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Kindersicherheit in Haus und Garten – darauf kommt es an

In Deutschland leben rund 11 Millionen Kinder unter 15 Jahren, etwa 1,8 Millionen von ihnen suchten 2017 nach einem Unfall einen Arzt auf. Auch wenn die Angst der Eltern vor einem Verkehrsunfall ungleich höher ist, liegen Unfälle im häuslichen Umfeld weit davor. Rund 60 Prozent gegenüber 7 Prozent – das spricht eine klare Sprache, wobei Verkehrsunfälle tendenziell eine höhere Todesgefahr bergen. Typische Unfälle in Haus und Garten sind Stürze, Ertrinken, Ersticken, Verbrennungen, Verbrühungen und Vergiftungen. Hier erfahren Sie, wie Sie die Kindersicht im häuslichen Umfeld verbessern.

Kinder beim Kochen

Unfallgefahr #1: Stürze durch Stolperfallen

Stürze sind die häufigste Unfallursache bei Kindern. Es gibt eben auch einiges, worüber Kinder stürzen oder wodurch sie fallen können: Treppen, Möbel, Teppiche, Fußböden usw. Man ist fast geneigt, den Kindern nicht nur beim Fahrradfahren einen Schutzhelm aufzusetzen, sondern auch zuhause.

Mit den folgenden Maßnahmen lassen sich die Gefahren verringern:

  • Ordnung ist das halbe Leben. Dieser Spruch gilt gerade auch bei kleinen Kindern im Haushalt. Wo nix rumliegt, kann auch niemand drüber fallen. Das gilt insbesondere bei Treppenstufen und in Durchgangsbereichen
  • Auch quer im Raum liegende Elektrokabel werden schnell zur Stolperfalle. Vor allem, wenn dazu noch die Beleuchtung nicht ausreichend ist. Für genug Licht ist daher zu sorgen
  • Teppiche sollten glatt auf dem Boden liegen und mit einer rutschhemmenden Unterlage versehen sein. Falten oder hochstehende Ränder bringen nicht nur die Kleinen zu Fall
  • Beim Neubau sind rutschhemmende Fliesen oder Teppichböden bevorzugen. Ansonsten die glatten Bereiche durch Verzicht auf Bohnern und mit Hilfe rutschfester Vorleger entschärfen
  • Scharfkantige Möbel gegebenenfalls an den Ecken abpolstern, für Tischecken gibt es abgerundete Kunststoffüberzieher. Diese Maßnahmen sind zumindest bei Kindern ratsam, die gerade erst das Laufen lernen
  • Wichtig ist auch die richtige „Besohlung“ der Kinderfüße. Damit die Wohnung nicht als Eislaufbahn „missbraucht“ wird, sind Schuhe oder Socken mit rutschhemmender Beschichtung empfehlenswert. Zudem ist es bei Schuhen wichtig, dass sie festsitzen

Unfallgefahr #2: Stürze durch Treppen

Treppen bergen ein besonders großes Unfallpotenzial, schließlich kann man dort besonders tief fallen. Hier eignen sich folgende Maßnahmen:

    • Kleine Krabbelkinder sollten Sie von steilen und hohen Treppen fernhalten, gegebenenfalls durch Anbringung eines Schutzgitters.
    • Üben Sie mit Ihren Kindern das Treppensteigen, sobald sie alt genug sind. Dabei darauf achten, dass die Hände der Kinder das Geländer fassen.
    • Verzichten Sie auf lose Treppenläufer, bei glatten Treppen können aber verklebte Rutschhemmer sinnvoll sein. Kinder, die gerade eine Treppe hinabsteigen, nie zur Eile drängen

Kind Treppe

Unfallgefahr #3: Stürze durch Möbel

Kleine Kinder gehen gerne auf Entdeckungstour, die lohnendsten Ziele liegen für sie, wie bei einem Bergsteiger, immer oben. Da ihnen dazu jedoch die nötige Ausrüstung fehlt, wird alles, was sich anbietet, als Steighilfe genutzt:

Herausgezogene Schubladen, Regalbretter, Gardinen, Stühle und Hocker. Kleinkinder, die gerade dem Krabbelalter entlaufen wollen, benutzen zudem gerne Elektrokabel, Tischdecken und Gardinen, um sich aufzurichten.

Das können Sie dagegen tun:

  • Tischdecken mit Klammern befestigen oder gleich ganz weglassen
  • Schubladen und Möbeltüren mit entsprechenden Sicherungshaken gegen das Öffnen sichern
  • Regale an der Wand befestigen
  • Elektrokabel von Geräten, die ständig gebraucht werden, mit Kabelschellen fixieren
  • Bei den übrigen Geräten Stecker ziehen und hochlegen
  • Stehlampen können ebenfalls als Kletterhilfe verwendet werden und sollten daher vorübergehend entfernt werden

Auch bei Säuglingen besteht die Gefahr von Stürzen. Hierbei werden besonders das Wickelbrett bzw. der Wickeltisch gefährlich, wenn Mutter oder Vater das Baby aus den Augen lassen, zum Beispiel weil das Telefon läutet oder weil neue Windeln geholt werden müssen.

Es sollten daher vorher alle Utensilien zum Wickeln bereitgelegt werden. Und wenn es läutet, muss das Kleine eben auf den Arm und mit zum Telefon.

Unfallgefahr #4: Schneiden und Quetschen

Messer und Scheren werden im Haushalt häufig benötigt. Dementsprechend häufig liegen sie auch für Kinder griffbereit herum. Für die ist das eine gute Gelegenheit, die Wirksamkeit der Geräte selbst einmal zu überprüfen. Die Schärfe der Klingen wird dabei meist unterschätzt. Daher gilt:

  • Gefährliche Haushaltsgegenstände niemals unbeaufsichtigt herumliegen lassen, auch wenn sie gleich wieder gebraucht werden
  • Für kleinere Kinder, die etwas schneiden wollen, gibt es extra Kinderscheren
  • Ältere Kinder sollten zunächst unter Aufsicht an das Schneiden und Schnippeln herangeführt werden. Irgendwann müssen sie es schließlich lernen

Unfallgefahr #5: Verbrühen und Verbrennen

Im Haushalt lauern zahlreiche Gefahren für kleine Kinder, sich zu verbrennen oder zu verbrühen. Das fängt beim Heißwasserboiler an, geht beim Herd weiter und hört beim Kaffeetisch oder der Kerze noch lange nicht auf.

Folgende Maßnahmen erhöhen die Sicherheit:

  • Heißwasserboiler und Durchlauferhitzer sollten so hoch angebracht werden, dass Kinder sie nicht erreichen können
  • Die Temperatur für Warmwasser auf 40-50 Grad Celcius begrenzen. Das schützt nicht nur die Kinder vor Verbrühungen, sondern spart außerdem Energie und schützt bei hartem Wasser vor Verkalkungen
  • Verbrühen können sich die Kinder auch mit heißem Kaffee oder Tee auf dem Tisch. Nur zu gerne zieht sich das krabbelnde Kleinkind an einer Tischdecke hoch und schon ist es passiert. Ein Klammer für die Tischdecke kann in diesem Fall helfen, oder es muss eben auf die Tischdecke ganz verzichtet werden
  • Vorsicht auch beim Baden. Kleinere Kinder haben häufig noch kein ausgeprägtes Temperaturgefühl und haben Probleme bei der Bedienung der Armaturen. Eine Thermostatarmatur mit Verbrühungsschutz kann hier helfen. Es gibt auch Armaturen, die von außen nicht heiß werden
  • Am besten die ganz kleinen Kinder niemals alleine baden und buschen lassen, zumal die Gefahr des Ertrinkens in der Badewanne noch hinzukommt

Kind Spielzeug

Unfallgefahr #6: Verbrennungen in der Küche

In der Küche gibt es für Kinder ebenfalls genügend Gelegenheiten, sich zu verbrennen oder zu verbrühen. Beim Kochen oder Backen lässt es sich kaum vermeiden, dass mit heißen Flüssigkeiten und heißem Fett hantiert wird.

Diese Maßnahmen erhöhen die Sicherheit:

  • Wenn möglich, sollten Sie die hinteren Herdplatten zum Kochen verwendet werden
  • Nur schwere Töpfe verwenden und Pfannenstiele zur Seite oder nach hinten drehen
  • Montieren Sie einen Kinder-Herdschutz (kleines Gitter vor den Platten), damit das Kind nicht an den Griff der Töpfe und Pfannen greifen kann
  • Das Fenster des Backofens sollte möglichst mit wärmedämmendem Glas versehen sein oder mit einer zusätzlichen Acrylplatte gesichert werden
  • Ansonsten gilt es, während des Kochens oder Backens die Kleinen vom Backofen oder Herd fernzuhalten, indem man sie in den Kinderstuhl oder den Laufstall setzt

Unfallgefahr #7: Offenes Feuer

Feuer ist für Kinder ein ebenso faszinierendes wie gefährliches Element. Einerseits strahlen Flammen ein angenehmes Licht und Wärme aus, andererseits können sie eben auch verbrennen.

Das ist beim Umgang mit Feuer zu beachten:

  • Den Kindern sollte vor allem Respekt vor Feuer vorgelebt werden
  • Als Erwachsener selbst nie leichtsinnig mit Feuer umgehen
  • Immer ein Auge auf brennende Kerzen und Kamine haben
  • Einen Eimer Wasser oder sogar Feuerlöscher neben den Weihnachtsbaum und einen Eimer mit Sand neben den Grill stellen
  • Feuerzeuge und andere Geräte, mit denen ein Feuer entfacht werden kann, außer Reichweite von Kindern aufbewahren
  • Lassen Sie den Grill niemals unbeaufsichtigt, solange er noch heiß ist

Dies alles sind nicht nur wirkungsvolle Vorsichtsmaßnahmen, sondern erwecken auch bei Kindern den Eindruck, dass mit Feuer nicht zu spaßen ist. Wenn das alles nichts hilft, muss man eben ein besonders wachsames Auge auf die Kleinen haben.

Unfallgefahr #8: Ertrinken in der Badewanne

In der Badewanne besteht die Gefahr des Ausrutschens, der Kopf kann aufschlagen und das benommene Kind taucht unter.

  • Durch eine Noppeneinlage kann diese Gefahr gemindert werden
  • Eine allzu wilde Plantscherei sollte den lieben Kleinen jedoch trotzdem nicht gestattet werden.
  • Und auch wenn die Kinder schon etwa größer sind, zumindest in Hörweite bleiben
  • Säuglinge und Kleinkinder nur in speziellen Babywannen baden und dort niemals alleine lassen

Kind Pool

Unfallgefahr #9: Ertrinken im Gartenteich oder Pool

Im Garten locken Gartenteich, Pool oder Regentonne die Kinder zum Spielen an. Das Wasser birgt aber immer die Gefahr des Ertrinkens, auch wenn die Wasserstellen flach sind. Kleine Kinder können in wenigen Zentimeter flachem Wasser ertrinken, wenn sie plötzlich mit dem Gesicht hineinfallen.

Diese Maßnahmen helfen:

  • Regentonnen sollten mit einem abschließbaren Deckel gesichert werden
  • Beim Gartenteich hilft entweder ein mindestens ein Meter hoher Zaun oder eine Gitter-Abdeckung, damit die Kinder nicht ins Wasser fallen
  • Sichern Sie Ihren Pool mit einem Pool-Alarm. Das ist eine Art Bewegungsmelder, der sofort lautstark alarmiert, wenn jemand in den Pool fällt
  • Eine Poolabdeckung erhöht die Sicherheit, verwenden Sie aber keine einfache Plane, die Kinder sinken mit dieser ein
  • Wie beim Teich kann auch bei Pool eine Zaun die Lösung sein, damit Kindern nicht unbeaufsichtigt diesem nähern

Unfallgefahr #10: Strom

Elektrische Geräte sind im Alltag allgegenwärtig. In Kinderaugen sind herabhängende Stromkabel lediglich Schnüre, die meist Interessantes zu Tage fördern, wenn man daran zieht.

Auch Steckdosen sind für kleine Kinder keine Gefahrenquelle, sondern verleiten dazu, sie mit spitzen Gegenständen zu untersuchen. Es ist daher dafür Sorge zu tragen, dass herabhängende Leitungen nicht in Kinderhände gelangen.

Diese Maßnahmen helfen:

  • Kleinere Elektrogeräte, die nicht häufig gebraucht werden, sicher deponieren
  • Falls das nicht möglich ist, die Zuleitungen am besten verstecken oder fest verlegen
  • Steckdosensicherungen bilden einen sehr wirkungsvollen Schutz vor Stromschlägen

Unfallgefahr #11: Vergiftungen

Vergiftungen kommen bei Kindern rund 19.000 mal pro Jahr vor. In Haus und Garten warten verschiedenste Gefahren – von giftigen Pflanzen über Haushaltsmittel bis hin zu Tabak, Medikamenten oder Lampenölen.

Diese Maßnahmen helfen:

  • Überlegen Sie schon beim Kauf von Haushaltsmitteln, ob es eine gesundheitlich unbedenklichere Alternative gibt
  • Kaufen Sie Produkte mit kindersicherem Verschluss
  • Bewahren Sie Alkohol, Zigaretten, Reinigungsmittel, Farben, Lacke, Lösungsmittel oder Medikamente außer Reichweite von Kindern auf
  • Lassen Sie giftige Substanzen nach Gebrauch nicht achtlos herumstehen
  • Achten Sie darauf, dass Pflanzen im Haus oder Garten nicht giftig sind
  • Füllen Sie Putzmittel niemals in Lebensmittelbehälter oder Getränkeflaschen

Unfallgefahr #12: Ersticken

In Haus und Garten warten viele Dinge, die für ein Ersticken Ihres Kindes sorgen können. Unfälle (auch mit Todesfolge) passieren zum Beispiel durch Verschlucken von Kleinteilen, durch Einschnüren des Halses oder Zulegen der Atemwege durch Decken. Auch das Verstecken in einer Truhe oder im Wandschrank kann zu ersticken führen.

Diese Maßnahmen helfen:

  • Lassen Sie keine kleinen Gegenstände herumliegen, insbesondere wenn die Kinder noch ganz klein sind
  • Achten Sie darauf, dass sich beim Spielzeug keine Kleinteile lösen können, auch scharfe Kanten sollten diese keine haben
  • Verwenden Sie keine Kissen und Decken im Kinderbett, ziehen Sie dem Säugling einen Schlafsack an
  • Halten Sie Plastiktüten unter Verschluss und packen Sie auch kein Spielzeug in Tüten
  • Entfernen Sie Kordeln und Bänder aus Kinderkleidung und setzen Sie den Kinderhelm auf dem Spielplatz immer ab
  • Halten Sie Truhen, Schränke aber auch Waschmaschinen oder Trockner stets geschlossen

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