Sauerstoff ist das wichtigste Lebensmittel für unseren Körper. Noch viel wichtiger als Wasser und allemal wichtiger als Essen. Das Gute daran –Sauerstoff ist kostenlos. Es besteht keine Notwendigkeit, damit sparsam umzugehen. Meine Kollegen sehen das anders. Kaum sinkt das Thermometer draußen unter 20 Grad, bleibt das Fenster zu. Den ganzen Tag. Lüften – was ist das? Für manche ein Fremdwort. Das Geheimnis der Fensterlüftung – ich enthülle es.

Fensterlüftung

Fenster auf, Frischluft rein – so sollte es sein (Foto: epr/MHZ)

Wenn ich während meiner Arbeitszeit Sauerstoff benötige, muss ich aufs Klo flüchten. Da wird wenigstens gelüftet. Zumindest meistens. Manche meiner Kollegen scheinen sich aber einen Spaß daraus zu machen, die übelsten Gerüche zu hinterlassen und das Fenster zu schließen. Sollen schließlich alle etwas davon zu haben. Aber ich bin abgeschweift – eigentlich wollte ich über das Lüften schreiben.

Ich dachte bislang immer, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, regelmäßig für frischen Sauerstoff zu sorgen. Aber scheinbar habe ich mich getäuscht. Manche scheinen sich richtig wohl zu fühlen im eigenen Mief. Vielleicht weil sie dann so richtig schön benebelt im Kopf sind. Drogenersatz sozusagen. Ich brauche das nicht. Mein Gehirn funktioniert nur einwandfrei, wenn es ständig mit Oxygenium gefüttert wird – so der chemische Name für Sauerstoff.

Ergonomie am Arbeitsplatz – lüften gehört dazu

Theoretisch gehört das Lüften im Büro zur Arbeitsplatzergonomie – so wie richtiges Licht, die passenden Schreibtischstühle oder eine korrekte Tischhöhe. Aber wer kontrolliert das? Bei mir jedenfalls keiner. Und wenn vier Leute im Raum meinen, dass Lüften für sie schädlich sei, bleibt das Fenster eben zu. Da kann ich alleine nicht gegen anstinken. Dann mieft es eben und ich fühle mich nach spätestens zwei Stunden, als wäre ein Bulldozer übers Gehirn gerollt.

Dabei steht sogar etwas in den Arbeitsschutzregeln (ASR) zum Thema Lüften. Die Formulierung ist zwar etwas schwammig, in ASR A3.6 „Lüftung“ steht etwas von „gesundheitlich zuträglicher Atemluft“. Das freut alle Miefepeter, denn sie können argumentieren, dass es ihnen gut geht. Aber stimmt es überhaupt?

Der größte Sauerstoff-Gegner bei mir im Raum kratzt sich ständig und schnieft rum. Das kann alles vom schlechten Raumklima kommen. Und konzentrieren können sich meine Kollegen alle nicht richtig. Behaupten sie zumindest. Sie schieben es aber auf vorbeilaufende Kollegen. Am liebsten würden sie noch die Zimmertür schließen.

Aber immerhin diesen allerkleinsten Kompromiss konnte ich ihnen abringen. Nun steht noch der Sauerstoff vom Gang zum allgemeinen Verbrauch zur Verfügung. Aber großer Luftaustausch findet dort ebenfalls nicht statt. Allenfalls wenn die Tür zum Treppenhaus aufgeht, schwappt etwas frischer Sauerstoff auf die Etage.

Fensterlüftung Büro

Unser Büro im November. Einige Fenster sind offen. Leider nicht die von dem Raum, wo ich sitze

CO2 als Lüftungsindikator

Der CO2-Gehalt in der Luft wird in ppm angegeben, das bedeutet „parts pro million“. Etwa 1.000 ppm, sollten nicht überschritten werden, das entspricht einem Anteil von 1 Promille oder 0,1 Prozent. Als obere Grenze gelten 1.400 ppm. Noch mehr Kohlendioxid in der Luft kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Spätestens jetzt muss das Fenster geöffnet werden. Über die gesundheitliche Auswirkung von mangelndem Lüften im Büro habe ich bereits ausführlich geschrieben. Hier geht es zum Beitrag.

Hier ein kurzer Überblick:

ppm Luftqualität Handlung
350-700 gut Empfehlenswerte Raumluft
> 1.000 grenzwertig Wohlbefinden gestört
⇒ Mehr Lüften
1.400 schlecht Grenzwert im Büro
⇒ Dringend Lüften
1.400-3.500 belastend Wert nach einer Stunde Meeting ⇒ Intensives Lüften
> 3.500 inakzeptabel Maximalwert nach einer Kinovorstellung

Gefahren einer CO2-Vergiftung:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Atemnot
  • Bewusstseinsstörungen
  • Atemstörungen bis Atemstillstand

Hier ein paar Zahlen

In der frischen Luft ist etwa 21 Prozent Sauerstoff und 0,04 Kohlendioxid (CO2) enthalten. In unserer Atemluft sind es hingegen 16 Prozent Sauerstoff und 4 Prozent Kohlendioxid. Der CO2-Gehalt hat sich verhundertfacht.

Frische Luft enthält etwa 21 Prozent Sauerstoff, aber nur 0,04 Prozent Kohlendioxid (CO2). Dagegen atmen wir Luft mit 16 Prozent Sauerstoff, aber schon 4 Prozent Kohlendioxid aus. Der Sauerstoffgehalt der Atemluft wird zwischen Ein- und Ausatmen also nicht mal halbiert, während sich der CO2-Anteil verhundertfacht.

Ein normaler Erwachsener atmet pro Tag mindestens 10.000 Luft ein und aus. Wir sind zu fünft im Raum und sitzen dort etwa von 8 Uhr bis 17:30. Da kann sich jeder ausrechnen, wie es mit dem Gehalt an Sauerstoff und Kohlendioxid am Ende des Tages aussieht. Immer weniger Sauerstoff, dafür ein dicker Batzen Kohlendioxid.

Bereits bei einem Kohlendioxidgehalt von einem Prozent bekommen einige Menschen Kopfschmerzen und  es wird ihnen übel. Ich gehöre dazu – meine Kollegen scheinbar nicht. Dabei ist erwiesen – bei steigendem CO2-Gehalt in der Luft atmen wir schneller und tiefer – und produzieren noch mehr von dem unsichtbaren Gas als unbedingt nötig. Mangelnde Lüften wirkt sich daher doppelt kontraproduktiv auf das Raumklima aus.

Erschwerend kommt bei uns im Büro dazu, dass die Temperatur stets über den Optimalwerten von 20 bis 23 Grad liegt. Dadurch verlieren wir mehr Flüssigkeit über die Haut und durchs Atmen. Das Gehirn bekommt weniger Sauerstoff und wir werden müde. Doppelt müde sozusagen – durch hohe CO2-Werte und hohe Raumtemperaturen.

Fensterlüftung

So sollte Fensterlüftung praktiziert werden

Das CO2 muss raus aus dem Raum

Die Lösung gegen einen zu hohen CO2-Gehalt in der Luft ist ganz einfach: Fenster auf und frische Luft rein. Und zwar regelmäßig. Auch wenn es draußen eisig kalt ist. Dann eben nicht so lange. Aber dennoch mindestens drei Minuten. Und nicht nur das Fenster auf Kipp – ganz auf das Teil. Am besten noch für Durchzug sorgen, damit der ganze Mief schnell draußen ist?

Und wenn ich doch dann friere? Dann eben kurz aufs Klo oder Kaffee holen. Oder eben schnell die Jacke überziehen. Dabei immer im Kopf behalten – nicht die frische Luft macht einen krank. Die verbrauchte Luft ist es. Dort tummeln sich die Viren und Bakterien. Außerdem kann es nicht schaden, sich etwas abzuhärten. Dann schnieft man nicht mehr ganz so häufig.