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Tapezieren: So kommt eine neue Tapete an die Wand

Wer eine neue Wohnung bezieht, möchte in der Regel die Wände neu tapezieren. Wer es zum ersten Mal macht, braucht hier sicher etwas Hilfestellung. Diese Anleitung soll Ihnen dabei helfen, eine schöne neue Tapete an die Wand zu bekommen. Außerdem helfen wir Ihnen bei der Auswahl der neuen Tapete und sagen Ihnen, welche Vorarbeiten notwendig sind.Frau tapeziert

Die richtige Tapete auswählen

Tapete ist nicht gleich Tapete. Die verschiedenen Tapetenarten werden nach Zweck, Material und Oberflächenbeschaffenheit unterschieden. Die verschiedenen Eigenschaften, Anfertigungs- und Verarbeitungsmerkmale werden durch Symbole gekennzeichnet. Zu sehen sind die Symbole am Anfang und Ende jeder Tapetenrolle.

Was die Symbole bedeuten, haben wir für Sie zusammengestellt:

Tapete Wasserbeständig
Wasserbeständig: Mit einem weichen und feuchten Schwamm können frische Kleisterflecken noch weggetupft werden.
Tapete waschbeständig
Waschbeständig: Leichte Verschmutzungen auf der Tapete lassen sich mit einem Tuch und ein wenig Wasser entfernen. Eventuell mildes Waschmittel zusetzen.
Tapete hochwaschbeständig
Hochwaschbeständig: Verschmutzungen können mit leichter Seifenlauge und Schwamm entfernt werden. Fett oder Lösemittel enthaltende Flecken können nicht entfernt werden.

Tapete scheuerbeständig
Scheuerbeständig: Wasserlösliche Verschmutzungen (auch frische Fettflecken und lösungsmittelhaltige Verunreinigungen) können mit milder Seifenlauge oder mildem Scheuermittel mit Schwamm oder weicher Bürste gereinigt werden.
Tapete hochscheuerbeständig
Hochscheuerbeständig: Die Tapete ist noch einfacher zu reinigen
Tapete ausreichend lichtbeständig
Ausreichend lichtbeständig: Bei indirekter oder im Jahresverlauf geringer Sonneneinstrahlung ist keine Farbveränderung oder Vergilbung zu erwarten.

Befriedigend lichtbeständig: Die Tapete ist noch besser vor Licht geschützt
Gut lichtbeständig: Die Tapete ist noch etwas vor UV-Strahlung geschützt
Sehr gut lichtbeständig: Licht macht der Tapete fast gar nichts aus.

Ausgezeichnet lichtbeständig: Besser geht es nicht bei der Tapete.
Ansatzfrei: Beim Kleben der Tapete ist kein Muster zu beachten
Gerader Ansatz: Gleiche Muster lassen sich in gleicher Höhe nebeneinander kleben. Rapport in cm einfügen, z.B. 30.

Versetzter Ansatz: Muster der nächsten Bahn um halbe Musterhöhe verschieben. Rapport und Versatz in cm einfügen, z.B. 30/15
Gestürzt Kleben: Jede zweite Bahn wird auf den Kopf gestellt geklebt.
Tapete einkleistern: Der Kleister ist direkt auf die Tapete aufzutragen

Wand einkleistern: Nicht die Tapete, sondern die Wand ist einzukleistern.
Vorgekleistert: Die Rückseite der Tapete ist mit Kleister vorbeschichtet, wird durch Wasser aktiviert.
Restlos trocken abziehbar: Tapete lässt sich ohne Rückstand von der Wand abziehen.

Spaltbar trocken abziehbar: Die Oberschicht der Tapete lässt sich abziehen, der untere Teil bleibt als Makulatur auf der Wand.
Nass zu entfernen: Tapete gründlich mit Wasser einweichen und mit Spachtel entfernen.
Dupliert: Hochwertige Prägetapete aus zwei aufeinander kaschierten Papierschichten

Wieviel Tapete muss es sein?

Ihren Tapetenbedarf können Sie den folgenden Tabellen entnehmen. Fenster und Türen werden dabei mitgerechnet, um einen ausreichenden Vorrat für Verschnitt und zur Ausbesserung sicherzustellen. Hinter dem Begriff „Eurorolle“ verbirgt sich das heute gängigste Tapetenformat. Eine Eurorolle ist 0,53 m breit und 10,05 m lang.

Bedarfsermittlung bei Eurorollen (10,05 x 0,53 m):

Raumumfang
in Metern

Anzahl der Eurorollen bei einer Raumhöhe von

2,10 – 2,35 m

2,40 – 3,05 m

3,10 – 4,00 m

6

3

4

5

10

5

7

8

12

6

8

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7

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9

11

15

20

10

12

17

24

11

15

21

Bedarfsermittlung bei Raufasertapeten (33,5 x 0,53 m):

Raumumfang
in Metern

Anzahl der Eurorollen bei einer Raumhöhe von

2,10 – 2,35 m

2,40 – 3,05 m

3,10 – 4,00 m

6

1

3

3

10

2

3

3

12

2

3

4

15

3

3

4

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3

4

5

20

3

4

6

24

4

5

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Das richtige Werkzeug zum Tapezieren 

Für optimale Ergebnisse braucht man natürlich das richtige Werkzeug:

  • Tapeziertisch
  • Leiter
  • Quast und Eimer
  • Tapezierbürste
  • Moosgummi-Rolle
  • Nahtroller
  • Zollstock
  • Bleistift
  • Tapetenschere
  • Cuttermesser
  • Lot
  • Tapeziermesser

Schritt #1: Alte Tapeten und Anstriche entfernen

Bevor Sie mit der eigentlichen Tapezierarbeit beginnen, sollten Sie sorgfältig den Untergrund vorbereiten. Nur so erzielen Sie ein sauberes und sehenswertes Ergebnis: Entfernen Sie alte Tapeten und wasserlösliche Anstriche möglichst restlos.

Dies kann ohne die richtigen Hilfsmittel eine Qual sein. Mit einem Tapetenablöser geht alles leichter. Für besonders hartnäckige Raufasertapeten gibt es sogar speziellen Tapetenablöser.

Tapete entfernen
Das Entfernen der alten Tapete kann recht mühsam sein

Der Tapetenablöser wird mit einer Bürste, einer Rolle oder einem geeigneten Sprühgerät satt aufgetragen. Nach etwa 15 Minuten lässt sich die durchweichte Tapete dann leicht und in der Regel auch bahnenweise abziehen.

Bei wasserundurchlässigen Anstrichen und Tapeten sollte man die Wände vorher mit einer Nadelwalze aufrauen. Wer die Tapete auf natürliche Weise entfernen möchte, kann dazu auch einen Dampf-Tapetenablöser verwenden.

Mit heißem Wasserdampf löst sich die störrige Tapete noch einfacher. Alte Dispersionsfarb-Anstriche müssen auf ihre Festigkeit hin geprüft werden und gegebenenfalls entfernt werden.

Schritt #2: Putzschäden beseitigen

Ist die alte Tapete oder der alte Anstrich ab, müssen Putzschäden und Risse geglättet werden. Besonders einfach und problemlos geht das mit einem Gips-Reparaturspachtel.

Zunächst müssen alle lockeren Putzreste aus der Schadstelle mit dem Spachtel oder einer groben Bürste entfernt werden. Staub und lockere Teilchen entfernen Sie am saubersten mit einem Staubsauger.

Dübellöcher können sich mit Instant-Spachtelmassen aus der Tube geschlossen werden. Diese ist gebrauchsfertig und kann sofort eingesetzt werden auf neuem und altem Putz, Beton, Mauerwerk, Natur- und Kunststein, Dämmplatten und auf Styropor.

Risse und Fugen bis 3 mm sowie Nagel- und Dübellöcher lassen sich aber auch schnell und einfach mit einer Rissbrücke schließen. Der hochelastische Vliesträger kann sofort übertapeziert und gestrichen werden.

Schritt #3: Tapezieruntergrund vorbereiten

Die halbe Miete beim Tapezieren ist die Vorbereitung der Wände. Sie müssen trocken, sauber, glatt, trag- und saugfähig sein. Prüfen lässt sich die Saugfähigkeit folgendermaßen: Die Wand wird mit Wasser benetzt.

Perlt es ab, ist die Saugfähigkeit zu gering und eine Rollenmakulatur muß geklebt werden. Verfärbt sich die benetzte Stelle sofort dunkel, ist die Saugfähigkeit zu hoch und der Untergrund muss vorgkleistert oder mit Tiefengrund behandelt werden.

alte Tapete

Belag entfernen und den darunter liegenden Putz mit einer dünnen Kleistermischung vorkleistern (Hinweise dazu finden Sie in der Anrührtabelle auf Ihrer tesa Kleister-Packung).

Leimfarben

Mit Wasser und Tapetenablöser abwaschen, danach mit lösemittelfreiem Tiefengrund behandeln.

Öl-/Lackfarben

Anschleifen, mit wasserverdünntem Lackanlauger abwaschen und anschließend Rollenmakulatur kleben.

Löcher, Risse

Lose Teile entfernen, mit Füllspachtel alle Schadstellen ausfüllen und glätten oder einfach tesa Rissbrücke nehmen.

Größere Putzunebenheiten

Mit der Glättkelle großflächig Füllspachtel auftragen, glätten und nach dem Trocknen abschleifen.

Sandende Untergründe

Den Putz mit Tiefgrund festigen.

Rauhe Putze

Vollflächig spachteln oder Rollenmakulatur kleben.

Stark saugende Untergünde

Vorkleistern oder Tiefengrund auftragen.

Gipskarton

Lösemittelfreien Tiefengrund auftragen oder mit Tapetenwechselgrund vorbehandeln.

Rost-/ Wasserflecken

Fleckendecker oder Isolierfarbe auftragen.

Schimmel

Untergrund reinigen und mit Anti-Schimmel-Grundierung behandeln.

Der richtige Tapetenkleister

Entsprechend der Beschaffenheit Ihrer Tapeten wählen Sie nun den geeigneten Kleister aus, z.B. für Papier-, Raufaser-, Spezial-, Textil-,Vinyl- oder Vliestapeten. Meist ist Tapetenkleister recht schnell anzusetzen: Packungsinhalt vollständig in kaltes Wasser geben, 1 Minute lang klumpenfrei rühren, 10 Minuten ruhen lassen. Dann den Eimerinhalt noch einige Male kräftig durchrühren, und schon ist der Kleister einsatzbereit.

Schritt #4: Tapetenbahn einkleistern und kleben

Messen Sie die benötigte Bahnenlänge an der Wand aus – plus etwa 10 cm für den Verschnitt. Auf den Rückseiten der abgeschnittenen Bahnen tragen Sie den Kleister mit einem Quast satt auf (Ausnahme: Vliestapeten, hier Auftrag auf die Wand!).

Dabei die Ränder nicht vergessen! Nun müssen die Tapeten weichen: Dazu falten Sie die Bahnen von links und rechts zur Mitte hin, so dass die eingekleisterten Flächen aufeinander liegen. Beachten Sie aber die vom Tapetenhersteller angegebenen Weichzeiten!

eingekleisterte Tapete
So lässt sich die eingekleisterte Tapete transportieren

Um die Tapete senkrecht zu verkleben, halten Sie eine Bahn an und zeichnen den Verlauf mit einem Bleistift nach. Nach der Weichzeit folgt das Anbringen der ersten Tapetenbahn entlang der Bleistiftlinie. Die nächsten Bahnen einfach in der Reihenfolge kleben, in der Sie sie eingekleistert haben.

Tipp: Arbeiten Sie immer „mit dem Licht„, d.h. vom Fenster weg. Eventuelle Überlappungen werfen dadurch später keine Schatten. Drücken Sie die Bahn von oben nach unten und von der Mitte zu den Seiten blasenfrei an. Arbeiten Sie dann mit der Tapezierbürste nach. Zum Andrücken von Gewebetapeten sollte die Andruckwalze aus Moosgummi eingesetzt werden.

Schritt #5: Die weiteren Bahnen anbringen 

Die folgenden Bahnen werden nun einfach auf Stoß geklebt (also so, dass sich die Kanten der Bahnen gerade berühren). Kleisterflecken lassen sich am besten sofort mit einem feuchten Schwamm entfernen, bevor sie antrocknen. Den an der Fußleiste überstehenden Rest der Tapetenbahnen markieren Sie zunächst mit dem Rücken einer Schere und schneiden ihn dann ab.

Tapete festdrücken
Immer schön die Tapete festdrücken

Ist eine Tapetenbahn trotz sorgfältigen Abmessens zu kurz geraten? Kein Problem: Sie können den Verschnitt mit einem auf Stoß geklebten Tapetenstreifen korrigieren. Die Tapete darf nach dem Tapezieren nicht zu schnell trocknen. Vermeiden Sie also Zugluft und heizen Sie nicht zu stark!

Tipp: Um die Ecke tapezieren

Messen Sie zunächst an mehreren Stellen der Abstand vom Rand der letzten geklebten Bahn zur Ecke. Zum größten Abstand geben Sie noch 1 cm zu, denn mit der nächsten Bahn müssen Sie ungefähr 1 bis 2 cm über die Ecke hinauskommen.

Schneiden Sie nun die Bahn in die gewünschte Breite. Sie verwenden beide Teile der Tapetenbahn. Zunächst wird der ausgemessene Streifen wie die bisherigen Bahnen nach links ausgerichtet verklebt.

Fensterlaibung tapezieren
So lässt sich die Fensterlaibung tapezieren

Die Bahn muss in der Ecke gut und möglichst faltenfrei eingepasst werden. Entstehen dabei Falten, schneiden Sie diese sofort ein und kleben sie übereinander.

Der Reststreifen wird entlang einer lotrechten Anschlaglinie ausgerichtet. Diese Anschlaglinie müssen Sie zuvor mit Senklot, Bleistift und Lineal konstruieren. Gehen Sie dabei vorsichtig vor, da am Restreifen alle übrigen Bahnen der neuen Wand ausgerichtet werden.

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