Außendämmung ist zum Beispiel hinter einer Verkleidung oder – ganz neu in Deutschland – mit Hilfe eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS) möglich.

Auf der BAU2015 hat Caparol ein WDVS vorgestellt, das aus Hanffaserdämmplatten, einer mineralischen Armierungsmasse samt Armierungsgewebe sowie einem Deckputz mit Fassadenfarbe besteht. Hanfdämmstoffe sind in Form von Platten, Rollen, Trittschalldämmung oder Stopfwolle erhältlich, da bleibt kein Dämmwunsch offen.

Hanf als WDVS – Verarbeitungsvideo

Hersteller von Hanfdämmung