Die Fassade ist der Schutzmantel des Hauses. Ist dieser löchrig, sieht das nicht nur unschön aus, sondern geht auf die Bausubstanz. Spätestens wenn der Putz anfängt zu bröckeln, sollten Sie etwas dagegen unternehmen. Hier erfahren Sie, wie Sie die Fassade reinigen, renovieren oder sanieren.

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Fassade anstreichen (Foto: Pixabay / Capri23auto / Creative Commons CC0)

1. Fassade überprüfen

Bevor die geeigneten Maßnahmen eingeleitet werden, ist erst einmal eine sorgfältige Überprüfung der Fassade notwendig. Nur so lässt sich ihr Zustand feststellen und nur so lässt sich klären, ob es mit einer Reinigung getan ist, oder ob kleinere Renovierungs- oder umfangreiche Sanierungsarbeiten anstehen.

Die Untergrundprüfung und –bewertung ist eine der schwierigsten Aufgaben bei der Fassadensanierung.

In der Praxis kommen folgende Prüfmethoden zum Einsatz:

  • Sichttest
  • Wischtest
  • Gitterschnittprüfung
  • Klebebandtest
  • Kratztest
  • Benetzungsprobe
  • Klopftest
  • Lösemittelprobe
  • Schichtdickenmessung
  • Feuchtigkeitsmessung
  • pH-Wert-Messung

Risse, abblätternde Farbe oder abblätternder Putz – manche Dinge lassen sich bereits durch einen einfachen Sichttest feststellen.

Mit dem Klebebandtest können Sie überprüfen, ob der alte Anstrich noch gut genug haftet. Einfach ein Stück Klebeband auf die Fassade drücken und ruckartig abreißen. Bleibt keine Altbeschichtung hängen, ist alles gut.

Ganz einfach lässt sich der Wischtest durchführen: Wischen Sie mit der Hand über die Fassade und schauen Sie, ob beim Darüberstreichen ein Sanden, Kreiden oder Mehlen zu beobachten ist. Kreidet die Fassade, muss sie gründlich gereinigt und grundiert werden.

Mit Hilfe der Gitterschnittprüfung lässt sich die Haftfestigkeit des Putzes oder des Anstrichs beurteilen. Dazu werden mit einem scharfen Messer gitterförmige Schnitte in die Beschichtung geritzt. Dann ein Klebeband drüber und wieder abgezogen. Sind die Schnittränder glatt und zeigen keinerlei Abplatzungen, ist die Haftfestigkeit sehr gut.

Schlechte Haftung der Altbeschichtung – Untergrundvorbehandlung – So einfach ist Farbe

Mit Klick auf das Video werden Daten an Youtube übertragen, siehe Info

Mit dem Klebebandtest können Sie ebenfalls überprüfen, ob der alte Anstrich noch gut genug haftet. Einfach ein Stück Klebeband auf die Fassade drücken und ruckartig abreißen. Bleibt keine Altbeschichtung hängen, ist alles gut. Generell liefert die Gitterschnittprüfung allerdings differenzierbarere Ergebnisse. Das gilt auch für einen Kratztest, bei dem die Haftfestigkeit mit einem Taschenmesser überprüft wird.

Die Benetzungsprobe eignet sich zum einem dafür, um feine Risse im Putz zu entdecken, zum anderen kann damit aber auch das Saugverhalten und die Benetzbarkeit der Fassade überprüft werden. Außerdem die Festigkeit  und Haftung im durchfeuchteten Zustand. Zieht das Wasser schnell in die Fassade ein, muss sie grundiert werden. Außerdem gibt der Saugfähigkeitstest Aufschluss über den späteren Beschichtungsaufbau.

Beim Klopftest wird die Fassade mit einem Hammer abgeklopft. Der Fachmann hört sofort, wo es Hohlstellen im Untergrund gibt. Diese müssen geöffnet und gereinigt, anschließend beigeputzt und grundiert werden.

Wenn nicht erkennbar ist, um welche Art von Altbeschichtung es sich handelt, gibt die Lösemittelprobe genaueren Aufschluss. Dazu wird zum Beispiel eine Nitro-Verdünnung aufgetragen. Über das Lösevermögen können verschiedene Beschichtungsstoffe identifiziert werden. Das ist notwendig, um die richtige Beschichtung für die Sanierung zu finden. Nicht alle Beschichtungen vertragen sich untereinander.

Für die Beurteilung von Wetter- oder Brandschutz ist es wichtig, die Schichtdicke zu wissen. Für die Schichtdickenmessung gibt es spezielle Ultraschallgeräte und elektronische Messgeräte.

Mit einer Feuchtigkeitsmessung kann der Feuchtigkeitsgehalt des Untergrundes ermittelt werden. Er ist zum Beispiel wichtig, damit sich Beschichtungen nicht verfärben.

Bei Untergründen wie Beton, Faserzement oder Putz spielt der pH-Wert der Oberfläche eine wichtige Rolle. Das gilt insbesondere bei einem Neuanstrich.

2. Fassade reinigen

Feinstaub, Verwitterung oder Schadstoffe aus der Umwelt setzen der Fassade im Laufe der Zeit zu und hinterlassen ihr Spuren. Bestenfalls ist die alte Fassade nur schmutzig, dann reichen eine Reinigung und eventuell ein Neuanstrich aus. Reinigen müssen Sie die Fassade auch, wenn Sie danach drüber putzen wollen. Nur so findet der neue Putz perfekten Halt.

Geringfügige und nicht zu sehr verhaftete Verschmutzungen lassen sich mit einem Stahlbesen entfernen. Das funktioniert allerdings nur, wenn der Putz noch intakt ist. Ansonsten wischen Sie ihn zusammen mit dem Schmutz von der Fassade.

Professionelle Fassadenreinigung mit dem Hochdruckreiniger (Foto: Kärcher)

Hochdruckreiniger

Wenn Sie die Fassade mit dem Hochdruckreiniger säubern, besteht die Gefahr, dass Sie bestehende Schäden noch verschlimmern. Das ist insbesondere bei gedämmten Fassaden ein Problem, wenn Wasser durch Risse in die Konstruktion eindringt. Ist die Dämmung erst einmal feucht, drohen Schimmel und andere Gefahren.

Schauen Sie sich Ihre Fassade daher vorher unbedingt ganz genau an, bevor Sie zum Hochdruckreiniger greifen. Fangen Sie mit einem niedrigen Druck an und halten Sie genügend Abstand.

Wählen Sie außerdem auf die passende Düsenform. Je nach Art der Verschmutzung sind verschiedene Formen zu empfehlen:

  • Punktstrahl
  • Flachstrahl
  • Rotierende Punkt-Strahldüsen

Der Punktstrahl eignet sich gut für kleinflächige, hartnäckige Verschmutzungen. Für größere Flächen eignet sich eher der Flachstrahl, der jedoch eine geringere Reinigungswirkung besitzt.

Die Vorteile beider Strahlarten vereinen rotierende Punkt-Strahldüsen, besser bekannt als Dreckfräser. Wegen des hohen Aufpralldrucks dürfen diese Düsen allerdings nicht bei gedämmten Fassaden oder Holzverkleidungen verwendet werden.

Vorsicht ist bei Kunstharzputzen angesagt. Halten Sie hier besonders viel Abstand und arbeiten Sie mit wenig Druck. Mit heißem Dampf dürfen Sie gar nicht arbeiten, eher mit weicher Bürste und einfachem Spülmittel.

Einsatz von Reinigungsmitteln

Mit Reinigungsmitteln und Algenentfernern lassen sich Fassaden effektiv reinigen. Es eignet sich allerdings nicht jedes Mittel für jede Oberfläche. Bei Putzen sollten Sie ausschließlich neutrale Reinigungsmittel verwenden, bei Edelputzen eignen sich eventuell leicht alkalische Mittel.

Bei Holzfassaden kommen überhaupt keine Reinigungsmittel zum Einsatz. Offenporige Oberflächen wie Klinker oder Naturstein sind vorzuwässern, um die Poren zu schließen. Bei Klinker können Sie ein schwach saures Reinigungsmittel verwenden, da das Material säurebeständig ist.

Vorschriften beachten

Sie dürfen das Schmutzwasser von der Fassade nicht direkt im Erdreich versickern lassen – ganz gleich, ob Sie ein Reinigungsmittel verwenden oder nicht. Es muss auf jeden Fall aufgefangen und in die Schmutzwasserkanalisation geleitet werden. Eventuell ist zuvor noch eine Filterung notwendig. Klären Sie das unbedingt vorher mit dem örtlichen Abwasser-Wirtschaftsamt ab.

3. Fassade renovieren

Fassade renovieren bedeutet, ihr einen neuen Anstrich zu verpassen oder einen Renovierungsputz aufzutragen. Dazu gehört es natürlich auch, eventuelle Fehler wie Risse oder Verschmutzungen zu beseitigen. Der alte Putz bleibt jedoch an der Fassade. Das ist insofern wichtig, weil eventuell die Energieeinsparverordnung zum Tragen kommt, wenn der Putz entfernt wird. Dazu später mehr.

Mit Getifix Titano A behandelte Fassaden bleiben über viele Jahre schön, sauber und frei von Vergrünungen – ohne die Umwelt zu belasten. (Foto: epr/Getifix GmbH)

Fassadenfarben

Für die Verschönerung der Fassade eignen sich verschiedene Fassadenfarben – wie zum Beispiel:

  • Dispersionsfarbe
  • Reinacrylatfarbe
  • Siliconharz-Fassadenfarbe
  • Silikatfarbe
  • Kalkfarbe
  • Polymerisatharzfarbe

Die beliebteste Fassadenfarbe ist Dispersionsfarbe. Sie ist günstig und in nahezu jedem beliebigen Farbton erhältlich. Sie ist atmungsaktiv und lässt sich relativ einfach verarbeiten. Dispersionsfarbe eignet sich daher perfekt für Selbermacher. Auf Kalkfarben, kalkhaltigen oder porösen Untergründen sollte sie besser nicht verwendet werden.

Eine besondere Dispersionsfarbe ist Reinacrylatfarbe, sie schützt ganz besonders gut gegen aggressive Luftschadstoffe. Außerdem ist diese Universalfarbe wasserabweisend und regenwasserdicht. Sie eignet sich für das Streichen von Putzen der Mörtelgruppen P II und P III, Beton, Ziegelsichtmauerwerk oder Faserzementplatten.

Siliconharz-Fassadenfarben beinhalten das Beste von Dispersionsfarben und Silikatfarben. Sie besitzen eine mineralische Grundstruktur, sind nicht filmbildend und erzielen mineralmatte, kalkfarbenähnliche Oberflächen. Ihre Eigenschaften prädestinieren sie auch für den Einsatz auf denkmalgeschützten Bauten und kalkreichen Putzen.

Silikatfarbe ist besonders resistent Algen- oder Pilzbefall und besitzt eine hohe Diffusionsfähigkeit. Sie kommt gänzlich ohne organische Partikel aus und geht mit dem Untergrund eine feste Verbindung ein. Sie eignet sich insbesondere für zementgebundene Untergründe, kann aber auch auf porösen Oberflächen wie Ziegelstein, Klinker oder Faserzement aufgetragen werden. Nachteil: Die geringe Farbauswahl, um damit den Putz zu streichen.

Desinfizierend und atmungsaktiv wirkt Kalkfarbe, eine Vermoosung oder Veralgung lässt sich dadurch wirkungsvoll vermeiden. Im Optimalfall wird Kalkfarbe auf den noch feuchten Kalkputz aufgetragen und kann gemeinsam mit ihm trocknen. Das alles zusammen ist sehr ökologisch. Knallige Farben suchen Sie hier jedoch vergebens – es sind eher Pastelltöne angesagt.

Durch und durch künstlich sind Polymerisatharzfarben. Sie haben gleichwohl ihre Vorzüge. Sie lassen sich zum Beispiel auch bei niedrigen Temperaturen verarbeiten, da sie kein Wasser enthalten. Die Lösemittel in der Farbe vertragen sich allerdings nicht mit Putzen, die Polystyrol enthalten. Auf mineralischen Putzen, Ziegelmauerwerk, Beton oder alten Dispersionsanstrichen halten sie jedoch gut.

Renovierungsputz

Haben Risse oder Abplatzungen im Putz der Fassade zugesetzt, lassen sich diese mit einem Renovierungsputz beseitigen. Wichtig ist hier, dass die Ursachen für Risse bereits abgeklungen sind. Das gilt insbesondere für putzbedingte Risse wie Schrumpfrisse, Sackrisse oder Schwindrisse.

Wie Sie feststellen können, dass der Riss nicht mehr arbeitet? Ganz einfach: Füllen Sie den Riss mit Gips und warten sie zwei, drei Wochen. Ist die Füllung danach unbeschädigt, können Sie den Riss überspachteln. Wenn nein, ist eine aufwendigere Sanierung mit Beseitigung der Ursache für die Risse.

Zurück zum Renovierputz. Dieser wird mit einer Kelle auf die von Schmutz, Staub und losen Teilen befreite Fassade aufgetragen. Damit der Putz besser hält, müssen Sie die alte Fassade gründlich vorwässern. Zuvor sollten Sie noch eine Imprägnierung zur Grundbeschichtung vornehmen. Bindemittel für den Renovierputz können Kalk, Zement oder Silicat sein. Der Auftrag erfolgt in zwei Schichten.

4. Fassade sanieren

Eine Fassadensanierung geht weit über eine reine Schönheitsreparatur hinaus. Sie ist zum Beispiel notwendig, wenn der Putz großflächig abplatzt oder eine fehlende Horizontalsperre für Feuchteschäden sorgt. Häufig muss dann der komplette Putz abgeschlagen und eine neue Fassadenbeschichtung aufgebracht werden.

An die Fassadensanierung ist meist eine Wärmedämmung gekoppelt. So verlangt es die Energieeinsparverordung (EnEV). Sobald Sie den Außenputz erneuern, müssen Sie in der Regel in diesen sauren Apfel beißen. Das treibt die Sanierungskosten nach oben. Die gute Nachricht: Sie müssen nur einmal für das Gerüst bezahlen.

Die verschiedenen Komponenten eines WDVS (Foto: epr/Saint Gobain Weber)

Für die nachträgliche Fassadendämmung kommen häufig Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) zum Einsatz. Diese bestehen aus verschiedenen Komponenten: Dämmplatten (meist aus EPS-Hartschaum oder Mineralwolle) werden mit Hilfe von Klebe- und Armierungsmörtel am tragfähigen Untergrund befestigt. Darauf kommt ein Armierungsgewebe, das dafür sorgt, dass Unter- und Oberputz haften.

Als Alternative zum WDVS bieten sich vorgehängte, hinterlüftete Fassaden oder Klinkerfassaden an. Vorhangfassaden lassen sich zum Beispiel mit Holz oder Faserzementplatten verkleiden. Die Dämmung erfolgt darunter zwischen den Traghölzern. Für Klinkerfassaden gibt es Systeme, bei denen die Klinker bereits auf Dämmplatten aufgeklebt sind. Das Verlegen geht dann wesentlich schneller und einfacher.

 

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