Zementarten verstehen und den richtigen Zement auswählen

Von Dominik Hochwarth

CEM II/B-LL 32,5 R, CEM III/A 42,5 N oder CEM II/C-M: Wer einen Zementsack genauer betrachtet, stößt schnell auf eine Reihe von Buchstaben und Zahlen. Dahinter steckt allerdings ein recht logisches System.

Die Bezeichnung verrät unter anderem, welche Zementart im Sack steckt, welche Hauptbestandteile verwendet wurden und welche Festigkeitsklasse der Zement erreicht. Wir erklären, was CEM I bis CEM VI bedeuten, wofür 32,5, 42,5 und 52,5 stehen und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.

Nahaufnahme von grauem Zementpulver auf einem geöffneten Zementsack.
Zement ist ein feines, hydraulisches Bindemittel. Je nach Zusammensetzung und Festigkeitsklasse eignet er sich für unterschiedliche Anwendungen in Beton, Mörtel und Estrich.

Was ist Zement?

Zement ist ein hydraulisches Bindemittel. Wird das feine Pulver mit Wasser vermischt, beginnt eine chemische Reaktion. Dabei erhärtet der Zement und bleibt anschließend auch unter Wasser fest.

Zement ist deshalb aber nicht dasselbe wie Beton. Beton entsteht erst aus Zement, Wasser und Gesteinskörnung wie Sand, Kies oder Splitt.

Wie die Bestandteile dosiert werden und warum gerade die Wassermenge wichtig ist, erklären wir ausführlich im Ratgeber Beton und Mörtel richtig mischen.

Woraus besteht Zement?

Ausgangspunkt für die meisten Zemente ist Portlandzementklinker. Für dessen Herstellung werden vor allem kalk- sowie tonhaltige Rohstoffe aufbereitet, gemahlen und anschließend im Drehrohrofen bei Temperaturen von etwa 1450 °C gebrannt.

Der dabei entstehende Klinker wird nach dem Abkühlen fein gemahlen. Calciumsulfat, beispielsweise Gips, reguliert das Erstarren. Je nach Zementart kommen weitere Hauptbestandteile hinzu.

Dazu gehören unter anderem Hüttensand, Kalkstein, Silicastaub, natürliche oder natürlich getemperte Puzzolane, kieselsäurereiche oder kalkreiche Flugasche sowie gebrannter Schiefer. Welche Mengen zulässig sind, legen die Zementnormen fest.

Warum verursacht Zement CO₂-Emissionen?

Ein wesentlicher Teil der Emissionen entsteht direkt bei der Herstellung des Portlandzementklinkers. Beim Brennen wird Calciumcarbonat aus dem Kalkstein in Calciumoxid umgewandelt. Dabei wird Kohlendioxid frei:

CaCO₃ → CaO + CO₂

Nach Angaben des Vereins Deutscher Zementwerke entfallen in Deutschland ungefähr zwei Drittel der CO₂-Emissionen der Klinkerherstellung auf diesen chemischen Prozess. Etwa ein Drittel stammt aus den eingesetzten Brennstoffen.

Eine Möglichkeit, diese rohstoffbedingten Emissionen zu verringern, besteht deshalb darin, den Klinkeranteil im Zement zu reduzieren. Genau das geschieht bei verschiedenen CEM-II- bis CEM-VI-Zementen.

Wer im Garten grundsätzlich weniger Beton einsetzen möchte, findet außerdem verschiedene Lösungen in unserem Beitrag Alternativen zum Betonfundament im Garten.

Infografik zum Klinkeranteil verschiedener Zementarten von CEM I bis CEM VI mit Spannweiten von 5 bis 100 Prozent.
Die Zementarten unterscheiden sich deutlich beim Anteil an Portlandzementklinker. CEM I enthält mit 95 bis 100 % am meisten Klinker, während CEM III, CEM V und CEM VI deutlich niedrigere Anteile erreichen können.

Welche Zementarten gibt es?

Die derzeit geltende DIN EN 197-1 unterscheidet die fünf Hauptzementarten CEM I bis CEM V. DIN EN 197-5 ergänzt CEM II/C-M und CEM VI. Letztere Norm ist derzeit nicht harmonisiert; entsprechende Zemente erhalten in Deutschland ein Ü-Zeichen.

CEM I – Portlandzement

CEM I besteht zu 95 bis 100 Masseprozent aus Portlandzementklinker. Bis zu 5 % Nebenbestandteile sind zulässig.

Damit besitzt CEM I unter den Normalzementen den höchsten Klinkeranteil. Er kommt für zahlreiche Beton- und Mörtelanwendungen infrage. Ob ein bestimmter CEM I für ein Bauteil geeignet ist, hängt jedoch zusätzlich von Festigkeitsklasse, Anfangsfestigkeit und weiteren Eigenschaften des konkreten Produkts ab.

CEM II – Portlandzemente mit weiteren Hauptbestandteilen

Bei CEM II wird ein Teil des Klinkers durch andere Hauptbestandteile ersetzt. Je nach Untergruppe beträgt der Klinkeranteil 65 bis 94 %.

Die Buchstaben in der Zementbezeichnung zeigen, welcher weitere Hauptbestandteil enthalten ist:

KürzelHauptbestandteil
SHüttensand
DSilicastaub
Pnatürliches Puzzolan
Qnatürlich getempertes Puzzolan
Vkieselsäurereiche Flugasche
Wkalkreiche Flugasche
Tgebrannter Schiefer
LKalkstein
LLKalkstein mit geringerem zulässigem organischen Kohlenstoffgehalt

Das M in einer Bezeichnung wie CEM II/B-M steht dafür, dass mehrere weitere Hauptbestandteile enthalten sind. Bei CEM II/B-M machen diese zusammen 21 bis 35 Masseprozent aus.

CEM II/C-M – Portlandkompositzement mit weniger Klinker

CEM II/C-M wird in DIN EN 197-5 geregelt. Der Klinkeranteil beträgt nur noch 50 bis 64 %. Weitere 36 bis 50 % entfallen auf zwei andere Hauptbestandteile.

Damit kann der Anteil des CO₂-intensiven Portlandzementklinkers gegenüber klassischen CEM-II-Zementen nochmals sinken. Welche Kombination verwendet wurde, steht in Klammern in der vollständigen Zementbezeichnung.

CEM III – Hochofenzement

CEM III enthält neben Portlandzementklinker einen hohen Anteil Hüttensand. Je nach Untergruppe unterscheiden sich die Anteile deutlich:

ZementartPortlandzementklinkerHüttensand
CEM III/A35–64 %36–65 %
CEM III/B20–34 %66–80 %
CEM III/C5–19 %81–95 %

Hochofenzemente können unter anderem eine geringere Hydratationswärme aufweisen und kommen deshalb beispielsweise für bestimmte massive Betonbauteile infrage. Die konkrete Eignung hängt jedoch vom jeweiligen Zement und von den Anforderungen an das Bauteil ab.

CEM IV – Puzzolanzement

CEM IV enthält neben Klinker puzzolanische Hauptbestandteile. Bei CEM IV/A beträgt der Klinkeranteil 65 bis 89 %, bei CEM IV/B 45 bis 64 %.

Puzzolane reagieren mit Bestandteilen, die bei der Zementhydratation entstehen, und tragen dadurch zur Festigkeitsentwicklung bei.

Ist Puzzolanzement dasselbe wie Trasszement?

Nein. Trass ist ein natürliches Puzzolan, aber nicht jeder Puzzolanzement enthält Trass.

Umgekehrt kann Trass auch Bestandteil anderer Zementarten sein. Ein trasshaltiger Zement muss deshalb nicht automatisch ein CEM-IV-Zement sein.

Für Heimwerker ist ohnehin weniger die umgangssprachliche Produktbezeichnung entscheidend als die vollständige Zementkennzeichnung und der vom Hersteller angegebene Verwendungszweck.

CEM V – Kompositzement

Bei CEM V wird Portlandzementklinker mit Hüttensand sowie puzzolanischen Bestandteilen oder Flugasche kombiniert.

Je nach Untergruppe beträgt der Klinkeranteil 20 bis 64 %. CEM V spielt im Baumarkt eine wesentlich geringere Rolle als CEM I oder CEM II, gehört im professionellen Betonbau jedoch zum genormten Zementspektrum.

CEM VI – Kompositzement mit niedrigem Klinkeranteil

CEM VI wird derzeit durch DIN EN 197-5 geregelt. Der Klinkeranteil beträgt 35 bis 49 %.

Hinzu kommen 31 bis 59 % Hüttensand sowie 6 bis 20 % eines weiteren Hauptbestandteils. Die derzeitige Norm sieht vier Kombinationen vor:

  • CEM VI (S-P) mit natürlichem Puzzolan,
  • CEM VI (S-V) mit kieselsäurereicher Flugasche,
  • CEM VI (S-L) mit Kalkstein,
  • CEM VI (S-LL) mit Kalkstein mit niedrigerem organischem Kohlenstoffgehalt.

Damit ist die Zusammensetzung bei CEM VI enger festgelegt, als es die allgemeine Bezeichnung „Kompositzement“ zunächst vermuten lässt.

Infografik zur Zementbezeichnung CEM II/B-M (S-LL) 42,5 N mit Erklärungen zu Zementart, Hauptbestandteilen, Festigkeitsklasse und Anfangsfestigkeit.
Die Kennzeichnung auf dem Zementsack zeigt Zementart, Hauptbestandteile, Festigkeitsklasse und Anfangsfestigkeit. Am Beispiel CEM II/B-M (S-LL) 42,5 N lässt sich die Systematik Schritt für Schritt ablesen.

So lesen Sie eine Zementbezeichnung

Was bedeutet beispielsweise:

CEM II/B-M (S-LL) 42,5 N

Aufgeschlüsselt sieht das so aus:

KennzeichnungBedeutung
CEM IIPortlandkompositzement
B21 bis 35 % weitere Hauptbestandteile
Mmehrere weitere Hauptbestandteile
SHüttensand
LLKalkstein
42,5Festigkeitsklasse
Nübliche Anfangsfestigkeit

Wer diese Systematik kennt, kann einen Zementsack wesentlich besser beurteilen als anhand von Markenname oder Verpackungsfarbe. Die genaue Zusammensetzung und Eignung ergibt sich dennoch erst aus Produktdatenblatt und Verwendungszweck.

Was bedeuten 32,5, 42,5 und 52,5?

Die Zahlen bezeichnen die Festigkeitsklasse des Zements. Dafür wird ein genormter Prüfmörtel untersucht.

Nach 28 Tagen muss er mindestens folgende Druckfestigkeit erreichen:

KlasseMindestdruckfestigkeit nach 28 Tagen
32,532,5 MPa
42,542,5 MPa
52,552,5 MPa

Bei 32,5 und 42,5 gelten zusätzlich Obergrenzen für die Normfestigkeit.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Betonfestigkeit: CEM 42,5 bedeutet nicht, dass der daraus hergestellte Beton automatisch 42,5 N/mm² erreicht. Die Zementfestigkeitsklasse darf deshalb nicht mit Betonfestigkeitsklassen wie C20/25 oder C25/30 verwechselt werden.

Wie fest der Beton tatsächlich wird, hängt unter anderem von Zusammensetzung, Wasserzementwert, Verdichtung und Nachbehandlung ab.

Infografik zu den Zementfestigkeitsklassen 32,5, 42,5 und 52,5 mit Mindestdruckfestigkeit nach 28 Tagen und Hinweis auf den Unterschied zu Betonfestigkeitsklassen.
Die Zementklassen 32,5, 42,5 und 52,5 geben die Mindestdruckfestigkeit eines genormten Prüfmörtels nach 28 Tagen an. Sie dürfen nicht mit Betonfestigkeitsklassen wie C20/25 oder C25/30 verwechselt werden.

Was bedeuten N, R und L?

Der Buchstabe hinter der Festigkeitsklasse beschreibt die Anfangsfestigkeit.

N steht für übliche Anfangsfestigkeit, R für hohe Anfangsfestigkeit und L für niedrige Anfangsfestigkeit.

R bedeutet also nicht „schnell abbindend“. Erstarren und Festigkeitsentwicklung sind zwei unterschiedliche Vorgänge.

Nach DIN EN 197-1 ist die Klasse L für Hochofenzemente CEM III vorgesehen. DIN EN 197-5 erlaubt sie außerdem für CEM II/C-M und CEM VI.

Was bedeuten LH und SR?

Manche Zemente tragen weitere Zusatzkennzeichnungen.

LH steht für „Low Heat“. Bei diesen Zementen ist die Hydratationswärme begrenzt. Das kann beispielsweise bei großen Betonquerschnitten von Vorteil sein, weil starke Temperaturunterschiede zwischen Bauteilkern und Oberfläche Risse begünstigen können.

SR kennzeichnet bestimmte Zemente mit hohem Sulfatwiderstand. Sie können erforderlich sein, wenn Beton einem entsprechenden chemischen Angriff ausgesetzt ist.

Für gewöhnliche Arbeiten rund um Haus und Garten müssen Heimwerker solche Spezialzemente in der Regel nicht selbst anhand des Kürzels auswählen. Entscheidend ist, dass das Produkt für den vorgesehenen Einsatz freigegeben ist.

Welcher Zement eignet sich wofür?

Die frühere Faustregel, für Heimwerkerarbeiten einfach einen CEM I 32,5 zu kaufen, greift heute zu kurz. Zahlreiche handelsübliche Produkte gehören inzwischen zu den CEM-II-Zementen.

Eine brauchbare Orientierung sieht so aus:

VorhabenWorauf Sie achten sollten
kleines BetonfundamentZement beziehungsweise Fertigbeton muss für den vorgesehenen Beton geeignet sein; Herstellerangaben beachten
selbst gemischter BetonZementart und Rezeptur müssen zusammenpassen; nicht nur nach Festigkeitsklasse auswählen
Mauermörtelbesser zum Stein passendes Mörtelprodukt oder Systemmörtel verwenden
Natursteinje nach Stein und Anwendung kann ein dafür ausgewiesenes trasshaltiges Produkt sinnvoll sein
Zementestrichausdrücklich für Estrich geeigneten Zement beziehungsweise fertigen Estrichmörtel wählen
tragende oder technisch anspruchsvolle BauteileBetonqualität und Zusammensetzung nicht anhand einer Heimwerker-Faustregel festlegen

Für kleine Gartenarbeiten kann das Selbermischen sinnvoll sein. Wie Zement, Sand, Kies und Wasser zusammenspielen, zeigt unser Beitrag Beton und Mörtel richtig mischen.

Wie viel Beton Sie überhaupt benötigen, berechnen Sie mit unserem Betonrechner für Fundamente, Bodenplatten und Pfosten. Die Seite behandelt bewusst die Mengenfrage und nicht die Auswahl der Zementart.

Geht es um Fußböden, finden Sie die verschiedenen Estricharten und ihre Einsatzbereiche im Beitrag Den richtigen Estrich für jeden Bedarf auswählen.

Zement nicht unnötig lange lagern

Zement ist empfindlich gegenüber Feuchtigkeit. Selbst bei trockener Lagerung können sich seine Eigenschaften mit der Zeit verändern.

Die Betontechnischen Daten empfehlen, Zement der Festigkeitsklasse 52,5 R in trockenen Räumen höchstens etwa einen Monat zu lagern, andere Festigkeitsklassen höchstens etwa zwei Monate. Nach drei Monaten kann selbst bei trockener Lagerung bereits ein Festigkeitsverlust von 10 bis 20 % auftreten.

Für Heimwerker heißt das: Zement möglichst bedarfsgerecht kaufen und trocken lagern. Harte Klumpen sind ein Warnzeichen dafür, dass bereits Feuchtigkeit eingedrungen ist.

Handschuhe und Schutzbrille gehören dazu

Mit Wasser angemachter Zement ist stark alkalisch. Bei längerem ungeschütztem Kontakt kann er Hautreizungen und Hautschäden verursachen. Zement ist außerdem als Gemisch unter anderem mit den Gefahrenhinweisen H315 „Verursacht Hautreizungen“, H318 „Verursacht schwere Augenschäden“ und H335 „Kann die Atemwege reizen“ gekennzeichnet.

Beim Mischen sollten Sie deshalb geeignete Handschuhe und bei Staub- oder Spritzgefahr eine Schutzbrille tragen. Zementstaub sollte möglichst nicht eingeatmet werden.

Neue Zementnorm ist in Vorbereitung

Bei der Normung zeichnet sich bereits die nächste Änderung ab. Im August 2026 ist ein neuer Entwurf der DIN EN 197-1 erschienen.

Der Entwurf soll unter anderem CEM II/C-M sowie neue Gruppen CEM VI/A und CEM VI/B in die zentrale Norm aufnehmen. Vorgesehen sind außerdem neue Zementbestandteile wie Recyclingbetonmehl und Bodenasche sowie Änderungen am System der Festigkeitsklassen.

Für die Anwendung ist jedoch der Status wichtig: Es handelt sich bislang um einen Norm-Entwurf. Derzeit gelten weiterhin DIN EN 197-1 für CEM I bis CEM V und DIN EN 197-5 für CEM II/C-M und CEM VI. DIN Media führt DIN EN 197-5:2021-07 weiterhin als aktuelle Norm.

Zementarten: Was Sie sich merken sollten

Für die meisten Arbeiten müssen Sie nicht sämtliche Kürzel auswendig kennen. Drei Angaben auf dem Sack helfen aber bereits erheblich:

CEM I bis CEM VI beschreiben die Zementart und damit wesentlich die Zusammensetzung. 32,5, 42,5 oder 52,5 stehen für die Festigkeitsklasse des Zements. N, R oder L kennzeichnen die Anfangsfestigkeit.

Welche Variante für ein konkretes Vorhaben geeignet ist, lässt sich daraus allein noch nicht ableiten. Bei Heimwerkerprodukten ist deshalb der vom Hersteller genannte Verwendungszweck mindestens ebenso wichtig wie die CEM-Bezeichnung.

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