Am Abend des 12. August 2026 ist über Deutschland eine außergewöhnlich starke partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Wer keine Sonnenfinsternisbrille zur Hand hat, kann das Ereignis trotzdem gefahrlos verfolgen: Eine einfache Lochkamera lässt sich aus einem Karton, etwas Alufolie und Papier in wenigen Minuten selbst bauen.
In Deutschland beginnt die partielle Sonnenfinsternis ungefähr gegen 19:10 Uhr. Je nach Standort werden bis zu rund 90 % der Sonne vom Mond verdeckt. Allerdings steht die Sonne dabei bereits sehr tief. Zum Zeitpunkt der stärksten Verfinsterung befindet sie sich vielerorts nur wenige Grad über dem Horizont. Wichtig ist deshalb ein Beobachtungsplatz mit möglichst freier Sicht nach Westen.

Lochkamera statt Sonnenfinsternisbrille
Eine Lochkamera – genauer gesagt ein Lochprojektor – funktioniert anders als eine Sonnenfinsternisbrille. Sie schauen damit nicht direkt zur Sonne. Stattdessen fällt das Sonnenlicht durch eine winzige Öffnung und erzeugt im Inneren eines Kartons ein kleines Abbild der Sonne.
Schiebt sich der Mond vor die Sonne, ist auf dieser Projektionsfläche statt eines Kreises eine zunehmend schmale Sonnensichel zu erkennen. NASA und Bundesamt für Strahlenschutz empfehlen die Lochprojektion als Möglichkeit, eine Sonnenfinsternis indirekt zu beobachten.

Das brauchen Sie für die Lochkamera
Für eine einfache Lochkamera benötigen Sie nur wenige Dinge, die sich in den meisten Haushalten finden:
- einen länglichen Schuh-, Müsli- oder anderen Karton
- ein Blatt weißes Papier
- ein kleines Stück Alufolie
- Klebeband
- eine Schere oder ein Cuttermesser
- einen Bleistift
- eine dünne Nadel oder Reißzwecke
Ein längerer Karton ist von Vorteil. Je größer der Abstand zwischen Loch und Projektionsfläche ist, desto größer kann das projizierte Sonnenbild werden.

Schritt 1: Weiße Projektionsfläche einkleben
Stellen Sie den Karton mit einer Stirnseite auf das weiße Papier und zeichnen Sie dessen Umriss nach. Schneiden Sie die Fläche anschließend aus.
Das Papier wird innen an eine der beiden Stirnseiten des Kartons geklebt. Auf diesem weißen Hintergrund soll später das Bild der Sonne erscheinen.
Schritt 2: Zwei Öffnungen in den Karton schneiden
An der gegenüberliegende Stirnseite schneiden Sie eine kleine rechteckige oder quadratische Öffnungen aus.
An der Längsseite schneiden Sie zudem noch ein Guckloch
Die Öffnungen müssen nicht groß sein. Einige Zentimeter Kantenlänge reichen aus.
Schritt 3: Eine Öffnung mit Alufolie abdecken
Legen Sie ein Stück Alufolie möglichst glatt über die Öffnung an der Stirnseite und befestigen Sie es rundherum mit Klebeband.
Achten Sie darauf, dass möglichst wenig Licht durch Ritzen zwischen Folie und Karton eindringen kann. Je dunkler es im Inneren des Kartons ist, desto deutlicher lässt sich die Projektion erkennen.
Schritt 4: Ein kleines Loch in die Folie stechen
Stechen Sie mit einer dünnen Nadel oder einer Reißzwecke vorsichtig ein einziges kleines Loch in die Mitte der Alufolie.
Das Loch sollte tatsächlich klein bleiben. Ein größeres Loch lässt zwar mehr Licht in den Karton, verschlechtert aber gleichzeitig die Schärfe der Projektion.
Die Alufolie erleichtert es, eine saubere, kleine Öffnung herzustellen. Genau dieses Prinzip verwendet auch die von der NASA beschriebene Lochkamera.
Schritt 5: Mit dem Rücken zur Sonne stellen
Jetzt kann die Lochkamera ausprobiert werden. Stellen Sie sich dafür mit dem Rücken zur Sonne.
Halten Sie den Karton so, dass die mit Alufolie versehene Seite in Richtung Sonne zeigt. Durch die zweite Öffnung schauen Sie in den Karton auf das weiße Papier am gegenüberliegenden Ende.
Bewegen und drehen Sie den Karton langsam, bis ein heller Fleck auf dem Papier erscheint. Bei richtiger Ausrichtung erkennen Sie darauf ein kleines Abbild der Sonnenscheibe.
Während der partiellen Sonnenfinsternis verwandelt sich dieser Kreis in eine Sichel. Wichtig: Sie schauen dabei ausschließlich auf die Projektion im Karton und nicht durch das Loch zur Sonne.
Achtung: Niemals durch das Loch in die Sonne schauen
Die Bezeichnung „Lochkamera“ kann leicht zu einem Missverständnis führen: Das kleine Loch ist kein Sichtfenster.
Sie dürfen weder mit bloßem Auge noch durch die Öffnung in der Alufolie direkt zur Sonne schauen. Auch eine normale Sonnenbrille schützt die Augen nicht ausreichend.
Besonders gefährlich sind Ferngläser, Teleskope und Kameras ohne dafür geeignete Sonnenfilter. Durch die Optik wird die Sonnenstrahlung zusätzlich gebündelt. Die NASA warnt ausdrücklich davor, solche Geräte ohne korrekt an der Vorderseite angebrachten Sonnenfilter auf die Sonne zu richten.
Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt insbesondere für Kinder eine indirekte Beobachtung mit einer Lochkamera.
Warum zeigt ein kleines Loch die Form der Sonne?
Das Prinzip funktioniert ganz ohne Linse. Licht breitet sich annähernd geradlinig aus. Durch die sehr kleine Öffnung kann von jedem Punkt der Sonnenscheibe nur ein eng begrenztes Bündel von Lichtstrahlen in den Karton gelangen.
Auf der gegenüberliegenden Fläche entsteht dadurch ein Bild der Sonne. Wird ein Teil der Sonnenscheibe vom Mond verdeckt, fehlt dort auch Licht auf der Projektion. Deshalb lässt sich der Verlauf einer partiellen Sonnenfinsternis als Sichel auf dem Papier verfolgen.
Das funktioniert übrigens nicht nur mit einer eigens gebauten Lochkamera. Auch kleine Zwischenräume zwischen Blättern eines Baumes oder die Löcher eines Küchensiebs können während einer partiellen Sonnenfinsternis zahlreiche kleine Abbilder der Sonnensichel auf den Boden projizieren.
Lochkamera vor der Sonnenfinsternis testen
Am besten probieren Sie die Lochkamera bereits vor Beginn der Finsternis aus. Das Prinzip funktioniert auch bei unverdeckter Sonne.
Ist das Sonnenbild kaum zu erkennen, sollten Sie zunächst prüfen, ob zu viel Fremdlicht in den Karton fällt. Ritzen lassen sich mit Klebeband verschließen. Auch ein möglichst weißer Projektionsschirm verbessert den Kontrast.
Heute kommt noch ein zweites Problem hinzu: die tief stehende Sonne. Das Haus der Astronomie gibt für den Beginn der Finsternis eine Sonnenhöhe von nur etwa 12° an. Zum Maximum sind es nur noch rund 4°. Bäume, Häuser und selbst kleinere Erhebungen am westlichen Horizont können die Sicht deshalb schnell versperren.
Wer einen freien Blick nach Westen findet, benötigt für die Beobachtung jedoch keine komplizierte Ausrüstung. Ein Karton, ein Stück Alufolie und ein kleines Loch reichen aus, um verfolgen zu können, wie der Mond am Abend des 12. August Stück für Stück vor die Sonne zieht.





