Soll das Dachgeschoss nicht als Wohnraum genutzt werden, reicht in der Regel eine Dämmung der obersten Geschossdecke aus. Nur den Dachboden zu isolieren ist wesentlich günstiger und einfacher als das Dämmen der Dachschrägen. Gleichwohl müssen Sie einige Dinge beachten. Welche das sind, erfahren Sie in diesem Beitrag.

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Oberste Geschossdecke mit Rigidur-Verbundplatten dämmen (Foto: epr/Rigips

Das sagt das Gesetz

Gleich die gute Nachricht vorneweg: Wohnen Sie bereits seit mindestens 1. Februar 2002 in Ihrem Haus, brauchen Sie nichts zu unternehmen. Verkaufen Sie es allerdings, muss der Nachbewohner innerhalb von zwei Jahren den Dachboden dämmen. Gleiches gilt, wenn Sie ein Haus kaufen.

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) schreibt vor, dass entweder die oberste Geschossdecke oder die Dachschräge gedämmt sein müssen. Das gilt, wenn folgende Aussagen zutreffen:

Die Räume unter dem Dachboden:

  • Werden mindestens vier Monate lang beheizt
  • Werden auf mindestens 19 Grad Celsius beheizt

Die oberste Geschossdecke:

  • Grenzt an den unbeheizten Dachraum und ist zugänglich
  • Erfüllt nicht die Mindestanforderungen der DIN 4108, Teil 2

Insbesondere der letzte Punkt ist ziemlich interessant, denn da drängt sich sofort die Frage auf:

Muss ich überhaupt dämmen?

Schauen wir uns die DIN 4108 einmal näher an, in der es um den Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden geht. In Teil 2 werden die Mindestanforderungen an den Wärmeschutz verschiedener Bauteile angegeben.

Uns interessiert der Abschnitt über Decken zu nicht beheizten Räumen.  Die Vorgaben sind:

flächenbezogene Masse
[kg/m²]
Deckenart Wärmedurchlass-
widerstand R [m²*K/W]
Wärmedurchgangs-
koeffizient u [W/(m²*K]
> 100 Massivdecke > 0,90 < 0,81
< 100 Holzbalkendecke > 1,75 < 0,48

Werden die U-Werte aus der letzten Spalte eingehalten, besteht keine Pflicht, die oberste Geschossdecke nachträglich zu dämmen. Viele Decken erreichen diesen Wert bereits, insbesondere weil Holzbalkendecken in der Regel bereits gedämmt sind.

Allerdings:  Dieser Wert reicht alleine dazu aus, um Bauschäden durch Tauwasser zu vermeiden – Energie lässt sich damit nicht sparen. Sie sollten daher gut überlegen, ob Sie damit zufrieden sind.

Doch welchen U-Wert hat meine Decke? Hier wird in der Regel mit Pauschalwerten gearbeitet. Für nicht nachträglich gedämmte oberste Geschossdecken gelten folgende Werte:

Alter des Gebäudes
Bis

1918

1919

1948

1949

1957

1958

1968

1969

1978

1979

1983

1984

1994

Ab

1995

Pauschalwerte für den Wärmedurchgangskoeffizienten in W/(m²K)
Massive Decke 2,1 2,1 2,1 2,1 0,6 0,6 0,3 0,3
Holzbalkendecke 1,0 1,0 0,8 0,7 0,6 0,4 0,3 0,3

Sie sehen – insbesondere neuere Gebäude benötigen in der Regel keine Geschossdeckendämmung nach DIN 4108. Hier greift die EnEV dann nicht. Bevor Sie jubelnd abdrehen, sollten Sie sich jedoch noch das nächste Kapitel durchlesen.

Wenn Sie sich generell mit dem U-Wert beschäftigen wollen, hier geht es entlang.

Was bringt die Geschossdeckendämmung?

Eine Dämmung der obersten Geschossdecke hat einige Vorteile:

  • So reduzieren Sie zum Beispiel die Schimmelgefahr, da sich die Oberflächentemperatur bei den gedämmten Bauteilen erhöht. Das gilt insbesondere bei Decken aus Beton.
  • Eine Dachbodendämmung erhöht zudem den sommerlichen Wärmeschutz. Die obersten Wohnräume erwärmen sich während der Hitzeperiode nicht so stark.
  • Natürlich spart die Dämmung auch Energie, Sie können damit rechnen, dass sich die Investitionskosten bereits nach sieben bis 13 Jahren amortisieren – bei einer Lebensdauer von mehr als 30 Jahren.

Dachboden begehbar oder nicht begehbar?

Bevor Sie Ihren Dachboden isolieren, müssen Sie zunächst entscheiden, ob das Dachgeschoss später begehbar sein soll oder nicht.

Eine nicht begehbare Dachgeschossdämmung ist:

  • Günstiger
  • Einfacher zu verlegen

Eine begehbare Dachgeschossdämmung ist notwendig, wenn:

  • Sie den Dachboden öfter betreten
  • Den Dachboden als Lagerfläche nutzen

Rechnen Sie bei einer nicht begehbaren Dämmung mit Kosten ab 14 Euro pro Quadratmeter, soll der Dachboden begehbar sein, kommen auf Sie Kosten von mindestens 40 Euro pro Quadratmeter auf Sie zu. Allerdings gewinnen Sie dadurch wertvolle Lagerfläche.

Mit oder ohne Dampfbremse?

Ob bei der Dämmung der obersten Geschossdecke eine Dampfbremse oder gar Dampfsperre notwendig ist, wird in diversen Bauforen heiß diskutiert und führt immer wieder zu Nachfragen. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn ein Baufachmann sich Ihre Decke vor Ort anschaut und eine bauphysikalische Berechnung durchführt. Denn eine allgemeingültige Antwort dazu gibt es nicht.

Es spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:

  • Handelt es sich um eine Beton- oder Holzbalkendecke?
  • Ist der Dachraum gut durchlüftet oder steht die Luft?
  • Soll die Dämmung begehbar sein oder nicht?
  • Wo liegt der Taupunkt?
  • Gibt es bereits eine Dämmung der Dachschräge?

Sie sehen, es ist nicht so einfach, aus der Ferne die richtigen Tipps zu geben. Einige grundsätzliche Dinge möchte ich jedoch dennoch erwähnen.

Folie bei begehbaren Decken nötig

Wenn Sie den Dachboden begehbar machen wollen, werden Sie vermutlich eine Dampfbremse oder Dampfsperre benötigen. Die Platten, die dafür verwendet werden, haben eine dampfbremsende Wirkung, so dass sich dort von unten eindringende Feuchtigkeit stauen kann. Wenn Sie dann noch einen dampfdichten Vinylboden darauf verlegen, ist die Sache sowieso klar.

Sie können eventuell auf eine Folie verzichten, wenn  Sie zwischen den Platten oder Rauspund-Brettern einen Luftspalt lassen. Aber in diesem Fall sollten Sie unbedingt einen Fachmann zurate ziehen.  Im Vergleich zu Holzbalkendecken sind Betondecken nicht so stark gefährdet, was Feuchteschäden angeht.

Wo anbringen?

Dampfbremsen und Dampfsperren werden grundsätzlich auf der warmen Seite angeordnet. Im Falle der Dachbodendämmung ist das unter dem Dämmstoff also direkt auf der Geschossdecke oder bei Holzbalkendecke um die Balken herum. Wichtig ist, dass die Folie vollflächig verlegt wird. Sobald Sie hier schludern, drohen Feuchtigkeitsschäden. Gefährdet sind hier insbesondere Holzbalkendecken.

Auf eine Dampfbremse oder Dampfsperre können Sie in der Regel verzichten, wenn Feuchtigkeit durch die Dämmung hindurch nach oben durch den Dachraum verschwinden kann – also meist bei nicht begehbaren Flächen. Das funktioniert aber nur, wenn der Dachraum gut  durchlüftet ist.  Gut durchlüftet bedeutet zum Beispiel:

  • Es gibt einen Lüfterfirst und einen Luftdurchgang durch die Traufe
  • In der Dachfläche sind Lüftersteine vorhanden
  • Es gibt keine Unterspannbahn und der Wind pfeift durch die Fugen der Dachziegel

Ist keine solche natürliche Entlüftung vorhanden, besteht die Gefahr, dass sich feuchte Luft im Dachraum staut und für Schäden sorgt – zum Beispiel an den Dachbalken.

Dampfbremse oder Dampfsperre?

Die Frage ob Dampfsperre oder Dampfbremse lässt sich nur mit einer bauphysikalischen Berechnung genau klären. Hier kommt der Sd-Wert der Folien ins Spiel. Je niedriger der Wert, desto mehr Feuchtigkeit kann diffundieren. Wird er zu niedrig gewählt, drohen Schäden in der Konstruktion.

Ist der Sd-Wert so hoch, dass kaum oder gar keine Feuchtigkeit mehr durchgeht, wird von Dampfsperren gesprochen. Sie haben den Vorteil, dass die Konstruktion trocken bleibt, sofern der Einbau korrekt ist.

Allerdings verschlechtert sich das Raumklima in den Räumen unter dem Dachboden – dort nimmt die Feuchtigkeit zu. Das lässt sich jedoch durch regelmäßiges Lüften korrigieren. Ist aber wahrscheinlich der sichere Weg, wenn auf eine genaue Berechnung verzichtet wird.

Welche Materialien eignen sich?

Für die Dachgeschossdämmung eignen sich fast alle Dämmmaterialien – von Mineralwolle über EPS bis hin zu Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Hanf, Flachs oder Holzfasern.

Soll der Dachboden nicht begehbar sein, eignen sich insbesondere Matten oder Platten aus Mineralwolle, Steinwolle oder organischen Fasern. Es empfiehlt sich, zwei Lagen versetzt zueinander zu verlegen, um Wärmebrücken zu vermeiden. Alternativ eignen sich Platten mit Falz bzw. Nut und Feder.

Soll der Boden begehbar sein, können Sie die Matten zwischen Kanthölzer klemmen und darüber dann OSB- oder Spanplatten schrauben.  Bei druckfesten Dämmstoffen wie Styrodur oder Polyurethan können Sie auf Traghölzer verzichten. Einfach OSB- oder Spanplatten drüberlegen – fertig.

Besonders einfach zu verlegen sind spezielle Dachboden-Verbundelemente. Sie besitzen bereits ab Werk einen begehbaren Belag. Sie sind in verschiedenen Dämmstoffstärken erhältlich.

Besitzt Ihr Dachboden Hohlräume, dann bietet sich eine Einblasdämmung an. Das geht schnell und ohne größeren Aufwand. Es braucht nur einige kleinere Öffnungen, durch die Zellulose oder ein anderes Material geblasen wird. Hohlräume lassen sich auch nachträglich bauen. Hier erfahren Sie mehr über die Einblasdämmung.

Welche Dämmstärke?

Wie dick die Dämmschicht sein muss, hängt von der Wärmeleitfähigkeit des verwendeten Dämmstoffs ab. Je kleiner der WLS-Wert, desto geringer die notwendige Dämmstärke.

Bei Verwendung eines herkömmlichen Dämmstoffs der WLS  035 ist diese Anforderung eines U-Werts von 0,24 W/m²K in der Regel erfüllt, wenn auf dem Dachboden durchgehend eine Dämmschicht von etwa 16 cm Dicke verlegt wird.

Entsprechend benötigen Sie eine dickere oder dünnere Dämmung, wenn Sie einen Dämmstoff mit einer WLS von mehr oder weniger als 035 verwenden.

Mit einem U-Wert-Rechner können Sie die Dämmstärke genau berechnen. Dieser hier ist absolut empfehlenswert.

Anleitung oberste Geschossdecke dämmen

Im folgenden Video von Eurobaustoff wird gezeigt, wie die oberste Geschossdecke gedämmt wird:

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