Was ein Scheißtag. Erst den Flieger verpasst und dann so eine kleine Maschine gechartert, die auch schon bessere Zeiten erlebt hat. Definitiv, denn nun liegt sie zusammen mit dem Piloten auf dem Grund des Meeres. Ich hatte mehr Glück, denn mich hat es auf eine einsame Insel im Pazifik gespült. Doch was heißt hier Glück – außer Kokospalmen habe ich noch nicht viel entdeckt. Und Kokosnüsse habe ich noch nie gemocht. Bin ich denn Robinson Crusoe? Ja, leider.

Kokospalme

Foto: Alexander Altmann / pixelio.de

Ich mache mich also ans Werk und baue mir eine Unterkunft. Für irgendetwas muss mein Bauingenieurstudium doch gut sein. Palmholz ist jedenfalls genügend da und ein Holzhaus war schon immer mein Traum – zumindest im echten Leben. Nägel, Schrauben und Winkel habe ich in der Eile allerdings vergessen mitzunehmen. Zum Glück lassen sich aus den Fasern der Kokosrinde Seile herstellen. Dazu nur in Salzwasser einlegen und geschmeidig klopfen. Nun kann ich die Holzteile mit dem Kokosrindenseil verbinden.

Ein Hut gegen die Hitze und eine kleine Stärkung

Inzwischen brennt die pazifische Sonne gnadenlos auf meinen Schädel. Das Käppi mit dem Logo meines bevorzugten Fußballvereins liegt zuhause bei den übrigen Fanutensilien. Nun muss improvisiert werden. Aus den Fasern der Blätter lässt sich problemlos ein Hut flechten. Etwas zu groß geraten, doch die schlimmste Hitze wird nun abgehalten. Da die Cocktailbar gerade geschlossen hat, gönne ich mir noch einen schnellen Schluck Kokosmilch gegen den Durst und weiter geht es mit dem Hausbau.

Das Dach ist schnell gedeckt und die Entscheidung fällt relativ leicht. Palmblätter sollen es für die Dacheindeckung sein. Der Schiefer war gerade aus und Dachziegel hat sowieso jeder. Die Palmblätter also schnell an die Sparren aus Palmholz binden und schon sitze ich beim nächsten tropischen Regenguss im Trockenen. Zumindest halbwegs, wie sich in der Praxis herausstellte. Mit einer weiteren Lage an Blättern wird es jedoch wesentlich besser. Nun lohnt es sich langsam, die Inneneinrichtung in Angriff zu nehmen.

Parkett für die Hütte und für Verpflegung sorgen

Was ein richtiges Holzhaus ist, braucht natürlich einen Echtholzboden. Zum Glück ist Palmholz so robust, dass es sich als Parkett eignet. Nun sieht es im Haus doch bereits wesentlich eleganter aus. Es war ein langer Tag und ich werde langsam müde, doch ich bin verwöhnt und brauche eine weiche Unterlage. Aus den Fasern der Kokosnussschale lässt sich eine wunderbar weiche Schlafunterlage herstellen. Einen Teppich und ein Seil habe ich gleich mit geklöppelt, es sind schließlich genügend Kokosnüsse da. Und sonst keiner, der sie benötigt – nicht einmal Affen.

Der Morgen graut und ich könnte eine halbe Sau verdrücken. Aber bisher hat sich noch kein Lebewesen bei mir blicken lassen – zumindest keines, das ich essen möchte. Vielleicht sollte ich später auf die Suche gehen, ob es nicht doch etwas anderes als Kokospalmen auf der Insel gibt. Vorerst muss ich mich mit dem Fleisch der Kokosnuss begnügen, dazu ein Getränk aus dem Saft der frischen Triebe. Zum Nachtisch gibt es noch eine leckere Kokossahne, die ich durch Auspressen der Kokosmilch erhalte. So gestärkt, mache ich mich auf den Weg, die Insel zu erkunden.

Die Hühnerzucht kann starten

Ich habe etwas von dem getrockneten Kokosfleisch eingepackt – wer weiß, wofür es gut ist. Und in der Tat kommt schon etwas in mein Blickfeld, das ganz scharf auf das Fleisch der Kokosnuss ist. Es sind zwei hühnerähnliche Tiere, die zwar recht hässlich aussehen, aber mir sicher richtiges Fleisch und Eier liefern. Mit dem Kokosfleisch lassen sich die gierigen Hühnertier problemlos zu meinem Haus locken. Ein Zaun aus Palmholz ist schnell errichtet, nun können sie nicht mehr ausbüchsen und die Hühnerzucht kann beginnen.

Morgens gibt es nun immer frische Eier, die ich mit einem Korb einsammle, den ich aus den Fasern der Palmenblätter hergestellt habe. Ein guter Tausch, die Hühner bekommen das von mir verhasste Kokosfleisch und ich dafür ihre Eier und bald auch sie persönlich. Denn schon bald stellt sich Nachwuchs ein und ich habe jede Menge kleiner Hähnchen in meinem Gehege. Langsam komme ich mir zumindest halbwegs wie im Paradies vor.

Hautpflege ist wichtig unter tropischer Sonne

Meine Haut fühlt sich jedoch keineswegs paradiesisch an, die Sonne und das Salzwasser haben sie spröde und rissig werden lassen. Zum Glück gibt es Kokosnüsse. Deren Fette und Öle machen die Haut schnell wieder geschmeidig. Langsam wird es etwas langweilig so alleine unter Hühnern und Kokospalmen. Ich brauche eine Beschäftigung. Wie wäre es mit Schnitzen? Genügend Palmholz ist vorhanden und mein Messer trage ich zum Glück immer am Mann. Leider ist das Holz ziemlich hart und das Messer entsprechend schnell stumpf.

Palme unter blauem Himmel

Foto: Astrid Götze-Happe / pixelio.de

So ein Ärger, die angefangenen Kunstwerke werfe ich ins Meer und muss mich jetzt erst einmal bewegen, um auf andere Gedanken zu kommen. Ich durchstreife die Insel und entdecke einen mir bisher unbekannten Fluss. Und auf der anderen Seite ein kleines Boot. Fata Morgana oder was? Nein, da schaukelt tatsächlich ein Boot in den Wellen. Sofort bin ich hellwach, denn ich möchte die Insel nur noch auf schnellstmöglichen Weg verlassen – und zwar mit diesem Boot. Leider ist es auf der anderen Seite des Flusses und wer weiß, was sich darin so alles rumtreibt. Bei meinen bescheidenen Schwimmkünsten möchte ich dies nicht unbedingt austesten.

Eine Brücke in die Freiheit

Nun kommt wieder der Bauingenieur in mir durch – Brückenbau war doch auch ein Thema während des Studiums. Nicht dass ich jemals eine gebaut habe, aber sie muss ja nicht besonders tragfähig sein – es reicht aus, wenn sie mich rüber zum Boot bringt. Also schnell einige Kokospalmen fällen und eine provisorische Brücke errichten. Funktioniert doch. Vielleicht sollte ich Brückenbauer werden, wenn ich diese vermaledeite Insel hinter mir gelassen habe. Erst einmal bin ich aber froh, dass das Boot fahrtauglich ist. Allerdings fehlt ein Segel und rudern möchte ich die 600 Kilometer bis zum Festland nicht unbedingt.

Neulich habe ich einen Bericht über Fischer in der Südsee im Fernsehen gesehen. Die haben früher aus Palmenblätter Segel hergestellt. Und wenn es an einem auf meiner Insel nicht mangelt, dann sind das Palmen. Da sollte sich doch etwas machen lassen, zumal ich immer noch das Tau aus den Kokosfasern in meiner Hütte liegen habe. Die große Reise kann also beginnen. Schnell noch einige Hühner gebraten und Eier abgekocht und dann rein ins Boot und Segel setzen.

Aus der Ferne sind bereits die ersten Stimmen zu hören, es kann nicht mehr weit sein. Langsam wird es lauter und ich meine Olli Briesch und Michael Imhof von 1live raushören zu können. Was machen die denn hier im Pazifik? Nichts, denn die Stimmen kommen aus meinem Radiowecker. Es ist sieben Uhr – Zeit zum Aufstehen.