Home » Bauwissen » Outdoor » Sicherheit im Garten – die 6 größten Unfallgefahren

Sicherheit im Garten – die 6 größten Unfallgefahren

Wer einen eigenen Garten oder eine Parzelle besitzt, kann sich glücklich schätzen. Doch es ist wie so oft – wo viel Freude, da auch viel Leid. Davon sprechen rund 200.000 Unfälle, die hierzulande Jahr für Jahr bei der Gartenarbeit passieren. Sehr oft sind es Unfälle mit scharfen oder spitzen Gegenständen, die zu Schaden führen. Aber auch Stürze von Leitern und Unfälle mit Kindern stellen eine häufige Ursache dar. Wir haben die häufigsten Unfallursachen im heimischen Paradies aufgespürt und geben Tipps, wie Unfälle mit einfachen Mitteln zu vermeiden sind.

Kettensäge
So geht es natürlich gar nicht: Mit bloßen Händen und der Kettensäge arbeiten

 

Unfallgefahr #1: Gartenleitern

Runter von der Leiter kommen Sie immer, es ist nur die Frage, wie schnell und in welchem Zustand. Ruck Zuck ist ein Knochen gebrochen und Sie können Ihre leckeren Kirschen nur noch von weitem begutachten. Damit Sie immer heil die Leiter wieder verlassen, sollten Sie daher einige Dinge beachten:

  • Leitern müssen auf tragfähigen und ebenen Böden aufgestellt werden. Gegebenenfalls ist die Standsicherheit durch eine geeignete Unterlage zu schaffen.
  • Verstellbare Spitzen an den Standflächen sinken in weiche Böden ein und bieten Halt.
  • Das obere Ende der Leiter ist gegen Verrutschen und Wackeln zu sichern (beispielsweise mit einem Gurt).
  • Stellen Sie Anlegeleitern mit einer Schräge von 75° auf. Steiler aufgestellte Leitern kippen leicht nach hinten; flacher aufgestellte Leitern biegen sich übermäßig durch und können beim Hochsteigen beunruhigend wippen.
  • Beugen Sie sich nicht zu weit nach links und rechts, sondern verschieben Sie die Leiter lieber häufiger.
  • Werkzeug verstauen Sie am besten in einem dafür vorgesehenen Gurt oder in der Werkzeugweste. Eimer an einen s-förmigen Haken hängen.
  • Beim Kauf der Leiter darauf achten, dass sie ein GS-Zeichen hat (GS steht für geprüfte Sicherheit)
  • Gebrauchte Leitern müssen regelmäßig auf ordnungsgemäßen Zustand hin überprüft werden. Beschädigte Holme oder Sprossen müssen von einem Fachmann repariert oder aus dem Verkehr gezogen werden.
  • Keine Arbeiten mit großem Kraftaufwand von der Leiter aus durchführen. Beide Füße müssen auf der Sprosse bleiben.
  • Auf der Leiter sollten Sie auf keinen Fall eine Motorsäge einsetzen, da Sie diese mit zwei Händen bedienen müssen. Es fehlt dann die freie Hand zum Festhalten.
  • Obstbaumleitern sollten hinsichtlich ihrer Länge so gewählt werden, dass die oberen fünf Sprossen als Handlauf dienen.
  • Bei Stehleitern auf das Einrasten der Spreizsicherung achten. Den festen und sicheren Stand einer Stehleiter können Sie testen, indem Sie sich mit dem ganzen Gewicht auf jeden Leiterschenkel stellen.

Unfallgefahr #2: Häcksler

Nach einem Hecken- oder Baumschnitt müssen die Zweige und Pflanzenteile zerkleinert oder auf eine Grünschnittanlage gebracht werden. Wollen Sie den Grünschnitt selbst zerkleinern, benötigen Sie einen Häcksler, der alles kurz und klein schreddert. Leider macht der Häcksler keinen Unterschied zwischen Holz und Gliedmaßen, also muss einiges beachtet werden:

  • Schutzhandschuhe anziehen: Die Hände sind gefährdet durch den Rückschlag von zugeführtem Schnittgut oder durch die rotierenden Schneidwerkzeuge.
  • Schutzbrille mit Seitenschutz aufsetzen: Augen sind gefährdet durch umhergeschleuderte Pflanzenteile.
  • Gehörschutz anlegen: Ohren sind gefährdet, da Häcksler viel Lärm machen.Körper schützen: T-Shirt und kurze Hosen sind weniger geeignet, da Pflanzenteile durch die Gegend fliegen.
  • Der Schredder braucht eine feste und ebene Standfläche.
  • Bei Verstopfungen den Häcksler sofort abschalten und den Netzstecker herausziehen. Erst dann den Einfülltrichter freiräumen. Niemals im eingeschalteten Zustand in den Einfülltrichter oder die Auswurföffnung greifen.
  • Auswechseln, nachschleifen und justieren des Messers sollte dem Fachmann überlassen werden.
Heckenschere
Handschuhe senken das Unfallrisiko bei der Arbeit mit der Heckenschere

Unfallgefahr #3: Elektrische Heckenschere

Wollen Sie Ihren Garten etwas in Form bringen, brauchen Sie eine elektrische Heckenschere. Es sei denn, Sie haben sehr viel Zeit beziehungsweise Geduld und Sie schneiden Ihre Hecke Ästchen für Ästchen mit der Hand in Form. Eine elektrische Heckenschere ist auf alle Fälle praktischer, doch Vorsicht: Das Scherblatt der Heckenschere mit den scharfen Schneiden hat schon so manche Verletzung verursacht. Deshalb beachten Sie:

  • Die Heckenschere soll sicher und bequem mit beiden Händen an den Handgriffen zu fassen sein.
  • Die Heckenschere stets mit beiden Händen führen.
  • Bei hohen Hecken empfiehlt sich ein Gerüst, da beide Hände am Gerät bleiben müssen. Eine Leiter ist dann nicht geeignet.
  • Das Schermesser stets vom Körper weghalten.
  • Bei Arbeitspausen und nach getaner Arbeit gehört das Scherblatt der Heckenschere sofort wieder in die Schutzhülle.
  • Aufpassen, dass sich Scherblatt und elektrische Leitung nicht ins Gehege kommen. Schermesser stets nach oben halten und elektrische Leitung frei nach unten baumeln lassen.
  • Das Schneidwerkzeug der Heckenschere muss nach dem Abschalten in spätestens zwei Sekunden zum Stillstand kommen.
  • Aus einer Hecke sind zunächst alle Fremdkörper wie beispielsweise Drähte, dickere Äste oder Steine zu entfernen.
  • Gehörschutz, festes Schuhwerk, eine Schutzbrille und Schutzhandschuhe sollten zur persönlichen Schutzausrüstung zählen.

Unfallgefahr #4: Motorkettensäge

Manch einer von Ihnen möchte sicherlich mit ganz schwerem Geschütz auf die Bäume und Sträucher in seinem Garten losgehen, der Motorkettensäge. Dieses Gerät ist wohl das Gefährlichste im Garten; in Sekundenbruchteilen kann der Benutzer mit der Säge schwerste Verletzungen sich und anderen zufügen. Damit solch ein Kettensägenmassaker nicht Wirklichkeit wird, sollten Sie einige Dinge beherzigen:

  • Zur sicheren Führung einer Motorkettensäge muss diese für jede Hand einen geschützten Griff haben. Dieser müssen voll umfasst werden können.
  • Eine vollständige Schutzausrüstung ist unabdingbar. Dazu gehören: feste und eng anliegende Kleidung/Schutzanzug, Sicherheitsschuhe, Schutzhelm mit Gesichtsschild, Gehörschutz und Arbeitsschutzhandschuhe.
  • Niemals mit der Kettenspitze sägen, denn dann schleudert die Säge unkontrolliert zurück.
  • Standsicherheit muss gewährleistet sein. Nicht mit der Leiter in der Baumkrone sägen.
  • Der Gebrauch von Motorsägen muss geübt werden. Im gewerblichen Bereich ist für den Bediener einer Kettensäge eine spezielle Ausbildung nachweisen.
  • Die Säge muss mit beiden Händen und sicherem Griff geführt werden.
  • In kleinen, zähen Ästen und Schösslingen kann sich die Kette verfangen.
  • Wenn Stämme oder abgesägte Äste zu Brennholz weiterverarbeitet werden sollen, dann ist unbedingt ein Sägebock zu benutzen, auf dem das Holz zum Sägen sicher aufgelegt werden.
  • Kettensägen sind nicht zum Sägen von Press- und Spanplatten geeignet. Sie dürfen auch nicht zur Stein-, Metall- oder Kunststoffbearbeitung benutzt werden.
  • Motorkettensägen mit Verbrennungsmotor werden am Auspuffgehäuse schnell über 250°C heiß. Selbst fünf Minuten nach dem Ausschalten der Säge werden noch weit über einhundert Grad gemessen.
  • Es sollte mit möglichst hoher Drehzahl gesägt werden.
  • Motorkettensägen müssen sich schnell ausschalten lassen, ohne dass sich die Hände von den Griffen lösen.
Rasenmähen
Festes Schuhwerk ist wichtig beim Rasenmähen

Unfallgefahr #5: Rasenmäher

Der Rasen ist für viele Hobbygärtner etwas besonderes. Er wird gehegt und gepflegt, so dass selbst die Engländer vor Neid erblassen. Der Rasenmäher ist demzufolge das gebräuchlichste Gartengerät in unseren Landen. Leider bestehen auch beim Rasenmähen einige Verletzungsgefahren:

  • Die Zehen müssen mit festem Schuhwerk (am besten mit Zehenschutz) geschützt werden.
  • Schutzbrille mit Seitenschutz benutzen, da Steine herumwirbeln können.
  • Die Kleidung sollte nicht zu weit und nicht zu dünn sein (gut: dicke lange Hose).
  • Vor dem Mähen den Rasen von Steinen, Ästen, Tannenzapfen und anderen festen Gegenständen befreien. So wird das Messer nicht beschädigt und keine kleinen spitzen Teile können durch die Gegend fliegen.
  • Hat die Rasenfläche ein Gefälle, dann quer zum Hang arbeiten, damit der Rasenmäher keine Eigendynamik bekommt.
  • Beim Elektrorasenmäher nicht über das Kabel fahren, es kann durch die Sogwirkung leicht zerschnitten werden.
  • Wurde das Kabel doch mal durchschnitten, flicken Sie es nicht selbst, sondern lassen dies von einem Experten machen.
  • Arbeiten Sie mit dem Elektromäher nicht bei Nässe oder feuchter Witterung und benutzen Sie Stromkabel für den Außenbereich (Zusatz „07“ in der Kabelbezeichnung).
  • Beim Bezinmäher einen geeigneten Einfüllstutzen verwenden und nicht rauchen.
  • Benzinmäher nur im Freien verwenden, Vergaser richtig einstellen und den Luftfilter öfter reinigen, benzolfreien Kraftstoff verwenden, um Gesundheitsschäden zu vermeiden.

Unfallgefahr #6: Chemie

Damit alles blüht und gedeiht, kommen im Garten zahlreiche Mittelchen zum Einsatz. Die Palette reicht von Schutzanstrichen und Düngern bis hin zu Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Bei vielen dieser Mittel müssen Sie aufpassen, dass nicht Sie selbst und vor allem keine Kinder damit Kontakt bekommen. Schneckenkorn ist vielleicht auch für Ihr Kleinkind interessant und es möchte davon naschen. Deshalb achten Sie auf folgendes:

  • Lesen Sie die Gebrauchsanweisung gründlich. Fragen Sie nach dem Sicherheitsdatenblatt des Produktes.
  • Lesen Sie das „Kleingedruckte“ auf der Verpackung, zum Beispiel die gekennzeichneten Gefahrstoffe, sowie die Anwendungshinweise des Herstellers. Erkundigen Sie sich nach Anwendungsbeschränkungen oder –verboten.
  • Die Augen sind gefährdet durch Spritzer, Aerosole oder Staub beim Zubereiten oder beim Ausbringen. Daher sollten Sie eine möglichst dicht schließende Schutzbrille tragen.
  • Um nicht in direkten Kontakt mit einem ätzenden Stoff zu kommen, sollten Sie Schutzhandschuhe tragen.
  • Um keine Schadstoffe in Form von Staub, Aerosol oder Gas einzuatmen, ist eine Atemschutzmaske ratsam.
  • Grundsätzlich sollten sich unbeteiligte Personen oder Haustiere nicht in der Nähe aufhalten, wenn Chemikalien zum Einsatz kommen.
  • Wenn Sie an der Grundstücksgrenze arbeiten, sollten Sie vorher die Nachbarn informieren und die Windrichtung beachten.
  • Vermeiden Sie es, Chemikalien zu lagern und kaufen Sie nur die aktuell benötigte Menge. Bewahren Sie Chemikalien für Kinder unzugänglich und nicht zusammen mit Nahrungsmitteln auf. Die Chemikalien immer in der Originalverpackung aufbewahren, auch die Reste – am besten in einem verschließbaren Schrank.Verpackung, Reste und Altbestände von Chemikalien sind Sondermüll, sofern dies nicht ausdrücklich auf der Packung anders angegeben wird.
  • Bevor Sie zu chemischen Produkten greifen, sollten Sie natürliche Mittel probieren. Bieten Sie beispielsweise Igeln eine Überwinterungsmöglichkeit, verbessern Sie das Erdreich mit natürlichem Dünger oder setzen Sie widerstandfähige heimische Pflanzenarten.

Kommen Sie gesund durchs Gartenjahr

Sie kennen jetzt die wichtigsten Gefahrenquellen in Ihrem Garten – sei es der Rasenmäher, die Kettensäge oder der Häcksler. Bei all diesen Geräten ist es notwendig, immer alle Sinne in Alarmbereitschaft zu halten, um bei unvorhersehbaren Ereignissen sofort entgegensteuern zu können. In diesem Beitrag wurden außerdem bei weitem nicht alle Gefahren im Garten behandelt. Der Gartenteich ist zum Beispiel immer gefährlich, wenn kleine Kinder in der Nähe sind. Auch giftige Pflanzen können gefährlich werden. So bleibt nur zu hoffen, dass Sie stets gesund bleiben und nicht zu den 200.000 Menschen in Deutschland gehören, die sich jährlich in ihrem Garten verletzen.

Schreibe einen Kommentar