Ob im Bad oder in der Küche, im Wohnzimmer oder im Keller – Innenputze sind in der Wohnung vielfältig im Einsatz. Sie ebnen als Grundputz den Untergrund oder geben als Dekorputz Wänden den letzten Schliff. Kurzum – sie sind aus der Innenraumgestaltung nicht wegzudenken. Doch welcher Innenputz ist der richtige? Und wie verwende ich ihn? Ich helfe Ihnen dabei, die wichtigsten Fragen zu beantworten.

Innenputz Kalk

Rein mineralische Kalkputze entsprechen dem Bedürfnis nach gesundem Wohnen. Foto: epr/Saint-Gobain Weber

Unterscheidung nach Grundputz und Dekorputz

Der Grundputz ist ein Unterputz, der die Aufgabe hat, die Wand oder Decke zu ebnen. Bei einem Untergrund aus gespachtelten Gipsplatten braucht es keinen Grundputz. Die sind bereits glatt genug. Über die verschiedenen Arten von Grundputzen und zur Verarbeitung auf verschiedenen Untergründen schreibe ich später ausführlich.

Der Unterputz kann dann tapeziert, gestrichen oder mit Fliesen verkleidet werden. Oder mit einem Oberputz versehen werden. Dieser Dekorputz gibt der Wand die gewünschte Struktur und Farbe. Beliebte Dekorputze sind zum Beispiel Rollputz und Reibeputz. Diese Putzarten werden nach ihrer Verarbeitungsweise benannt. Der Putz wird entweder mit einer Rolle aufgetragen oder mit einer Kelle verrieben. Wobei hier zahlreiche Putzstrukturen möglich sind.

Generell sind alle Varianten möglich: Nur Unterputz, nur Oberputz oder Unterputz und Oberputz. Welche für Sie in Frage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Vom Untergrund, vom Einsatzort oder ob auf den Putz eine weitere Beschichtung folgt.

Den richtigen Innenputz auswählen

Die Auswahl des Innenputzes sollten Sie nach folgenden vier Kriterien vornehmen:

  • Wie ist der Untergrund beschaffen?
  • Wo soll er verwendet werden?
  • Was kommt auf den Putz?
  • Welche Eigenschaften soll er besitzen?

Beim Verputzen der Innenwände trifft man auf die unterschiedlichsten Arten von Mauerwerk: Ziegel, Porenbeton, Kalksandstein oder Ytong. Insbesondere bei Altbauten auch auf Mischmauerwerk oder bei Fertighäusern auf Gipsplatten oder OSB-Platten. Alle Materialien lassen sich verputzen, bei manchen müssen jedoch einige Dinge beachtet werden.

Bei stark saugenden Untergründen wie Porenbeton oder porosierten Ziegeln ist eine Aufbrennsperre notwendig. Diese Grundierung setzt die Saugfähigkeit des Putzgrundes herab. Insbesondere Gipsputze können bei stark saugendem Untergrund  „Aufbrennen“, weil nicht mehr genügend Wasser zur Ausbildung von Gipskristallen zur Verfügung steht.

Auch bei Untergründen, die schwach oder sehr schwach saugend sind, ist eine Vorbehandlung notwendig. Bei Bauteilen aus Beton braucht es eine Haftbrücke, um die Haftung des Putzes zu verbessern. Das gilt wiederum insbesondere bei der Verwendung von Gipsputzen.

Kalkputz Badezimmer

Kalkputze eignen sich perfekt für das Bad. Foto: epr/Saint Gobain Weber

Welche Innenputze gibt es?

Innenputze nehmen an Wand und Decke eine relativ große Fläche ein und haben daher einen großen Einfluss auf das Raumklima oder die Raumwirkung. Sofern sie als Dekorputz zum Einsatz kommen. Bei der Auswahl sollten Sie daher genau darauf achten, was Ihnen am wichtigsten ist. Und natürlich auch die Gegebenheiten vor Ort mit in Ihre Überlegungen mit einbeziehen. Innenputze lassen sich grob in mineralische und organische gebundene Putze unterteilen. Bei glatten Oberflächen werden zudem gerne Dünnlagenputze verwendet.

Mineralisch gebundene Innenputze

Mineralische Innenputze werden nach ihrem Hauptbindemittel klassifiziert. Das kann im Innenbereich Gips, Kalk, Zement oder Lehm sein. Je nach Bindemittel können die Putze mehr oder weniger gut Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Sie tragen daher zu einem ausgeglichenen Raumklima bei. Das funktioniert natürlich nicht, wenn die Feuchteaufnahme durch Wandbekleidungen wie Fliesen oder durch Beschichtungen wie Latexfarbe verhindert oder behindert wird.

Für die Herstellung von mineralischen Innenputzen werden keine Lösemittel benötigt. Es handelt sich daher um ausgesprochen „gesunde“ Putze, da sie keine Schadstoffe abgeben. Wenn es richtig ökologisch sein soll, kommen häufig Lehmputze zum Einsatz. Doch auch Putze aus Kalk beeinflussen die Luftqualität ausgesprochen positiv. Wegen ihres günstigen Preises und weil sie überall im Innenbereich verwendet werden können, sind Putze auf Gipsbasis besonders weit verbreitet.

Die Struktur des mineralischen Innenputzes wird durch die verwendeten Sande und Feinanteile bestimmt. Gröbere Sande eignen sich insbesondere für gefilzte Oberflächen. Feinere Sandkörnungen werden verwendet, wenn es besonders glatt werden muss. Sie kommen meist bei Unterputzen zum Einsatz. Danach kann dann problemlos tapeziert oder gestrichen werden. Oder ein Dekorputz aufgetragen werden.

Gipsputze

Wie bereits geschrieben, sind Gipsputze die am meisten verwendeten Innenputze. Das liegt nicht nur am günstigen Preis, sondern sie lassen sich außerdem sehr gut verarbeiten. Sie eignen sich für trockene Räume und Feuchträume, nicht aber für Nassräume. Gelegentliche Spritzwasserbelastung, wie sie in heimischen Küchen und Badezimmern vorkommt, ist kein Problem. Anders sieht es bei ständiger Feuchtebelastung wie in öffentlichen Duschen oder Schwimmbädern aus. Hier weicht der Gipsputz mit der Zeit auf.

Gipsputze punkten durch ihre raumklimatischen Eigenschaften. Bis zu einem gewissen Umfang kann Gips Feuchtigkeit aufnehmen und später wieder abgeben. Die Luftfeuchtigkeit bleibt dadurch konstant. Außerdem fühlt sich der Putz stets warm an, was sich auf seine geringe Wärmeleitfähigkeit zurückführen lässt. Schimmeln kann Gipsputz ebenfalls nicht, da hierfür die organischen Inhaltsstoffe fehlen. Das heißt allerdings nicht, dass sie auf ausreichendes Lüften oder Wärmedämmung verzichten können.

Eigenschaften auf einem Blick:
  • Ökologisch und baubiologisch unbedenklich
  • Feuchtigkeitsregulierend
  • Nicht wasserabweisend
  • Atmungsaktiv und dampfdiffusionsoffen
  • Gutes Raumklima
  • Kostengünstiger Putz

Kalkputze

Kalkputz ist einer der ältesten Putze überhaupt. Er ist allerdings zwischenzeitlich etwas in Vergessenheit geraten. Vielleicht, weil er wesentlich teurer als Gipsputz ist. Seine Eigenschaften können es nicht sein, denn die sind durchweg positiv. So besitzen Kalkputze sehr gute feuchteregulierende Eigenschaften und sie können drinnen wie draußen gleichermaßen gut verwendet werden. Auch gegen einen Einsatz im Bad spricht nichts.

Etwas problematisch ist einzig die Verarbeitung, denn reiner Kalkputz ist stark alkalisch. Direkter Augen- und Hautkontakt muss daher beim Verarbeiten vermieden werden.  Auch Metallteile, Fensterverglasungen oder Umgebungsflächen sollten nicht mit dem feuchten Putz in Kontakt kommen. Also immer alles schön abdecken. Einen Vorteil hat der hohe pH-Wert dann doch – da Schimmelpilze eher das saure Milieu lieben, lässt sich Schimmel nicht auf Kalkputz nieder.

Eigenschaften auf einem Blick:
  • Ökologisch und baubiologisch unbedenklich
  • Äußerst diffusionsoffen
  • Sehr gutes Raumklima
  • Schimmelhemmend
  • Gute feuchtigkeitsregulierende Wirkung
  • Ätzend bei der Verarbeitung
  • Recht teuer

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Gipskalkputze

Gipskalkputze vereinen die Vorteile von Gipsputze und Kalkputzen in sich. Wegen des Gipsanteils lassen sie sich nur im Innenbereich verwenden und dort nur, wo keine ständige Feuchtigkeit zu erwarten ist. Der Putz kommt vorwiegend als Unterputz auf Mauerwerk zum Einsatz. Als Untergründe eignen sich Ziegel, Kalksandstein, Beton, Porenbeton oder Naturstein.

Durch den Kalkzusatz wirkt der Putz ätzend, er sollte daher nur mit Schutzkleidung wie Handschuhen und Brille verarbeitet werden. Generell wird er eher als Maschinenputz aufgetragen, da eine schnelle Verarbeitung notwendig ist. Bei einem saugfähigen Untergrund oder bei Mischmauerwerk ist eine Aufbrennsperre notwendig.

Eigenschaften auf einem Blick:
  • Klimaregulierend
  • Schnelle Abbindung
  • Brandhemmend
  • Schallhemmend
  • Angenehmes Wohnklima
  • Ätzend bei der Verarbeitung

Zementputze

Reine Zementputze kommen im Innenbereich eher selten zum Einsatz. Sie sind eher die Putze für ganz besonderen Fälle. Zum Beispiel wenn eine hohe Festigkeit verlangt sind oder mit einer außergewöhnlich hohen Feuchtebelastung zu rechnen ist. In der häuslichen Umgebung gibt es hier kaum Einsatzgebiete.

Zementputz erhärtet nicht wie Kalkputz durch Aufnahme von Kohlenstoffdioxid aus der Luft, sondern reagiert mit dem Anmachwasser und wird dadurch fest. Der Fachmann spricht von Hydratation. Das ist wie bei Beton oder Mörtel, die so ähnlich wie Zementputze hergestellt werden. Zement ist in allen Fällen das Bindemittel.

Eigenschaften auf einem Blick:
  • Sehr hohe Festigkeit
  • Für außergewöhnliche Feuchtebelastung
  • Im Innenbereich kaum gebräuchlich

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Kalkzementputze

Bei einem Kalkzementputz werden die Vorteile von Kalk und Zement miteinander vereint. Durch den Zementanteil sind die Putze druck- und abriebfester als Kalkputze. Der Kalkanteil macht sie schimmelresistent und wasserhemmend. Sehr gut eignet sich Kalkzementputz als Untergrund für Keramikfliesen. Aber auch als Unterputz für den weicheren Kalkputz wird er gerne verwendet. Er kann in Feucht- und Nassräumen problemlos verwendet werden.

Als Oberputz ist Kalkzementputz im Vergleich zum Kalkputz nicht ganz so positiv unterwegs. Er kann weniger Feuchtigkeit puffern und ist daher nicht ganz so gut für die Regulierung des Raumklimas geeignet. Dafür entwickeln die Putze ihre Festigkeitseigenschaften sehr reguliert. Außerdem erhärten sie auch auf feuchten Untergründen.

Eigenschaften auf einem Blick:
  • Ökologisch und baubiologisch unbedenklich
  • Hohe mechanische Belastbarkeit
  • Wasserabweisende Wirkung
  • Diffusionsoffene Oberfläche

Lehmputze

Lehmputz ist einer der ältesten Baustoffe überhaupt. Zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten, erfährt er derzeit eine Renaissance. Hauptverantwortlich hierfür sind seine tollen Eigenschaften hinsichtlich des Raumklimas, und dass er durch und durch ökologisch ist. So kann er zum Beispiel neunmal mehr Feuchtigkeit aufnehmen als Gipsputz. Außerdem sind Lehmputze hervorragende Wärmespeicher.

Ein Nachteil ist sicherlich, dass Lehmputze wasserlöslich sind. Sie können daher im Außenbereich nur dort eingesetzt werden, wo sie nur wenig der Witterung ausgesetzt sind. Als Innenputz sind sie sogar für das Badezimmer geeignet. Sofern sie nicht im Spritzwasserbereich der Dusche oder Badewanne verwendet werden.

Eigenschaften auf einem Blick:
  • Ökologisch und baubiologisch unbedenklich
  • Allergene und Feinstäube werden minimiert
  • Klima- und feuchteregulierend
  • Wärmedämmend
  • Diffusionsoffen
  • Wasserlöslich

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Mineralische Edelputze

Die mineralischen Edelputze passen nicht ganz in diese Reihe, da sie sich nicht eindeutig einem Bindemittel zuordnen lassen. Meist werden sie jedoch mit Kalk oder einer Kalk-Zementmischung gebunden. Über die verschiedenen Eigenschaften habe ich bereits in den Kapiteln zuvor geschrieben.

Als Dekorputz sind sie für die Optik der Wand zuständig. Das geschieht durch Zusatz verschiedener Farben oder aber auch durch verschiedene Putzstrukturen wie Scheibenputz, Rauputz, Edelfeinputz oder Kratzputz. Übrigens: Mineralische Edelputze für außen können in der Regel ohne Einschränkungen auch für den Innenbereich verwendet werden.

Eigenschaften auf einem Blick:
  • Bestimmen die Optik
  • In vielen Farben erhältlich
  • Viele Putzstrukturen möglich

Organisch gebundene Innenputze

Bei den Innenputzen aus organischen Bindemitteln handelt es sich um Kunstharzputzen. Die Kunstharze im Putz sorgen für den notwendigen Zusammenhalt, wie es beim Mineralputz Kalk, Gips, Zement oder Lehm machen. Kunstharzputze werden nicht auf der Baustelle zusammengerührt, sondern sind bereits gebrauchsfertig. Die Kunstharze sind als Dispersion in den Putzen enthalten – man spricht daher auch von Dispersionsputzen.

Kunstharzputze haben einige Vorteile gegenüber Mineralputzen. Sie sind zum Beispiel sehr elastisch und können Bewegungen des Untergrunds sehr gut ausgleichen. Das senkt die Gefahr von Putzrissen. Sie haften außerdem sehr gut auf verschiedenen Untergründen und härten schneller aus. Außerdem können sie dünner aufgetragen werden als mineralische Innenputze.

Aber: Aus Kunstharzputzen können flüchtige organische Stoffe in den Innenraum emittieren. Inwieweit das gesundheitsschädlich ist, möchte ich hier nicht beurteilen. Gut fürs Raumklima wird es aber wohl nicht sein. Zumal die Putze sehr wasserabweisend sind und kaum Wasserdampf aufnehmen. Das sind nicht die besten Voraussetzungen für einen Innenraumeinsatz.

Wesentlich diffusionsoffener sind hingegen Silikatputze, die als Bindemittel Kali-Wasserglas und Kunstharzdispersion besitzen, wobei die Kunstharze einen sehr geringen Teil ausmachen. Mit solchen Putzen wird versucht, die Nachteile der beiden Putzarten Mineralputz und Kunstharzputz auszugleichen. Damit ein Silikatputz erhärtet (verkieselt), braucht es einen geeigneten mineralischen Untergrund.

Eigenschaften auf einem Blick:
  • Sehr elastisch
  • Kaum rissgefährdet
  • Erhärten schnell
  • Wasserabweisend (außer Silikatputze)
  • Flüchtige organische Stoffe gasen aus

Dünnlagenputze

Dünnlagenputze sind besonders dünn aufgetragene Putze für den Innenbereich. Normalerweise beträgt die Schichtdicke bei einlagigem Innenputz zehn Millimeter, bei Dünnlagenputzen sind hingegen nur drei bis fünf Millimeter notwendig. Sie können nur bei besonders ebenen Putzgründen wie planebenen Betonteilen, Kalksandstein und Porenbeton in Blöcken oder Plansteinen verwendet werden.

Bei Dünnlagenputzen handelt es sich um spezielle Gips-, Gipskalk- oder Kalkzementputze. Ihr Vorteil liegt sicherlich bei der Materialeinsparung. Allerdings muss im Vorfeld sehr genau gearbeitet werden. Sobald zu große Unebenheiten auftreten, können diese nicht mehr mit dem Putz ausgeglichen werden. Auch im Hinblick auf die Verlegung von Elektro- oder Wasserleitungen gibt es einiges zu beachten.

Eigenschaften auf einem Blick:
  • Weniger Materialverbrauch
  • Schnellere Trocknung
  • Besonders ebene Untergründe notwendig