Heizkurve optimieren: So stellen Sie Neigung und Niveau richtig ein

Von Dominik Hochwarth

Die Heizung läuft, alle Räume werden warm – und trotzdem kann die Anlage mehr Energie verbrauchen als nötig. Ein häufiger Grund ist eine zu hoch eingestellte Heizkurve. Dann erzeugt die Heizung unnötig heißes Wasser, während die Thermostatventile in den Räumen die überschüssige Wärme wieder abwürgen.

Das lässt sich besser lösen: Die Heizkurve sollte gerade so hoch eingestellt sein, dass auch der ungünstigste Raum im Haus an kalten Tagen zuverlässig warm wird. Besonders bei Wärmepumpen lohnt sich diese Optimierung, weil eine niedrigere Vorlauftemperatur unmittelbar die Effizienz verbessert. Aber auch Brennwertheizungen profitieren.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale lassen sich mit einer richtig eingestellten Heizungsregelung rund 5 % Heizkosten sparen. Wie viel es in Ihrem Haus tatsächlich ist, hängt allerdings stark davon ab, wie gut oder schlecht die Anlage bislang eingestellt ist.

Heizkurve einstellen
Eine falsch eingestellte Heizkurve geht direkt ans Portemonnaie

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Heizkurve bestimmt, welche Vorlauftemperatur bei einer bestimmten Außentemperatur benötigt wird.
  • Die wichtigsten Stellgrößen sind Neigung und Niveau.
  • Zum Einstellen sollten die Thermostatventile in den maßgeblichen Räumen vollständig geöffnet sein.
  • Ist es bei jeder Außentemperatur zu warm oder zu kalt, ändern Sie vor allem das Niveau.
  • Gibt es die Probleme hauptsächlich an sehr kalten Tagen, verändern Sie die Neigung.
  • Nehmen Sie immer nur kleine Änderungen vor und warten Sie danach mindestens 12 bis 24 Stunden. Eine Fußbodenheizung reagiert noch langsamer.
  • Bei Wärmepumpen sollte die Vorlauftemperatur möglichst niedrig sein.
  • Werden einzelne Räume trotz ansonsten passender Einstellung nicht warm, liegt das Problem häufig nicht an der Heizkurve, sondern an Heizkörpergröße oder Wärmeverteilung.

Was ist die Heizkurve?

Bei einer witterungsgeführten Heizung misst ein Außentemperaturfühler, wie kalt es draußen ist. Die Regelung berechnet daraus, wie warm das Heizwasser sein muss.

Je kälter es draußen wird, desto höher steigt normalerweise die Vorlauftemperatur. Die Beziehung zwischen Außen- und Vorlauftemperatur beschreibt die Heizkurve, auch Heizkennlinie genannt.

Ein einfaches Beispiel: Bei 10 °C Außentemperatur benötigt ein Haus vielleicht nur 30 °C Vorlauf, bei 0 °C dagegen 40 °C und bei strengem Frost noch etwas mehr. Welche Werte tatsächlich erforderlich sind, hängt unter anderem ab von:

Deshalb gibt es nicht die eine richtige Heizkurve für alle Häuser.

Heizkurve Neigung und Niveau einstellen

Warum eine zu hohe Heizkurve Geld kostet

Angenommen, Ihre Heizkörper könnten das Haus bei einer bestimmten Außentemperatur bereits mit 45 °C Vorlauf ausreichend beheizen. Die Anlage liefert aber 55 °C.

Die Räume werden deshalb nicht zwangsläufig zu warm. Die Thermostatventile schließen einfach früher. Der Wärmeerzeuger hat das Heizwasser trotzdem unnötig stark erwärmt.

Eine zu hoch eingestellte Heizkurve kann dadurch:

  • die Wärmeverluste im Leitungssystem erhöhen,
  • bei Brennwertheizungen die Brennwertnutzung verschlechtern,
  • bei Wärmepumpen die Effizienz deutlich reduzieren,
  • zu stärkerem Drosseln der Thermostatventile führen,
  • je nach Anlage ein ungünstiges Taktverhalten begünstigen.

Das Ziel lautet deshalb nicht, die Heizkurve möglichst hoch einzustellen und anschließend über die Thermostate gegenzuregeln. Die Heizung selbst sollte nur die Temperatur bereitstellen, die das Gebäude tatsächlich benötigt.

Welchen Wert der Heizkurve müssen Sie ändern?

Bevor wir tiefer einsteigen, hilft diese Übersicht. Sie zeigt, an welcher Stellschraube Sie bei typischen Problemen drehen sollten:

BeobachtungWahrscheinliche Änderung
Räume sind unabhängig vom Wetter zu kaltNiveau erhöhen
Räume sind unabhängig vom Wetter zu warmNiveau senken
Nur an sehr kalten Tagen zu kaltNeigung erhöhen
Nur an sehr kalten Tagen zu warmNeigung senken
Übergangszeit zu kalt, bei Frost passt esNiveau erhöhen und Neigung etwas senken
Übergangszeit zu warm, bei Frost passt esNiveau senken und Neigung etwas erhöhen

Ändern Sie die Werte immer nur schrittweise. Wer gleichzeitig Neigung, Niveau, Heizzeiten und Thermostate verstellt, weiß anschließend nicht mehr, welche Änderung tatsächlich geholfen hat.

Heizkurve einstellen

Was bedeutet die Neigung der Heizkurve?

Die Neigung, bei manchen Regelungen auch Steilheit genannt, legt fest, wie stark die Vorlauftemperatur steigt, wenn die Außentemperatur sinkt.

Ein schlecht gedämmtes Gebäude mit kleinen Heizkörpern verliert bei Frost viel Wärme. Die Heizkurve muss deshalb meist stärker ansteigen.

Ein gut gedämmtes Haus mit Fußbodenheizung kommt dagegen häufig mit einer sehr flachen Heizkurve aus.

Typische Orientierungswerte, wie sie beispielsweise Viessmann für seine Regelungen nennt:

Gebäude und HeizsystemTypische Neigung
Gut gedämmtes Haus mit Fußbodenheizungetwa 0,3 bis 0,5
Gut gedämmtes Haus mit Heizkörpernetwa 1,0 bis 1,2
Älteres freistehendes Haus mit Heizkörpernetwa 1,4 bis 1,6

Wichtig: Diese Zahlen sind keine allgemeingültigen Einstellwerte. Hersteller berechnen und bezeichnen ihre Heizkennlinien unterschiedlich. Nutzen Sie die Werte daher höchstens als Orientierung und beachten Sie die Bedienungsanleitung Ihrer Heizung.

Die früher häufig zu lesende Erklärung, eine Neigung von beispielsweise 1,5 bedeute automatisch 1,5 K mehr Vorlauftemperatur je 1 K sinkender Außentemperatur, ist zu pauschal. Heizkennlinien sind herstellerabhängig und nicht immer linear.

Was bewirkt das Niveau?

Mit dem Niveau lässt sich die Heizkurve bei vielen Reglern insgesamt nach oben oder unten verschieben.

Ist es bei nahezu jeder Außentemperatur im Haus etwas zu kalt, erhöhen Sie das Niveau. Ist es dauerhaft zu warm, senken Sie es.

Ein Beispiel:

Bei 10 °C Außentemperatur ist es zu kühl, bei 0 °C ebenfalls und auch bei -5 °C. Dann spricht vieles dafür, dass nicht die Steilheit das Problem ist, sondern die gesamte Heizkurve etwas zu niedrig liegt.

Bei manchen Heizungen beeinflusst zusätzlich die eingestellte Raumsolltemperatur die Lage der Heizkurve. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Anlage die tatsächliche Temperatur in diesem Raum misst. Die Funktion unterscheidet sich je nach Regelung.

Heizkurve einstellen: So gehen Sie vor

Die optimale Heizkurve lässt sich nicht in einer halben Stunde ermitteln. Entscheidend ist, wie das Gebäude unter verschiedenen Wetterbedingungen reagiert.

1. Aktuelle Einstellungen sichern

Fotografieren oder notieren Sie zunächst die Ausgangswerte:

  • Neigung,
  • Niveau,
  • Raum-Solltemperatur,
  • Heizzeiten,
  • Nachtabsenkung,
  • Heizgrenze,
  • gegebenenfalls maximale Vorlauftemperatur.

So können Sie jederzeit zur bisherigen Einstellung zurückkehren.

2. Hydraulischen Abgleich prüfen

Eine Heizkurve lässt sich nur sinnvoll optimieren, wenn das Heizwasser halbwegs gleichmäßig im Gebäude verteilt wird.

Ist ein Heizkörper direkt neben dem Heizraum sehr heiß, während ein weiter entfernter Heizkörper kaum warm wird, kann ein hydraulischer Abgleich notwendig sein.

Dabei wird der Volumenstrom für die einzelnen Heizflächen auf deren tatsächlichen Wärmebedarf abgestimmt. Ohne diesen Abgleich besteht die Gefahr, dass Sie die gesamte Heizkurve nur deshalb erhöhen, weil ein einzelner Raum hydraulisch unterversorgt ist.

3. Thermostatventile vollständig öffnen

Für den Test öffnen Sie die Heizkörperthermostate in den relevanten Räumen vollständig, meist auf Stufe 5.

Das klingt zunächst widersinnig. Schließlich sollen Thermostate normalerweise gerade verhindern, dass ein Raum zu warm wird.

Beim Einstellen der Heizkurve müssen Sie aber herausfinden, wie viel Wärme die Heizung tatsächlich bereitstellt. Ein teilweise geschlossenes Thermostat würde eine zu hohe Heizkurve verdecken.

Stellen Sie außerdem Thermometer in den wichtigsten Räumen auf. Das eigene Temperaturempfinden ist für eine saubere Einstellung zu ungenau.

4. Nachtabsenkung während des Tests deaktivieren

Während der Optimierung sollten Sie eine starke Nachtabsenkung zunächst ausschalten. Andernfalls beeinflusst das morgendliche Wiederaufheizen Ihre Messergebnisse.

So lässt sich besser erkennen, ob die Heizkurve selbst passt.

5. Bei kaltem Wetter die Neigung einstellen

Die Neigung beurteilen Sie am besten bei Außentemperaturen unter etwa 5 °C.

Bleiben die Räume dann zu kalt, obwohl die Thermostatventile vollständig geöffnet sind, erhöhen Sie die Neigung leicht.

Werden die Räume dagegen deutlich wärmer als gewünscht, reduzieren Sie die Neigung.

Je kälter es draußen ist, desto deutlicher zeigt sich eine falsche Steilheit der Heizkurve.

6. In der Übergangszeit das Niveau optimieren

Das Niveau lässt sich besser bei milderem Wetter beurteilen. Als Orientierung eignen sich Außentemperaturen von ungefähr 5 bis 15 °C.

Sind die Räume in diesem Bereich grundsätzlich zu warm, senken Sie das Niveau. Bleiben sie zu kühl, erhöhen Sie es.

7. Nach jeder Änderung warten

Heizungen und Gebäude reagieren träge. Deshalb bringt es nichts, den Wert morgens zu verändern und mittags bereits wieder nachzustellen.

Warten Sie nach einer Änderung mindestens 12 bis 24 Stunden.

Bei einer Fußbodenheizung kann es deutlich länger dauern. Estrich und Bodenbelag speichern große Wärmemengen. Änderungen sind teilweise erst nach mehreren Tagen zuverlässig zu beurteilen.

Besonders wichtig bei Wärmepumpen

Bei einer Wärmepumpe hat die Heizkurve einen besonders großen Einfluss auf den Stromverbrauch.

Die Wärmepumpe hebt Umweltwärme auf das für die Heizung benötigte Temperaturniveau. Je höher die Vorlauftemperatur sein muss, desto größer wird dieser Temperaturhub und desto ungünstiger arbeitet die Anlage.

Eine der wichtigsten Maßnahmen für einen niedrigen Stromverbrauch der Wärmepumpe lautet deshalb: Vorlauftemperatur so niedrig wie möglich halten.

Große Heizflächen helfen dabei. Eine Fußbodenheizung ist günstig, aber keineswegs zwingend erforderlich. Auch ausreichend große Heizkörper können mit niedrigen Systemtemperaturen arbeiten.

Wenn einzelne Heizkörper zum begrenzenden Faktor werden, können Sie mit unserem Heizkörper-Größenrechner für Wärmepumpe und Altbau abschätzen, welche Leistung bei niedrigeren Vorlauftemperaturen benötigt wird.

Vorlauftemperaturen bei Wärmepumpen

Der 55-Grad-Test: Ist das Haus für eine Wärmepumpe geeignet?

Mit Ihrer vorhandenen Heizung können Sie an kalten Wintertagen einen einfachen Praxistest durchführen.

Dazu:

  1. Öffnen Sie alle relevanten Heizkörperventile vollständig.
  2. Schalten Sie die Nachtabsenkung für den Test aus.
  3. Senken Sie die Heizkurve beziehungsweise Vorlauftemperatur schrittweise.
  4. Beobachten Sie mehrere Stunden beziehungsweise Tage lang die Raumtemperaturen.

Werden alle benötigten Räume auch bei einer Vorlauftemperatur von höchstens etwa 55 °C ausreichend warm, ist das nach Einschätzung der Verbraucherzentrale ein gutes Zeichen für die Wärmepumpeneignung.

Aussagekräftig ist der Test allerdings nur bei niedrigen Außentemperaturen. An einem milden Herbsttag beweisen 55 °C Vorlauf wenig.

Und auch wenn einzelne Räume den Test nicht bestehen, muss das noch nicht gegen eine Wärmepumpe sprechen. Häufig reicht es, einzelne zu kleine Heizkörper zu ersetzen oder die Wärmeverteilung zu verbessern. Wie Sie dabei systematisch vorgehen, lesen Sie in unserem Beitrag In 5 Schritten zur effizienten Wärmepumpe.

Auch Brennwertheizungen profitieren

Eine niedrige Heizkurve ist nicht nur für Wärmepumpen interessant.

Gas- und Öl-Brennwertgeräte nutzen zusätzlich die Wärme, die beim Kondensieren des im Abgas enthaltenen Wasserdampfs frei wird. Je niedriger die Rücklauftemperatur ist, desto besser sind die Voraussetzungen für diesen Brennwerteffekt.

Eine unnötig hohe Heizkurve kann deshalb auch bei einer Brennwertheizung die Effizienz verschlechtern.

Was passiert nach dem Einregeln mit den Thermostaten?

Hier muss zwischen Heizsystemen unterschieden werden.

Bei klassischen Heizkörperanlagen können die Thermostatventile nach der Optimierung wieder die Feinregelung übernehmen. Sie begrenzen beispielsweise die Raumtemperatur, wenn Sonne durch die Fenster scheint oder viele Personen im Raum sind.

Wenn jedoch fast alle Thermostate dauerhaft stark schließen müssen, ist das ein Hinweis darauf, dass die Heizkurve noch zu hoch eingestellt sein könnte.

Bei Wärmepumpen sollte die Anlage möglichst über eine passende Heizkurve und ausreichende Volumenströme betrieben werden. Der Bundesverband Wärmepumpe empfiehlt, Thermostate in regelmäßig genutzten Räumen nach erfolgter Optimierung möglichst offen zu lassen. Stark drosselnde Ventile können den Volumenstrom reduzieren und damit den Betrieb verschlechtern.

Die Thermostate sind also nicht überflüssig – sie sollten nur nicht permanent eine falsch eingestellte Zentralregelung korrigieren müssen.

Wie Heizkörperthermostate grundsätzlich arbeiten, erklären wir ausführlicher im Beitrag Heizkörperthermostate – so funktionieren sie.

Ist eine Nachtabsenkung sinnvoll?

Die Antwort hängt vom Gebäude und vom Heizsystem ab.

In einem schlecht gedämmten Haus mit Heizkörpern kann eine zeitweise Absenkung der Raumtemperatur Energie sparen. In einem sehr gut gedämmten Gebäude sinkt die Raumtemperatur nachts dagegen oft nur wenig.

Besonders vorsichtig sollten Sie bei Wärmepumpen und trägen Fußbodenheizungen sein. Eine starke Nachtabsenkung kann dazu führen, dass am Morgen viel Wärme in kurzer Zeit nachgeliefert werden muss. Dafür kann eine höhere Vorlauftemperatur oder Heizleistung erforderlich werden.

Bei einer gut eingestellten Wärmepumpe ist deshalb häufig ein weitgehend gleichmäßiger Betrieb sinnvoller als ein starkes nächtliches Absenken.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Nachtbetrieb identisch sein muss. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen kann beispielsweise ein schallreduzierter Nachtmodus sinnvoll oder notwendig sein. Dabei wird allerdings häufig auch die maximal verfügbare Heizleistung begrenzt.

Heizkurve und Warmwasser nicht verwechseln

Ein häufiger Irrtum: Auf dem Display der Wärmepumpe oder Therme erscheinen plötzlich 55 oder 60 °C. Daraus wird geschlossen, dass die Heizkurve viel zu hoch eingestellt sei.

Das muss nicht stimmen.

Heizbetrieb und Trinkwassererwärmung sind normalerweise getrennt geregelt. Für einen Warmwasserspeicher können zeitweise deutlich höhere Temperaturen erforderlich sein als für Heizkörper oder Fußbodenheizung.

Beurteilen Sie die Heizkurve deshalb anhand der Vorlauftemperatur des Heizkreises während des normalen Heizbetriebs – nicht während gerade der Warmwasserspeicher geladen wird.

Was ist die Heizgrenztemperatur?

Neben Neigung und Niveau besitzen viele Heizungen eine weitere wichtige Einstellung: die Heizgrenztemperatur beziehungsweise Sommer-Heizgrenze.

Sie bestimmt, ab welcher Außentemperatur die Raumheizung abgeschaltet wird.

Ist die Grenze unnötig hoch eingestellt, läuft die Heizung möglicherweise noch an milden Frühjahrs- oder Herbsttagen, obwohl das Gebäude durch Sonne, elektrische Geräte und seine gespeicherte Wärme ausreichend warm bleibt.

Die optimale Heizgrenze hängt stark vom Dämmstandard ab. Gut gedämmte Häuser benötigen häufig erst bei niedrigeren Außentemperaturen zusätzliche Heizwärme als schlecht gedämmte Gebäude.

Auch hier gilt: Änderungen langsam vornehmen und beobachten, ob die Räume ausreichend warm bleiben.

Was tun, wenn nur ein Raum kalt bleibt?

Ein einzelnes kaltes Zimmer ist kein guter Grund, die Heizkurve für das gesamte Haus deutlich anzuheben.

Mögliche Ursachen sind:

  • ein zu kleiner Heizkörper,
  • Luft im Heizkörper,
  • ein klemmendes Thermostatventil,
  • falsche Ventilvoreinstellungen,
  • eine ungünstige Pumpeneinstellung,
  • ein fehlender hydraulischer Abgleich,
  • eine besonders hohe Heizlast des Raumes.

Wenn Sie wissen möchten, wie viel Wärme ein Raum oder das gesamte Haus tatsächlich benötigt, hilft unser Beitrag zum Thema Heizleistung im Einfamilienhaus ermitteln.

Wird ein Heizkörper ungewöhnlich warm oder bleibt teilweise kalt, sollten Sie zudem prüfen, ob überhaupt die Heizkurve das Problem ist. Typische Ursachen haben wir im Ratgeber Heizung oben warm, unten kalt zusammengestellt.

Fußbodenheizung und Heizkörper im gleichen Haus

Besitzt Ihr Haus sowohl Heizkörper als auch eine Fußbodenheizung, benötigen beide Systeme nicht zwangsläufig dieselbe Vorlauftemperatur.

Eine Fußbodenheizung arbeitet normalerweise mit niedrigeren Temperaturen. In entsprechend aufgebauten Anlagen gibt es deshalb getrennte Heizkreise, beispielsweise einen direkten Heizkreis für Heizkörper und einen gemischten Heizkreis für die Fußbodenheizung.

Dann können auch unterschiedliche Heizkennlinien erforderlich sein.

Die pauschale Aussage „Heizkörper plus Fußbodenheizung bedeutet immer zwei Heizkurven“ wäre allerdings falsch. Entscheidend ist der hydraulische Aufbau der konkreten Anlage.

Was schreibt das Gebäudemodernisierungsgesetz vor?

Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das das bisherige Gebäudeenergiegesetz abgelöst hat.

Für die Heizkurve ist § 61 relevant. Danach müssen Zentralheizungen mit Einrichtungen ausgestattet sein, die die Wärmezufuhr und elektrische Antriebe abhängig von

  • der Außentemperatur oder einer anderen geeigneten Führungsgröße und
  • der Zeit

regeln können.

Das Gesetz schreibt jedoch keine bestimmte Neigung oder Vorlauftemperatur vor. Welche Einstellung richtig ist, hängt weiterhin vom Gebäude und von der Heizungsanlage ab.

Können Mieter die Heizkurve selbst einstellen?

In einem Mehrfamilienhaus sollten Mieter nicht eigenmächtig an der zentralen Heizungsregelung arbeiten.

Die Heizkurve beeinflusst schließlich nicht nur die eigene Wohnung, sondern gegebenenfalls das gesamte Gebäude.

Wenn Ihre Wohnung regelmäßig zu kalt oder zu warm bleibt, obwohl die Thermostate korrekt eingestellt sind, wenden Sie sich an Vermieter, Hausverwaltung oder Hausmeister.

Eigentümer eines Einfamilienhauses können die für den Nutzer vorgesehenen Einstellungen dagegen bei vielen Heizungen selbst optimieren. Grundlage sollte immer die Bedienungsanleitung des Herstellers sein.

Wann gehört die Heizung in die Hände eines Fachbetriebs?

Nicht jede schlecht laufende Heizung lässt sich über die Heizkurve reparieren.

Ein Fachbetrieb sollte die Anlage prüfen, wenn:

  • einzelne Räume trotz hoher Vorlauftemperatur nicht warm werden,
  • große Temperaturunterschiede zwischen den Räumen auftreten,
  • die Heizung ungewöhnlich häufig startet und wieder abschaltet,
  • Heizkörper rauschen oder pfeifen,
  • der hydraulische Abgleich fehlt,
  • Parameter nur über die Fachhandwerker- oder Serviceebene erreichbar sind,
  • Heizkörper, Pumpe oder andere Komponenten verändert werden sollen.

Ändern Sie keine sicherheitsrelevanten Parameter und keine Einstellungen, deren Funktion Sie nicht kennen.

Fazit: Der kälteste Raum bestimmt die Heizkurve

Die Heizkurve ist richtig eingestellt, wenn Ihr Haus auch an kalten Tagen zuverlässig warm wird – ohne unnötig hohe Vorlauftemperaturen.

Dabei ist nicht der wärmste Raum entscheidend. Der kritische Raum ist derjenige, der am meisten Heizleistung benötigt. Wird auch dieser bei vollständig geöffnetem Ventil gerade noch ausreichend warm, haben Sie die untere sinnvolle Grenze der Heizkurve weitgehend gefunden.

Bei Wärmepumpen lohnt sich diese Optimierung besonders. Aber auch bei Brennwertgeräten können niedrigere Systemtemperaturen den Verbrauch senken.

Entscheidend ist deshalb weniger die Zahl, die am Regler steht. Entscheidend ist, ob Ihr Gebäude mit möglichst niedrigen Temperaturen komfortabel warm bleibt.

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