Bereits seit über 50 Jahren sind Styrodurplatten ein Synonym für Hartschaumplatten mit besten Dämmeigenschaften und eine hohe Druckfestigkeit. Hier erfahren Sie alles über Styrodur – wie und wofür man es verwendet, wie es verarbeitet wird, welche Varianten erhältlich sind und wie das Sie es entsorgen können.

Styrodur bei Umkehrdach

Verwendung von Styrodur bei einem Umkehrdach (Foto: SAINT-GOBAIN ISOVER G+H / BASF SE)

Was ist Styrodur?

Styrodur® ist ein Markenname der BASF, die den grünen Dämmstoff bereits seit 1964 produziert. Technisch betrachtet, handelt es sich um einen XPS-Hartschaum. XPS ist das Kürzel für extrudiertes Polystyrol.

Das unterscheidet den Hartschaum von Styropor. Das ist ebenfalls eine Marke der BASF, besteht ebenfalls aus Polystyrol, allerdings um expandiertes Polystyrol (EPS). Während das eine eher weich und wasserempfindlich ist, glänzt XPS und damit auch Styrodur durch eine sehr hohe Druckfestigkeit und geringe Wasseraufnahme.

Bei Styropor sind die einzelnen Polystyrol-Kügelchen noch problemlos mit bloßem Auge zu erkennen, das ist bei Styrodur anders. XPS ist aus sehr viel kleineren Teilchen zusammengesetzt und hat ein besonders dichtes, geschlossenes Zellgefüge. Die Rohdichte von Styrodurplatten liegt in der Regel zwischen 20 und 50 Kilogramm pro Kubikmeter.

Welche Eigenschaften haben Styrodurplatten?

Wie bereits geschrieben, besteht Styrodur aus geschlossenen Zellen, daher nimmt der extrudierte Hartschaum kaum Wasser auf. Steht der Dämmstoff dauerhaft im Wasser, kann er zwar etwas Feuchtigkeit aufnehmen, das ist aber gar nichts im Vergleich zu EPS oder gar Mineralwolle.

Da Styrodurplatten kaum Wasser aufnehmen, sind sie ziemlich verrottungsfest. Wo keine Feuchtigkeit, da auch kein Nährboden für Mikroorganismen. Der Extruderschaum ist zudem auch resistent gegen Chemikalien, die in der Luft oder im Boden vorkommen. Streusalz kann den Platten zum Beispiel nichts anhaben.

Die Wärmeleitfähigkeit λ von Styrodurplatten liegt zwischen 0,033 und 0,037 W / (m*K). Das Material dämmt damit besser als die meisten anderen Dämmmaterialien. Es gibt wenige Dämmstoffe, die das besser können. Hier erfahren Sie mehr zu dem Thema.

Kommen wir zu dem hauptsächlichen Grund, warum Styrodurplatten so beliebt sind – der Druckfestigkeit. Sie sind so druckfest, dass selbst mehrstöckige Häuser sie kaum stauchen können. Styrodur ist für Vertikallasten bis 35,5 Tonnen pro Quadratmeter und Horizontallasten bis 7,1 Tonnen pro Quadratmeter zugelassen. Das ist jede Menge.

Das ist sogar so gut, dass Styrodur der erste Dämmstoff weltweit ist, der für die Abtragung von Horizontallasten durch Erdbeben zugelassen ist. Das Material eignet sich daher perfekt für die Verwendung in erdbebengefährdeten Gebieten.

Hier die Eigenschaften von Styrodur auf einen Blick:

  • Hohe Druckfestigkeit
  • Alterungs- und verrottungsbeständig
  • Geringe Wasseraufnahme
  • Hervorragende Dämmeigenschaften
  • Schützt vor Wärme, Kälte, Feuchtigkeit
  • Niedriges Eigengewicht
  • Lässt sich bei jeder Witterung verlegen

Wofür werden Styrodurplatten verwendet?

Ob unter der Bodenplatte, für Decke, Wand oder Dach, für einen Pool oder als Perimeterdämmung, Styrodurplatten kommen auf dem Bau vielfältig zum Einsatz. Nachfolgend alle Einsatzgebiete, wie sie vom Hersteller angegeben werden:

Anwendungs-
Gebiet
Kurzzeichen Beschreibung
Decke, Dach Außendämmung von Dach oder Decke, vor Bewitterung geschützt, Dämmung unter Deckungen
Außendämmung von Dach oder Decke, vor Bewitterung geschützt, Dämmung unter Abdichtungen
Außendämmung des Daches, der Bewitterung ausgesetzt (Umkehrdach)
Zwischensparrendämmung, zweischaliges Dach, nicht begehbare, aber zugängliche oberste Geschossdecken
Innendämmung der Decke (unterseitig) oder des Daches, Dämmung unter den Sparren/Tragkonstruktion, abgehängte Decke usw
Innendämmung der Decke oder Bodenplatte (oberseitig) unter Estrich ohne Schallschutzanforderungen
Innendämmung der Decke oder Bodenplatte (oberseitig) unter Estrich mit Schallschutzanforderungen
Wand Außendämmung der Wand hinter Bekleidung
Außendämmung der Wand hinter Abdichtung
Außendämmung der Wand unter Putz
Dämmung von zweischaligen Wänden, Kerndämmung
Dämmung von Holzrahmen- und Holztafelbauweise
Innendämmung der Wand
Dämmung zwischen Haustrennwänden mit Schallschutzanforderungen
Dämmung von Raumtrennwänden
Perimeter-dämmung Außen liegende Wärmedämmung von Wänden gegen Erdreich (außerhalb der Abdichtung)
Außen liegende Wärmedämmung unter der Bodenplatte gegen Erdreich (außerhalb der Abdichtung)

Welche Styrodurplatten gibt es?

Im Handel sind unterschiedliche Arten von Styrodurplatten erhältlich, die sich für verschiedene Anwendungsbereiche eignen:

  • Styrodur 2800 C
  • Styrodur 3000 CS/SQ
  • Styrodur 3035 CS
  • Styrodur 4000 CS/SQ
  • Styrodur 5000 CS/SQ

Die Styrodur 2800 C besitzt beidseitig ein geprägtes Waffelmuster und glatte Kanten. Die Platten kommen als Anwendungen im Verbund mit Beton, Putz und anderen Deckschichten zum Einsatz.

Bei der Styrodur 3000 CS/SQ handelt es sich um eine Allrounder-Wärmedämmplatte mit glatter Oberfläche und Stufenfalz. Sie eignet sich für fast alle Anwendungen im Hoch- und Tiefbau. Die Wärmeleitfähigkeit ist für alle Plattenstärken gleich.

Die Styrodur 3035 CS ist ebenfalls vielseitig verwendbar im Hoch- und Tiefbau. Sie besitzt eine glatte Oberfläche und ein Stufenfalz.

Besonders druckfest sind die Styrodur 4000 CS/SQ und 5000 CS/SQ. Sie besitzen eine glatte Oberfläche und ein Stufenfalz. Sie kommen zum Einsatz, wenn höchste Anforderungen an die Druckfestigkeit gestellt werden.

Hier die Anwendungsempfehlungen:

Styrodur 2800 C 3000 CS 3035 CS 4000 CS 5000 CS
Perimeter Boden/ Wand
Perimeter Gründungsplatte / Grundwasser
Boden Wohnbereich
Industrie- und Kühlhausboden
Innendämmung, verlorene Schalung, Wärmebrücken, Sockeldämmung, Putzträger
Umkehrdach, Duodach, Terrassendach
Gründach
Parkdach
Konventionielles Flachdach
Attiken / aufgehende Bauteile
Kellerdecke, Tiefgaragendecke
Oberste Geschossdecke
Steildach
Gipskartonverbundplatte, Sandwichkern
Kunsteisbahnen, Verkehrswege, Gleisbau

Welche Abmessungen haben Styrodurplatten?

Styrodurplatten sind in verschiedenen Dicken zwischen 20 mm und 240 mm erhältlich. Die Größe der Platte beträgt 1265 mm x 615 mm oder 1250 mm x 600 mm – je nachdem, ob sie eine glatte Kante oder ein Stufenfalz besitzen. Nachfolgend die Verschiedenen Arten von Styrodurplatten und ihre Abmessungen:

Länge x Breite (mm) Dicke (mm) 2800 C 3000 CS 3035 CS 4000 CS 5000 CS
1250 x 600 20
1265 x 615
1250 x 600 30
1265 x 615
1250 x 600 40
1265 x 615
1250 x 600 50
1265 x 615
1250 x 600 60
1265 x 615
1250 x 600 80
1265 x 615
1250 x 600 100
1265 x 615
1250 x 600 120
1265 x 615
1250 x 600 140
1265 x 615
1250 x 600 160
1265 x 615
1250 x 600 180
1265 x 615
1250 x 600 200
1265 x 615

Prinzipiell lassen sich Styrodurplatten auch mehrlagig verbauen, es sind jedoch folgende Vorgaben zu beachten:

  • Unter lastabtragenden Bodenplatten maximal drei Lagen und eine Dämmstoffdicke von maximal 30 cm.
  • Innerhalb der Perimeterdämmung zwei Lagen außenseitig an Kellerwänden und maximal 40 cm Dämmdicke.
  • Bei Umkehrdächern ist ein zweilagiger Einbau möglich, wenn eine wasserableitende und diffusionsoffene Trennlage eingezogen wird.

Wie lassen sich Styrodurplatten verarbeiten?

Die Verarbeitung von Styrodurplatten ist recht einfach. Meist werden sie auf den Untergrund geklebt, sie lassen sich aber auch dübeln. Schneiden lassen sie sich mit dem Messer, Sägen oder auch mit einem heißen Draht.

Schneiden der Platten

Wenn nur wenige Platten geschnitten werden müssen, funktioniert das auch mit dem Brotmesser, besonders professionell ist das allerdings nicht, besser ist es, sich im Handel ein spezielles Dämmstoffmesser oder eine Dämmstoffsäge zu kaufen. Diese gleiten dank ihres speziellen Schliffs mühelos durch das Styrodur.

Bei größeren Projekten kommen häufig elektrische Styroschneider oder Heißdrahtgeräte zum Einsatz. Bei diesen wird ein Draht oder eine Klinge durch Hitze erwärmt und der Dämmstoff quasi durchgeschmolzen. Auf diese Weise sind auch feine Rundungen möglich. Wichtig ist dabei, dass das Schneidewerkzeug die richtige Betriebstemperatur besitzt. Das können Sie vorher durch einen Probeschnitt ausprobieren.

Kleben der Platten

Styrodurplatten lassen sich auf die unterschiedlichsten Untergründe kleben, zum Beispiel Putz, Holz oder Metall. Wichtig ist dabei, dass Sie den richtigen Kleber verwenden. Der Hersteller gibt hierzu folgende Empfehlungen:

Mineralischer
Untergrund
Grundputz Metall Holz und OSB
Kunststoff
Klebemörtel
Epoxidharzkleber
PUR-Kleber

Auf Beton werden Styrodurplatten in der Regel gedübelt, und zwar mit speziellen ISO-Dübeln und Halteblechen aus Metall.

Wie lässt sich Styrodur entsorgen?

Bis 2016 durften Styrodurplatten noch problemlos als Kunststoff- oder gemischter Bauabfall entsorgt werden. Das Styrodur (oder auch Styropor) wurde geschreddert und im Müllheizkraftwerk verbrannt.

Das ist jetzt nicht mehr möglich, das Material gilt als Sondermüll. Sofern die Platten das mittlerweile weltweit verbotene Flammschutzmittel HBCD enthalten. Wenn der Giftstoff nicht in den Platten enthalten ist, darf das Styrodur im Restmüll entsorgt werden. Allerdings nicht im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne.