Die Lösung gegen überhitzte Häuser ist ganz einfach: dicke, massive Wände, kleine, nicht von der Sonne beschienene Fenster sowie kompakte Baukörper. Hier bleibt es drinnen immer schön kühl, selbst bei Affenhitze draußen. Die Baumeister in den warmen Regionen der Erde machen es uns vor. Doch leider widerspricht das häufig unseren Wünschen nach hellen, lichtdurchfluteten Wohnungen und verschachtelter Architektur. Wie Sie dennoch die Hitze draußen lassen, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

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Mit einem Verdunkelungsrollo steht auch im Sommer einem erholsamen Schlaf nichts im Wege (Foto:epr / Velux)

Die Ausgangslage

Ziel des sommerlichen Wärmeschutzes ist es, die Räume eines Gebäudes vor Überhitzung zu schützen. Dafür sind verschiedene Maßnahmen bereits bei der Planung zu berücksichtigen. Bei Neubauten und bei energetischen Sanierungen, die mehr als 50 Quadratmeter betreffen, ist es sogar Pflicht, den sommerlichen Wärmeschutz rechnerisch nachzuweisen. Das verlangt die Energieeinsparverordnung (EnEV). Die Berechnungen macht der Fachmann mit Hilfe der DIN 4108-2.

Dieser schlägt dann verschiedenen Maßnahmen vor, mit denen sich die Ziele erreichen lassen. Prinzipiell geht es dabei um vier Dinge, und zwar durchaus in dieser Reihenfolge:

  • Verschatten
  • Lüften
  • Dämmen
  • Kühlen

Das war die Kurzfassung – aber Sie wollen sicherlich mehr wissen. Hier kommt der ausführliche Ratgeber zum sommerlichen Wärmeschutz:

Wie kommt die Wärme ins Haus?

Wie bereits geschrieben geht es beim sommerlichen Wärmeschutz darum, Überhitzungen im Gebäude zu vermeiden. Das Aufwärmverhalten eines Hauses wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst:

  • Wieviel Sonnenwärme gelangt durchs Fenster?
  • Wieviel Sonnenwärme gelangen durch Dach und Wände?
  • In welcher Klimaregion steht das Haus?
  • Wie ist das Haus zur Sonne ausgerichtet?
  • Wie sieht es mit den Lüftungsmöglichkeiten aus?
  • Welche internen Wärmequellen gibt es?

Bei heruntergelassenen Rollläden kann bis zu 75 Prozent des solaren Wärmeeintrages abgebaut werden. (Foto: epr/Weru)

Wärmeeintrag durch die Fenster

Eine der Hauptursachen für überhitzte Räume ist der Wärmeeintrag durch die Fenster. Und hier passiert der größte Fehler: Die Wärme gelangt selbst dann durch die Fenster ins Haus, wenn die Sonne nicht direkt auf sie scheint. Das liegt daran, dass der U-Wert eines Fensters in der Regel wesentlich schlechter als bei Wand und Dach ist. Das bedeutet: Je größer die Fenster, desto mehr Wärme ganz sich ins Haus schleichen. Wichtig ist vor allem auch der g-Wert. Dieser Wert bezeichnet den Gesamtenergiedurchlassgrad und definiert den Grad der Sonnenschutzwirkung der Scheibe.

Typische g-Werte für Fenstergläser
Glas g-Wert

Standardwert

g-Wert

Spanne ca.

Einfachglas 0,87
Doppelverglasung mit Luftzwischenraum 0,75
Zweischeiben-Isolierglas 0,60 0,53 bis 0,72
Dreischeiben-Isolierglas 0,50 0,46 bis 0,55
Sonnenschutzglas zweifach 0,40 0,27 bis 0,48
Sonnenschutzglas dreifach 0,25 0,16 bis 0,34

Damit lässt sich die Hitze reduzieren

Ist es draußen warm heißt es: Rollladen runter oder Jalousie zuziehen. Haben Sie nicht? Dann sollten Sie sich schnellstens etwas zulegen. Außenliegende Beschattungsmöglichkeiten sind besser als innenliegende. Aber innenliegende Vorhänge, Plissees oder Rollos sind immer noch besser als gar nichts. Wobei helle Verschattungen die Wärme besser blocken als dunkle.

Was ebenfalls hilft sind Wärmeschutzfenster. Hier war die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten wirklich rasant. Zwischen den Isolierverglasungen aus den 70ern und dem heutigen Stand der Technik liegen Welten. Achten Sie beim Kauf auf einen möglichst kleinen g-Wert. Allerdings hat solch ein Sonnenschutzglas auch seine Nachteile. So kommt zum Beispiel im Winter auch weniger Sonne in den Raum. Außerdem wird eher eine künstliche Beleuchtung benötigt. Der Energiebedarf des Hauses steigt damit.

Verschattung von Fenstern:

Faktoren der Strahlungsabminderung nach DIN 4108-6 im Verhältnis zum g-Wert

 
Art des Sonnenschutzes Abminderungsfaktor
Ohne Sonnenschutzvorrichtung 1,0
Innenliegend oder zwischen den Scheiben:
weiß oder reflektierende Oberfläche mit geringer Transparenz 0,75
helle Farben und geringe Transparenz 0,8
dunkle Farben und höhere Transparenz 0,9
Außenliegend:
drehbare Lamellen, hinterlüftet 0,25
Jalousien und Stoffe mit geringer Transparenz 0,25
Jalousien allgemein 0,4
Rollläden, Fensterläden 0,3
Vordächer, Loggien, freistehende Lamellen 0,5
Markisen, oben und seitlich ventiliert 0,4
Markisen, allgemein 0,5

Der Wärmeeintrag durch das Fenster lässt sich außerdem durch Markisen reduzieren. Hier gibt es das Problem, dass sie sehr windanfällig sind und außerdem keinen Regen mögen. Wirklich nutzen lassen sie sich daher nur, wenn Sie zuhause sind. Es gibt aber natürlich auch Markisen, die automatisch bei stärkerem Wind einfahren. Alles eine Preisfrage.

Durch richtige Anordnung von Dachüberständen, Erkern oder Balkonen lässt sich die Überhitzung der Räume ebenfalls reduzieren. Das gilt im Besonderen für Fenster, die der Sonne zugeneigt sind. Die Überstände müssen so konzipiert sein, dass bei hoch stehender Sonne im Sommer die Fenster im Schatten liegen. Im Winter sollte die Sonne jedoch ins Zimmer scheinen und zusätzliche Wärme liefern.

Wärmeintrag durch Wand und Dach

Der Wärmeeintrag durch Wand und Dach hängt ganz maßgeblich von der Masse der Bauteile ab. Schwere Bauteile mit einer hohen Masse reagieren langsamer auf Temperaturschwankungen. So werden extreme Temperaturspitzen abgemildert. Ganz anders sieht es bei leichten Konstruktionen aus. Diesen machen extreme Temperaturen mehr zu schaffen, weil sie sich schneller aufheizen. Sie haben dafür ihre Vorteile im Winter, da sich Räume dann schneller aufheizen lassen.

Die verschiedenen Bauarten haben folgende Kennzeichen:

  • Schwere Bauart: Stahlbetondecke und massive Innen- und Außenwände mit einer gemittelten und flächenbezogenen Rohdichte von über 1.600 kg/m³
  • Mittlere Bauart: Stahlbetondecke und massive Innen- und Außenwände mit einer gemittelten und flächenbezogenen Rohdichte von über 600 kg/m³
  • Leichte Bauart: Alle anderen Konstruktionen wie Trockenbauwände, abgehängte Decken oder Innendämmungen hinter Vorsatzschalen

Wie sieht es bei einer Dämmung aus?

Wir dämmen Wände und Dächer hauptsächlich, um die teure Heizungswärme im Winter drinnen zu halten. Eine Dämmung funktioniert aber auch in die umgekehrte Richtung. Sie hilft dabei, dass im Sommer die Wärme draußen bleibt. Gleichwohl tragen sie nicht im gleichen Maße zur Überhitzung bei wie Fenster. Eine Ausnahme bildet vielleicht ein schlecht oder überhaupt nicht gedämmtes Dach.

Für den sommerlichen Wärmeschutz eignen sich insbesondere Dämmmaterialien mit einer hohen Wärmespeicherfähigkeit. Bei ihnen dauert es länger, bis die Hitze durchgewandert ist. Die Wärme wird gespeichert und in den Nachtstunden wieder freigesetzt. Das nennt sich Phasenverschiebung. Damit es Ihnen über Nacht nicht zu heiß wird, müssen Sie unbedingt in den Nachtstunden lüften.

Dämmstoffe mit einer hohen spezifischen Wärmekapazität sind Hanfdämmung, Holzfaserdämmung oder Dämmungen aus Zelluloseflocken. Nicht ganz so gut schneiden Hartschaumplatten, Polystyrol oder Mineralwolle ab. Wer es im Sommer schön kühl unter dem Dach haben will, sollte daher besser zu den erstgenannten Dämmstoffen greifen.

Standort des Hauses

Auf den Standort des Hauses haben Sie nur bedingt Einfluss, er fließt bei der Berechnung des sommerlichen Wärmeschutz jedoch ebenfalls mit ein. Nach DIN 4108 und EnEV ist Deutschland in drei Klimaregionen A, B und C eingeteilt.

Die Mittelgebirge und die Küstenregionen an Nord- und Ostsee gehören zur Klimaregion A, dort ist es durchschnittlich kälter als im übrigen Deutschland.  Überdurchschnittlich warm ist es entlang von Rhein, Neckar und Mosel. Auch die Regionen rund um Dresden, Halle und Leipzig gehören zur Klimaregion C. Das übrige Deutschland besitzt eine durchschnittliche Wärme und wird der Klimaregion B zugeordnet.

Je nach Standort gilt eine andere  Temperatur als Maßstab, wenn es um den sommerlichen Wärmeschutz geht. Häuser in der Klimaregion A dürfen im Sommer maximal 25 Grad Celsius warm werden, in Klimaregion B sind es 26 Grad Celsius und in Klimaregion C 27 Grad Celsius.

Ausrichtung des Hauses

Die Ausrichtung des Hauses spielt ebenfalls eine wichtige Rolle beim sommerlichen Wärmeschutz. Ein Haus, das viele große Fenster in Richtung Süden und Westen besitzt, heizt natürlich mehr auf als eines, die in diese Himmelsrichtungen gar keine oder nur kleine Fenster besitzt.

In Richtung Sonne keine Fenster einzuplanen, kann allerdings keine Option sein. Zumindest nicht in unseren Breitengraden mit ihren kalten Wintern. Wir wollen es im Winter schließlich in unseren Räumen hell haben und können auf die solaren Energiegewinne nicht verzichten. Große Fensterflächen auf der Südseite können im Winter das ganze Haus mit kostenloser Wärme versorgen.

Was wir ebenfalls nicht missen wollen: Unsere Terrasse in Richtung Süden oder Westen. Natürlich mit großer Glastür. Hier braucht es eine entsprechend Beschattung, um die heißen Sonnenstrahlen im Sommer draußen zu lassen. Wenn Sie die Wahl haben zwischen einer Terrasse im Süden oder einer im Westen – nehmen Sie die Westterrasse. Hier haben Sie einerseits genügend Sonne, andererseits ist der Energieeintrag ins Haus um einiges geringer.

Richtig Lüften im Sommer

Damit Räume im Sommer nicht überhitzen, kommt es ganz entscheidend auf das Lüftungsmanagement an. Insbesondere bei gut gedämmten Häusern sollten Sie nur Lüften, wenn abends die Außentemperatur unter die Innentemperatur sinkt. Tagsüber bleiben daher Fenster und Türen zu, nachts werden sie geöffnet.

Mir selbst fällt das mitunter schwer. Nehmen wir mein Büro, eine echte Wellblechbüchse. Wenn ich bei heißem Wetter morgens um kurz nach sieben dort eintrudle, hat das Thermometer oft bereits die 30-Grad-Celsius-Marke überschritten. Im Raum, draußen ist es dann noch einige Grad kälter. Ich will gar nicht wissen, in welche Bereiche es klettert, wenn das Fenster den ganzen Tag zubleibt.

Nun ist im Büro keine Nachtlüftung möglich, daher lässt es sich nur schwer mit den Bedingungen in den eigenen vier Wänden vergleichen. Gleichwohl müssen Sie stets selbst schauen, wie Sie es handhaben.

Ist keine Nachtlüftung bei Ihnen möglich – zum Beispiel weil es nachts zu laut ist – müssen Sie sich Alternativen überlegen. Eine Möglichkeit wäre der Einbau von kleineren Fenstern, um den solaren Wärmeeintrag in die Wohnräume zu reduzieren. Oder es bleibt am Ende wirklich nur der Einbau einer Klimaanlage.

Richtig lüften – so klappt das mit der frischen Luft

Einfluss interner Wärmequellen

Computer, Kühlschrank und andere elektrischen Geräte geben Wärme ab und tragen dazu bei, dass Räume im Sommer noch wärmer werden als sie eh schon sind. Das gilt natürlich auch für uns selbst. Ein Raum, in dem viele Menschen arbeiten, heizt schneller auf als ein menschenleerer Raum.

Viele Büros können die Anforderungen des sommerlichen Wärmeschutzes daher nur mit Hilfe einer Klimaanlage erreichen. Hier können Sie noch so viel dämmen und Rollladen schließen, wie Sie wollen. Es wird trotzdem warm werden im Raum, wenn Computer laufen und viele Köpfe rauchen.

Fazit

Sommerlicher Wärmeschutz ist ein komplexes Thema. Viele Faktoren spielen eine Rolle, wenn es um überhitzte Räume angeht. Mit geeigneten Maßnahmen lassen sich viele Probleme in den Griff bekommen. Komplett beseitigen lassen sie sich nicht. Es ist durchaus normal, dass selbst in perfekt gedämmten Häusern die Innenraumtemperaturen im Sommer einige Grad höher liegen als im Winter. Es sollte ebenfalls klar geworden sein, dass das Thema nichts ist, was der Selbermacher einfach selbst in die Hand nehmen sollte. Ohne Fachberatung wird es schwierig, die besten Maßnahmen zu ergreifen.

 

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