Aus Spänen hergestellte Platten zählen zu den weltweit bedeutendsten Holzwerkstoffen. Sie kommen im Möbelbau oder im Innenausbau vielfältig zum Einsatz. Aber warum ist das so? Warum nimmt man nicht einfach Massivholz? Wie werden Holzspanwerkstoffe hergestellt? Was hat es mit dem Formaldehyd auf sich? Hier gibt es die Antworten auf die Fragen.

Spanplatten

Insbesondere Flachpressplatten, besser bekannt als Spanplatten und Grobspanplatten alias OSB-Platten sind zu nennen, wenn es um Holzspanwerkstoffe geht. Größter Unterschied zwischen beiden Holzspanwerkstoffen ist die Anordnung der Späne. Die ist bei Spanplatten willkürlich, während die Späne bei OSB-Platten ausgerichtet sind. Oriented Strand Board ist demnach auch die volle Bezeichnung dieses Holzspanwerkstoffs, wobei das „Strand“ für Späne steht.

Spanplatten sind eine deutsche Erfindung, sie wurden in den 1930er Jahren entwickelt und traten nach dem zweiten Weltkrieg ihren Siegeszug an. Sie sind kostengünstig und dimensionsstabil, außerdem können Teile des Baumes verwendet werden, die zum Beispiel für den Bau von Massivholzmöbeln oder als Bauholz ungeeignet sind. Ähnliches lässt sich über OSB-Platten sagen, die in den 1950er Jahren in den USA und Kanada aufkamen. Noch heute sind die Amerikaner für einen Großteil der OSB-Produktion verantwortlich.

Holspanwerkstoffe und ihrer Klebstoffe – Vorsicht Formaldehyd

Die Späne von Holzspanwerkstoffen werden von Klebstoffen zusammengehalten, wobei deren Anteil unter zehn Prozent liegt. Zum Einsatz kommen meist formaldehydhaltiger Kleber, die mit Harnstoff, Melamin und Phenol kombiniert werden. Sie unterscheiden sich durch ihre unterschiedliche Feuchtebeständigkeit. Die einfachsten Spanplatten werden aus Harnstoff-Formaldehyd-Klebern (UF-Kleber) hergestellt. Sie sind nicht quellbeständig und sollten daher nicht im Freien oder Feuchträumen verwendet werden. Quellbeständig werden sie durch Zusatz von Melamin und besonders hochwertig und teuer sind Holzspanwerkstoffe, die mit polymeren Isocyanat (PMDI) gebunden werden.

Bei der Nennung von Formaldehyd sind sicher einige aufgeschreckt, denn dabei handelt es sich um ein stechend riechendes Gas, das in höherer Konzentration krebserregend ist. Außerdem kann es Allergien auslösen und Kopfschmerzen verursachen. In Innenräumen dürfen hierzulande daher nur Platten der Emissionsklasse E1 verwendet werden, die einen Ausdünstungswert von weniger als 0,01 Prozent besitzen. Bei Holzspanwerkstoffen der Emissionsklasse E2 liegt der Wert zwischen 0,01 und 0,03 Prozent, bei E3-Platten unter 0,06 Prozent. Rohe Spanplatten und offene Spanplattenkanten sollten in Innenräumen generell vermieden werden. Gut ist es, wenn sie mit Dekorpapieren, Lacken oder Schichtstoffen versehen sind, dann kann die Belastung der Raumluft weiter minimiert werden.

Spanplatten im Detail: Herstellung, Verwendung, Qualitäten

Spanplatten werden von der Möbelindustrie und vom Baugewerbe für den Innenausbau gleichermaßen gerne verwendet. Hergestellt werden sie aus unterschiedlich großen Spänen und den bereits beschriebenen Klebstoffen. Beide Bestandteile des Holzspanwerkstoffs müssen noch verpresst werden, damit daraus Platten werden. In der Regel handelt es sich bei Spanplatten um Flachpressplatten in Form von Mehrschichtplatten, für Bauelemente kommen jedoch auch Strangpressplatten zum Einsatz. Die Platten bestehen meist aus drei bis fünf Schichten, wobei die Deckschicht überwiegend aus sehr feinen Spänen besteht. Neben rohen sind noch mit unterschiedlichen Kunststoffdekoren oder Echtholz-Furnieren beschichtete Spanplatten erhältlich.

Spanplatten nach DIN EN 312-1, (früher V 20, V 100 und V 100 G):

allgemeine Verwendung
(im statischen Sinne nicht tragend):

allgemein verwendbar, auch für im
statischen Sinne tragende Bauteile

hochbelastbar für im
statischen Sinne tragende Bauteile

P1 für leichte Verkleidungen im Trockenbereich P4 Trockenbereich P6 Trockenbereich
P2 für Möbel- und Innenausbau im Trockenbereich
P3 im Feuchtbereich P5 Feuchtbereich P7 Feuchtbereich

OSB-Platten im Detail: Herstellung, Verwendung, Qualitäten

OSB-PlattenOSB-Platten bestehen aus langen, schlanken Spänen, die in den Deckschichten in Längsrichtung und in den Mittelschichten in Querrichtung angeordnet sind. Zusammen mit dem relativ hohen Klebstoffanteil entstehen dadurch Platten mit guten mechanischen Eigenschaften. Diese Holzspanwerkstoffe lassen sich daher auch für tragende Konstruktionen verwenden. Im Holzbau werden sie zum Beispiel für aussteifende Wand- und Deckenbeplankungen verwendet. OSB-Platten besitzen eine durchaus dekorative Optik, weshalb sie gerne für Sichtfußböden oder Möbel verwendet werden. Trotz der relativ großen Holzspäne sind die Platten ziemlich glatt, was durch Schleifen zusätzlich verbessert werden kann.

OSB-Klassen nach DIN EN 300

  • OSB/1: Platten für den Innenausbau (einschließlich Möbel) zur Verwendung im Trockenbereich.
  • OSB/2: Platten für tragende Zwecke zur Verwendung im Trockenbereich.
  • OSB/3: Platten für tragende Zwecke zur Verwendung im Feuchtbereich.
  • OSB/4: Hochbelastbare Platten für tragende Zwecke zur Verwendung im Feuchtbereich.

Foto oben: Rainer Sturm / pixelio.de

Foto OSB: [pedda] / pixelio.de

Video: Kaindl