Kohlendioxid im Büro – was zu viel ist, ist zu viel

15 Uhr an einem ganz normalen Arbeitstag: Das Gehirn fühlt sich an, wie einmal durch den Fleischwolf gedreht, leichte Übelkeit macht sich breit, der Kopf schmerzt. Das ist Alltag für mich von Montag bis Freitag. 

Der Grund: Die Kollegen weigern sich zu lüften, sobald es draußen kälter als drinnen ist. Was in Deutschland bedeutet – das Fenster bleibt rund 9 Monate im Jahr zu. Geht es Ihnen ähnlich?  Willkommen im Club der Miefgeschädigten.

Und hier der Aufruf an alle, die glauben, frische Luft sei schädlich: Warum Sie den  Kohlendioxid-Wert (CO2-Wert) im Büro im Augen behalten sollten.

Kopfschmerzen durch Co2

Wie lässt sich der CO2-Gehalt messen?

Wenn Sie den CO2-Gehalt in Ihrem Büro messen wollen, benötigen Sie ein spezielles CO2-Messgerät. Das ist leider nicht gerade günstig. Meines hat rund 60 Euro gekostet und war noch eines der Günstigsten.

Mein Gerät lässt sich ganz einfach mit einem USB-Kabel an den Rechner anstöpseln und legt dann sofort los. Innerhalb weniger Sekunden zeigt es die aktuellen Werte an. Ganz nebenbei gesagt: Temperatur anzeigen kann es auch.

Praktischerweise ist mein CO2-Gerät noch mit einem tollen Zusatzfeature ausgestattet: Wie bei einer Ampel zeigt es an, ob die Raumluftqualität gut (grünes Licht), gerade noch erträglich (gelbes Licht) oder zu hoch (rotes Licht) ist. So sehe ich auf einem Blick, was gerade Sache ist. Ich brauche es aber kaum erwähnen – meist befinden wir uns im roten Bereich.

Wie lässt sich Raumluftqualität klassifizieren?

Wie kann es anders sein, in Deutschland gibt es natürlich eine Norm, die sich mit der Raumluftqualität und hier insbesondere mit der CO2-Konzentration in Innenräumen beschäftigt. Diese wird in ppm (parts per million) angegeben. Anders als mein CO2-Messgerät kennt die Norm vier Qualitätsstufen:

Beschreibung

CO2-Konzentration in der Innenraumluft

Hohe Raumluftqualität

≤ 800 ppm

Mittlere Raumluftqualität

> 800 bis 1000 ppm

Mäßige Raumluftqualität

> 1000 bis 1400 ppm

Niedrige Raumluftqualität

> 1400 ppm

Wenn ich morgens im Büro anfange, liegt der Wert bei rund 700 ppm. Ich komme extra vor den anderen, um einmal lüften zu können, dadurch sinkt der Wert auf etwa 450 ppm.

Ab etwa 10 Uhr sind wir bei einer CO2-Konzentration von über 1.000 ppm – also in einem Bereich, wo eigentlich dringend Lüften angesagt ist. Die Mittagspause abgezogen, sitze ich daher jeden Tag rund 6 Stunden im Mief.

Wie Studien besagen, geht das vielen so, denn in jedem fünften Büro ist die CO2-Konzentration dauerhaft zu hoch. Die magische Grenze liegt hier bei den bereits erwähnten 1.000 ppm, hier wird der Übergang von angenehm zu unangenehm festgemacht.

Co2-Messgerät Büro
Das Messgerät zeigt eine CO2-Konzentration von 1625 ppm und somit weit im roten Bereich

Wieso ist CO2 so gefährlich?

C02 ist tödlich – aber erst ab einer Konzentration von 250.000 ppm. Das ist die gute Nachricht, denn diesen Wert erreichen wir in Innenräumen doch eher nicht – auch wenn ein menschlicher Atemzug eine Kohlendioxid-Konzentration von etwa 30.000 ppm besitzt.

Sie können sich ausrechnen, wie schnell die Luft miefig wird, wenn viele Menschen auf kleinem Raum beisammen sind. Da werden Werte bis 2500 ppm ziemlich schnell erreicht, wenn Fenster und Türen geschlossen bleiben.

Auch wenn Sie schlechte Raumluft kaum töten wird, einige Nebenwirkungen hat sie dennoch:

  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Leichte Übelkeit
  • Sinkende Leistungsfähigkeit

Keine Ahnung, wie meine Kollegen damit umgehen. Entweder bin ich empfindlicher als sie oder ihnen kommt es gerade recht, wenn sie sich etwas dösig fühlen. Da lässt es sich besser schlummern.

CO2-Gehalt als Marker für Ausdünstungen

Ein hoher CO2-Gehalt im Büro bedeutet in der Regel, es wurde schon lange nicht mehr gelüftet. Da kommt dann noch allerlei Anderes in die Luft, das uns Beschwerden bereitet:

Nehmen wir den Kollegen, der ständig niest oder hustet. Was glauben Sie, was der alles in die Raumluft entlässt, bis der Tag um ist? Wenn Sie hier nicht regelmäßig lüften, brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn Sie als nächstes dran sind.

Das haben auch zwei Harvard-Forscher in einer Untersuchung von 2003 herausgefunden: Je mehr Kohlendioxid in der Luft, desto höher das Ansteckungsrisiko und desto höher der Krankenstand.

Ebenfalls in die Raumluft gelangen Ausdünstungen von Wänden, Böden oder Büromöbeln. So sind bei Böden zum Beispiel Klebstoffe mit hohem Lösemittelanteil problematisch und billige Holzmöbel aus Spanplatten können selbst nach Jahrzehnten noch Formaldehyd ausdünsten.

Pflanzen filtern Schadstoffe aus der Luft
Pflanzen filtern Schadstoffe aus der Luft

Wie lässt sich der CO2-Gehalt im Büro verringern?

Wenn nicht gerade eine Lüftungsanlage für einen ständigen Luftaustausch sorgt, müssen Sie selbst dafür sorgen. Das heißt: Fenster auf – selbst wenn es draußen kälter als drinnen ist.

Kommen wir wieder zur Norm: Demnach sollte alle zwei Stunden die alte Raumluft gegen frische ausgetauscht werden. Am besten per Stoßlüftung. Fünf Minuten reichen aus – gerade auch im Winter. Im Sommer dürfen es ruhig ein paar Minuten mehr sein.

Nicht optimal ist es, wenn Sie das Fenster auf Kipp stellen. Hier dauert es dann rund eine Stunde, bis die Raumluft einmal komplett umgekrempelt ist. Außerdem kühlt bei dieser Methode die Wand beim Fenster zu stark aus. Das führt dann ruckzuck zu Schimmelbildung.

Und wie mache ich es? Wie eingangs geschrieben, wird bei uns im Büro eher nicht gelüftet. Ich konnte aber immerhin aushandeln, dass eine Zimmertür offenbleibt. Nun lüfte ich ab und an in der benachbarten Teeküche, so dass der Wert nicht allzu sehr über die magische 1.000 ppm steigt.

Pflanzen für ein gutes Raumklima

Pflanzen verschönern nicht nur den Arbeitsplatz, sondern verbessern auch das Raumklima. Mit einem pflegeleichten Kaktus, den Sie nur selten gießen müssen, ist es damit allerdings nicht. Da braucht es schon Gewächse mit vielen Blättern, damit Schadstoffe aus der Luft gefiltert werden.

Gute eignen sich zum Beispiel verschiedene Ficus-Arten, Efeu oder Farne. Zwei Töpfe davon stehen zum Beispiel aktuell bei mir auf dem Tisch.

Mehrere Jahre hatte ich Schwertfarn im Büro, der wurde mit der Zeit ziemlich buschig und war recht imposant anzuschauen. Allerdings verlor er auch immer mehr Laub, das war mitunter eine ziemliche Sauerei. Ich bin daher auf einen etwas großblättrigeren Farn umgestiegen, da sollte sich nicht so viele Probleme bekommen.

Wahrscheinlich sind meine zwei Pflanzen noch zu wenig, doch mehr gibt mein Schreibtisch nicht her, und meine Kollegen haben wie gesagt kein Problem damit, wenn es im Raum etwas miefig ist. Wahrscheinlich wollen sie sich auch nicht um das Grünzeug. Es kommt jedenfalls keiner auf die Idee, meine Pflanzen zu gießen, während ich im Urlaub bin.

Es hat auch etwas mit Hygiene zu tun

Sie kennen jetzt meine tägliche Leidensgeschichte im Büro und können entweder mitfühlen oder denken sich – da möchte ich auch arbeiten. Ich liebe meinen Mief und möchte möglichst viel davon haben. Sie wissen durch diesen Beitrag aber auch, dass das nicht gerade arbeitsfördernd ist und auch krankmachen kann.

Beim Nicht-Lüften kennen Menschen, die sonst penibel auf Sauberkeit achten, keine Skrupel, dabei hat das auch etwas mit Hygiene zu tun. Wir stellen mit unserer Atmung und mit unseren Ausdünstungen eine wesentliche Quelle von Verunreinigungen in der Innenraumluft dar.

 

Hört her ihr Frischluft-Verweigerer: Dreck ist nicht nur dort, wo ihr ihn seht, sondern auch in der Luft. Die muss ebenso gereinigt werden wie euer Schreibtisch, wie eure Hände oder die Nase.

Schreibe einen Kommentar