Das Problem von Schimmel in der Wohnung hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Ursache kann ein falsches Lüftungsverhalten, eine schlechte Dämmung oder eine unzureichend angebrachte oder gar fehlende Dampfsperre bzw. Dampfbremse sein. Ich möchte an dieser Stelle die Wirkungsweise und Unterschiede dieser Baufolien einmal näher betrachten.

Dampfbremse anbringen

Dampfbremse anbringen. Foto: pro clima

Warum Dampfbremsen und Dampfsperren verwendet werden

Dampfbremsen und Dampfsperren sorgen einerseits für trockene Wände, andererseits gibt es aber auch immer wieder Probleme mit ihnen, weil sie falsch verwendet werden. Dass solche Folien so häufig verwendet werden, liegt auch an der Energieeinsparverordnung. Diese verlangt eine luftdichte Gebäudehülle und bestens gedämmte Häuser.

Durch solche Wände bzw. Dächer kommt keine Feuchtigkeit mehr nach draußen. Wenn sie auf ihrem Weg dorthin nicht aufgehalten wird, setzt sich die Feuchtigkeit jedoch in der Dämmung bzw. der Wand- oder Dachkonstruktion fest. Ist es erst einmal so weit, dann ist der Schimmelschaden nicht mehr fern. Zumal eine feuchte Dämmschicht ihre Dämmwirkung verliert.

Der kleine Unterschied zwischen Dampfbremse und Dampfsperre

Dampfsperren bzw. Dampfbremsen verhindern, dass die Feuchtigkeit Schaden anrichten kann. Dabei funktionieren die beiden Folien auf unterschiedliche Weise. Während die Dampfsperre überhaupt keine Feuchtigkeit durchlässt, kann sie bei Dampfbremsen in dosierten Mengen durchschlüpfen. Und das in beide Richtungen, so dass eine feuchte Konstruktion auch wieder austrocknen kann.

Nicht immer jedoch darf eine Dampfbremse verwendet werden, manchmal muss man auch zu rigorosen Mitteln – also zu einer Dampfsperre greifen. Im Folgenden soll kurz erläutert werden, wann eine Dampfbremse und wann eine Dampfsperre zum Einsatz kommen muss.

Was ist der Sd-Wert?

Im Zusammenhang mit diesen beiden Baufolien ist der Sd-Wert eine wichtige Kenngröße. Dieser steht für die diffusionsäquivalente Luftschichtdicke und wird in Metern angegeben. Der Sd-Wert ist ein rein virtueller Wert. Ist er zum Beispiel mit der Zahl 5 angegeben, bedeutet das, dass Wasserdampf bei der Wanderung durch die Folie ebenso viel Zeit benötigt, wie durch eine fünf Meter breite Luftschicht.

Je größer der Wert, desto mehr nähert sich die Baufolie einer Dampfsperre an. Übersteigt er einen Wert von 1.500, darf von Dampfsperre gesprochen werden. Alles darunter zählt zur Gattung der Dampfbremsen. Die Entscheidung, ob Dampfsperre oder Dampfbremse hängt u.a. von den verwendeten Materialien ab.

Dampfsperren sind fehleranfällig

Auf den ersten Blick könnte man jedoch meinen, dass mit dem Anbringen eine Dampfsperre alle Probleme gelöst wären. Kommt keine Feuchtigkeit in die Konstruktion, kann auch nichts schimmeln. Das mag in der Theorie so zutreffen, doch in der Praxis sieht es etwas anders aus. Da ist dann vielleicht noch Feuchtigkeit in der Konstruktion vorhanden, die wegen der Dampfsperre nicht mehr entweichen kann. Und schon hat der Schimmel freie Bahn.

Auch wenn die Dampfsperre ein Leck hat, gelangt Feuchtigkeit in die Wand oder in das Dach. Wenn möglich, wird heutzutage daher auf diffusionsoffene Materialien und damit eine Dampfbremse zurückgegriffen.

Die Wanderung der Feuchtigkeit ist keine Einbahnstraße

Während früher die Diffusionsfähigkeit der verwendeten Materialien von innen nach außen stetig zugenommen hat, sieht das bei modernen Wandaufbauten häufig anders aus. Diese sind nach beiden Seiten diffusionsoffen. Das macht Sinn, findet die Feuchtewanderung je nach Jahreszeit und Witterungsbedingungen mal in die eine und mal in die andere Richtung statt.

Die Wanderung der Feuchtigkeit ist also keine Einbahnstraße, sondern ein dynamischer Prozess. Im Sommer wandert die Feuchtigkeit zum Beispiel bevorzugt von draußen nach drinnen. Da herrscht im Außenbereich eine hohe Luftfeuchtigkeit, während es im Haus eher trocken und kühl ist. Im Winter kehrt sich die Situation um, da will die feuchte und warme Heizungsluft nach draußen in die Kälte. Herrschen solche dynamischen Zustände vor, ist die Dampfbremse die bessere Wahl.

Sonderfälle Kühlhaus und Dampfbad

Manchmal ist es jedoch eindeutig, in welche Richtung die Feuchtigkeit transportiert wird. Bei solch statischen Lastfällen, wie der Fachmann sie bezeichnet, muss eine Dampfsperre angebracht werden. Ein statischer Lastfall herrscht beispielsweise bei einem Kühlhaus vor. Dort ist es immer kälter als draußen, die Feuchtigkeit möchte also immer ins Kühlhaus gelangen. Dies wird durch eine Dampfsperre verhindert, die auf der warmen Seite, beim Kühlhaus also außen, vorgesehen werden muss.

Das Gegenteil vom Kühlhaus ist das Dampfbad. Hier braucht es ebenfalls eine Dampfsperre, in diesem Fall allerdings auf der Innenseite der Wände. Eine Dampfsperre ist ebenfalls dann angesagt, wenn der Feuchtetransport nur in eine Richtung funktioniert. Als Beispiel lässt sich hier die Kelleraußenwand nennen, die auf der einen Seite mit einer Bitumendickbeschichtung abgedichtet wurde.

Feuchtadaptive Dampfbremsen als Lösung bei Problemen mit der Feuchtigkeit

Eine neue Entwicklung der vergangenen Jahre sind die sogenannten feuchteadaptiven Dampfbremsen, die auch als „Klimamembrane“ bezeichnet werden. Diese intelligenten Baufolien haben eine variable Dampfdurchlässigkeit. Je nach Jahreszeit und vorherrschender Luftfeuchtigkeit, verändert die feuchteadaptive Dampfbremse ihren Sd-Wert. Wirkt die Folie im Winter fast wie eine Dampfsperre, die nur wenig Feuchtigkeit durchlässt, ändert sich das im Sommer radikal. Auf einmal ist die Dampfbremse extrem diffusionsoffen.

So kann die sich im Winter angesammelte Feuchtigkeit wieder entweichen und verdunsten. Die feuchteadaptive Dampfbremse funktioniert allerdings nur, wenn der Dämmstoff dampfdurchlässig ist. Zum Einsatz kommen diese Baufolien bevorzugt bei der Steildachdämmung. Insbesondere bei der Aufsparrendämmung kann sie ihre Vorzüge ausspielen. Die feuchteadaptive Dampfbremse wird in diesem Fall über die Sparren geführt.

Klimamembran im Langzeittest

Die diffusionsoffene Vario Klimamembran von Isover ist solch eine intelligente Dampfbremse. Der Hersteller hat seine Klimamembran einem Langzeittest unterzogen. Dabei wurden 2007 zwei feuchte Holzstücke luftdicht eingepackt – einmal in die Klimamembran und einmal in eine herkömmliche PE-Folie. Nach 10 Jahren das Ergebnis: Das in PE-Folie eingepackte Holz ist von Holzfäule und Schimmel befallen, das in der Klimamembran verpackte Stück blieb unverseht. Eben weil die feuchteadaptive Dampfbremse Feuchtigkeit abführen kann. So konnte das Holzstück austrocknen und blieb dann all die Jahre trocken.

Isover Klimamembran

Der in Vario verpackte Holzklotz ist nach 10 Jahren noch völlig unversehrt. Beide Holzteile wurden mit Vario Multitape verschlossen.

verrottetes Holz

Holzfäule und Schimmel haben dem in PE-Folie gelagerten Holz deutlich zugesetzt

Fotos: ISOVER