Ein Baum ist schnell gekauft. Ob er wirklich in den Garten passt, zeigt sich oft erst Jahre später. Dann reicht die Krone bis übers Dach, Wurzeln drücken Pflaster hoch oder der Baum kümmert, weil Boden und Standort nicht zu seinen Ansprüchen passen.
Vor dem Kauf lohnt es sich deshalb, nicht nur auf Blüte, Herbstfärbung oder die aktuelle Größe zu schauen. Wichtiger sind die ausgewachsene Höhe und Breite, der verfügbare Wurzelraum, Boden und Wasserversorgung sowie die Abstände zu Haus und Grundstücksgrenze.
Überlegen Sie außerdem, welche Aufgabe der Baum übernehmen soll. Soll er Schatten spenden, als Sichtschutz dienen, Früchte liefern oder vor allem den Garten gestalten? Auch der spätere Pflegeaufwand spielt eine Rolle: Manche Bäume müssen regelmäßig geschnitten werden, andere produzieren viel Laub oder Früchte.

Vor dem Kauf
Eine erste Auswahl lässt sich bereits vor dem Kauf treffen. Bei der Venovi Baumschule Online können Sie Bäume beispielsweise nach Eigenschaften und Standortbedingungen auswählen. Solche Angaben helfen bei der Vorauswahl. Ob ein Baum wirklich passt, entscheidet aber immer der konkrete Platz im eigenen Garten.
Schauen wir uns nun an, welche sieben Fehler Sie beim Kauf und Pflanzen des Baumes vermeiden sollten.
Fehler 1: Nur auf die Größe beim Kauf schauen
Ein zwei Meter hoher Jungbaum wirkt überschaubar. Für die Gartenplanung zählt jedoch, wie groß er in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren werden kann.
Achten Sie deshalb vor allem auf:
- die zu erwartende Wuchshöhe,
- die spätere Kronenbreite,
- die Wuchsform,
- die Wachstumsgeschwindigkeit.
Eine ausgewachsene Baumkrone mit acht oder zehn Metern Durchmesser lässt sich nicht sinnvoll auf einen drei Meter breiten Bereich begrenzen. Regelmäßiges starkes Zurückschneiden ist dafür keine gute Dauerlösung und wird nicht von jeder Baumart gleichermaßen vertragen.
Auch Begriffe wie „Kugelbaum“ oder „Säulenbaum“ bedeuten nicht automatisch, dass der Baum klein bleibt. Manche Sorten wachsen schmal, werden aber mehrere Meter hoch. Andere bilden im Alter eine deutlich breitere Krone, als der Name zunächst vermuten lässt.
Für begrenzte Grundstücke gibt es jedoch zahlreiche passende Arten und Sorten. Eine Auswahl finden Sie in unserem Ratgeber Kleine Bäume für den Garten: Die besten Arten für begrenzten Raum.
Tipp: Messen Sie den verfügbaren Platz aus und markieren Sie auf dem Boden ungefähr den späteren Kronendurchmesser. Acht Meter wirken auf dem Datenblatt abstrakt – im eigenen Garten sieht das schnell anders aus.

Fehler 2: Haus, Terrasse und Dachrinne vergessen
Nicht nur die Grundstücksfläche entscheidet darüber, ob ein Baum an einen Standort passt. Schauen Sie auch darauf, was rundherum liegt.
Ein Baum unmittelbar neben der Terrasse kann im Sommer angenehmen Schatten spenden. Einige Jahre später hängt seine Krone möglicherweise über dem Dach, verschattet Wohnräume oder lässt Früchte, Samen und Blätter auf Terrasse und Wege fallen.
Steht ein Laubbaum direkt neben dem Haus, landet im Herbst außerdem ein Teil der Blätter in der Dachentwässerung. Wie Sie eine Dachrinne reinigen und Verstopfungen vermeiden, erklären wir in einem eigenen Ratgeber.
Berücksichtigen Sie deshalb bei der Standortwahl:
- Haus und Garage,
- Terrasse und Gartenwege,
- Dach und Dachrinne,
- Mauern und Einfassungen,
- unterirdische Leitungen,
- Nachbargrundstücke.
Auch versiegelte Flächen spielen eine Rolle. Ein Baum benötigt nicht nur oberirdisch Platz für seine Krone, sondern unterirdisch genügend durchwurzelbaren Boden. Zwischen Hauswand, Pflasterfläche und Grundstücksgrenze kann dieser Raum wesentlich kleiner sein, als der freie Platz auf den ersten Blick vermuten lässt.
Fehler 3: Den vorhandenen Boden ignorieren
Ein sonniger Standort mit ausreichend Platz nützt wenig, wenn der Baum mit dem Boden nicht zurechtkommt.
Schwere, lehmige Böden können viel Wasser speichern. Sind sie zusätzlich verdichtet, versickert Niederschlag schlecht und es kann Staunässe entstehen. Den Wurzeln fehlt dann Sauerstoff.
Sandige Böden haben das umgekehrte Problem: Wasser versickert schnell und auch Nährstoffe werden weniger gut gespeichert. Ein Baum mit hohem Wasserbedarf kann dort in längeren Trockenperioden entsprechend viel Pflege benötigen.
Bevor Sie einen Baum auswählen, sollten Sie deshalb drei Dinge prüfen:
Versickert Wasser problemlos?
Bleiben nach starkem Regen über längere Zeit Pfützen stehen, kann der Boden verdichtet oder wenig wasserdurchlässig sein.
Welche Bodenart liegt vor?
Sandige Erde rieselt leicht auseinander. Boden mit hohem Lehm- oder Tonanteil lässt sich im feuchten Zustand deutlich besser formen und kann bei Trockenheit sehr hart werden.
Wie hoch ist der pH-Wert?
Ein einfacher Bodentest liefert einen ersten Anhaltspunkt. Manche Gehölze reagieren empfindlich auf stark saure oder kalkreiche Standorte.
Einen ungeeigneten Standort allein durch ein großes Loch voller Pflanzerde passend machen zu wollen, ist meist keine dauerhafte Lösung. Sobald die Wurzeln den vorbereiteten Bereich verlassen, treffen sie wieder auf den ursprünglichen Boden.
Besser ist es, eine Baumart auszuwählen, die mit den vorhandenen Bedingungen klarkommt.
Fehler 4: Nur an das heutige Klima im Garten denken
Ein Garten verändert sich – und ein Baum soll dort im besten Fall viele Jahrzehnte stehen.
Besonders anspruchsvoll sind Standorte vor südlich ausgerichteten Fassaden oder neben großen Pflasterflächen. Stein und Asphalt können sich im Sommer stark aufheizen. Gleichzeitig fällt auf versiegelten Flächen kein Regenwasser in den Wurzelbereich.
Wer dort einen Baum mit hohem Wasserbedarf pflanzt, muss unter Umständen dauerhaft bewässern.
Wie groß der tatsächliche Wasserbedarf ausfällt, hängt von Baumart, Boden, Alter und Wetter ab. Auch trockenheitsverträgliche Gehölze kommen direkt nach dem Pflanzen nicht ohne Wasser aus. Junge Bäume besitzen noch kein weitreichendes Wurzelsystem und müssen während längerer Trockenperioden ausreichend gegossen werden.
Prüfen Sie deshalb nicht nur, ob der Standort sonnig oder schattig ist. Fragen Sie sich auch:
Wie heiß wird es hier im Sommer und wie viel Wasser steht dem Baum tatsächlich zur Verfügung?
Das wird bei Grundstücken mit vielen versiegelten Flächen immer wichtiger.

Fehler 5: Sich allein auf „Flachwurzler“ oder „Tiefwurzler“ verlassen
Bei der Baumauswahl begegnen Ihnen häufig Begriffe wie Flachwurzler, Herzwurzler oder Tiefwurzler. Sie geben eine grobe Orientierung, sagen aber nicht exakt voraus, wie sich die Wurzeln in Ihrem Garten entwickeln.
Der Grund: Wurzeln reagieren auf die tatsächlichen Bodenverhältnisse. Verdichtete Schichten, Wasserangebot, Sauerstoffversorgung und vorhandene Hohlräume beeinflussen, wohin sie wachsen.
Deshalb ist beispielsweise nicht jeder sogenannte Flachwurzler automatisch eine Gefahr für Pflasterflächen – und ein Tiefwurzler bildet nicht unter allen Bedingungen eine senkrecht nach unten reichende Hauptwurzel.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen unterirdische Leitungen. Die Vorstellung, Baumwurzeln würden ein intaktes Abwasserrohr einfach durchbohren, ist zu simpel. Untersuchungen des Instituts für Unterirdische Infrastruktur zeigen allerdings auch, dass sich das Problem nicht auf bereits sichtbar beschädigte Rohre beschränken lässt. Wurzeln können entlang von Leitungen und Rohrverbindungen wachsen und unter bestimmten Bedingungen auch in Verbindungen eindringen.
Wenn Sie einen größeren Baum pflanzen, sollten Sie deshalb möglichst wissen, wo Wasser-, Abwasser- und andere Leitungen auf dem Grundstück verlaufen.
Wichtiger als die einfache Einteilung in Flach- oder Tiefwurzler ist letztlich genügend geeigneter Wurzelraum.
Fehler 6: Den Grenzabstand erst nach dem Pflanzen prüfen
Zwei Meter vom Zaun entfernt – das wird schon reichen? Darauf sollten Sie sich nicht verlassen.
Die vorgeschriebenen Abstände von Bäumen zu Nachbargrundstücken unterscheiden sich je nach Bundesland. Teilweise hängt der notwendige Abstand zusätzlich von Baumart und Wuchsstärke ab.
In Nordrhein-Westfalen gelten beispielsweise nach dem Nachbarrechtsgesetz grundsätzlich:
- 4 Meter für stark wachsende Bäume wie Rotbuche, Linde, Platane, Rosskastanie, Eiche und Pappel,
- 2 Meter für andere Bäume außerhalb der gesondert geregelten Obstgehölze.
Für Obstbäume gelten eigene Vorgaben. Außerdem kennt das Gesetz Sonderfälle, in denen andere beziehungsweise größere Abstände maßgeblich sein können.
Gemessen wird in Nordrhein-Westfalen von der Mitte des Stammes an der Stelle, an der dieser aus dem Boden austritt.
Für andere Bundesländer können völlig andere Werte gelten. Prüfen Sie deshalb vor dem Pflanzen das jeweilige Nachbarrecht und gegebenenfalls kommunale Vorgaben.
Das ist auch deshalb sinnvoll, weil ein späterer Streit mit dem Nachbarn unangenehm werden kann. Ragen Äste irgendwann über die Grundstücksgrenze, gelten wiederum eigene Regeln. Was Nachbarn dann dürfen, lesen Sie in unserem Beitrag Überhängende Äste vom Nachbarn: Wann Sie selbst zur Säge greifen dürfen.
Fehler 7: Den Baum beim Pflanzen zu tief setzen
Der passende Baum am passenden Standort kann trotzdem schlecht anwachsen, wenn bei der Pflanzung etwas schiefläuft.
Ein häufiger Fehler betrifft die Pflanztiefe. Der Baum darf nicht einfach möglichst tief ins Pflanzloch gesetzt werden.
Als Orientierung dienen der Ballen beziehungsweise die oberen Wurzeln. Nach dem Pflanzen sollte der Baum ungefähr so tief stehen, wie er zuvor in der Baumschule oder im Container gestanden hat. Ein dauerhaft zu tief sitzender Stammfuß kann Probleme verursachen.
Das Pflanzloch sollte ausreichend groß sein. Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt bei Gehölzen etwa das 1,5- bis Zweifache des Wurzelwerks, Ballens oder Containers. Wichtig ist außerdem ein gelockerter Boden, damit Wasser abziehen und sich neue Wurzeln entwickeln können.
Nach dem Einsetzen wird die Erde wieder eingefüllt. Drücken Sie sie an, ohne den Boden stark zu verdichten. Anschließend wird gründlich gewässert.
Größere Jungbäume benötigen je nach Standort zusätzlich einen oder mehrere Pfähle. Sie sollen verhindern, dass Wind den frisch gepflanzten Baum im Boden bewegt und neu gebildete Feinwurzeln immer wieder abreißen.

Wann ist die beste Pflanzzeit?
Bei wurzelnackten Gehölzen liegen günstige Pflanzzeiten außerhalb der Vegetationsperiode, insbesondere im Herbst und im zeitigen Frühjahr. Der Boden sollte frostfrei sein.
Containergehölze lassen sich über einen wesentlich längeren Zeitraum pflanzen. „Ganzjährig pflanzbar“ heißt jedoch nicht, dass jeder Zeitpunkt gleich günstig ist.
Bei 30 °C im Hochsommer muss ein frisch gesetzter Baum erheblich intensiver bewässert werden als bei einer Pflanzung im Herbst. Bei Hitze und Trockenheit sollten Sie eine vermeidbare Neupflanzung deshalb besser verschieben.
Welcher Baum passt in meinen Garten? Diese fünf Fragen helfen
Bevor Sie bestellen oder zur Baumschule fahren, reichen einige Messungen und Überlegungen. Notieren Sie sich:
- Wie viel Platz steht für die ausgewachsene Krone zur Verfügung?
- Wie weit sind Haus, Terrasse, Leitungen und Grundstücksgrenze entfernt?
- Ist der Boden eher sandig, lehmig, trocken oder zeitweise sehr nass?
- Wie sonnig und heiß wird der Standort im Sommer?
- Was soll der Baum leisten – Schatten, Sichtschutz, Früchte oder Gestaltung?
Danach lässt sich die Auswahl bereits deutlich eingrenzen.
Denken Sie zusätzlich an den Pflegeaufwand. Ein großer Laubbaum kann im Herbst mehrere Wochen Arbeit verursachen. Obstbäume benötigen je nach Art und Erziehungsform regelmäßige Schnittmaßnahmen. Früchte oder Samen können auf Wegen und Terrassen ebenfalls Arbeit machen.
Das macht solche Bäume nicht ungeeignet. Sie sollten nur vorher wissen, worauf Sie sich einlassen.
Ein junger Baum braucht wenig Platz – ein alter nicht
Die meisten Fehlentscheidungen beim Baumkauf entstehen nicht, weil jemand eine grundsätzlich ungeeignete Baumart auswählt. Häufig passt der Baum lediglich nicht zum vorgesehenen Standort.
Deshalb lohnt es sich, vor dem Kauf einmal mehr zu messen. Kronenbreite, Wuchshöhe, Boden, Wasserversorgung, Leitungen und Grenzabstände lassen sich vorher prüfen.
Nach zehn oder zwanzig Jahren wird eine Korrektur erheblich schwieriger. Ein großer Baum lässt sich kaum noch versetzen. Und selbst das Fällen ist nicht automatisch möglich: Je nach Kommune können Baumschutzsatzungen oder andere Vorschriften greifen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber Baum fällen im eigenen Garten – darf man das?.
Wer den Standort vorher sorgfältig prüft, erspart sich solche Probleme – und erhöht die Chance, dass der Baum tatsächlich viele Jahrzehnte im Garten bleiben kann.





