Selbst produzierter Lärm kommt einem immer weniger dramatisch vor als solcher, der von anderen verursacht wird. Darum drehte sich schon so mancher Streit mit den Nachbarn oder mit den eigenen Familienmitgliedern. Dem Schallschutz sollte daher besondere Bedeutung zugemessen werden, um nicht nur Ruhe im Haus, sondern auch ins Verhältnis zu den anderen Hausbewohnern zu bekommen. Schallschutz wird mit Schalldämmung aber auch mit konstruktiven Maßnahmen sichergestellt.

Schallschutz

Die Nachbarin stöckelt mit ihren hohen Absätzen über das Parkett und raubt Ihnen den letzten Nerv? Die Tochter kommt mitten in der Nacht nach Hause und raubt Ihnen den Schlaf, weil sie erst einmal duscht oder gar badet? Der Fernseher der etwas schwerhörigen Oma von nebenan übertönt den eigenen Flimmerkasten? Nun wird es Zeit, sich mit dem Schallschutz Ihres Hauses bzw. Ihrer Wohnung zu beschäftigen. Grundsätzlich handelt es sich bei den genannten Beispielen jedoch um unterschiedliche Arten von Schall, so dass unterschiedliche Maßnahmen zur Schalleindämmung eingeleitet werden müssen.

Lärm kennt viele Wege oder was bedeutet Luftschall und Körperschall

Zunächst einmal wird zwischen Luftschall und Körperschall unterschieden, der Lärm wird dann entweder überwiegend von der Luft oder überwiegend vom Baukörper übertragen. Meist vermischen sich beide Schallarten, denn das Geräusch der Stöckelschuhe überträgt sich natürlich auch über die Luft, jedoch hauptsächlich über den Baukörper, weshalb es sich dabei um Körperschall, genauer gesagt um Trittschall, handelt. Anders sieht es beim Fernseher der Oma aus. Hier überwiegt der Luftschall, wobei ein Teil des Schalls auch über die Wände zu Ihnen kommt, wenn diese vom Fernseher in Schwingung gebracht werden.

Schallschutz Kinder

Lärmende Kinder sind bei schallgedämmten Wänden nur noch halb so schlimm

Alle Maßnahmen, den Schall zu unterbinden oder zumindest einzudämmen, werden unter dem Begriff „Schallschutz“ zusammengefasst. Am wirkungsvollsten kann Schallschutz bereits in der Planungsphase des Hauses berücksichtigt werden. Alles, was nach Fertigstellung des Hauses in diese Richtung passiert, ist nicht viel mehr als Flickarbeit und meist nicht hundertprozentig zufriedenstellend. Wenn es mit dem Schallschutz nicht so hinhaut, wie gewünscht oder erhofft, kann das daran liegen, dass der Planer geschlampt hat. Häufig sind es aber auch die Handwerker, die das Lärmdesaster zu verantworten haben. Ein Mörtelbrocken, der zwei eigentlich entkoppelte Bauteile verbindet, kann bereits jede Schalldämmung zunichtemachen.

Von Schallschutzfenstern und nervenden Wasserrohren

Wenn ich davon gesprochen habe, dass nachträgliche Schallschutzmaßnahmen nicht befriedigend sind, so betrifft dies nicht Fenster und Türen. Schallschutzfenster und Schallschutztüren können problemlos nachträglich eingebaut werden. Wer in der Nähe eines Flughafens oder in der Innenstadt wohnt, möchte ungern darauf verzichten. Allerdings ist beim Einbau auf einiges zu achten, damit der Schall keinen Weg zu Ihnen ins Haus findet. Es ist daher zu empfehlen, Schallschutzfenster und Schallschutztüren von einem Fachbetrieb einbauen zu lassen. Rund ums Haus gibt es genügend Dinge, die Sie selbst machen können, da können Sie die Fenster und Türen ruhig dem Fachmann überlassen.

Wurde bei der Sanitärinstallation hinsichtlich des Schallschutzes geschludert, lässt sich das nachträglich meist nur mit großem Aufwand beheben. Sind die Rohre erst einmal eingemauert oder einbetoniert, wird es unendlich schwer, die Stelle zu finden, an der die Entkopplung unterbrochen ist. Der bereits erwähnte Mörtelbrocken lässt grüßen. Durch den wandert das Geräusch jedes Wassertropfens direkt in Ihr Gehirn. Und das kann schmerzhaft sein, jeder Folterknecht hätte seinen Spaß daran. Da sie nur schwer sämtliche Rohre freiklopfen und neu entkoppeln können, bleibt nur Schadensbegrenzung, um die Leitungsgeräusche einzudämmen. Und die besteht in der Dämmung der Wände und Decken. Danach bohrt sich der Lärm nicht mehr ganz so stark in Ihren Kopf.

Einschalig oder zweischalig – Schallschutz bei Wänden

Da Wände unterschiedlich aufgebaut sind, braucht es auch unterschiedliche Dämmmaßnahmen. Es gibt zum Beispiel einschalige und zweischalige Wände sowie massive Wände und Wände in Ständerbauweise. Wenn es um den Luftschallschutz geht, haben schwere, einschalige Wände eindeutig einen Vorteil. Durch eine dicke, schwere Außenwand dringt nur wenig Straßenlärm nach innen. Und für die Schwachstellen, also die Maueröffnungen, gibt es die bereits erwähnten Schallschutzfenster und Schallschutztüren. Risse oder gar Fehlstellen darf solch eine Wand natürlich keine besitzen, sonst dringt der Schall durch diese ein. Eine verputzte Wand sorgt für zusätzlichen Schallschutz.

Schallschutz Kinderzimmer

Eine schallgedämmte Wand lässt das Kleinkind ruhig schlafen

Müssen einschalige Wände besonders schwer sein, sieht das bei zweischaligen Wänden schon etwas anders aus. Die beiden Schalen der Wand können entweder biegesteif und dick oder biegeweich und dünn sein. Für zusätzlichen Schallschutz sorgt die Luftschicht oder Dämmschicht zwischen den beiden Mauerschalen. Reihenhäuser oder Wohnungen in Mehrfamilienhäusern besitzen zum Beispiel häufig zweischalige Außenwände, die biegesteif und dick sind. Das sorgt dafür, dass die Nachbarn kaum etwas voneinander mitbekommen. Doch wehe, es besteht eine Verbindung zwischen den Schalen, dann ist Nachbarschaftsstreit vorhersehbar. Als Lösung bietet sich dann an, die beiden Gebäudehälften mit einer riesigen Säge zu trennen. Das ist jedoch sehr aufwändig und teuer.

Schallschutz bei leichten Trennwänden und bei Fertighäusern

Kommen wir zweischaligen Wänden aus einem Ständerprofil und einer Beplankung mit Gipsbauplatten oder OSB-Platten. Solche Wände sind in der Regel bei Fertighäusern. Gipskartonplatten, Gipsfaserplatten und OSB-Platten sind biegeweich und gleichzeitig vergleichsweise schwer. Das ist gut für den Schallschutz, der zunimmt, je weiter die beiden Platten voneinander entfernt sind. Wird der Hohlraum mit einem schallschluckenden Material wie Mineralwolle gefüllt, sorgt dies zudem für Ruhe im Haus. Nun wird dies bei Außenwänden aus Wärmeschutz-Gründen sowieso gemacht, aber auch bei Innenwänden kann dies nicht schaden, schließlich müssen Sie nicht alles mitbekommen, was Ihre Kinder so anstellen.

Es gibt spezielle Dämmstoffe für den Schallschutz, die hinsichtlich der Schalldämmung noch besser sind als ihre Kollegen. Doch die Dämmung ist nicht alles, es müssen zudem Schallbrücken vermieden werden. Schwachstellen sind insbesondere die Anschlüsse der Ständerprofile an Boden und Decke. Die leichten Trennwände müssen an diesen Stellen unbedingt entkoppelt werden. Dies geschieht durch Einlegen spezieller Dämmstreifen. Zusätzlich müssen die Anschlüsse an Decke, Wand und Fußboden gut abgedichtet werden. Nur so bleibt der Luftschall dort, wo er hingehört – nämlich in den eigenen vier Wänden oder draußen vor der Tür. Der Verursacher des Lärms muss dann alleine mit ihm klarkommen. Oder eben damit aufhören, ihn zu verursachen.

Entkopplung ist alles bei Decken und Fußböden

Eine weitere Schwachstelle hinsichtlich des Schallschutzes bilden die Decken. Die stöckelnde Nachbarin habe ich bereits erwähnt, doch auch andere Geräusche kommen gerne durch die Decke. Bei der gilt, was ich bereits zu Wänden geschrieben habe – je mehr Masse, desto besser. Doch Masse hilft bei den Stöckelschuhen auch nicht mehr viel, hier braucht es eine spezielle Trittschalldämmung. Dabei handelt es sich um eine Dämmschicht unter Parkett oder Laminat. Dies wird vom Untergrund entkoppelt und die Übertragung des Schalls unterbrochen. Schallentkopplung ist auch im Zusammenhang mit dem Estrich ein Thema. Der sollte schwimmend eingebaut werden. Der Estrich kommt dann an keiner Stelle mit dem Baukörper direkt in Kontakt. Die Randdämmstreifen dürfen hier nicht vergessen werden, damit der Schall nicht die Wände rauf und runter wandert.

Schallschutz Party

Bei einer schallgedämmten und entkoppelten Decke kann die Party ruhig steigen

Der schwimmende Estrich ist etwas, das bereits im Vorfeld beachtet werden muss, nachträglich ist da kaum mehr etwas zu machen. Den Aufwand, den alten Estrich rauszureißen und einen neuen Estrich einzubringen, möchte kaum jemand auf sich nehmen. Zumal das Haus in der Zeit nicht bewohnbar ist, bis ein Zementestrich trocken ist, kann das schon fast einen Monat dauern. Da ist es einfacher, eine zusätzliche Unterdecke einzuziehen. Unter der eigentlichen Decke wird dann eine weitere Decke aus Gipskartonplatten oder Holzwolle-Leichtbauplatten an sogenannten Abhängern befestigt. Diese müssen vom Untergrund entkoppelt sein, denn sonst entstehen wieder Schallbrücken. Als Altenative bietet sich Putz auf einem Streckmetall bzw. einem Putzträger an. Und auch hier gilt wieder das Motto des Schallschutzes – Entkopplung muss sein.

Fotos: BetonBild, Rigips