Wenn draußen mehr als 30 °C herrschen und selbst nachts kaum Abkühlung eintritt, klingt eine eiskalte Dusche verlockend. Doch immer wieder ist zu hören, dass genau das falsch sei: Kaltes Wasser verenge die Blutgefäße, der Körper halte seine Wärme fest und anschließend schwitze man erst recht. Stimmt das wirklich? Nicht ganz. Eine kühle Dusche kann den Körper bei Hitze sehr wohl entlasten. Eiskalt muss das Wasser dafür allerdings nicht sein.

Warum wir bei Hitze überhaupt schwitzen
Der menschliche Körper versucht seine Kerntemperatur in einem engen Bereich zu halten. Wird es heiß, erweitern sich unter anderem die Blutgefäße in der Haut. Dadurch kann mehr Wärme an die Umgebung abgegeben werden. Zusätzlich produzieren die Schweißdrüsen Schweiß.
Entscheidend ist dabei nicht der Schweiß selbst, sondern dessen Verdunstung. Beim Übergang von Wasser zu Wasserdampf wird Wärme benötigt. Diese Energie stammt teilweise von der Haut – sie kühlt ab.
Deshalb fühlt sich trockene Hitze häufig erträglicher an als schwüle Hitze. Bei hoher Luftfeuchtigkeit kann weniger Schweiß verdunsten. Die körpereigene Kühlung arbeitet dann weniger effektiv.
Gleichzeitig verliert der Körper durch starkes Schwitzen Wasser und Salze. Gerade ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen und Personen, die körperlich arbeiten, sind deshalb bei längeren Hitzeperioden gefährdet.
Ist eiskaltes Duschen bei Hitze wirklich falsch?
Die häufig zu lesende Warnung vor kalten Duschen ist zu pauschal. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt bei großer Hitze ausdrücklich kühle Duschen oder Bäder. Auch die US-Gesundheitsbehörde CDC nennt eine kühle Dusche als Möglichkeit, den Körper abzukühlen.
Die Vorstellung, eine kalte Dusche führe zwangsläufig dazu, dass man anschließend umso stärker schwitzt, lässt sich so nicht halten.
Richtig ist allerdings: Starkes Abkühlen der Haut führt dazu, dass sich oberflächennahe Blutgefäße zusammenziehen. Das verringert kurzfristig die Durchblutung der Haut. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass eine kalte Dusche den Körper bei sommerlicher Hitze insgesamt aufheizt.
Vor allem gilt: Damit eine Dusche erfrischt, muss sie nicht eiskalt sein.

Welche Wassertemperatur ist bei Hitze am besten?
Eine wissenschaftlich festgelegte Idealtemperatur von beispielsweise 30 °C gibt es nicht. Solche exakten Angaben, die in vielen Ratgebern kursieren, vermitteln eine Genauigkeit, die nicht vorhanden ist.
Für den Alltag reicht eine einfache Regel:
Duschen Sie so kühl, dass es angenehm erfrischt, aber nicht unangenehm kalt wird.
Die WHO spricht bewusst von einer „cool shower“, also einer kühlen Dusche. Ein minutenlanges Eisbaden unter dem Duschkopf ist zur Abkühlung nicht erforderlich.
Wer stark aufgeheizt von draußen kommt, kann zunächst mit angenehm temperiertem Wasser beginnen und es anschließend etwas kühler stellen. Entscheidend ist weniger eine bestimmte Zahl auf dem Thermostat als das eigene Empfinden.
Auch Arme, Beine, Gesicht und Nacken mit Wasser zu kühlen, kann bereits helfen. Die WHO empfiehlt bei Hitze zusätzlich, die Haut beispielsweise mit einem feuchten Tuch oder einer Sprühflasche zu benetzen.
Lauwarm duschen ist also nicht zwingend besser
Damit fällt auch eine verbreitete Sommerregel: Bei Hitze müsse grundsätzlich lauwarm geduscht werden, weil kaltes Wasser den Körper angeblich zu einer Gegenreaktion zwinge.
So eindeutig funktioniert die menschliche Temperaturregulation nicht.
Lauwarmes Wasser kann angenehm sein und belastet die Haut wenig. Wer sich jedoch tatsächlich abkühlen möchte, darf durchaus kühler duschen. Gesundheitsorganisationen empfehlen gerade während Hitzeperioden ausdrücklich kühles Wasser.
Anders sieht es bei einer heißen Dusche aus. Wer ohnehin aufgeheizt ist, führt dem Körper damit zunächst zusätzliche Wärme zu. Außerdem kann heißes Wasser die Haut stärker austrocknen.

Wie oft darf man bei Hitze duschen?
An heißen Tagen ist eine zweite Dusche schnell verlockend. Nach Gartenarbeit, Sport oder einem langen Arbeitstag fühlt sich der Schweißfilm auf der Haut schließlich alles andere als angenehm an.
Gegen eine kurze zusätzliche Dusche mit Wasser ist grundsätzlich wenig einzuwenden. Problematischer für die Haut sind vor allem lange, heiße Duschen und der häufige Einsatz aggressiver Reinigungsmittel.
Die American Academy of Dermatology empfiehlt Menschen mit trockener Haut, Duschen und Bäder auf etwa fünf bis zehn Minuten zu begrenzen und heißes Wasser zu vermeiden. Milde, möglichst parfumfreie Reinigungsprodukte und eine anschließende Feuchtigkeitspflege können die Haut zusätzlich schonen.
Wenn Sie im Sommer mehrmals täglich kurz unter die Dusche springen, müssen Sie daher nicht jedes Mal den gesamten Körper einseifen.
So duschen Sie an heißen Tagen hautschonender
- Duschen Sie lieber kurz als lange.
- Verwenden Sie kühles bis angenehm warmes Wasser statt sehr heißem Wasser.
- Bei einer zusätzlichen Erfrischungsdusche reicht häufig klares Wasser.
- Verwenden Sie Duschgel vor allem dort, wo es tatsächlich benötigt wird.
- Bei trockener oder empfindlicher Haut sind milde, parfumfreie Produkte sinnvoll.
- Trockene Haut kann nach dem Duschen eingecremt werden.

Und was ist mit kalten Getränken?
Auch hier hält sich ein ähnlicher Mythos: Eiskalte Getränke sollen die Blutgefäße verengen und anschließend zu besonders starkem Schwitzen führen.
Ganz so einfach ist es auch hier nicht.
Das Bundesgesundheitsportal empfiehlt bei Hitze grundsätzlich kühle Getränke. Bei älteren und pflegebedürftigen Menschen werden sehr kalte beziehungsweise eiskalte Getränke allerdings nicht empfohlen. Entscheidend ist vor allem, über den Tag genügend Flüssigkeit aufzunehmen.
Für die meisten gesunden Menschen ist ein kaltes Glas Wasser an einem heißen Tag daher kein Problem. Man muss seine Getränke jedenfalls nicht auf 30 °C erwärmen, um den Körper vor einer angeblichen Gegenreaktion zu schützen.
Bei Herz- oder Nierenerkrankungen kann dagegen selbst die richtige Trinkmenge individuell unterschiedlich sein. Hier sollte die Empfehlung des behandelnden Arztes gelten.
Kann heißer Tee bei Hitze tatsächlich kühlen?
Interessanter ist die andere Richtung. In südlichen Ländern wird bei großer Hitze häufig heißer Tee oder Kaffee getrunken. Das klingt zunächst widersinnig.
Ganz unsinnig ist es jedoch nicht.
Eine Untersuchung zeigte, dass ein warmes Getränk unter bestimmten Bedingungen die Schweißproduktion erhöhen kann. Wenn dieser zusätzliche Schweiß vollständig verdunstet, kann dadurch mehr Wärme abgegeben werden, als das Getränk dem Körper zuführt.
Der Haken: Das funktioniert nur, wenn der Schweiß auch tatsächlich verdunsten kann. Bei hoher Luftfeuchtigkeit, dicker Kleidung oder ohnehin tropfnasser Haut bringt zusätzliches Schwitzen wenig.
Der heiße Tee in der Wüste ist damit physiologisch erklärbar. Daraus folgt aber nicht, dass wir bei 35 °C zwingend heißen Tee trinken sollten. Für den normalen Alltag sind Wasser und andere kühle alkoholfreie Getränke die einfachere Lösung.
Wann Hitze gefährlich wird
Eine Dusche kann erfrischen. Einen Hitzschlag kann sie aber nicht einfach „wegduschen“.
Warnzeichen für eine Hitzeerschöpfung sind unter anderem:
- starke Schwäche
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Übelkeit
- starker Durst
- starkes Schwitzen
Bei einem Hitzschlag wird es akut gefährlich. Als typische Warnzeichen nennt das Bundesgesundheitsportal eine Körpertemperatur von mehr als 40 °C, Kreislaufprobleme und insbesondere Bewusstseinsstörungen. Auch Krampfanfälle und Erbrechen können auftreten. Dann handelt es sich um einen medizinischen Notfall.
Die frühere Behauptung, oberhalb von 42 °C „gerinne das Blut“, ist dagegen falsch. Ein schwerer Hitzschlag kann zwar lebensgefährliche Schäden an Gehirn, Organen und Kreislauf verursachen – eine einzelne magische Temperaturgrenze, an der das Blut plötzlich gerinnt, gibt es jedoch nicht.
Fazit: Kühl ist gut – eiskalt muss nicht sein
Wer bei großer Hitze unter die Dusche möchte, darf sich guten Gewissens abkühlen. Kühles Wasser ist nicht der Fehler, als der es manchmal dargestellt wird. Im Gegenteil: Gesundheitsorganisationen empfehlen kühle Duschen ausdrücklich als Maßnahme bei Hitze.
Eiskalt muss die Dusche trotzdem nicht sein. Angenehm kühl reicht vollkommen. Wer dabei kurz duscht, auf heißes Wasser verzichtet und die Haut nicht jedes Mal kräftig einseift, verbindet Abkühlung mit einer möglichst geringen Belastung für die Haut.
Und auch beim Trinken gilt: Vergessen Sie komplizierte Regeln über angeblich ideale 30 °C. Wichtiger ist, regelmäßig ausreichend zu trinken. Ein kühles Glas Wasser ist an einem heißen Sommertag genau das, wonach es klingt: eine Erfrischung.
Quellen
- gesund.bund.de: Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit
- WHO: Heat and health – Empfehlungen zum Abkühlen bei großer Hitze
- American Academy of Dermatology: Dermatologists‘ top tips for relieving dry skin
- Bain et al., Acta Physiologica: Body heat storage during physical activity is lower with hot fluid ingestion under conditions that permit full evaporation (2012)




