Sicherheitsschuhe im Vergleich: Wann S1 reicht und wann S3 Pflicht ist

Von Dominik Hochwarth

Sicherheitsschuhe gehören in vielen Branchen zur persönlichen Schutzausrüstung. Sie schützen vor Quetschungen, spitzen Gegenständen, rutschigen Böden oder Feuchtigkeit. Besonders im Baugewerbe, in Werkstätten und in der Industrie sind sie Pflicht.

In Europa werden Sicherheitsschuhe nach der Norm EN ISO 20345 in verschiedene Schutzklassen eingeteilt. Besonders verbreitet sind die Klassen S1, S1P und S3. Sie unterscheiden sich vor allem im Schutz gegen Durchtritt, Nässe und mechanische Belastungen. Welche Variante sinnvoll ist, hängt stark vom Arbeitsplatz und den dort vorhandenen Risiken ab.

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Sicherheitsschuhe gehören für jeden, der auf dem Bau arbeitet, zur Standardausrüstung

Das Wichtigste in Kürze

  • Sicherheitsschuhe werden nach EN ISO 20345 in Schutzklassen eingeteilt.
  • S1-Schuhe eignen sich vor allem für trockene Innenbereiche.
  • S3-Schuhe bieten zusätzlichen Schutz gegen Durchtritt und Nässe.
  • Auf Baustellen wird häufig S3 vorgeschrieben.
  • Passform, Gewicht und Rutschhemmung sind entscheidend für Komfort und Sicherheit.

Das erwartet Sie in diesem Beitrag

Welche Sicherheitsschuhklassen es gibt

Die Norm EN ISO 20345 definiert mehrere Schutzklassen. Sie unterscheiden sich durch zusätzliche Sicherheitsmerkmale.

SchutzklasseEigenschaftenTypische Einsatzbereiche
SBZehenschutzkappe (200 Joule)einfache Werkstätten
S1SB + antistatisch + Energieaufnahme FerseIndustrie, Lager
S1PS1 + DurchtrittschutzMontage, Metallbau
S2S1 + wasserabweisendes ObermaterialLebensmittelindustrie
S3S2 + Durchtrittschutz + ProfilsohleBau, Handwerk
S4wasserdichte Stiefel aus PolymerLandwirtschaft
S5S4 + DurchtrittschutzBau, Kanalbau

Die Zehenschutzkappe ist das zentrale Element aller Sicherheitsschuhe. Sie schützt die Zehen vor Stoßbelastungen bis 200 Joule und vor Druckkräften von bis zu 15 Kilonewton.

Welche Sicherheitsschuhe auf Baustellen üblich sind

Auf Baustellen treten mehrere Gefahren gleichzeitig auf. Dazu gehören:

  • herabfallende Gegenstände
  • scharfkantiger Bauschutt
  • Nägel oder Metallteile im Boden
  • feuchte oder rutschige Untergründe

Aus diesem Grund schreiben viele Gefährdungsbeurteilungen auf Baustellen S3-Sicherheitsschuhe vor. Sie bieten einen erweiterten Schutz gegen Durchtritt und sind zudem wasserabweisend.

Häufig reichen Sicherheitsschuhe S1 aus. Sie kommen insbesondere im trockenen Innenbereich zum Einsatz- Typische Beispiele sind Produktionshallen, Lager oder Montagearbeitsplätze. Dort besteht meist kein Risiko durch Nägel oder spitze Gegenstände im Boden. Sie werden von Fachhändlern wie Strauss hergestellt und gehören zur Standardausrüstung eines jeden Handwerkers auf dem Bau.

Welche Schutzklasse tatsächlich getragen werden muss, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers. Grundlage sind unter anderem das Arbeitsschutzgesetz sowie die Regeln der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Welche Eigenschaften S1-Sicherheitsschuhe besitzen

Sicherheitsschuhe der Klasse S1 erfüllen mehrere grundlegende Anforderungen der Norm EN ISO 20345.

Zu den wichtigsten Merkmalen gehören:

  • Zehenschutzkappe mit 200 Joule Stoßfestigkeit
  • antistatische Eigenschaften, um elektrostatische Aufladung zu verhindern
  • Energieaufnahme im Fersenbereich, die Stöße beim Gehen dämpft
  • öl- und kraftstoffbeständige Laufsohle
  • geschlossener Fersenbereich

Die Energieaufnahme im Fersenbereich verbessert die Stoßdämpfung beim Gehen auf harten Industrieböden wie Beton oder Stahl. Dadurch werden Gelenke und Rücken weniger belastet.

S1-Schuhe sind meist leichter und atmungsaktiver als Modelle höherer Schutzklassen. Deshalb werden sie häufig in Bereichen getragen, in denen Beschäftigte lange Strecken in Hallen oder Werkstätten zurücklegen.

Welche zusätzlichen Schutzfunktionen S3 bietet

Die Schutzklasse S3 baut auf den Eigenschaften von S1 auf und ergänzt mehrere wichtige Sicherheitsfunktionen.

Dazu gehören:

  • durchtritthemmende Zwischensohle
  • wasserabweisendes Obermaterial
  • profilierte Laufsohle für besseren Halt im Gelände

Der Durchtrittschutz verhindert, dass Nägel, Scherben oder Metallteile durch die Sohle in den Fuß eindringen. Moderne Zwischensohlen bestehen entweder aus Stahl oder aus hochfesten Textilfasern.

Textilbasierte Lösungen sind oft leichter und flexibler. Stahlplatten gelten dagegen als besonders widerstandsfähig gegen punktuelle Belastungen.

Die profilierte Laufsohle sorgt zudem für besseren Halt auf unebenem Untergrund oder auf nassen Baustellenflächen.

Sicherheitsschuhe von Strauss
Sicherheitsschuhe von Strauss

Direktvergleich: S1 und S3 Sicherheitsschuhe

Die Unterschiede zwischen beiden Klassen lassen sich gut anhand ihrer Schutzfunktionen erklären.

MerkmalS1S3
Zehenschutzkappe
antistatisch
Energieaufnahme Ferse
wasserabweisendes Obermaterial
Durchtrittschutz
profilierte Laufsohleteilweise
typischer EinsatzInnenbereicheBaustellen

S3-Schuhe bieten damit einen deutlich höheren Schutzumfang. Dafür sind sie häufig etwas schwerer als S1-Modelle.

Wichtige Zusatzkennzeichnungen auf Sicherheitsschuhen

Neben der Schutzklasse finden sich auf vielen Sicherheitsschuhen zusätzliche Kennzeichnungen. Sie geben Hinweise auf weitere Schutzfunktionen.

KennzeichnungBedeutung
SRChöchste Rutschhemmung auf Keramik und Stahl
ESDSchutz vor elektrostatischer Entladung
HROhitzebeständige Laufsohle
CIKälteisolierung
HIHitzeisolierung
WRvollständig wasserdicht

Gerade die Rutschhemmung SRC spielt auf Baustellen oder in Werkstätten eine wichtige Rolle.

Wie Sie die passenden Sicherheitsschuhe auswählen

Die Wahl der richtigen Schutzklasse sollte sich immer am Arbeitsumfeld orientieren.

Hilfreiche Fragen bei der Auswahl sind:

  • Arbeiten Sie überwiegend in trockenen Innenräumen?
  • Besteht die Gefahr durch Nägel oder Metallteile im Boden?
  • Sind Sie häufig im Freien oder auf feuchten Baustellen tätig?

Für trockene Hallenarbeitsplätze reicht häufig ein S1-Sicherheitsschuh. Sobald jedoch Durchtrittgefahren oder Feuchtigkeit auftreten, sind S3-Schuhe deutlich sicherer.

Passform und Material entscheiden über den Komfort

Neben der Schutzklasse spielt die Passform eine zentrale Rolle. Sicherheitsschuhe werden oft acht Stunden oder länger getragen.

Wichtige Kriterien beim Kauf sind:

  • ausreichend Platz im Zehenbereich
  • stabiler Halt im Fersenbereich
  • gute Stoßdämpfung
  • atmungsaktive Materialien

Viele moderne Sicherheitsschuhe nutzen Aluminium- oder Kunststoffkappen statt klassischer Stahlkappen. Dadurch sinkt das Gewicht des Schuhs, ohne die Schutzwirkung zu verringern.

Da Füße im Laufe des Arbeitstags anschwellen können, sollte der Schuh fest sitzen, aber nicht drücken.

Wie lange Sicherheitsschuhe genutzt werden sollten

Auch Sicherheitsschuhe haben eine begrenzte Lebensdauer. Intensive Nutzung kann die Schutzwirkung mit der Zeit beeinträchtigen.

Typische Austauschintervalle sind:

Nutzungempfohlener Austausch
leichte Nutzungetwa 12 bis 24 Monate
Baustelle oder Handwerketwa 6 bis 12 Monate

Beschädigte Zehenschutzkappen, stark abgenutzte Sohlen oder Risse im Obermaterial sind klare Hinweise darauf, dass der Schuh ersetzt werden sollte.

Fazit

Sicherheitsschuhe sind ein zentraler Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung. Die Klassen S1 und S3 unterscheiden sich vor allem beim Schutz gegen Feuchtigkeit und Durchtritt.

S1-Schuhe eignen sich vor allem für trockene Innenbereiche. S3-Schuhe bieten zusätzlichen Schutz und werden deshalb besonders häufig auf Baustellen eingesetzt.

Wer Sicherheitsschuhe auswählt, sollte nicht nur auf die Schutzklasse achten. Passform, Gewicht und Material entscheiden ebenfalls darüber, ob der Schuh im Arbeitsalltag komfortabel und sicher ist.

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