Welche Treppen gibt es? Treppenplanung von A bis Z

Wer sein Haus plant, beschäftigt sich höchstwahrscheinlich früher oder später auch mit Treppen – es sei denn, er wohnt in einem ebenerdigen Bungalow ohne Keller. Für alle anderen ist die Treppenplanung ein wichtiges Thema. Welche Materialien werden verwendet? Welche Treppentypen gibt es? Wie sieht es mit den Abmessungen aus? Hier erfahren Sie alles über die verschiedenen Arten und Ausführungen von Treppen.

Treppenplanung

Grundsätzliches zur Treppenplanung

Bevor Sie sich mit den verschiedenen Arten von Treppen beschäftigen, geht es erst einmal darum, den perfekten Platz für sie zu finden. Prinzipiell bieten sich drei Möglichkeiten: Offen im Raum, mit eigenem Treppenhaus oder separat in Diele oder Flur.

Ein eigenes Treppenhaus findet sich in der Regel in Mehrfamilienhäusern. Es ermöglicht jedoch auch, eine große Wohnung später einmal (zum Beispiel, wenn die Kinder aus dem Haus sind) in mehrere kleine Wohnungen zu unterteilen.

freitragend Treppe
Luftig und leicht: eine freitragende Treppe (Foto: epr/Kenngott)

Andererseits kann es reizvoll sein, die Treppe ins Wohnzimmer zu integrieren. Bei entsprechend ästhetischer Gestaltung lässt sie den Raum größer wirken und wirkt fast wie ein schönes Möbelstück. Ein Problem: Die warme Heizungsluft steigt über die Treppe stets nach oben. Ein abgegrenztes Treppenhaus braucht nicht so warm zu sein, da es nur für den Durchgangsverkehr genutzt wird.

Apropos Durchgangsverkehr. Dieser spricht für eine Treppe in der Diele oder dem Flur. So müssen die anderen Familienangehörigen nicht stets durchs Wohnzimmer marschieren, während Sie einen spannenden Spielfilm schauen. Andererseits haben Sie besser unter Kontrolle, wann Ihre Kinder kommen und gehen.

Vieles steht und fällt bei der Treppenplanung letztlich mit dem verfügbaren Platz. Ist wenig Platz vorhanden, bieten sich Wendel- oder Spiraltreppen an. Bequemer zu begehen sind hingegen gerade Treppen oder Podesttreppen. Sie erleichtern zudem den Transport von sperrigen Gegenständen.

Die verschiedenen Treppentypen

Ganz unabhängig vom Material gibt es verschiedene Treppentypen. Die Unterscheidung erfolgt nach verschiedenen Kriterien, zum Beispiel hinsichtlich der Laufrichtung und der Bauform. Neben den hier vorgestellten Grundformen gibt es noch zahlreiche Varianten und Kombinationen

Treppen nach Laufrichtung

Hinsichtlich der Laufrichtung lassen sich zum Beispiel gerade Treppen, Podesttreppen, Wendeltreppen und Spiral- bzw. Spindeltreppen unterschieden.

Gerade Treppen

Gerade Treppen sind die einfachste Art, um zwei Ebenen miteinander zu verbinden. Die Treppenstufen werden in einer Linie angeordnet und der Laufweg ist gerade. Solch eine Treppe besteht aus mindestens 3 und höchstens 18 Stufen. Danach ist ein Podest notwendig.

Gerade Treppe
Direkte Verbindung zwischen zwei Ebene: Gerade Treppe (Foto: epr/Kenngott)

Gerade Treppen benötigen relativ viel Platz, weshalb im Wohnungsbau häufig andere Treppentypen zum Einsatz kommen. Andererseits lässt sich der Platz unter der Treppe gut als Stauraum nutzen. Bei einer geraden Treppe ohne Zwischenpodest spricht man von einläufiger Treppe.

Podesttreppen

Wie bereits geschrieben, ist nach höchstens 18 Stufen ein Zwischenpodest notwendig. Dessen Tiefe beträgt mindestens die Laufbreite. Nach dem Podest geht es entweder gerade oder abgewinkelt weiter.

Podesttreppe
Treppe mit Podest und Richtungswechsel (Foto: epr/Portas)

Die Treppenläufe sind zum Beispiel im rechten Winkel oder in einem 180-Grad-Winkel angeordnet. In diesem Fall spricht der Fachmann von einem Wendepodest. Podesttreppen sind auf jeden Fall mehrläufige Treppen. Gibt es ein Podest, ist die Treppe zweiläufig, bei zwei Podesten dreiläufig, usw.

Wendeltreppen

Bei einer Wendeltreppe werden zwei Ebenen kreisförmig miteinander verbunden. Wie eine Schraube winden sich die Treppenstufen nach oben – in der Mitte bleibt eine freie Fläche, das sogenannte Treppenauge.

Wendeltreppe
Häufig zu finden: Wendeltreppe (Foto: epr/Portas)

Wendeltreppen sind recht häufig im Treppenbau anzufinden, benötigen sie doch recht wenig Platz und sind dennoch einigermaßen bequem zu begehen. Bei längeren Treppenläufen sind auch Zwischenpodeste möglich.

Spiral- und Spindeltreppen

Spiral- und Spindeltreppen sind echte Platzsparer und eine Variante der Wendeltreppe. Die Treppenstufen führen in einem engen Radius nach oben bzw. unten. Ein Treppenauge wie bei Wendeltreppen gibt es nicht (es ist ziemlich klein), an dessen Stelle tritt eine Säule bzw. Spindel. An ihr sind die Treppenstufen spiralförmig befestigt.

Spindeltreppe
Raumsparende Spindeltreppe (Foto: epr/Treppen Intercon)

Spindel- und Spiraltreppen sparen jede Menge Platz, das geht aber auf Kosten der Bequemlichkeit. Es geht doch recht eng auf solch einer Treppe zu. Sperrige Möbel wie ein Sofa oder eine Kommode lassen sich nur schwer bis gar nicht darüber transportieren.

Bogen- und Polygonaltreppen

Bei Bogen- und Polygonaltreppen sind die Treppenstufen bogenförmig angeordnet. Das Treppenauge ist mal mehr oder weniger groß. Je breiter das U, das heißt, je größer das Treppenauge, desto prägender ist die Raumwirkung.

Bei der Polygonaltreppe besteht die Begrenzung nicht aus einem Bogen, sondern aus mehreren Geraden. Was die Begehbarkeit angeht, ändert sich dadurch nicht viel, es ist hauptsächlich eine Sache der Optik.

verschiedene Treppentypen
verschiedene Treppentypen

Treppen nach Bauform

Kommen wir zu den verschiedenen Bauformen von Treppen. Zu unterscheiden sind zum Beispiel Wangentreppen, Holmtreppen, Kragtreppen, Spindeltreppen, Bolzentreppen, Faltwerktreppen und Massivtreppen.

Wangentreppen

Bei der Wangentreppe handelt es sich um einen Klassiker im Treppenbau. Die Treppenstufen werden hierbei rechts und links in zwei Wangen eingelassen. Die Treppenwangen bestehen zum Beispiel aus Holz, Stahl oder glasfaserverstärktem Kunststoff.

Wangentreppe
Typische Wangentreppe mit Stahlwangen (Foto: epr/Streger)

Wangentreppen haben den Vorteil, dass sich einzelne Treppenstufen problemlos austauschen lassen, wenn sie defekt sind. Wangentreppen gibt es gerade Treppen, Podesttreppen oder auch Wendeltreppen. Es gibt auch die Variante mit einer Wange, während die Stufen auf der anderen Seite an der Wand befestigt sind.

Holmtreppen

Bei einem Holmtreppe werden die Treppenstufen nicht zwischen zwei Wangen montiert – wie bei der Wangentreppe – sondern liegen auf den Wangen auf. Diese werden dann auch Holme genannt. Eine andere Bezeichnung ist aufgesattelte Treppe.

Mittelholmtreppe
Ein Mittelholm trägt die Treppe (Foto: epr/Treppen Intercon)

Die Tragholme sind unten auf dem Boden aufgestellt und werden oben an der Deckenkonstruktion aufgehängt. Sie werden aus Metall, Beton oder Holz gefertigt. Die Holme können unterschiedlich angeordnet sein, so lassen sich zum Beispiel Einholm-, Doppelholm- oder Zweiholmtreppen unterscheiden.

Holmtreppen mit einem mittig angeordnetem Holm kommen häufig als Raumspartreppen zum Einsatz. Sie werden dann auch als Mittelholmtreppen bezeichnet. Die Stufen sind dann als Watschelstufen auf der einen Seite breiter als auf der anderen.

Kragtreppen

Bei einer Krag- bzw. Kragstufentreppe wird das eine Ende der Stufen an der Wand befestigt bzw. darin eingespannt. Das andere Ende ragt frei in den Raum. Der Fachmann spricht hier von auskragen, daher die Bezeichnung Kragtreppe.

Kragtreppe
Einzelne in die Wand eingelassene Stufen: Kragtreppe (Foto: epr/Osmo)

Kragtreppen gibt es zum Beispiel aus Stein, Holz, Stahl oder Beton, wobei sich die Konstruktionsweisen jeweils etwas unterscheiden. Wichtig ist auf jeden Fall eine sichere Verankerung, damit die Stufen unter Belastung halten.

Spindeltreppen

Zu Spindeltreppen haben Sie im vorherigen Kapitel bereits einiges erfahren. Zentraler Bestandteil ist die mittige Stütze bzw. Spindel. Die ist in der Regel aus Metall und dort werden die Treppenstufen ringförmig befestigt.

Die Spindel muss die gesamte Last der Treppe tragen, durch die Wendelung ist die Treppe recht eng. Dadurch zählen Spindeltreppen nicht als Hauptreppe, sondern nur als Nebentreppe. Das ist aus Brandschutzgründen wichtig, da eine Spindeltreppe nicht als einzige Verbindung zwischen zwei Stockwerken fungieren darf.

Bolzentreppen

Bei einer Bolzentreppe werden die einzelnen Stufen mit Hilfe von Bolzen verbunden. Sie zeichnet sich durch eine äußerst filigrane Bauweise aus. Neben den Stufen aus Holz oder Granit sind nur noch Bolzen und Wandanker notwendig. Eine Unterkonstruktion gibt es nicht.

Bolzentreppe
Wirkt besonders leicht: Bolzentreppe (Foto: Kenngott)

Es lassen sich geradläufige und gewendelte Bolzentreppen unterscheiden. Bei der geradeläufigen Treppe sind alle Treppenstufen gleich groß, gewendelte Bolzentreppen haben hingegen verschieden große Treppenstufen.

Faltwerktreppen

Faltwerktreppen erwecken den Eindruck, wie aus einem Guss gefertigt zu sein. Sie sind daher insbesondere unter Puristen äußerst beliebt. Sie sind in verschiedenen Varianten erhältlich, zum Beispiel als gerade oder halbgewendelte Treppe.

Faltwerktreppe
Wie aus einem Guss: Faltwerktreppen (Foto: epr/Streger)

Faltwerktreppen werden mit Bolzen an der Wand befestigt und sind aus verschiedenen Materialien wie Stahl oder Holz erhältlich.

Massivtreppen

Wie der Name bereits erahnen lässt, werden solche Treppen aus einem massiven Werkstoff wie Mauerwerk, Naturstein oder Beton errichtet. Betontreppen lassen sich vor Ort betonieren oder als Fertigteil eingebaut werden. Auch Kombinationen aus Fertigteil und Ortbeton sind möglich.

Massivtreppen erhalten zum Beispiel Treppenstufen aus Holz oder werden gefliest. Massive Kellertreppen werden häufig auch nur gestrichen oder ganz roh belassen.

Aus diesen Materialien werden Treppen hergestellt

Die wichtigsten Materialien für Treppen sind sicherlich Holz, Stahlbeton oder Stahl. Wobei auch Kombinationen aus Stahl und Holz oder Stahl und Glas denkbar sind,

Holztreppen

Schon alleine durch die Maserung sind Holztreppen äußerst beliebt. Was den Gestaltungsfreiraum angeht, gibt es kaum Grenzen. Zudem lässt sich Holz gut mit anderen Materialien kombinieren. Aus Brandschutzgründen dürfen Holztreppen allerdings nur in Gebäuden bis zu zwei Wohnungen eingebaut werden.

Holztreppe
Immer eine Überlegung wert: Massivholztreppen (Foto: epr/Treppen Intercon)

Für die Stufen sollten harte Hölzer verwendet werden, während es bei den Treppenwangen hauptsächlich auf die Elastizität des Holzes ankommt. Hier bieten sich zum Beispiel Kiefer, Lärche, Tanne und Kiefer an, aber auch Ahorn, Eiche, Buche oder Esche.

 Stahlbetontreppen

Stahlbetontreppen zählen zu den Massivtreppen, sie werden entweder aus Ortbeton oder Fertigteilen hergestellt. Wenn es verstärkt auf Brandschutz ankommt, sind sie genau die richtige Wahl. In Sachen Schallschutz müssen geeignete Maßnahmen wie Entkopplung oder Trittschalldämmung getroffen werden, um Geräusche zu minimieren.

Betontreppen
Betontreppen sind robust und perfekt für Brandschutz (Foto: epr/BetonBild)

Stahlbetontreppen kommen gerne als Kellertreppen oder Gartentreppen zum Einsatz. Wie Sie eine kleine Treppe selbst betonieren, erfahren Sie in dieser Anleitung.

Stahltreppen

Während Stahlbetontreppen eher klobig sind, überzeugen Stahltreppen durch ihre filigrane Optik. Die tragenden Bauteile können bei Stahl wesentlich kleiner ausfallen als bei Stahlbeton. Neben genormtem Baustahl kommen manchmal auch Edelstahl oder Aluminium zum Einsatz.

Stahltreppe
Eigen sich gut für den Außenbereich: Stahltreppen (Foto: epr/Treppen Intercon

In Innenräumen kommen Stahltreppen häufig in Kombination mit Glas und Holz zum Einsatz. Die Wangen bzw. Holme werden dann aus Stahl gefertigt, während die Stufen aus den genannten Materialien bestehen.

Abmessungen von Treppen

Wie das meiste andere auf dem Bau sind Treppen ebenfalls genormt. Das heißt, es gibt Richtwerte hinsichtlich Breite der Treppe, Höhe der Steigung und Tiefe des Auftritts. Die Maße nach DIN 18065 entnehmen Sie der folgenden Tabelle:

Treppenart

Nutzbare Breite in cm

Steigung der Treppe

Auftritt der Treppe

Mindestmaß in mm

Maximalmaß

In mm

Mindestmaß in mm

Maximalmaß

In mm

Gebäude im Allgemeinen

Baurechtlich notwendige Treppen

100

140

190

260

370

Baurechtlich nicht notwendige Treppen

50

140

210

210

370

Wohngebäude mit nicht mehr als 2 Wohnungen und innerhalb von Wohnungen

Baurechtlich notwendige Treppen

80

140

200

230

270

Baurechtlich nicht notwendige Treppen

50

140

210

210

370

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