Kohlenmonoxid (auch Kohlenstoffmonoxid) ist ein tückisches Gas – es ist unsichtbar und lässt sich weder schmecken noch riechen. Und es innerhalb kurzer Zeit tödlich. So starben im Januar 2017 sechs Kinder in einer Gartenlaube, weil sie dort einen nicht für Innenräume geeigneten Stromgenerator benutzten. Doch auch defekte Heizungen und verstopfte Kamine, im Innenbereich benutzte Grills oder Shisha-Pfeifen können für eine Kohlenmonoxidvergiftung verantwortlich sein.  Erfahren Sie mehr über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten einer CO-Vergiftung.

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Grafik: geralt / Pixabay / PublicDomainPictures / Creative Commons CC0

Was ist Kohlenmonoxid?

Kohlenmonoxid ist ein Gas, das unter anderem bei der Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Stoffen entsteht, wenn die Sauerstoffzufuhr unzureichend ist. Und es ist keineswegs nur böse – wir dürfen nur nicht damit in Berührung kommen bzw. es einatmen. Zumindest nicht in zu hohen Dosen. In kleinsten Mengen ist das Gas Bestandteil unserer Atmosphäre.

Reines Kohlenmonoxid (chemische Formel CO) wird zum Beispiel für die Herstellung von Essig- oder Ameisensäure benötigt. Zusammen mit Wasserstoff wird es in der chemischen Industrie häufig als Synthesegas verwendet.  Die Fleischindustrie verwendet das Gas außerdem dafür – eine nicht mehr vorhandene Frische vorzutäuschen.

Eine unrühmliche Rolle spielte Kohlenmonoxid in der NS-Zeit, wurde es doch für Massentötungen eingesetzt. Bereits die alten Römer und Griechen kannten die Wirkung des Gases und nutzten es für Hinrichtungen.

Kohlenstoffmonoxid hat eine Dichte von 96,5 Prozent der Luft – es ist demzufolge leichter und nicht schwerer als Luft, wie manchmal behauptet wird. So kann das Gas problemlos durch den Kamin abziehen. Problematisch wird es, wenn der Kamin durch ein Vogel- oder Wespennest verstopft ist. Im Jahr 2011 starb zum Beispiel eine vierköpfige Familie, weil Dohlen ein Nest in ihrem Kamin gebaut hatten.

Entstehung – wann bildet sich das Gas?

Überall, wo etwas verbrannt wird, entsteht Kohlenmonoxid – das kann Öl, Gas oder Holz sein. Aber auch bei der Verbrennung von Tabak entsteht CO. So erhöhen 10 Zigaretten den CO-Gehalt der Luft um 25 ppm. Hier ein kurzer Überblick über die Kohlenmonoxidquellen:

  • Holz-, Kohle-, Gas- oder ölbetriebene Heizkessel
  • Feuerstellen, Zusatzheizungen, Öfen
  • Holz-, Kohle- oder Gasgrills
  • Gasherde
  • Automotoren in Garagen
  • Holzpellets in Pelletsbunkern
  • Kraftstoffbetriebene Generatoren
  • Wasserboiler
  • Feuerschalen
  • Shishas
  • Zigaretten

Ursachen für erhöhte CO-Kontentration in der Raumluft

Solange das Kohlenmonoxid abziehen kann, ist alles kein Problem. Doch leider gibt es zahlreiche selbst verschuldete und unverschuldete Gründe, warum das nicht immer der Fall ist. Mögliche Ursachen für eine Erhöhung der Kohlenmonoxidkonzentration in der Raumluft sind:

  • Veraltete, schlecht gewartete und eingestellte Heizkessel
  • Undichte Kamine und Öfen
  • Schlechter Kaminzug eines Kaminofens
  • Nicht vorhandene Ventilation im Raum, in dem sich die Anlage befindet
  • Unsachgemäße Bedienung bestimmter Heizanlagen
  • Drosselklappe an Kamin oder Kachelofen falsch eingestellt
  • Gegendruck durch eingeschaltete Dunstabzugshaube
  • Gegendruck durch eingeschaltete Zentralstaubsaugeranlage
  • Inkompatibilität bestimmter Installationen im selben Gebäude

Symptome – welche Wirkung hat das Gas?

Die Merkmale einer Kohlenmonoxidvergiftung sind vielschichtig und unterscheiden sich häufig nicht von denen einer Grippe. Das fängt ganz harmlos mit Schläfrigkeit und leichten Kopfschmerzen an und steigert sich immer weiter. Über Schwindel, Übelkeit und Desorientierung geht es hin bis zu Muskelkrämpfen oder Erkrankung von Herz und Atemwege. Auch bestehende Krankheiten können ich durch eine dauerhaft zu hohe Kohlenmonoxidkonzentration in der Luft verschlechtern.

By Intermedichboderivative work: MagentaGreen [Public domain], via Wikimedia Commons

Ab wann wird es gefährlich?

In Gebäuden liegt die normale CO-Konzentration bei 0,5 bis 5 ppm (parts per million). Ein ppm entspricht einem Wert von 0,001 Promille – was wirklich nicht viel ist. Der Arbeitsplatzgrenzwert liegt bei 30 ppm, ab einer Konzentration von 100 ppm gilt Kohlendioxid als gesundheitsgefährdend. So können zum Beispiel bei einer Dauerbelastung Depressionen oder Herzerkrankungen auftreten.

Sofort spürbar sind die Einwirkungen von CO bei einer Belastung von 150 bis 300 ppm. Es treten zum Beispiel Schläfrigkeit, Übelkeit, Schwindelgefühle und Erbrechen auf.  Damit das Gas tödlich wirkt, braucht es einen Wert von 12800 ppm. Was noch nicht so viel ist, entspricht es doch gerade einmal 1,28 Prozent der gesamten Raumluft.

Der COHb-Wert

Atmen wir Kohlenmonoxid ein, gelangt es in den Blutkreislauf und bindet sich an den Blutfarbstoff Hämoglobin. Dadurch wird der Sauerstofftransport blockiert und der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt. Die Organe werden somit nicht mehr in ausreichendem Maße mit Sauerstoff versorgt.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang der COHb-Wert (Kohlenmonoxid-Hämoglobin). Je höher der Wert, desto schlechter geht es uns. Bereits ab zwei bis fünf Prozent sind leichte Symptome zu spüren. Liegt der COHb-Wert bei 25 Prozent, sind erste Vergiftungserscheinungen wie Benommenheit, Schwindel oder Muskelschwäche bemerkbar, liegt er bei 50 Prozent, droht Bewusstlosigkeit und ab etwa 60 Prozent tritt Tod durch Ersticken ein.

Ein Beispiel: Wenn Sie acht Stunden am Tag einem Wert von 115 ppm ausgesetzt sind, entsteht im Blut eine COHb-Konzentration von 4 Prozent bzw. 7,6 Prozent. Bei gesunden Erwachsenen ist das kein Problem, bei kleinen Kindern oder Risikogruppen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist jedoch bereits bei Belastungen ab 2,7 Prozent eine Verstärkung der Krankheitssymptome möglich. Ein Grund mehr, das Kohlenmonoxid regelmäßig durch Lüften aus dem Fenster zu entfernen.

Behandlung einer Kohlenmonoxidvergiftung

In den meisten Fällen reicht es aus, einfach an die frische Luft zu gehen oder zu lüften. Lüften hilft aber nur, wenn die Ursache für die erhöhte Kohlenmonoxid-Konzentration beseitigt ist. Im Zweifel mögliche Verursacher wie Heizkessel oder andere Verbrennungsgeräte ausschalten.

Bei einer schwereren Kohlenmonoxidvergiftung ist es mit frischer Luft alleine nicht mehr getan. Folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen müssen eventuell eingeleitet werden:

  • Bei Bewusstlosigkeit: Stabile Seitenlage
  • Bei Atemstillstand: Mund-zu-Nase-Beatmung
  • Bei Herzstillstand: Herz-Lungen-Massage
  • Generell: Ruhig lagern und vor Auskühlung schützen

Bei schwerwiegenden Vergiftungen muss der Patient auf jeden Fall mit hundertprozentigem Sauerstoff beatmet werden. Der Hintergrund: Bei normaler Atmung halbiert sich die CO-Konzentration im Blut erst nach drei bis acht Stunden. Mit einer forcierten Sauerstofftherapie lässt sich der Wert auf bis zu 45 Minuten senken.

Vorsicht: Auch, wenn Sie glauben, die Folgen einer Kohlenmonoxidvergiftung überstanden zu haben, können noch bis zu 40 Tage danach Probleme auftreten. Insbesondere im psychiatrischen Bereich. Bei 10 bis 20 Prozent der Patienten konnten Spätfolgen wie Depressionen, Angststörungen, kognitive Einschränkungen oder Bewegungsstörungen beobachtet werden.

So können Sie sich schützen

Da das Gas sich auf keinerlei Weise bemerkbar macht – weder durch Geruch noch durch Geschmack, können wir uns nur schwer davor schützen. Kohlenmonoxid wird daher auch gerne als „silent Killer“ (geräuschloser Killer) bezeichnet. Im Jahr sterben deutschlandweit rund 500 Menschen diesen geräuschlosen Tod – häufig sogar im Schlaf.

Ein wirksamer Schutz sind sogenannte Kohlenmonoxidmelder (CO-Melder). Die kleinen Geräte sehen aus wie Rauchmelder und sind im Handel bereits für kleines Geld erhältlich. Wenn Sie einen Kamin betreiben oder zuhause grillen wollen, sollten Sie auf jeden Fall solch ein Gerät installieren. Aber auch generell kann es nicht schaden, sich einen oder mehrere CO-Melder anzuschaffen.

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