Wie schnell bekommt ein Holzboden eine Delle? Hält eine Tischplatte auch stärkere Stöße aus? Und warum ist Eiche deutlich widerstandsfähiger als Fichte? Antworten darauf liefert die Holzhärte. Ein häufig verwendetes Maß dafür ist die Brinellhärte.
Allerdings darf man aus einem einzelnen Zahlenwert nicht zu viel ableiten. Holz ist ein Naturwerkstoff. Selbst innerhalb derselben Holzart kann die Härte schwanken. Außerdem bedeutet ein hartes Holz nicht automatisch, dass seine Oberfläche unempfindlich gegen Kratzer ist.
Hier erfahren Sie, wie die Brinellhärte bestimmt wird, welche Werte typische Holzarten erreichen und was die Zahlen in der Praxis bedeuten.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Brinellhärte beschreibt, wie widerstandsfähig eine Holzoberfläche gegen Eindrücken ist.
- Je höher der Brinellwert, desto schwerer lässt sich das Holz eindrücken.
- Eiche erreicht beispielsweise etwa 34 bis 41 N/mm², Fichte nur etwa 12 bis 16 N/mm².
- Die Härte kann innerhalb einer Holzart schwanken. Einfluss haben unter anderem Rohdichte, Holzfeuchte und Faserrichtung.
- Ein hoher Brinellwert bedeutet nicht automatisch hohe Kratzfestigkeit.
- „Hartholz“ und „hartes Holz“ sind nicht dasselbe.
Was sagt die Brinellhärte bei Holz aus?
Die Brinellhärte ist ein Maß für den Widerstand eines Werkstoffs gegen das Eindringen eines härteren Körpers. Das Verfahren geht auf den schwedischen Ingenieur Johan August Brinell zurück.
Bei Holz wird eine Kugel mit definierter Kraft in die Oberfläche gedrückt. Anschließend wird der entstandene Eindruck gemessen. Je kleiner der Eindruck ausfällt, desto größer ist die Härte.
Für Holzfußböden und Parkett gibt es dafür ein genormtes Prüfverfahren. Die aktuelle DIN EN 1534:2020-03 beschreibt die Bestimmung der Eindruckfestigkeit von Holzfußböden und Parkett.
Vereinfacht gesagt gilt:
Hoher Brinellwert = hohe Widerstandsfähigkeit gegen Druckstellen.
Ein hoher Wert ist beispielsweise sinnvoll, wenn ein Holzboden stark beansprucht wird und Möbel, Schuhe oder herunterfallende Gegenstände möglichst wenige Dellen hinterlassen sollen.
Wenn Sie gerade einen Boden auswählen, finden Sie im Beitrag Welches Parkett ist das Beste? weitere Kriterien, die neben der Holzhärte wichtig sind.
Holzhärte-Tabelle: Brinellwerte wichtiger Holzarten
Die folgende Tabelle zeigt typische Brinellwerte ausgewählter Holzarten. Die Werte beziehen sich auf Messungen senkrecht zur Holzfaser bei einer Holzfeuchte von etwa 10 bis 12 Prozent.
| Holzart | Brinellhärte in N/mm² |
| Ahorn | ca. 27 |
| Birnbaum | ca. 32 |
| Birke | ca. 23 |
| Buche | ca. 32–34 |
| Doussié | ca. 33–45 |
| Eiche | ca. 34–41 |
| Erle | ca. 16–17 |
| Esche | ca. 37–41 |
| Fichte | ca. 12–16 |
| Kiefer | ca. 19 |
| Kirsche | ca. 30–31 |
| Lärche | ca. 19 |
| Merbau | ca. 37–43 |
| Nussbaum | ca. 25–28 |
| Robinie | ca. 48 |
| Wengé | ca. 39–50 |
Wichtig: Diese Zahlen sind keine unveränderlichen Materialkonstanten. Bei natürlichem Holz können die Messwerte auch innerhalb derselben Holzart abweichen.

Welche Holzarten sind besonders hart?
Unter den in der Tabelle aufgeführten heimischen beziehungsweise in Deutschland häufig verwendeten Holzarten gehört Robinie mit rund 48 N/mm² zu den härtesten.
Auch Esche und Eiche besitzen eine vergleichsweise hohe Brinellhärte. Genau deshalb werden sie häufig für stärker beanspruchte Holzböden verwendet.
Auf der anderen Seite stehen Nadelhölzer wie Fichte und Kiefer. Eine schwere Stuhl- oder Tischkante kann dort schneller eine sichtbare Druckstelle hinterlassen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass weicheres Holz grundsätzlich schlechter ist. Für Möbel, Wandverkleidungen oder weniger beanspruchte Fußböden kann es vollkommen ausreichend sein. Häufig lässt es sich zudem leichter bearbeiten.
Wie hart ist Eiche?
Eiche erreicht typischerweise eine Brinellhärte von etwa 34 bis 41 N/mm². Sie gehört damit zu den härteren heimischen Holzarten.
Das erklärt einen Teil ihrer Beliebtheit bei Parkett und Massivholzböden: Die Oberfläche widersteht Druckstellen besser als beispielsweise Fichte oder Kiefer.
Trotzdem ist auch Eichenparkett nicht kratzfest. Sandkörner unter Schuhen, Tierkrallen oder das Verschieben schwerer Möbel können Spuren hinterlassen.
Die Wahl eines Holzbodens sollte deshalb nie nur von der Holzart abhängen. Oberflächenbehandlung, Nutzung und Aufbau des Bodens spielen ebenfalls eine Rolle. Wer nicht zwingend Echtholz benötigt, findet im Ratgeber Welche Alternative zu Parkett lohnt sich wirklich? weitere Bodenbeläge im Vergleich.

Warum schwankt die Holzhärte?
Ein Baum produziert keinen industriell normierten Werkstoff. Deshalb besitzt nicht jedes Stück Eiche oder Buche exakt dieselbe Härte.
Zu den wichtigsten Einflussgrößen gehören:
- Rohdichte: Dichteres Holz ist tendenziell härter.
- Holzfeuchte: Die mechanischen Eigenschaften ändern sich mit dem Feuchtegehalt.
- Faserrichtung: Holz verhält sich längs zur Faser anders als quer dazu.
- Wuchsbedingungen: Standort, Alter und Wachstum beeinflussen den Aufbau des Holzes.
- Position im Stamm: Auch innerhalb eines Stammes können Unterschiede auftreten.
Deshalb sind Angaben wie „Eiche = 37 N/mm²“ immer nur eine Orientierung.
Seriöser ist ein Wertebereich.
Hartholz und hartes Holz sind nicht dasselbe
Hier entsteht häufig Verwirrung.
Im Alltag liegt die Annahme nahe:
Hartholz = Holz mit hoher Brinellhärte.
So einfach ist die Einteilung jedoch nicht.
Eine verbreitete technische Einteilung unterscheidet Hart- und Weichholz anhand der Darrdichte. Die Darrdichte bezeichnet die Rohdichte des vollständig trockenen Holzes. Holz mit einer Darrdichte von mehr als etwa 0,55 g/cm³ beziehungsweise 550 kg/m³ wird dabei als Hartholz bezeichnet.
Die Brinellhärte misst dagegen eine andere Eigenschaft: den Widerstand gegen Eindrücken.
Ein Holz kann deshalb nicht allein anhand eines beliebig gewählten Brinell-Grenzwerts als Hart- oder Weichholz eingestuft werden.
Die frühere Faustregel „bis 20 N/mm² Weichholz, ab 31 N/mm² Hartholz“ ist fachlich nicht sinnvoll.

Welche Brinellhärte eignet sich für Parkett?
Eine verbindliche Grenze nach dem Motto „Parkett muss mindestens 30 N/mm² besitzen“ gibt es nicht.
Die notwendige Härte hängt davon ab, wie ein Raum genutzt wird.
In stark frequentierten Bereichen wie
- Fluren,
- Eingangsbereichen,
- Küchen oder
- Wohnräumen mit hoher Beanspruchung
kann eine härtere Holzart Vorteile haben.
Eiche, Esche oder Buche sind deshalb klassische Parketthölzer.
Im Schlafzimmer ist die Beanspruchung meist geringer. Dort kann auch ein weicheres Holz problemlos funktionieren.
Die Holzhärte ist zudem nur ein Auswahlkriterium. Nutzschicht, Oberflächenbehandlung, Holzfeuchte und Pflege beeinflussen ebenfalls, wie lange ein Holzboden gut aussieht.
Wie sich geölte Holzoberflächen pflegen lassen, lesen Sie im Beitrag Natürliche Holzpflege mit Wachs, Öl und Co..
Bedeutet hartes Holz auch, dass es nicht zerkratzt?
Nein. Hier werden zwei verschiedene Belastungen miteinander verwechselt.
Die Brinellhärte beschreibt vor allem den Widerstand gegen Eindrücken. Ein Tischbein, ein schwerer Gegenstand oder ein Absatz übt Druck auf eine kleine Fläche aus. Ein härteres Holz verformt sich dabei weniger schnell dauerhaft.
Ein Kratzer entsteht dagegen durch eine Bewegung über die Oberfläche.
Dabei kommt es zusätzlich auf die Oberflächenbehandlung an. Lacke, Öle und andere Beschichtungen können sich sehr unterschiedlich verhalten.
Ein hoher Brinellwert ist deshalb kein Versprechen für eine kratzfreie Oberfläche.
Kann man die Holzhärte mit dem Fingernagel prüfen?
Allenfalls sehr grob.
Lässt sich eine unbehandelte Holzoberfläche mit dem Fingernagel leicht eindrücken, spricht das für eine relativ geringe Oberflächenhärte. Eine echte Härtemessung ersetzt dieser Test aber nicht.
Vor allem können Sie damit keine verlässlichen Brinellwerte bestimmen oder eine Holzart eindeutig als Hart- oder Weichholz klassifizieren.
Für Heimwerker reicht die Fingernagelprobe daher höchstens als schneller Vergleich zwischen zwei Holzstücken.
Brinell oder Janka: Wo liegt der Unterschied?
Neben Brinell taucht bei Holz häufig die Janka-Härte auf. Vor allem bei internationalen Holz- und Parketttabellen wird sie verwendet.
Auch bei der Janka-Prüfung wird eine Kugel in das Holz gedrückt. Gemessen wird jedoch die Kraft, die erforderlich ist, um eine Stahlkugel mit einem Durchmesser von rund 11,3 Millimetern bis zur Hälfte in die Holzoberfläche einzudrücken.
Das Ergebnis wird daher als Kraft angegeben, beispielsweise in Newton.
Brinell- und Janka-Werte lassen sich nicht einfach 1:1 miteinander vergleichen. Wer Holzarten gegenüberstellt, sollte deshalb darauf achten, dass alle Werte mit demselben Prüfverfahren ermittelt wurden.
Welche Holzhärte ist nun die richtige?
Je härter, desto besser – diese Regel funktioniert bei Holz nicht.
Für einen stark beanspruchten Fußboden ist eine hohe Eindruckfestigkeit von Vorteil. Bei Möbeln, Wandverkleidungen oder Konstruktionen können dagegen ganz andere Eigenschaften wichtiger sein.
Neben der Härte spielen beispielsweise eine Rolle:
- Festigkeit,
- Dauerhaftigkeit,
- Feuchteverhalten,
- Bearbeitbarkeit,
- Oberflächenbehandlung,
- Herkunft und
- Optik.
Bei Holz für den Außenbereich sagt die Brinellhärte beispielsweise wenig darüber aus, wie gut das Material Regen, Pilzen oder anderen biologischen Einflüssen widersteht. Dafür sind andere Eigenschaften und die Konstruktion wesentlich wichtiger. Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber Gartenholz: Welches Holz eignet sich für den Außenbereich?.
Für Parkett und andere mechanisch beanspruchte Oberflächen ist die Brinellhärte dagegen eine hilfreiche Vergleichsgröße. Sie zeigt ziemlich anschaulich, warum eine Oberfläche aus Eiche oder Esche Druckstellen besser verkraftet als eine aus Fichte.
Quellen
- DIN Media: DIN EN 1534:2020-03 – Holzfußböden und Parkett – Bestimmung der Eindruckfestigkeit
- Verband der Deutschen Parkettindustrie: Härte verschiedener Holzarten nach Brinell
- BauNetz Wissen: Darrdichte und Einteilung von Hart- und Weichholz
- US Forest Service, Forest Products Laboratory: Janka hardness using nonstandard specimens





Ich habe den Eindruck, dass Linde vom Niederrhein härter scheint als die, die ich Internet bestellt habe. Ist so etwas denkbar? Wenn dort wirklich Unterschiede möglich sind, würde ich mich freuen, wenn die Tabelle um diese Angaben erweitert würde.
Ich fange gerade an, das Schnitzen zu lernen. Das Lindenholz aus dem Internet ließ sich leichter schnitzen als das aus dem Sägewerk.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Koopmann
Hallo Herr Koopmann,
keine Ahnung, ob Linden vom Niederrhein generell härter als woanders sind. Aber es kann durchaus sein, dass die Härte von Baum zu Baum variiert, auch die Holzfeuchte spielt eine Rolle. Die in der Tabelle angegebenen Werte sind lediglich Durchschnittswerte.
Viele Grüße
Dominik Hochwarth
Die Härteunterschiede sind aus meiner Erfahrung heraus auch abhängig von der Enge der Jahresringe. Da ich selbst relativ viel aus Holz herstelle kann ich sagen, je enger die Maserung um so härter. Ich habe selbst bei Linde unterschiedliche Härte erlebt. Allerdings habe ich keine Messungen durchgeführt, aber habe schon die unterschiedlichsten Holzarten geschnitzt.