Wärmepumpe in Altbau und Neubau: Gleiche Technik, andere Planung

Von Dominik Hochwarth

Ob eine Wärmepumpe im Altbau oder Neubau effizient betrieben werden kann, hängt vor allem von der Heizlast, den benötigten Vorlauftemperaturen und der Wärmeverteilung ab. Die technischen Grundlagen sind in beiden Fällen dieselben. Die Ausgangsbedingungen unterscheiden sich jedoch deutlich.

Im Neubau lassen sich Gebäude, Heizflächen und Wärmepumpe von Anfang an aufeinander abstimmen. Im Altbau ist das Heizsystem dagegen bereits vorhanden. Dort muss zunächst geprüft werden, welche Vorlauftemperaturen benötigt werden, ob die vorhandenen Heizkörper ausreichend groß sind und an welchen Stellen sich das Gebäude sinnvoll optimieren lässt. Wer effizient planen und langfristig Energiekosten senken möchte, muss deshalb die spezifischen Anforderungen des jeweiligen Gebäudes berücksichtigen.

Außengerät einer Luft-Wasser-Wärmepumpe vor der Backsteinfassade eines Wohnhauses.
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe neben einem Wohnhaus. Für einen effizienten Betrieb müssen Heizlast, Vorlauftemperatur und Wärmeverteilung zum Gebäude passen.

Grundlagen der technischen Auslegung

Ein zentraler Aspekt jeder Systemplanung ist die Ermittlung der erforderlichen Heizleistung. Hierzu bildet eine professionelle Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 eine wichtige Grundlage. Sie ermittelt, welche Heizleistung unter festgelegten Auslegungsbedingungen erforderlich ist.

Darüber hinaus nimmt die erforderliche Vorlauftemperatur eine Schlüsselrolle ein. Je niedriger sie ausfallen kann, desto effizienter arbeitet eine Wärmepumpe in der Regel. Denn mit zunehmendem Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und Heizsystem steigt der Energieaufwand der Wärmepumpe.

Ideale Voraussetzungen bietet eine großflächige Wärmeübergabe, beispielsweise durch eine Fußboden- oder Wandheizung. Sie lässt sich im Neubau von Beginn an entsprechend dimensionieren. Aber auch im Bestand sind niedrige Vorlauftemperaturen möglich. Dort kann beispielsweise der gezielte Austausch einzelner Heizkörper gegen größere oder für niedrige Systemtemperaturen geeignete Modelle helfen.

Wer eine moderne Wärmepumpe kaufen möchte, sollte daher auf das Zusammenspiel von Wärmeerzeuger, Wärmeverteilung und Gebäudehülle achten. heima24 bietet dazu passende Informationen und Produkte rund um moderne Heiztechnik.

Lohnt sich eine Wärmepumpe im unsanierten Altbau überhaupt?

Entgegen weitverbreiteter Vorurteile ist der Einsatz von Wärmepumpen keineswegs auf hochgedämmte Effizienzhäuser beschränkt. Auch in älteren und nur teilweise sanierten Gebäuden kann eine Wärmepumpe effizient arbeiten. Entscheidend ist weniger das Baujahr als die Frage, welche Heizleistung und welche Vorlauftemperaturen tatsächlich benötigt werden.

Für die Wirtschaftlichkeit spielt dabei die Jahresarbeitszahl (JAZ) eine wichtige Rolle. Diese Kennzahl beschreibt das Verhältnis zwischen der über ein Jahr bereitgestellten Wärmeenergie und der dafür eingesetzten elektrischen Energie.

Vor dem Einbau einer Wärmepumpe sollte deshalb geprüft werden, welche Maßnahmen Heizlast oder notwendige Vorlauftemperatur sinnvoll reduzieren können. Dazu können beispielsweise gehören:

  • Dämmung der obersten Geschossdecke oder der Kellerdecke zur Reduzierung von Wärmeverlusten
  • Austausch veralteter Fenster gegen moderne Wärmeschutzverglasung, sofern dies energetisch und baulich sinnvoll ist
  • Vergrößerung bestehender Heizflächen in Räumen, die besonders hohe Vorlauftemperaturen benötigen
  • Prüfung weiterer energetischer Maßnahmen nach den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG)

Eine umfassende Sanierung der Gebäudehülle ist jedoch nicht grundsätzlich Voraussetzung für den Einsatz einer Wärmepumpe. Häufig können bereits gezielte Maßnahmen den Wärmebedarf reduzieren oder dazu beitragen, mit niedrigeren Systemtemperaturen auszukommen.

Lesen Sie dazu: Wärmepumpe im Altbau: In 5 Schritten zur effizienten Heizung

Infografik vergleicht die Planung einer Wärmepumpe im Neubau und Altbau – von Heizlast und Heizflächen bis zur Auswahl der passenden Wärmepumpe.
Im Neubau lassen sich Gebäude, Heizflächen und Wärmepumpe gemeinsam planen. Im Altbau müssen zuerst Heizsystem, Heizkörper und erforderliche Vorlauftemperaturen geprüft werden.

Was unterscheidet die Planung einer Wärmepumpe im Altbau und Neubau?

Die physikalischen Grundlagen sind gleich, der Planungsweg unterscheidet sich jedoch deutlich.

  • Neubau: Hier können Gebäude und Heizsystem gemeinsam geplant werden. Heizflächen und Rohrnetz lassen sich von Anfang an auf niedrige Systemtemperaturen auslegen. Fußboden- oder Wandheizungen bieten dafür besonders gute Voraussetzungen. Auch Aufstellort, Wärmequelle und Leitungswege können frühzeitig berücksichtigt werden. Die Dimensionierung der Wärmepumpe erfolgt auf Grundlage der berechneten Heizlast und der geplanten Gebäudetechnik.
  • Altbau: In Bestandsgebäuden sind Gebäudehülle, Rohrleitungen und Heizflächen bereits vorhanden. Deshalb steht zunächst eine Bestandsaufnahme an. Besonders wichtig ist die Frage, welche Vorlauftemperatur benötigt wird, damit auch an kalten Tagen alle Räume ausreichend warm werden. Außerdem sollten Heizkörper, Rohrnetz und Wärmeverteilung geprüft werden. Einzelne zu kleine Heizkörper können gegebenenfalls ersetzt werden. Ein hydraulischer Abgleich sorgt anschließend dafür, dass die benötigten Wassermengen möglichst passend auf die einzelnen Heizflächen verteilt werden.

Der Unterschied lässt sich deshalb einfach zusammenfassen: Im Neubau kann das Heizsystem von Beginn an für die Wärmepumpe ausgelegt werden. Im Altbau muss geprüft werden, wie gut das vorhandene System bereits geeignet ist und welche Änderungen für einen effizienten Betrieb sinnvoll sind.

Neben der Wärmeverteilung spielt auch das Funktionsprinzip der Anlage eine wichtige Rolle. Wer sich näher mit dem Kältemittelkreislauf und der Funktionsweise einer Wärmepumpe beschäftigen möchte, findet dazu weitere Informationen im Beitrag wie funktionieren eigentlich Wärmepumpen.

Worauf sollte man bei der Auswahl einer Wärmepumpe achten?

Bei der Wahl des passenden Modells sollten Eigentümer nicht übereilt vorgehen. Einige Kriterien gelten für Alt- und Neubauten gleichermaßen, können aber je nach Gebäude unterschiedlich gewichtet werden:

  1. Wahl der Wärmequelle: Soll die Energie aus der Umgebungsluft, dem Erdreich mittels Erdsonden oder Kollektoren oder dem Grundwasser gewonnen werden? Luft-Wasser-Wärmepumpen sind häufig mit geringeren Investitionskosten verbunden als Systeme mit Erdsonden oder Grundwasser. Im Neubau kann die Wärmequelle häufig früh in die Grundstücks- und Gebäudeplanung einbezogen werden. Im Bestand müssen die vorhandenen Platzverhältnisse berücksichtigt werden.
  2. Schallschutz und Aufstellort: Bei Luftwärmepumpen spielt die Lautstärke des Außengeräts eine wichtige Rolle. Je nach Standort und geltenden Vorgaben müssen außerdem Anforderungen an den Schallschutz berücksichtigt werden. Während der Aufstellort im Neubau früh geplant werden kann, sind die Möglichkeiten auf einem bebauten Grundstück häufig stärker eingeschränkt.
  3. Leistungs- und Modulationsbereich: Das Gerät sollte zur ermittelten Heizlast und zum jeweiligen Anforderungsprofil des Gebäudes passen. Eine unnötige Überdimensionierung kann häufiges Takten begünstigen und dadurch die Effizienz des Systems beeinträchtigen. Gerade bei Neubauten mit geringer Heizlast sollte deshalb auch darauf geachtet werden, wie weit die Wärmepumpe ihre Leistung reduzieren kann.
  4. Warmwasserbereitung: Neben der Raumheizung muss auch berücksichtigt werden, wie viel Warmwasser benötigt wird. Dafür sind meist höhere Temperaturen erforderlich als für eine Niedertemperaturheizung. Im Bestand können vorhandene Speicher oder Zirkulationsleitungen zusätzliche Anforderungen stellen.
  5. Fördermöglichkeiten: Je nach Förderprogramm können Zuschüsse oder andere Förderungen die Investitionskosten reduzieren. Dabei sollten die jeweils geltenden Förderbedingungen und Fristen bereits vor Beginn der Maßnahme geprüft werden.

Gleiche Technik – aber unterschiedliche Ausgangsbedingungen

Ob Altbau oder Neubau: Für den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe sind eine passende Heizleistung, möglichst niedrige Vorlauftemperaturen und eine auf das Gebäude abgestimmte Wärmeverteilung wichtig.

Der Weg dorthin unterscheidet sich jedoch. Im Neubau können Gebäude und Heizsystem gemeinsam auf niedrige Temperaturen ausgelegt werden. Im Altbau steht zunächst die Analyse des vorhandenen Systems im Vordergrund. Dabei zeigt sich häufig, dass nicht automatisch eine Komplettsanierung notwendig ist. Entscheidend ist, welche Vorlauftemperaturen tatsächlich benötigt werden und mit welchen gezielten Maßnahmen sie gegebenenfalls gesenkt werden können.

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