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Dehnungsfuge / Bewegungsfuge

Eine Bewegungsfuge, häufig auch Dehnungsfuge genannt, trennt Bauteile oder Teilflächen so voneinander, dass sie sich begrenzt gegeneinander bewegen können.

Solche Fugen verhindern, dass durch Temperaturänderungen, Schwinden, Setzungen oder andere Verformungen zu hohe Spannungen entstehen. Ohne ausreichende Bewegungsmöglichkeiten können Risse, Aufwölbungen oder Schäden an Belägen und Bauteilen auftreten.

Der Begriff Bewegungsfuge ist dabei umfassender. Eine Dehnungsfuge ist eine Form der Bewegungsfuge.

Warum bewegen sich Bauteile?

Baustoffe verändern ihre Abmessungen.

Ursachen können beispielsweise sein:

  • Temperaturänderungen,
  • Feuchteänderungen,
  • Schwinden beim Trocknen,
  • Quellen,
  • Kriechen,
  • Setzungen,
  • unterschiedliche Verformungen angrenzender Bauteile.

Besonders deutlich wird der Einfluss der Temperatur bei langen Bauteilen.

Erwärmt sich beispielsweise eine große Betonfläche, dehnt sie sich aus. Kühlt sie wieder ab, zieht sie sich zusammen. Kann die Konstruktion diese Bewegung nicht aufnehmen, entstehen Spannungen.

Wo werden Bewegungsfugen benötigt?

Bewegungsfugen kommen in vielen Bereichen eines Gebäudes vor, beispielsweise bei:

  • Estrichen,
  • Fliesenbelägen,
  • Betonbauteilen,
  • Mauerwerk,
  • Fassaden,
  • Bodenplatten,
  • großen Bodenflächen,
  • Übergängen zwischen verschiedenen Gebäudeteilen.

Welche Fugen erforderlich sind, hängt von Material, Bauteilgröße, Konstruktion und den zu erwartenden Bewegungen ab.

Bewegungsfuge im Estrich

Estrich kann sich durch Temperatur- und Feuchteänderungen verformen.

Besonders relevant ist das bei Heizestrichen, weil sich die Temperatur des Bodens regelmäßig verändert.

Bewegungsfugen teilen größere Estrichflächen in einzelne Felder. Dadurch können sich diese Bereiche unabhängig voneinander bewegen.

Die Planung der Fugen muss unter anderem berücksichtigen:

  • Größe und Form der Fläche,
  • Estrichart,
  • vorhandene Fußbodenheizung,
  • Türdurchgänge,
  • Gebäude- und Bauteilfugen,
  • späteren Bodenbelag.

Die Normenreihe DIN 18560 enthält Anforderungen an Estriche im Bauwesen.

Müssen Bewegungsfugen aus dem Estrich in Fliesen übernommen werden?

Grundsätzlich dürfen vorhandene Bewegungsfugen nicht einfach durch einen starren Fliesen- oder Plattenbelag überdeckt werden.

Bewegungsfugen im Untergrund müssen in der Regel an entsprechender Stelle im Oberbelag fortgeführt werden.

Würde eine Fuge im Estrich mit Fliesen starr überbrückt, könnten Bewegungen des Untergrunds zu:

  • gerissenen Fliesen,
  • Rissen in den Fugen,
  • Ablösungen,
  • Aufwölbungen

führen.

Die konkrete Fugeneinteilung sollte deshalb bereits bei der Planung von Estrich und Belag aufeinander abgestimmt werden.

Was ist eine Randfuge?

Eine Randfuge trennt beispielsweise einen Estrich von angrenzenden Wänden, Stützen oder anderen aufgehenden Bauteilen.

Bei schwimmendem Estrich verhindert sie, dass der Estrich starr mit diesen Bauteilen verbunden wird.

Das erfüllt mehrere Aufgaben:

  • Bewegungen des Estrichs werden ermöglicht,
  • Schallbrücken werden vermieden,
  • Spannungen zwischen Estrich und Wand werden reduziert.

Häufig kommen dafür Randdämmstreifen zum Einsatz.

Unterschied zwischen Bewegungsfuge und Scheinfuge

Bewegungsfuge und Scheinfuge erfüllen unterschiedliche Funktionen.

Eine Bewegungsfuge trennt Bauteile so, dass Bewegungen möglich sind.

Eine Scheinfuge erzeugt dagegen gezielt eine Schwächung des Bauteils. Dort soll sich bei entstehenden Zugspannungen kontrolliert ein Riss bilden.

Scheinfugen werden beispielsweise bei Betonflächen eingesetzt, um die Lage von Schwindrissen zu steuern.

Unterschied zwischen Bewegungsfuge und Arbeitsfuge

Eine Arbeitsfuge entsteht dort, wo ein Betonierabschnitt endet und später weiterbetoniert wird.

Sie ist zunächst durch den Bauablauf bedingt.

Eine Bewegungsfuge wird dagegen bewusst konstruktiv vorgesehen, um relative Bewegungen zwischen benachbarten Bauteilen zu ermöglichen.

Eine Arbeitsfuge ist deshalb nicht automatisch eine Bewegungsfuge.

Was ist eine Setzungsfuge?

Eine Setzungsfuge ist ebenfalls eine Form der Bewegungsfuge.

Sie wird beispielsweise eingesetzt, wenn zwei Gebäudeteile mit unterschiedlichen:

  • Höhen,
  • Lasten,
  • Gründungen,
  • Baugrundbedingungen

aneinandergrenzen.

Unterschiedliche Setzungen können dadurch aufgenommen werden, ohne dass die Bauteile sich gegenseitig stark beanspruchen.

Wie werden Bewegungsfugen geschlossen?

Eine Bewegungsfuge darf nicht so starr verschlossen werden, dass sie ihre Funktion verliert.

Je nach Konstruktion kommen beispielsweise infrage:

  • elastische Fugendichtstoffe,
  • spezielle Fugenprofile,
  • vorgefertigte Dichtbänder,
  • Abdeckprofile,
  • offen ausgebildete Fugen.

Das verwendete System muss die erwartete Bewegung aufnehmen können.

Bei abgedichteten Außenwandfugen müssen außerdem Anforderungen an Witterungsbeständigkeit und Fugengeometrie berücksichtigt werden.

Ist Silikon eine dauerhafte Bewegungsfuge?

Elastische Dichtstoffe wie Silikon können zur Abdichtung bestimmter Bewegungs- oder Anschlussfugen eingesetzt werden.

Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass solche Fugen Wartungsfugen sein können. Der Dichtstoff altert und kann sich mit der Zeit ablösen, verspröden oder reißen.

Eine Silikonfuge ist deshalb kein Bauteil, das automatisch über die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes wartungsfrei funktioniert.

Außerdem ersetzt Dichtstoff keine konstruktiv falsch geplante Fuge.

Was passiert, wenn Bewegungsfugen fehlen?

Fehlende oder falsch ausgeführte Bewegungsfugen können erhebliche Schäden verursachen.

Typische Folgen sind:

  • Risse im Estrich,
  • gerissene Fliesen,
  • abgelöste Bodenbeläge,
  • Risse in Fassaden,
  • Aufwölbungen großer Flächen,
  • Schäden an Anschlüssen.

Auch falsch positionierte oder nachträglich starr verschlossene Fugen können ihre Funktion verlieren.

Darf eine Bewegungsfuge überbaut werden?

Eine konstruktiv notwendige Bewegungsfuge sollte grundsätzlich nicht starr überbrückt werden.

Verläuft beispielsweise eine Gebäudetrennfuge durch Bodenplatte und Estrich, muss sie normalerweise auch in darüberliegenden Schichten berücksichtigt werden.

Wie die Fuge im jeweiligen Bauteil ausgeführt wird, hängt vom konstruktiven Aufbau und den zu erwartenden Bewegungen ab.

Gerade bei Fliesen, Estrichen und großen Bodenflächen sollte deshalb bereits vor der Ausführung ein Fugenplan festgelegt werden.