Risse an einem Bauwerk haben verschiedene Ursachen, ungleichmäßige Setzungen sind eine davon. Setzrisse treten bei Neubauten wie auch bei Altbauten gleichermaßen auf. In Beton ebenso wie im Mauerwerk oder beim Fertighaus. Es gibt also viele Gründe sich einmal näher mit dem Thema zu beschäftigen. Im ersten Teil erfahren Sie alles über die Ursachen von Setzungsrissen. Im zweiten und dritten Teil beschäftige ich mich um die Verhinderung und Behandlung von Setzrissen.

Riss in Beton

Teil 1:  Ursachen

Ein Setzriss entsteht an Stellen, an denen die Zug- oder Scherfestigkeit des Baustoffs infolge von ungleichmäßigen Setzungen überschritten wird. Das heißt, der Werkstoff ist mit den auftretenden Belastungen überfordert und reißt. Das geschieht – anders als bei Putzrissen – nicht nur an der Oberfläche, sondern zieht sich durch die ganze Wand, Decke oder Boden. Setzungsrisse sind daher häufig weitaus gefährlicher, bedrohen sie unter Umständen doch die Standfestigkeit des Gebäudes. Folgende Ursachen sind denkbar:

1.1. Spannungsüberlagerungen

Das Fundament leitet die Gebäudelasten in den Baugrund ein. Das geschieht jedoch nicht senkrecht nach unten, die Belastung verläuft schräg nach unten. So kommt es, dass sich unter Umständen die Spannungen zweier benachbarter Gebäude überlagern. Ist das nur einseitig der Fall, kommt es zu ungleichmäßigen Setzungen und somit zu Setzrissen. Sofern bei das bei der Planung nicht berücksichtigt wurde. Allerdings lässt sich nicht alles planen. Der Abriss des Nachbargebäudes beispielsweise, das nach 30 Jahren friedlichen Zusammenlebens zum Opfer der Abrissbirne wird. Plötzlich ändern sich die Spannungsverhältnisse im Boden und es kann zu Setzungsrissen kommen.

Setzrisse aufgrund von Spannungsüberlagerung

Setzrisse aufgrund von Spannungsüberlagerung

1.2. Baugrundbeschaffenheit

Jeder Boden hat seine eigene Charakteristik. So lässt sich zum Beispiel der eine stärker, der andere weniger stark zusammendrücken. Problematisch wird es vor allem, wenn es unter dem Gebäude zwei sehr unterschiedliche Böden gibt. Dann drohen ungleichmäßige Setzungen und somit Risse. Oder die Schiefstellung eines Gebäudes. Den Schiefen Turm von Pisa kennt sicher jeder. Der Planer muss sich den Baugrund daher genau anschauen, um dem entgegenwirken zu können. Gefährlich sind insbesondere bindige Böden mit einem hohen Anteil an Ton, Lehm oder sonstigen Feinstoffen. Sie besitzen häufig eine inhomoge Struktur. Ist solch ein Baugrund in unterschiedlicher Dicke unter dem Gebäude, ist Vorsicht angesagt.

Setzrisse aufgrund von unterschiedlichen Böden

Setzrisse aufgrund von unterschiedlichen Böden

1.3. Fundament

Das Fundament ist häufig der Grund für Setzrisse. Dabei hat es eigentlich die Aufgabe, die Lasten sicher in den Untergrund zu leiten. Das funktioniert jedoch nicht immer so, wie es sich die Planer überlegt haben. Im Idealfall sollte ein Fundament überall die gleiche Bodenpressung besitzen. Das geschieht zum Beispiel dadurch, dass die talseitigen Fundamente in Hanglangen tiefer geführt werden als die hangseitigen. Außerdem sind Streifenfundamente zu bevorzugen, die bis auf den tragfähigen Boden geführt werden. Ein Streifenfundament sorgt zudem für eine bessere Aussteifung des Gebäudes. Auf keinen Fall sollte an der Bewehrung gespart werden. Lieber etwas mehr Eisen in den Beton packen als zu wenig. Es gilt zu bedenken, dass im Nachhinein am Fundament nicht mehr viel geändert werden kann, wenn es zu Setzrissen kommt. Auch ungleiche Gründungstiefen benachbarter Gebäude können Ursache von Rissen sein.

 Ungleiche Mächtigkeit setzungsempfindlicher Böden

Ungleiche Mächtigkeit setzungsempfindlicher Böden

1.5. Grundwasser

Änderungen am Grundwasserspiegel können ebenfalls Ursache für Setzungsrisse sein. Bei einer Grundwasserabsenkung erhöht sich zum Beispiel das Eigengewicht des Bodens, da der Auftrieb wegfällt. Wasser wirkt im Erdreich wie ein Schwamm, wird es abgepumpt, sackt der Untergrund in sich zusammen. Das Problem tritt häufig auf, wenn für ein Neubauvorhaben das Grundwasser abgesenkt oder umgeleitet wird. Dann drohen bei umliegenden Altbauten Setzrisse.  Insbesondere wenn Flachgründungen und bindige Böden mit im Spiel sind. Auch Straßen oder Brücken können von solch einer Grundwasserabsenkung geschädigt werden. Es braucht daher auf jeden Fall eine wasserrechtliche Erlaubnis. Hier muss die Behörde genau prüfen und darf sich nicht auf die Angaben der Bauherren verlassen.

Setzrisse aufgrund einer Grundwasserabsenkung

Setzrisse aufgrund einer Grundwasserabsenkung

1.6. Erschütterungen

Mit Erschütterungen sind zum Beispiel Explosionen oder Erdbeben gemeint. Aber auch an Bahnschienen oder stark befahrenen Straßen kommt es zu ständigen Erschütterungen. Sie können ebenfalls für eine Veränderung der Bodenstruktur und somit zu Setzungsrissen führen.  Insbesondere rollige Böden wie Kies, Schotter, Sand oder Geröll sind hier gefährdet, da sie sich bei einer Erschütterung immer weiter verdichten. Vor unvorhergesehenen Explosionen kann kein Gebäude geschützt werden, vor Erdbeben oder anderen Erschütterungen allerdings schon – zumindest bis zu einem gewissen Grad.

1.7. Bodenabsackung

Plötzliche Bodenabsackungen findet man zum Beispiel häufig in Bergbaugebieten, wenn ein Stollen einbricht. Aber auch einstürzende unterirdische Höhlen können Grund für das Absacken des Bodens sein. Durch ein starkes Grubenbeben können ganze Gebäude einstürzen, das ist in etwa wie ein Erdbeben. Mit etwas „Glück“ stellt sich das Gebäude nur schräg oder bekommt Risse. Eine aufwändige Sanierung ist dann auf jeden Fall fällig. Hier muss dann in der Regel das zuständige Bergbauunternehmen aufkommen. Wer in einer Bergbauregion bauen möchte, muss allerdings vor dem Hausbau mit dem Bergbauunternehmen klären, ob spezielle Sicherungsmaßnahmen nötig sind. Damit es gar nicht erst zu Schäden kommt.

1.8. Grundbruch

Von einem Grundbruch wird gesprochen, wenn der Boden durch zu große Krafteinwirkung seitlich wegbricht. Das ist insbesondere bei Flachgründungen zu beobachten. Das Fundament bewegt sich in diesem Fall nach unten, während sich seitlich die Erde aufwölbt. Ein Grundbruch kann nicht nur durch hohe Lasten, sondern auch durch Wasserzutritt in das Erdreich ausgelöst werden. Dadurch verringert sich die Reibung zwischen zwei benachbarten Bodenkörnern und die Scherfestigkeit des Bodens nimmt ab. Dann reichen selbst kleinere Lasten aus, damit das Fundament aus dem Gleichgewicht gerät. Wer das Fundament freigräbt oder gar untergräbt, ohne für entsprechende Sicherungsmaßnahmen zu sorgen, verstärkt die Grundbruchgefahr enorm.

Setzrisse aufgrund von Grundbruch

Setzrisse aufgrund von Grundbruch

Teil 2: Verhinderung

Klar, nicht alle Setzungsrisse lassen sich vermeiden. Viele allerdings schon. Sie sind allerdings mit Mehraufwand und Mehrkosten verbunden, weshalb die Maßnahmen bei der Planung häufig unter den Tisch fallen. Wird schon nix passieren.  Doch wenn doch was passiert? Die Antworten müssen dann häufig Richter geben. Wer wofür haftet und mit wie viel. Ersparen Sie sich diesen Ärger. Und zwar hiermit:

2.1. Baugrunduntersuchung

Nur wer genau weiß, was für ein Boden ansteht, kann das Fundament richtig dimensionieren. Da reicht es manchmal auch nicht aus, wie der Baugrund beim Nachbarn aussieht – insbesondere bei schwierigen Bodenverhältnissen. Das kann 30 Meter weiter bereits ganz anders aussehen. Im ersten Kapitel habe ich bereits ausführlich darüber geschrieben, was alles Ursache für Setzungsrisse sein kann – von Bergbaugebiet über Grundwasser bis hin zu verschiedenen Bodenarten. Hier helfen eventuell Bohrungen, um über die verschiedenen Arten und der Dicken Aufschluss zu erhalten. Das Fundament kann dann auf eine tragfähige Bodenschicht geführt werden.

2.2. Keller aus Stahlbeton

Keller mauern oder betonieren? Wenn Sie vor dieser Wahl stehen, nehmen Sie besser Beton als Baustoff. Insbesondere wenn der Baugrund nicht ganz optimal ist. Stahlbeton sorgt für einen steifen Baukörper und damit für eine gleichmäßige Setzung. Und gleichmäßig bedeutet, es sind keine Setzrisse zu befürchten. Für den Planer ist es ganz wichtig, die Bewehrung entsprechend zu dimensionieren und anzuordnen, dass der Keller möglichst steif ist. Bei längeren Gebäuden müssen eventuell Bewegungsfugen eingeplant werden, so dass sich die verschiedenen Gebäudeteile unabhängig voneinander bewegen können.

2.3. Tiefgründungen

Bei einer Tiefgründung werden die Bauwerkslasten nicht unmittelbar unter dem Bauwerk in den Untergrund geleitet, sondern in einer tieferen, tragfähigen Bodenschicht. Das geschieht mit zum Beispiel mit Pfahl- oder Schlitzwandgründungen. Pfahlgründungen sind gar nicht mal so selten. So wurde zum Beispiel ganz Amsterdam auf Pfählen errichtet. Und auch der Reichstag in Berlin steht zumindest teilweise auf Pfählen – Holzpfähle genauer gesagt. Holz ist lange haltbar, wenn es nicht mit Luft in Berührung kommt. Selbst unter Wasser.  Neben Holz- kommen noch Stahl- oder Betonpfähle zum Einsatz. Bei der Planung von Tiefgründungen muss der Aufbau des Bodens genau bekannt sein. Es braucht auf jeden Fall ein Bodengutachten.

2.4. Bodenverbesserung

Manchmal ist es wirtschaftlicher, den Boden zu verbessern, anstatt mit Tiefgründungen zu arbeiten. Ein Bodenaustausch ist eine Möglichkeit. Hier wird ungeeigneter Boden wie weicher Schluff oder organische Materialien entfernt und dafür ein tragfähiger Untergrund aufgebracht. Das nichtbindige Material wird lagenweise aufgebracht und verdichtet. Manchmal reicht nur eine Verdichtung aus, wenn der Boden an sich tragfähig ist. Nichtbindiger Boden wird zum Beispiel mit einem Oberflächen- oder Tiefenrüttler verdichtet. Bei bindigem Boden wird häufig Kies oder Schotter beigemischt. Auch Injektionen mit Betonsuspensionen oder aushärtenden Gelen sind zur Bodenverbesserung denkbar.

Teil 3: Behandlung

Bei der Behandlung von Setzungsrissen sind zwei Dinge zu beachten:

  • Sind die Risse harmlos oder beeinträchtigen sie die Statik des Gebäudes?
  • Ist das Gebäude noch in Bewegung oder gibt es keine Bewegungen mehr?

Ob der Riss bereits zum Stillstand gekommen ist, können Sie mit Hilfe einer Gipsmarke ganz einfach selbst überprüfen: Überspachteln Sie den Riss mit etwas Gips und warten Sie zwei, drei Wochen ab. Ist der dann nicht gerissen, ist der Setzriss zur Ruhe gekommen. Andernfalls ist es ratsam, einen Sachverständigen zur Rate zu ziehen, bevor es zu schlimmeren Schäden kommt.

3.1. Elastische Spachtelmassen

Einen kleinen, harmlosen Riss, der bereits zur Ruhe gekommen ist, können Sie mit einer elastischen Spachtelmasse wie beispielsweise Acryl füllen. Dazu den Riss etwas erweitern mit einem scharfen Gegenstand, lockere Teile entfernen und den Riss mit Acryl ausspritzen. Mit einem Spachtel glätten und eventuell noch ein Rissband aufkleben. Anschließend noch streichen oder tapezieren und nix ist mehr vom Setzriss zu sehen.

3.2. Rissanker

Bei stärkeren Setzrissen kommen häufig Rissanker zur Bewehrung des Mauerwerks zum Einsatz. Wie bei Beton übernehmen die Anker, zum Beispiel Spiralanker, die Zugkräfte im Mauerwerk. Die gedrehten Eisen werden senkrecht zum Riss einbetoniert. Sie halten also das Bauwerk zusammen, so dass der Riss nicht mehr größer werden kann.

3.3. Rissverpressung

Ist der Riss bereits zum Stillstand gekommen, bietet sich eine Rissverpressung an, um wieder einen Kraftschluss herzustellen. Ist der Setzriss noch in Bewegung, muss zunächst der Baugrund verfestigt werden, sonst hat diese Maßnahme keinen Erfolg. Die Rissverpressung ist ein Injektionsverfahren, bei dem Mörtel über sogenannte Bohrpacker in das Mauerwerk gepresst wird. Und zwar so, dass der Mörtel später die auftretenden Lasten abtragen kann.

3.4. Fundamentverstärkung

Wenn nichts mehr anderes geht, dann kommt eine Fundamentverstärkung in Betracht. Das geschieht zum Beispiel mit dem Segmentpfahlverfahren (hier werden Pfähle bis zum tragfähigen Untergrund geführt) oder durch das Einpressen eines Spezialharzes unterhalb des Fundaments. Mit beiden Verfahren kann das Fundament wieder auf das ursprüngliche Niveau angehoben werden. Gleichzeitig wird es dadurch verstärkt, so dass keine neuen Setzungen mehr zu erwarten sind.