Ein kleines Windrad im Garten, das auch dann Strom erzeugt, wenn die Solaranlage stillsteht: Für Hausbesitzer klingt das verlockend. Schließlich weht Wind auch nachts und im Winter. Doch während sich Photovoltaikanlagen auf vielen Hausdächern rechnen, sieht es bei kleinen Windkraftanlagen häufig anders aus.
Das Problem ist nicht die Technik, sondern der Standort. Zwischen Häusern und Bäumen ist der Wind oft zu schwach oder zu unregelmäßig. Selbst wenn sich die Rotorblätter drehen, kommt deshalb mitunter erstaunlich wenig Strom heraus.
Ob sich eine Kleinwindkraftanlage lohnt, hängt vor allem von der Windgeschwindigkeit in Rotorhöhe, der Größe der Anlage und den Gesamtkosten ab. Wir erklären, wann ein eigenes Windrad sinnvoll sein kann, was bei der Planung wichtig ist und warum die Nennleistung allein wenig über den tatsächlichen Stromertrag verrät.

Das Wichtigste in Kürze
- Standort: Kleine Windkraftanlagen benötigen ausreichend starken und möglichst gleichmäßigen Wind. Freie, exponierte Flächen sind meist günstiger als dicht bebaute Wohngebiete.
- Ertrag: Eine Anlage mit 5 kW Nennleistung liefert nicht ständig 5 kW. Entscheidend ist, wie häufig am Standort welche Windgeschwindigkeiten auftreten.
- Kosten: Neben dem Windrad müssen Mast, Fundament, Elektrik, Montage und spätere Wartung berücksichtigt werden.
- Dachmontage: Auf Hausdächern können Turbulenzen, Schwingungen und Körperschall erhebliche Probleme verursachen.
- Wirtschaftlichkeit: Für typische Privathaushalte beurteilt die Verbraucherzentrale kleine Windkraftanlagen skeptisch. An guten Standorten kann die Bilanz anders ausfallen.
- Genehmigung: Ob ein Windrad ohne Baugenehmigung aufgestellt werden darf, hängt unter anderem vom Bundesland, der Anlagenhöhe und dem Standort ab.
Wie funktioniert eine Kleinwindkraftanlage?
Eine Kleinwindkraftanlage wandelt die Bewegungsenergie des Windes in elektrische Energie um. Der Wind setzt den Rotor in Bewegung, der wiederum einen Generator antreibt. Die erzeugte elektrische Energie wird anschließend über die entsprechende Leistungselektronik für die vorgesehene Nutzung aufbereitet.
Das Prinzip ist dasselbe wie bei großen Windenergieanlagen. Der Unterschied liegt vor allem in der Größe und den Windverhältnissen. Große Anlagen erreichen mit ihren hohen Türmen Luftschichten, in denen der Wind meist stärker und gleichmäßiger weht. Kleine Windräder müssen häufig mit den Bedingungen in geringerer Höhe auskommen.
Wie Rotor, Generator und weitere Bauteile zusammenarbeiten, erklären wir ausführlicher im Beitrag Wie funktioniert eigentlich eine Windkraftanlage?.
Bei privaten Kleinwindanlagen reicht die Bandbreite von kleinen Geräten mit wenigen Hundert Watt bis zu Anlagen mit mehreren Kilowatt Leistung. Für die Wirtschaftlichkeit ist allerdings weniger entscheidend, welche Nennleistung auf dem Typenschild steht. Wichtiger ist, wie viel elektrische Energie die Anlage unter den tatsächlichen Windbedingungen erzeugt.
Wie viel Strom erzeugt eine Kleinwindkraftanlage?
Eine Kleinwindkraftanlage mit 5 kW Nennleistung erzeugt nicht dauerhaft 5 kW Strom. Dieser Wert wird nur unter bestimmten Bedingungen erreicht, die der Hersteller in seiner Leistungskennlinie angibt.
Bei schwächerem Wind liegt die elektrische Leistung teilweise erheblich darunter. Erst wenn die Windgeschwindigkeit steigt, nimmt auch die Leistung zu.
Der Grund dafür ist ein physikalischer Zusammenhang: Die im Wind enthaltene Leistung steigt mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit. Verdoppelt sich die Windgeschwindigkeit, enthält der Wind bei gleicher Rotorfläche theoretisch die achtfache Leistung.
Die folgende Tabelle verdeutlicht den Zusammenhang.
| Windgeschwindigkeit | Relative Leistung im Wind |
| 3 m/s | 1,0 |
| 4 m/s | 2,4 |
| 5 m/s | 4,6 |
| 6 m/s | 8,0 |
Die Tabelle zeigt die theoretisch im Wind enthaltene Leistung bei gleicher Luftdichte und Rotorfläche. Sie beschreibt weder die tatsächliche elektrische Leistung einer bestimmten Anlage noch das Verhältnis ihrer Jahresstromerträge.
Ein Windrad kann nur einen Teil dieser Energie nutzen. Wie viel Strom tatsächlich entsteht, hängt unter anderem von der Rotorfläche, dem aerodynamischen Wirkungsgrad, dem Generator und der Steuerung ab.
Deshalb können zwei Windkraftanlagen mit derselben Nennleistung bei identischen Windbedingungen unterschiedlich viel Strom produzieren.

Warum die Nennleistung wenig über den Jahresertrag verrät
Wer ein Windrad kauft, sollte sich nicht allein an den beworbenen Kilowatt orientieren. Aussagekräftiger ist die Leistungskennlinie. Sie zeigt, welche elektrische Leistung eine Anlage bei unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten abgibt.
Für die Berechnung des Jahresertrags müssen diese Werte mit den Windverhältnissen am geplanten Standort kombiniert werden. Dabei reicht die durchschnittliche Windgeschwindigkeit allein nicht aus. Entscheidend ist auch, wie häufig schwacher, mittlerer und starker Wind auftritt.
Ein Beispiel: Zwei Grundstücke können dieselbe mittlere Windgeschwindigkeit aufweisen, obwohl der Wind an einem Standort relativ gleichmäßig weht und am anderen zwischen längeren Flauten und kräftigen Böen schwankt. Je nach Leistungskennlinie kann der Jahresertrag unterschiedlich ausfallen.
Die häufig beworbenen hohen Nennleistungen sind deshalb kein Ersatz für eine standortbezogene Ertragsprognose.
Welche Windgeschwindigkeit braucht eine Kleinwindkraftanlage?
Kleinwindanlagen benötigen ausreichend starken Wind, um über das Jahr nennenswerte Strommengen zu erzeugen. Die genaue Mindestgeschwindigkeit hängt vom jeweiligen Modell ab.
Dabei müssen drei Begriffe unterschieden werden: Die Anlaufgeschwindigkeit bezeichnet den Wind, bei dem sich der Rotor zu drehen beginnt. Die Einschaltgeschwindigkeit gibt an, ab wann die Anlage Strom ins elektrische System abgeben kann. Erst bei höheren Windgeschwindigkeiten erreicht sie möglicherweise ihre Nennleistung.
Ein Rotor, der sich bereits bei 2 m/s dreht, produziert deshalb nicht automatisch eine nennenswerte Strommenge.
Als Orientierung nennt der österreichische Klima- und Energiefonds in seinem Kleinwind-Leitfaden eine mittlere jährliche Windgeschwindigkeit von möglichst über 4 m/s. Diese sollte allerdings in der tatsächlichen Nabenhöhe erreicht werden.
Das ist keine feste Wirtschaftlichkeitsgrenze. Eine Anlage kann auch bei höheren Windgeschwindigkeiten unrentabel sein, wenn Anschaffung und Betrieb zu teuer sind. Umgekehrt lässt sich die Eignung eines Standorts nicht allein mit einem einzigen Grenzwert beurteilen.

Warum Häuser und Bäume den Wind verändern
In Bodennähe wird der Wind durch Hindernisse gebremst. Gebäude, Baumgruppen und Geländekanten verändern außerdem seine Richtung und erzeugen Turbulenzen.
Für eine Windkraftanlage hat das mehrere Folgen. Sie erhält weniger nutzbare Windenergie, die Belastungen auf Rotor und Konstruktion können steigen und die Stromerzeugung wird ungleichmäßiger.
Ein Garten inmitten einer Wohnsiedlung ist deshalb häufig ein ungünstiger Standort. Anders sieht es auf einer freien Fläche aus, auf der der Wind ungehindert anströmen kann.
Auch die Masthöhe spielt eine wichtige Rolle. Mit zunehmendem Abstand zum Boden steigt die mittlere Windgeschwindigkeit an vielen Standorten. Gleichzeitig kann die Luftströmung gleichmäßiger werden.
Wie groß der Unterschied zwischen beispielsweise 10 m und 20 m Höhe ausfällt, lässt sich aber nicht pauschal sagen. Er hängt von der Umgebung, der Geländeform und der Oberflächenrauigkeit ab.
Wie lässt sich der Wind am eigenen Grundstück beurteilen?
Ein Windatlas kann bei der ersten Einschätzung helfen. Solche Karten zeigen die Windverhältnisse über größere Gebiete und für bestimmte Höhen.
Für kleine Windkraftanlagen sind ihre Angaben jedoch nur eingeschränkt geeignet. Die lokalen Auswirkungen einzelner Gebäude, Bäume oder Geländekanten lassen sich daraus oft nicht ausreichend genau ableiten.
Wer eine größere Investition plant, benötigt deshalb möglichst belastbare Winddaten aus der vorgesehenen Rotorhöhe.
Der Kleinwind-Leitfaden des Klima- und Energiefonds empfiehlt im Zweifelsfall eine Windmessung über mindestens ein Jahr in Nabenhöhe. So lassen sich auch jahreszeitliche Schwankungen erfassen. Eine einzelne Jahresmessung kann allerdings noch von den langfristigen Windverhältnissen abweichen.
Bei kleineren Projekten können die Kosten einer professionellen Messung bereits einen erheblichen Teil der Investition ausmachen. Umso wichtiger ist eine vorsichtige Ertragsabschätzung.
Ein häufiger Fehler besteht darin, die Windverhältnisse einer nahe gelegenen Wetterstation direkt auf das eigene Grundstück zu übertragen. Misst die Station in anderer Höhe oder in freier Umgebung, können ihre Ergebnisse deutlich von den Bedingungen im Garten abweichen.
Kleinwindkraftanlage auf dem Dach oder im Garten?
Ein Windrad auf dem Hausdach spart Platz und benötigt keinen separaten Mast im Garten. Technisch ist diese Lösung jedoch häufig problematisch.
An Dachflächen und Dachkanten verändert sich die Luftströmung. Je nach Windrichtung entstehen Verwirbelungen, die den Rotor ungleichmäßig anströmen. Das kann den Ertrag verringern und die mechanische Belastung erhöhen.
Hinzu kommen die Schwingungen der Anlage. Sie können über die Befestigung in die Dachkonstruktion und das Gebäude übertragen werden. Im Haus können dadurch störende Geräusche entstehen.
Vor einer Dachmontage muss außerdem geprüft werden, ob die Tragkonstruktion die zusätzlichen Kräfte aufnehmen kann. Dabei geht es nicht nur um das Eigengewicht der Anlage, sondern insbesondere um die dynamischen Lasten durch Wind und Rotorbetrieb.
Eine Dachmontage ist deshalb nicht grundsätzlich ausgeschlossen, benötigt aber eine sorgfältige technische Planung. Ein freistehender Mast kann günstiger sein, wenn dadurch ein besserer Windstandort erreicht wird.
Auch beim freistehenden Windrad müssen Fundament, Standsicherheit, Geräusche und zulässige Abstände berücksichtigt werden.
Weitere Hintergründe zur Diskussion um tieffrequente Geräusche enthält unser Beitrag Windräder, Infraschall und Gesundheit. Die dort behandelten Erkenntnisse zu großen Windenergieanlagen lassen sich allerdings nicht ohne Weiteres auf jedes kleine Windrad übertragen.
Horizontale oder vertikale Kleinwindkraftanlage?
Kleine Windkraftanlagen werden hauptsächlich in zwei Bauformen angeboten. Bei horizontalen Anlagen dreht sich der Rotor um eine annähernd waagerechte Achse. Vertikale Anlagen besitzen eine senkrecht stehende Rotorachse.
Horizontale Windräder entsprechen dem bekannten Aufbau großer Windenergieanlagen. Damit sie den Wind gut nutzen können, muss der Rotor passend zur Windrichtung ausgerichtet sein. Viele kleinere Modelle übernehmen das mithilfe einer Windfahne.
Vertikale Anlagen benötigen keine solche Windnachführung. Sie können Wind aus unterschiedlichen Richtungen aufnehmen. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass sie in turbulenten Wohngebieten automatisch höhere Stromerträge erzielen.
| Eigenschaft | Horizontaler Rotor | Vertikaler Rotor |
| Rotorachse | Waagerecht | Senkrecht |
| Windnachführung | In der Regel erforderlich | Nicht erforderlich |
| Energieausbeute | Bei gutem Windstandort häufig höher | Stark abhängig von Bauart und Ausführung |
| Verhalten bei Turbulenzen | Leistungs- und Belastungsprobleme möglich | Ebenfalls abhängig von Konstruktion und Strömung |
| Typische Bauform | Klassisches Windrad | Beispielsweise Darrieus- oder Savonius-Rotor |
Für den Kauf ist die Bauform allein kein ausreichendes Entscheidungskriterium. Wichtiger sind eine nachvollziehbare Leistungskennlinie, die Betriebssicherheit, die Geräuschentwicklung und die Eignung für den geplanten Standort.
Was kostet eine Kleinwindkraftanlage?
Die Kosten einer Kleinwindkraftanlage hängen stark von Leistung, Rotorgröße, Masthöhe und Montageaufwand ab. Preisangaben, die sich nur auf das Windrad beziehen, sind für die Investitionsentscheidung wenig hilfreich.
Zusätzlich können Ausgaben für Mast, Fundament, Steuerung, Wechselrichter, Netzanschluss und technische Prüfungen entstehen. Auch Wartung und Reparaturen gehören in die Wirtschaftlichkeitsrechnung.
Eine Orientierung bietet der Kleinwind-Leitfaden des österreichischen Klima- und Energiefonds. Er nennt durchschnittliche Installationskosten von rund 5.023 € je kW Nennleistung. Die zugrunde liegenden Daten beziehen sich auf den österreichischen Markt und lassen sich nicht unmittelbar als deutsche Marktpreise verwenden.
Rechnerisch entspräche dieser Durchschnitt bei einer Anlage mit 5 kW rund 25.100 €. Die tatsächlichen Kosten eines konkreten Projekts können deutlich davon abweichen.
Vor dem Kauf sollten deshalb Angebote für die vollständig installierte und betriebsbereite Anlage eingeholt werden.
Was kostet der selbst erzeugte Windstrom?
Ob sich die Investition rechnet, zeigt erst der Vergleich zwischen den Gesamtkosten und dem tatsächlich erzeugten Strom.
Für eine vereinfachte Rechnung nehmen wir folgende Werte an:
- Vollständige Anfangsinvestition: 25.000 €
- Jährlicher Stromertrag: 3.000 kWh
- Betrachtungszeitraum: 20 Jahre
- Angenommener Gesamtertrag: 60.000 kWh
Daraus ergeben sich rechnerisch 25.000 € ÷ 60.000 kWh = rund 0,42 €/kWh.
Dabei handelt es sich ausdrücklich um ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten, nicht um die Prognose für eine bestimmte Anlage.
Die Rechnung berücksichtigt bislang weder Wartung noch Reparaturen, Finanzierungskosten oder mögliche Veränderungen des Ertrags. Auch der Zeitpunkt der anfallenden Kosten wird nicht einbezogen. Die tatsächlichen Stromgestehungskosten können deshalb höher ausfallen.
Selbst erzeugter Windstrom ist zudem nicht automatisch vollständig selbst nutzbar. Produziert die Anlage Strom, während der Haushalt wenig verbraucht, muss der Überschuss gespeichert, eingespeist oder anderweitig verwendet werden.

Wann lohnt sich eine Kleinwindkraftanlage?
Eine Kleinwindkraftanlage kann wirtschaftlich interessant werden, wenn mehrere Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sind: Der Standort ist ausreichend windreich, die Anlage kann ohne übermäßig hohe Zusatzkosten installiert werden und ein möglichst großer Teil des erzeugten Stroms wird selbst genutzt.
Besonders prüfenswert sind deshalb freie Standorte mit größerem Strombedarf, beispielsweise bei landwirtschaftlichen Betrieben oder bestimmten Gewerbebetrieben.
Ein hoher Stromverbrauch allein genügt jedoch nicht. Entscheidend ist, ob der Verbrauch zeitlich zur Stromproduktion passt und welche Kosten dadurch tatsächlich vermieden werden.
Für ein normales Einfamilienhaus in einem dicht bebauten Wohngebiet sieht die Rechnung häufig ungünstig aus. Die Verbraucherzentrale beurteilt die Wirtschaftlichkeit kleiner Windkraftanlagen in Privathaushalten entsprechend kritisch.
Kann Windkraft eine Photovoltaikanlage ergänzen?
Grundsätzlich ja. Windenergie und Photovoltaik haben unterschiedliche Erzeugungsprofile. Während Solaranlagen vor allem tagsüber und in den sonnenreicheren Monaten viel Strom liefern, kann Windenergie insbesondere im Winterhalbjahr zusätzliche Erträge ermöglichen.
Ob das am eigenen Standort tatsächlich funktioniert, muss jedoch geprüft werden. Es ist keineswegs garantiert, dass bei fehlendem Sonnenschein ausreichend Wind weht.
Photovoltaikanlagen produzieren übrigens auch bei bewölktem Himmel Strom, wenn auch weniger als bei direkter Sonneneinstrahlung. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Funktioniert Photovoltaik nur bei Sonne?.
Die Kombination aus Photovoltaik, Windkraft und Batteriespeicher kann den Anteil selbst erzeugten Stroms am Gesamtverbrauch erhöhen. Ein Speicher macht eine unwirtschaftliche Windkraftanlage aber nicht automatisch rentabel. Er verursacht zusätzliche Kosten und kann nur Strom speichern, der tatsächlich produziert wird.
Braucht man für eine Kleinwindkraftanlage eine Genehmigung?
Ob eine Kleinwindkraftanlage genehmigt werden muss, hängt vom Bundesland, der Anlagenhöhe, dem Standort und den örtlichen baurechtlichen Vorgaben ab.
Eine bundesweit einheitliche Regel, nach der Windräder bis zu einer bestimmten Höhe grundsätzlich genehmigungsfrei sind, gibt es nicht.
Ein Beispiel ist Nordrhein-Westfalen. Nach § 62 BauO NRW sind Kleinwindanlagen bis 10 m Gesamthöhe unter bestimmten Voraussetzungen verfahrensfrei. Diese Regelung gilt jedoch ausdrücklich nicht in reinen, allgemeinen und besonderen Wohngebieten sowie in Mischgebieten.
Auch eine verfahrensfreie Anlage muss die sonstigen öffentlich-rechtlichen Anforderungen einhalten. Dazu können je nach Vorhaben Vorgaben zum Lärmschutz, zur Standsicherheit, zum Naturschutz und zum Bauplanungsrecht gehören.
Im Außenbereich gelten ebenfalls besondere Regeln. Dass auf einem Grundstück viel Platz vorhanden ist, bedeutet nicht automatisch, dass dort eine Windkraftanlage errichtet werden darf.
Vor der Anschaffung empfiehlt sich daher eine schriftliche Klärung mit der zuständigen Bauaufsichtsbehörde. So lässt sich feststellen, ob die geplante Anlage am konkreten Standort zulässig ist und welche Unterlagen benötigt werden.
Soll die Kleinwindkraftanlage an das öffentliche Stromnetz angeschlossen werden, muss außerdem die technische Einbindung mit dem Netzbetreiber abgestimmt werden. Die Anlage ist grundsätzlich auch im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur zu registrieren. Die konkreten Anforderungen hängen von der Anlagenkonfiguration ab.
Worauf sollte man beim Kauf achten?
Bevor Sie eine Kleinwindkraftanlage bestellen, sollten Sie nicht nur verschiedene Geräte vergleichen. Entscheidend ist, ob die angebotene Anlage zu Ihrem Grundstück und Ihrem Stromverbrauch passt.
Diese Punkte sollten vor einer Investition geklärt sein:
- Windverhältnisse: Liegen belastbare Daten für die vorgesehene Rotorhöhe vor?
- Leistungskennlinie: Gibt der Hersteller nachvollziehbar an, wie viel Strom die Anlage bei unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten erzeugt?
- Jahresertrag: Beruht die Prognose auf den Bedingungen am eigenen Standort?
- Montage: Sind Mast, Fundament, Standsicherheit, Geräuschentwicklung und Wartungszugang geklärt?
- Genehmigung: Ist die Anlage am vorgesehenen Standort baurechtlich zulässig?
- Gesamtkosten: Sind sämtliche Investitionen sowie laufende Kosten berücksichtigt?
- Stromnutzung: Wie viel der erzeugten Energie kann voraussichtlich selbst verbraucht werden?
Bei der technischen Auswahl lohnt es sich außerdem, auf dokumentierte Prüfungen und die Einhaltung einschlägiger Sicherheitsanforderungen zu achten. Für kleine Windenergieanlagen ist insbesondere die Norm DIN EN IEC 61400-2 relevant.
Fehlen belastbare Daten zur Leistungskennlinie oder zum erwarteten Jahresertrag, ist eine seriöse Wirtschaftlichkeitsbewertung kaum möglich.
Fazit: Kleinwindkraft lohnt sich nicht auf jedem Grundstück
Kleinwindkraftanlagen können Strom aus erneuerbarer Energie direkt am Verbrauchsort erzeugen. Ihr wirtschaftlicher Nutzen hängt jedoch erheblich stärker von den örtlichen Windbedingungen ab, als es die Nennleistung vieler angebotener Geräte vermuten lässt.
Für ein Einfamilienhaus zwischen Nachbargebäuden und Bäumen sind die Voraussetzungen häufig ungünstig. Auch ein Windrad auf dem Dach löst das Problem nicht automatisch. Es kann vielmehr zusätzliche Schwierigkeiten durch Turbulenzen, Schwingungen und Geräusche verursachen.
Anders kann die Situation auf freien, windreichen Grundstücken aussehen. Dort lohnt sich eine genauere Prüfung, insbesondere wenn ein größerer Teil des erzeugten Stroms direkt verbraucht werden kann.
Entscheidend ist eine realistische Ertrags- und Kostenrechnung vor dem Kauf. Wer allein auf die beworbene Leistung oder einen niedrigen Gerätepreis achtet, kann die tatsächlichen Kosten pro Kilowattstunde erheblich unterschätzen.
Häufige Fragen zu Kleinwindkraftanlagen
Wie viel Strom liefert eine Kleinwindkraftanlage mit 5 kW?
Das hängt von der Leistungskennlinie und den Windverhältnissen am Standort ab. Die Nennleistung von 5 kW wird nur unter bestimmten Bedingungen erreicht. Für einen belastbaren Jahresertrag müssen Winddaten und Leistungskennlinie miteinander verknüpft werden. Eine allgemeingültige Jahresstrommenge lässt sich nicht nennen.
Ab welcher Windgeschwindigkeit lohnt sich ein kleines Windrad?
Der Klima- und Energiefonds empfiehlt für günstige Voraussetzungen möglichst mehr als 4 m/s mittlere Jahreswindgeschwindigkeit in Nabenhöhe. Ob eine Anlage wirtschaftlich ist, hängt aber auch von den Kosten, der Leistungskennlinie und der Nutzung des erzeugten Stroms ab.
Kann ich eine Kleinwindkraftanlage auf dem Dach montieren?
Grundsätzlich ist das möglich, sofern die technischen und rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Dachkanten können allerdings ungünstige Windströmungen verursachen. Zudem sind die Standsicherheit der Konstruktion sowie die Übertragung von Schwingungen und Geräuschen zu prüfen.
Sind vertikale Windräder für den Garten besser geeignet?
Nicht grundsätzlich. Vertikale Anlagen benötigen zwar keine Windnachführung, liefern dadurch aber nicht automatisch höhere Erträge. Entscheidend sind die konkrete Konstruktion und die Windbedingungen am Standort.
Wie lange hält eine Kleinwindkraftanlage?
Die Nutzungsdauer hängt von Konstruktion, Standortbedingungen, Belastungen und Wartung ab. Für Wirtschaftlichkeitsrechnungen werden teilweise 20 Jahre angesetzt. Eine solche Annahme ist jedoch keine Garantie, dass alle Bauteile ohne größere Reparaturen so lange funktionieren.
Was ist besser: Kleinwindkraftanlage oder Photovoltaik?
Für typische Einfamilienhäuser ist Photovoltaik meist die wirtschaftlichere und besser kalkulierbare Lösung. Kleinwindkraft kann an besonders geeigneten Windstandorten eine Ergänzung sein. Ein Vergleich sollte anhand der vollständigen Investitionskosten und der erwarteten nutzbaren Stromerträge erfolgen.
Quellen
- Verbraucherzentrale – Kleinwindkraftanlagen: Das sollten Sie wissen (3. März 2026). Bewertung von Ertrag, Standortbedingungen und Wirtschaftlichkeit kleiner Windräder in Privathaushalten.
- Klima- und Energiefonds – Leitfaden Kleinwindkraft 2026. Fachliche Grundlage zu Windmessungen, Ertragsabschätzungen und Installationskosten.
- Landesbauordnung NRW, § 62 (Fassung vom 1. September 2026). Rechtsgrundlage für verfahrensfreie Kleinwindanlagen und Ausnahmen in Wohn- und Mischgebieten.
- Bundesnetzagentur – Marktstammdatenregister. Offizielle Informationen zur Registrierung von Stromerzeugungsanlagen.
- DKE – DIN EN IEC 61400-2. Normative Anforderungen an Konstruktion und Sicherheit kleiner Windenergieanlagen.



