OSB-Platten sind hierzulande noch ein vergleichsweise „neuer“ Baustoff. In den USA schon lange verbreitet, kommen die Platten bei uns erst seit Mitte der 90er Jahre vermehrt zum Einsatz. Und zwar zur Wandverkleidung innen und außen oder als Bodenbelag. Insbesondere bei Verwendung als Wandbeplankung im Innenbereich stellen sich immer wieder einige Fragen: Lassen sich OSB-Platten streichen oder lackieren – tapezieren oder fliesen? Hier die Antworten.

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OSB-Bauplatte für die Wandverkleidung (Foto: Egger Holzwerkstoffe)

Allgemeines zu OSB-Platten

Das OSB in den Platten steht für Oriented Strand Board, es handelt sich dabei um Spanplatten mit gerichteten Spänen. Die Platten werden aus langen, schlanken Spänen und Leim unter hohem Druck und hohen Temperaturen verpresst. Durch die relativ großen Späne besitzen OSB-Platten eine höhere Biegefestigkeit als herkömmliche Spanplatten. Außerdem ist der Wasserdampfdiffusionswiderstand durch den hohen Kleberanteil recht groß, weshalb die Platten auch als Alternative zur Dampfbremse zum Einsatz kommen.

OSB-Platten besitzen häufig einen dreischichtigen Aufbau. In diesem Fall orientieren sich die Mittelschichtspäne quer und die Deckschichtspäne längs der Herstellrichtung. Das führt dazu, dass die Biegefestigkeit der Platten in Längsrichtung deutlich höher als in Querrichtung ist.

Verwendung

OSB-Platten kommen beim Rohbau und im Innenausbau vielfältig zum Einsatz. Mit ihnen werden Wände oder Dächer beplankt, im Fußbodenbereich dienen sie als Verlegeplatte mit Nut- und Federsystem. Wegen der markanten Optik gerne auch als Sichtfußboden, wobei bei Fußbodenheizungen Vorsicht geboten ist. Dort funktionieren nur spezielle Platten, die nicht einseitig austrocknen und sich verziehen. Wegen der guten Tragfähigkeit, werden auch Regale oder Gestelle aus OSB-Platten hergestellt. Zudem kommen sie als Betonschalung oder für Verpackungskisten zum Einsatz.

Qualitäten

Je nach Anwendungsbereich unterscheidet die Norm EN 300 vier verschiedene Plattentypen:

OSB/1 Platten für allgemeine Zwecke und Inneneinrichtungen im Trockenbau.
OSB/2 Platten für tragende Zwecke im Trockenbau (nicht mehr im Handel)
OSB/3 Platten für tragende Zwecke im Feuchtbereich
OSB/4 Hochbelastbare Platten für tragende Zwecke im Feuchtbereich

Verschiedene Maße

OSB-Platten sind in verschiedenen Größen und Dicken erhältlich. Gängige Stärken liegen zwischen 8 Millimetern und 30 Millimetern. Die Breiten fangen bei rund 60 Zentimetern an, lang sind die Platten ab 2,50 Metern – es gibt aber auch welche in 5 Metern Länge.  Außerdem sind OSB-Platten mit Nut und Feder sowie mit gerader Kante erhältlich, zudem mit geschliffener oder ungeschliffener Oberfläche erhältlich. Es zudem welche, die mit Melaminharz beschichtet sind, zum Beispiel für Schalungsplatten.

Vorarbeiten

Bevor Sie die OSB-Platten verarbeiten oder in irgendeiner Weise mit Farbe, Lack oder Putz ran gehen, sollten Sie die Platten erst einmal für 48 Stunden dort lagern, wo sie zum Einsatz kommen. So können sie sich akklimatisieren und die Feuchtigkeit der Umgebung annehmen.

OSB-Platten streichen

OSB-Platten lassen sich je nach Bedarf:

  • Lasieren
  • Lackieren
  • Ölen
  • Wachsen
  • Streichen

Allerdings sollten Sie dabei einiges beachten. Die Oberfläche muss zum Beispiel staub- und fettfrei, saugfähig und trocken sowie geschliffen sein. Ungeschliffene OSB-Platten sind daher nicht unbedingt zu empfehlen – es sei  denn, Sie wollen sich die Mühe des Abschleifens machen. Besser geeignet sind zudem OSB-Platten mit Nut und Feder. Bei glattkantigen OSB-Platten müssen Sie schauen, ob die Stoßfugen eventuell einen Höhenunterschied besitzen und diesen gegebenenfalls beischleifen.

Wollen Sie die OSB-Platten deckend lackieren oder streichen, sollten Sie die Platten zunächst mit einer Grundierung vorbehandeln. Durch den Sperrgrund verhindern Sie, dass die in den Platten enthaltene Gerbsäure durchschlägt, außerdem haften Farbe oder Lack besser. Damit sich die Platten nicht einseitig verziehen, kann es bei stark wasserhaltigen Farben und Lacken ratsam sein, auch die Rückseite der OSB-Platten mit einer Grundierung zu versehen. Sie verhindert, dass die Platten beim Streichen aufschüsseln.

Je nach Größe der Fläche, können Sie die OSB-Platten wahlweise mit Pinsel oder einer Farbwalze streichen. Gegebenenfalls sind mehrere Streichdurchgänge notwendig, bis die Struktur der Platte nicht mehr sichtbar ist.

OSB-Platten tapezieren

OSB-Platten lassen sich nicht direkt tapezieren. Das liegt an der großen Menge Tapetenkleister, der dafür verwendet wird. Das darin enthaltene Wasser lässt die Platten aufquellen, so dass die Tapete an den Plattenstößen aufreißt. Über Umwege kann eine OSB-Platte aber dennoch mit Tapete versehen werden. Zum Beispiel mit Hilfe eines rissüberbrückenden Armierungsgewebes, dass Sie aufkleben und verspachteln müssen. Sie können aber auch eine Gipsbauplatte über der OSB-Platte befestigen, dann klappt das mit dem Tapezieren ebenfalls problemlos.

OSB-Platten fliesen

Keramische Beläge lassen sich nicht so ohne weiteres auf OSB-Platten verlegen, dafür sind die elastischen Holzwerkstoffe und die starren Fliesen zu unterschiedlich in ihren Eigenschaften. Das Problem liegt vor allem bei den Plattenstößen. Durch Quellen und Schwinden der Platten kann es hier zu Rissen in den Fliesen kommen.

Für Abhilfe sorgt hier gegebenenfalls eine Entkopplungsmatte, sie sorgt dafür, dass OSB-Platten und Fliesen keinen direkten Kontakt miteinander bekommen. Es gibt auch spezielle Abdichtungs- und Entkopplungsbahnen, damit ist der Untergrund ausreichend dicht und außerdem bereit zum verfliesen. Wichtig ist zudem die Verwendung des richtigen Fliesenklebers. Dieser muss sehr flexibel sein – es eignen sich kunststoffvergütetet Flexkleber und Flexfugenmörtel. Die OSB-Platten sollten im Fußbodenbereich mindestens 25 Millimeter und im Wandbereich mindestens 18 Millimeter dick sein.

OSB-Platten verputzen

Beim Verputzen von OSB-Platten treten im Prinzip die gleichen Probleme wie beim Fliesen der Platten auf – sie können Feuchtigkeit aufnehmen und es kann zu Rissen kommen. Das sind aber keine Probleme, die sich nicht in Griff bekommen lassen. So ist es sowohl im Innen- als auch im Außenbereich möglich, OSB-Platten zu verputzen.

Im Bad oder im Außenbereich braucht es eine entsprechende Abdichtung, damit keine Feuchtigkeit in die OSB-Platten gelangt.  Das kann ein Anstrich sein oder die bereits bei den Fliesen erwähnten Abdichtungs- und Entkopplungsbahnen. Wo keine Abdichtung nötig ist, braucht es zumindest Haftvermittler und Putzträger, damit der Putz an der Wand bleibt. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie auf die OSB-Platten Gipsbauplatten schrauben. Das ist allerdings die teuerste Variante.

Wie sieht es in Feuchträumen aus?

Im Badezimmer kommt es vor allem darauf an, dass die OSB-Platten keiner dauerhaften Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Sie müssen hier ganz besonders auf eine sorgfältige Abdichtung und Versiegelung achten. Das gilt insbesondere für die Bereiche rund um die Sanitäranschlüsse und in den Spritzwasserbereichen an Dusche und Badewanne. Im Bad sollten Sie unbedingt die für den Feuchtraumbereich geeignete OSB/4-Platten verwenden.

 

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