Die Luftdichtheit beschreibt, wie gut die Gebäudehülle das unkontrollierte Ein- und Ausströmen von Luft verhindert. Eine luftdichte Ausführung gehört zu den grundlegenden Anforderungen an moderne Gebäude.
Dabei geht es nicht darum, ein Haus „hermetisch abzudichten“. Der notwendige Luftaustausch erfolgt gezielt durch Lüften oder über eine Lüftungsanlage. Unkontrollierte Luftströmungen durch Fugen, Anschlüsse und Durchdringungen sollen dagegen vermieden werden.
Warum ist Luftdichtheit wichtig?
Undichte Stellen in der Gebäudehülle können mehrere Probleme verursachen:
- höhere Wärmeverluste,
- Zugluft und geringerer Wohnkomfort,
- Feuchteeintrag in gedämmte Bauteile,
- Schimmel- und Bauschäden,
- schlechtere Schalldämmung,
- geringere Effizienz einer Lüftungsanlage.
Besonders kritisch ist feuchte Raumluft, die durch Undichtigkeiten in Dach- oder Wandkonstruktionen gelangt. Kühlt sie dort ab, kann Wasserdampf kondensieren und die Konstruktion durchfeuchten.
Was gehört zur luftdichten Ebene?
Die luftdichte Ebene muss das beheizte Gebäude möglichst lückenlos umschließen.
Je nach Bauweise übernehmen beispielsweise folgende Bauteile diese Funktion:
- Innenputz auf Mauerwerk,
- Dampfbremsen oder Dampfsperren im Dach,
- spezielle Luftdichtungsbahnen,
- verklebte Holzwerkstoffplatten,
- luftdicht ausgeführte Betonbauteile.
Entscheidend sind vor allem die Übergänge zwischen unterschiedlichen Bauteilen.
Typische Schwachstellen finden sich an:
- Fenstern und Türen,
- Dachflächenfenstern,
- Rohr- und Kabeldurchführungen,
- Steckdosen in Außenwänden,
- Anschlüssen zwischen Dach und Außenwand,
- Übergängen zwischen verschiedenen Materialien.
Luftdichtheit und Winddichtheit sind nicht dasselbe
Beide Begriffe werden häufig verwechselt.
Die Luftdichtheit befindet sich auf der warmen Seite der Gebäudehülle und verhindert, dass Raumluft unkontrolliert in die Konstruktion gelangt.
Die Winddichtheit liegt dagegen meist weiter außen. Sie soll verhindern, dass Außenluft die Wärmedämmung durchströmt und deren Wirkung vermindert.
Beide Ebenen erfüllen daher unterschiedliche Aufgaben.
Luftdichtheit und Dampfbremse
Eine Dampfbremse kann gleichzeitig Teil der luftdichten Ebene sein. Die beiden Begriffe beschreiben jedoch unterschiedliche Funktionen.
Die Dampfbremse begrenzt den Feuchtetransport durch Wasserdampfdiffusion. Die luftdichte Ebene verhindert den Feuchtetransport durch Luftströmung, auch Konvektion genannt.
Dieser Unterschied ist bauphysikalisch wichtig: Durch eine kleine Undichtigkeit kann wesentlich mehr Feuchtigkeit in eine Konstruktion gelangen als durch Diffusion durch eine intakte Bauteilfläche.
Wie lässt sich die Luftdichtheit prüfen?
Die Luftdichtheit eines Gebäudes kann mit einem Blower-Door-Test überprüft werden. Dabei erzeugt ein Ventilator einen definierten Druckunterschied zwischen innen und außen.
Gemessen wird, wie viel Luft durch Leckagen in der Gebäudehülle strömt. Gleichzeitig lassen sich undichte Stellen beispielsweise mit Rauch, Luftgeschwindigkeitsmessungen oder Thermografie aufspüren.
Mehr dazu erfahren Sie im Lexikoneintrag Blower-Door-Test.
Muss ein Gebäude luftdicht sein?
Gebäude müssen so geplant und ausgeführt werden, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche dauerhaft luftundurchlässig ausgeführt ist. Die Anforderungen ergeben sich unter anderem aus dem Gebäudeenergiegesetz und den einschlägigen technischen Regeln.
Eine luftdichte Gebäudehülle ersetzt jedoch kein Lüftungskonzept. Je dichter ein Gebäude ist, desto wichtiger wird ein kontrollierter Luftwechsel, um Feuchtigkeit und Schadstoffe aus den Innenräumen abzuführen.
Welche Fehler bei Planung und Ausführung besonders häufig auftreten, zeigt der Ratgeber Luftdichte Gebäudehülle: Diese Fehler führen zu Zugluft und Bauschäden.





